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< Vorsicht Kultur: Über eine Rezension von Bernhard Lassahn
   

Vater und doch nicht Vater

22.03.12

Stadtmensch

Ein Mann wird Vater. Die Mutter hat irgendwann keine Lust mehr auf diesen »Erzeuger«, lässt von einem neuen Typen die Vaterschaft für das Kind anerkennen und der leibliche Vater ist für immer abgemeldet.

So ungefähr stellt sich das Europäische »Menschenrechtsgericht« das »Kindeswohl« vor.

 

Mal weiter angenommen, das Kind wird irgendwann ernsthaft krank und eine Knochenmarkspende vom biologischen Vater könnte ihm helfen, was ist dann? Hätte der leibliche Vater dann das Recht zu sagen »Nö, seht zu, wie ihr klarkommt«? Nein, das wäre kaltherzig, gell? So kaltherzig, wie einem Vater die Vaterschaft zu verweigern? Oder vielleicht etwa 12,5 % kaltherziger als die nicht anerkannte biologische Vaterschaft? Wo fängt Menschlichkeit an und gilt sie für alle? Warum ist es zuviel verlangt, das berühmte »Kindeswohl« individuell zu validieren? Heikle Fragen.

Manche Dinge sind so schräg, dass man ernsthaft befürchten muss, zukünftige Generationen von Archäologen und Paläontologen könnten uns für unbelehrbare Wilde halten und unsere Rechtskultur für das finsterste Zeitalter seit Echnaton.

 

Jaja, man muss die Spitzfindigkeiten dabei im Auge behalten, sagen die Rechtshandwerker. Denn eine Nichtanerkennung der leiblichen Vaterschaft hat formal nichts mit dem Recht des tatsächlichen Vaters auf einen Umgang mit dem Kind zu tun - auch wenn jede Lebenserfahrung dagegen spricht, dass beide Sachverhalte sich im wirklichen Leben unfallfrei (zum Wohle des Kindes) zusammenbringen lassen. Solches Schablonendenken ist nun also die Krone der Evolution, die bisher höchste kulturelle Entwicklungsstufe, ein ethisches Vorbild für den ganzen Rest der Welt, die Ultima Ratio abendländischer Rechtskultur? Man muss ja nicht gleich sentimental werden, aber ein bisschen enttäuschend ist das schon. Vielleicht sollte man die Richterperücken (haben die welche?) mal in die Reinigung geben - nur sone Idee.

Und was ist, wenn das Kind im späteren Erwachsenenleben aber doch wissen möchte, wer der leibliche Vater ist? Das soll gar nicht mal so selten sein (auch wenn daraus nicht immer gleich ein Hollywoodstreifen wird). Entweder lügt man »sein« Kind also am besten sein ganzes Leben lang an oder man hat möglicherweise ein vaterschaftlich anerkanntes Problem. Wie sagte Rolf Miller so treffend: »Wer lügt, braucht ein gutes Gedächtnis«.

Fast hätte ich die größten Opfer in diesem unerquicklichen Ärgernis vergessen: Die Frauen! Was nämlich auf den ersten Blick wie ein schmissiger Sieg im Kampf gegen das verruchte Patriarchat daher kommt, könnte Männern die Lust auf den Nestbau endgültig vermiesen. Nicht, dass ich daran glaube, die meisten Frauen würden sich großartig für die Gefühlsduseleien ihrer Männer interessieren. Aber es ist nicht viel Hellseherei dabei, wenn man die richterlich eingeschlagene Marschroute soweit hochrechnet, bis familienwillige Männer immer weniger Interesse an solchen nervenaufreibenden Fail-Möglichkeiten wie

 

  • Kuckuckskinder
  • jahrzehntelange Zahlpflicht ohne Garantie auf Vaterschaft
  • Falschbeschuldigungen
  • einseitige Gewaltbeschuldigungen
  • persönliche oder unternehmerische Insolvenz


und einiges andere mehr haben. Dumm gelaufen. So gesehen, ein Klima zum Schneiden. Man kann einen gewissen bitteren Nachgeschmack nicht leugnen, wenn sich ein Mann die Frage stellt, ob das Risiko überhaupt die erheblichen Investionen in einen solchen Lebensplan wert ist. Spaß mit Frauen kann man ja auch so haben, newahr. Ich weiß, all die schlechten Frauen, von denen hier die Rede ist, sind nur bedauerliche Einzelfälle. Wahrscheinlich ist es dann nur eine Massenpsychose, wenn im Spiegelforum zum entsprechenden Artikel über weite Teile diese oben genannten, unschönen Risiken die Diskussion dominieren. Die »verunsicherten Männer« und so.

Natürlich wird ein solches zwischengeschlechtliches Klima (Argwohn statt Neugierde) auch den Frauen auf Dauer nicht gefallen. Ich wüsste ja durchaus eine Lösung für die Misere, aber die verrate ich nicht. Es ist besser, wenn man selber drauf kommt.

Und um die Tragweite solcher klimatischen Entwicklungen noch ein bisschen auf die Spitze zu treiben, könnte man mal annehmen, dass sich zukünftig vielleicht ganze Wirtschaftszweige aufgrund der Selbstbezogenheit ändern werden. Eine Singlegesellschaft hat andere Anforderungen, Isolation und Egozentrik erfordern andere Produkte. Das heißt dann: statt zu kuscheln reicht es immer öfter nur zu einem Plausch mit Siri und nach Feierabend geht sie auf Klapperschuhen schick mit dem Hund raus. Sie könnte IHN ja treffen.

 


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