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Geht doch anscheinend

06.04.2017

Manchmal gibt es auch noch gute Beiträge in Talkshows.

Die Seite »Propagandaschau« rackert sich oft richtig ab, wenn es um die Themen »Fake News« oder »einseitige Berichterstattung« in den Medien geht. Meistens geht das beim Lesen mit einem großen Unwohlsein einher, zum Beispiel wenn sich das Wort »Lügenpresse« nachweisbar in den Mainstream-Medien mit aller Wucht konkretisiert. So war es beim Thema Ukraine, so war es beim US-Wahlkampf und so setzt es sich u.a. auch beim Thema Syrien fort. Allein die Häufigkeit der öffentlichen Halbwahrheiten, Falschmeldungen und Weglassungen bei neuralgischen weltpolitischen Themen muss zwingend zu dem Schluss führen, dass die MSM (Mainstream-Medien) in der Summe betrachtet ein systemisches Problem darstellen.

Dass die Arbeit von »Propagandaschau« (und von vielen anderen Alternativmedien wie KenFM, die Nachdenkseiten, Tichys Einblick usw.) ihre volle Berechtigung hat, ergibt sich schon notwendigerweise aus der Historie. Es waren nämlich hauptsächlich die Medien, die sich immer wieder dazu benutzen ließen, neben allerlei mehr oder weniger wichtigen Skandalen und Skandälchen, insbesondere kriegerische Auseinandersetzungen zu initiieren und aufrechtzuerhalten. Die Beispiele aus der Geschichte dazu sind zahllos. So gut wie alle Kriege resultieren aus der unmittelbaren Zusammenarbeit zwischen den (wirtschaftlichen und politischen) Eliten und einer teilweise extrem tendenziösen Presse. Man kann diesem Umstand gar nicht genug Beachtung schenken; er ist essentiell für das Verständnis von Kriegsursachen.

Die »kritische Distanz« zur öffentlichen Politik, die sich die Hauptmedien gerne selber andichten, ist allerdings heutzutage komplett entwertet, wenn man sich tatsächlich die Mühe der Investigation macht und hinter die Kulissen aktueller Ereignisse blickt. Um so erstaunlicher ist es, wenn im ZDF bei Markus Lanz plötzlich kompetente Fachleute zum jüngsten Giftgasangriff in Syrien zu Wort kommen (der Link zur Sendung von Markus Lanz ist dort zu finden).

Es lohnt sich, den Zusammenschnitt anzusehen. Entgegen der rasend schnell verbreiteten Behauptung in den MSM, Assad sei für den Angriff verantwortlich, ergibt sich aus der Beschreibung von Nahost-Experte Michael Lüders bei Markus Lanz ein komplett anderes Bild. Letztlich lässt sich – entgegen der plakativen Hysterie gegen Assad, wie sie in den meisten MSM aufbereitet wurde – derzeit noch nichts darüber sagen, wer tatsächlich für den abscheulichen Angriff verantwortlich zeichnet. Aber es gibt ein paar auffällige Indizien. Da ist zunächst die Frage nach dem Motiv bzw. nach der Frage, wem dieser Angriff am meisten nutzen würde. Lüders fragt z.B., wieso Assad, der mit der Unterstützung Russlands seit einiger Zeit ohnehin beachtliche militärische Fortschritte gegen islamistische Rebellen erzielt hat, nun plötzlich zu Giftgasangriffen übergehen und den Zorn der Weltgemeinschaft auf sich ziehen sollte.

Besonders pikant in diesem Zusammenhang ist die Beurteilung eines vorigen Giftgasangriffs in 2015. Das war der Zeitpunkt, an dem ein gewisser Herr Obama von »roten Linien« sprach, die Assad angeblich überschritten hatte und weshalb nun die großartigen USA endlich zu einer militärischen Maßregelung des »syrischen Diktators« übergehen sollten. Immerhin hatte der damalige US-Präsident – ganz anders als sein Vorgänger Bush – in diesem Fall auf seine Geheimdienste gehört. Es stellte sich in der Nachbetrachtung heraus, dass der türkische Geheimdienst den islamistischen Rebellen Giftgas geliefert hatte, weil die Erdogan-Regierung ihre ganz eigenen Interessen in Syrien verfolgt. Da ist z.B. der Kampf gegen die Kurden, aber auch die Tatsache, dass weite Gebiete Syriens einmal zum osmanischen Reich gehörten (bis Ende des Ersten Weltkriegs), also zum türkischen Einflussgebiet.

Lüders sprach außerdem die Entstehung der syrischen Tragödie an. Insbesondere entlarvte er die Behauptung als unwahr, dass das syrische Volk sich in seiner Gesamtheit gegen seinen Machthaber Assad erhoben habe. Zwar gab es in vielen Punkten Unzufriedenheit in der Bevölkerung, aber zur militärischen Eskalation hat schlussendlich die Einmischung ausländischer Kräfte (Katar u.a.) und besonders die Bewaffnung islamistischer Rebellen beigetragen. Daran haben auch die USA mit ihrer komplett verkorksten Irak-Politik einen gehörigen Anteil, denn sehr viele Daesh-Kämpfer (IS) kamen aus der ehemaligen irakischen Armee, die seinerzeit von den Amerikanern aufgelöst worden war.

Es gibt noch mehr Auffälligkeiten im Zusammenhang mit Syrien und der westlich-medialen Aufarbeitung. Lüders nennt z.B. die Instrumentalisierung von Kindern für propagandistische Zwecke. Das Bild eines verletzten Jungen z.B. ging um die Welt und hat verständlicherweise bei vielen Menschen für eine enorme Empörung gegen Assad gesorgt. Gemacht wurde es allerdings von einem Mitarbeiter eines Medienzentrums, den man zweifelsfrei als euphorischen Zuschauer bei der Enthauptung eines Zwölfjährigen durch islamistische Terroristen identifiziert hat.

Derlei Merkwürdigkeiten gibt es zuhauf. Zum Beispiel wird für die mediale Aufarbeitung des syrischen Konflikts immer wieder eine Menschenrechts-Organisation zitiert, die von London aus operiert und aus einem Mann besteht. Solche Informationen werden in den westlichen MSM als verlässlich gehandelt. Oder die berüchtigten »Weißhelme«, die sogar für ihren angeblich selbstlosen, humanitären Einsatz in Syrien im Westen mit Preisen und Lobhudeleien ausgezeichnet wurden. Bei RT gab es dazu mehrere Augenzeugenberichte von Betroffenen, die von Raubzügen an der syrischen Bevölkerung durch eben diese Weißhelme berichteten. Auch die Art und Weise, wie sich diese Organisation z.B. medizinisch um Kriegsopfer kümmerte, ließ gestandenen Ärzten die Haare zu Berge stehen.

Es würde hier den Rahmen sprengen, wenn man jedes Detail dieses Krieges aufarbeiten wollte. Lüders betont auch, dass die Schweinereien grundsätzlich jeder Partei, die dort involviert ist, zuzutrauen sind. ABER: Wir müssen erkennen, dass die hiesige Presse einen bedeutenden und extrem unrühmlichen Anteil daran hat, wenn es um die korrekte Aufarbeitung dieses nahöstlichen Dramas geht. Allein die paar Punkte, die hier bzw. in der Lanz-Sendung genannt werden, rücken die MSM gefährlich nahe in den Dunstkreis einer »Lügenpresse«.

Ausnahmesendungen wie die bei Lanz sollten eigentlich zum Standard einer Berichterstattung gehören. Solche Enthüllungen und investigativen Recherchen sind allerdings inzwischen zur absoluten Ausnahme geworden. An fehlendem Geld kann es – zumindest was die öffentlich-rechtlichen Medien angeht – nicht liegen, denn die schwimmen in Geld (dank Zwangs-GEZ). Es kann auch nicht an der unbestreitbaren Komplexität des syrischen Konflikts liegen, denn es gibt genügend Fachleute wie eben Michael Lüders, Karin Leukefeld (u.a. hier bzw. bei KenFM oder Jürgen Todenhöfer, die das jederzeit adäquat und verständlich aufarbeiten können.

Es fällt schwer, die MSM wie Spiegel, Zeit, FAZ und wie sie alle heißen, vom Vorwurf der Falschinformation freizusprechen. Man muss außerdem davon ausgehen, dass die MSM auch in vielen anderen kritischen Fällen eine extrem tendenziöse Position einnehmen. Insgesamt machen die bekannten Beteuerungen der MSM, dass sie sich keiner Falschinformationen bewusst sind, keinen überzeugenden Eindruck, sondern sie vermitteln vielmehr das Bild von politischen Tendenzbetrieben. Dass sie damit einen beachtlichen Anteil an den bekannten kriegerischen Eskalationen mitzuverantworten haben, ergibt sich daraus von selbst – genauso wie ein notwendiger Paradigmenwechsel, falls diese MSM an einer langfristigen Existenz interessiert sind. Die Auflagenzahlen sprechen gegen sie. Die Gründe dafür liegen auf der Hand.

 


Kategorie: Politik, Gesellschaft

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