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Wochenüberblick der Skurrilitäten

05.04.2017

Was mir neulich so auffiel in den Gazetten

Manchmal muss man sich ja für seine politischen Vorturner schämen. Da gab es vor wenigen Tagen einen schlimmen Anschlag in St. Petersburg, aber anders als bei ähnlichen Vorfällen wie in Paris oder London wurde das Brandenburger Tor diesmal nicht in den Nationalfarben des betroffenen Landes (also Russland) angestrahlt. Die Begründung für die Verweigerung dieses symbolischen Zeichens der Solidarität war ziemlich lächerlich, denn Berlin hatte sich angeblich deswegen gegen diese empathische Geste entschieden, weil St. Petersburg keine Partnerstadt von Berlin sei. Das wird die St. Petersburger aber freuen, dass sie keine Partner solcher formalistischen Heuchler sind. Auf so einem Niveau möchte doch niemand öffentlich wahrgenommen werden, denn – wie heißt es so schön – wer solche Freunde hat, braucht tatsächlich keine Feinde.

Wer bisher gedacht hatte, dass die liebgewonnene antirussische Propaganda, wie sie schon in 2016 in der Presse abgefeiert wurde, vielleicht einmal durch Sachkenntnis oder Argumente entschärft werden könnte, sieht sich enttäuscht. Denn die Systempresse treibt das Russen-Bashing auch in 2017 munter weiter. Sehr schnell war in einigen Gazetten nämlich von einer »False Flag Operation« in St. Petersburg die Rede, denn mit diesem Anschlag könne ja das Putin-Monster leicht von den Demonstrationen, die neulich in Russland zu sehen waren, ablenken.

Moment mal, das war doch bislang ein Alleinstellungsmerkmal der westlichen Politik? Mich wundert, dass noch kein westlicher Geheimdienst und keine westliche Regierung einen Copyright-Streit wegen dieser politischen Verfahrensweise gegen Putin angestrengt hat. Denn gerade unsere geliebten westlichen Regierungen und ihre staatlichen Schergen haben eine Jahrzehnte lange Tradition in solchen Angelegenheiten. Terror als Mittel der Indoktrination, um bestimmte Interessen – zum Beispiel mehr Überwachung – durchzusetzen, gibt es bei uns schon seit vielen, vielen Jahren. Dieses Muster ist insbesondere bei unseren US-amerikanischen Freunden äußerst beliebt, wenn es darum geht, unliebsame Entscheidungen voranzutreiben, die die normale Bevölkerung eigentlich gar nicht will.

Sorry, lieber böser Staat, aber wir wollen mehrheitlich immer noch keinen Krieg mit Russland! Da müsst ihr leider nochmal ein paar Euro in die Hand nehmen, bis das allgemeiner Konsens wird. Aber ich bin sicher, ihr werdet euch dafür richtig anstrengen, gelle. Ich könnte übrigens auch einen Thinktank gründen, wollte ich nur mal bemerkt haben. Na, wie wär's? Ich wünsche mir nämlich schon so lange eine neue Yacht mit einem eingebauten Golfplatz, müsst ihr wissen.

Auch der allgemein unbeliebte Justizheini und Kontrollspastiker Heiko Maas bedient sich gerne dieser Methode einer Bedrohungshysterie. Als Reaktion auf den Popanz »Hate Speech« möchte er am liebsten einen umfassenden Kontroll- und Zensurapparat aufbauen, wie man verschiedentlich lesen konnte. Nun gut, die Begeisterung für sein Vorhaben seitens seiner Gesinnungsgenossen war bisher moderat bis verhalten, aber das mag den kommenden Wahlen geschuldet sein. Denn wenn das Fußvolk spitz kriegen sollte, dass zukünftig irgendwelche halbstaatlichen Schnüffler darüber befinden, was man im Internet sagen kann und was nicht, dann reagiert es möglicherweise irritiert und wählt am Ende noch die falschen Parteien. Es könnte sogar der Ansicht sein, dass nicht die unliebsame Kritik mancher Meinungen im Internet ein staatliches Sicherheitsrisiko darstellen, sondern Ihro Scheinheiligkeit Minister Maas selber. Maas ist insbesondere deshalb ein originäres Sicherheitsrisiko, weil er solche hoheitlichen Aufgaben gerne an zweifelhafte Organisationen, die ihrerseits von Hasspropaganda angetrieben sind, delegiert.

In Sachen Zensur und staatlicher Propaganda hat Maas inzwischen das bekannte internationale Niveau erreicht, insbesondere im Hinblick auf das Outsorcing der staatlichen Zensurabsichten. Denn auch in anderen Ländern gibt man sich reichlich Mühe, dem störrischen Plebs seine lästigen Meinungen abzugewöhnen; zum Beispiel über den Quasi-Monopolisten Google. Seit einigen Wochen werden nämlich massenweise systemkritische Vlogs bei Youtube demonetarisiert. Es gibt inzwischen etliche Videoblogger, die von ihren Beiträgen bei Youtube leben und sich dabei den unverschämten Luxus einer eigenen Meinung leisten. Manche verdienen mit ihren Beiträgen sogar genug, um ihren bisherigen Beruf gegen eine Youtube-Karriere eintauschen zu können. Nun meint Google als Youtube-Besitzer aber, dass die arme Werbeindustrie mit ihren Anzeigen bei Google lieber nicht mit systemkritischen Vloggern in Verbindung gebracht werden sollte. Unter den kritischen Videoblogs sind solche illustren Namen wie »The Amazing Atheist«, die Feminismuskritikerin Karen Straughan, aber auch solche harmlosen Vlogger wie Jörg Sprave mit seinem »Slingshot-Channel«. Er ist ein begeisteter Tüftler und Erfinder und beschäftigt sich gerne mit allerlei selbstgebauten »Waffen«, die meistens auf dem Prinzip der Zwillen und Schleudern beruhen. Ihm hatte die »Daily Mail« aus Kleinbritannien mit einer für die Systempresse typischen Hysterie in einem ihrer Artikel unterstellt, dass er mit seinen Videos Terroristen dazu anleitet, wie man am besten Leute absticht. Dabei ging es in dem kritisierten Video lediglich darum, ob eine bestimmte Sicherheitsweste auch das hält, was sie verspricht (tat sie nicht); also eine klassische Produktbesprechung.

Wann immer jemand aus der Werbewirtschaft oder ein elektrisierter Schreiberling von den Blut- und Busenzeitungen meint, dass dieser oder jener Vlogger etwas gesagt hat, was solchen modernen Denunzianten nicht in den Kram passt, können sie sich also bei Google bzw. Youtube beschweren. Nach drei Beschwerden kann Youtube dann den betreffenden Channel dichtmachen – und das bedeutet für einige Kanalbetreiber inzwischen den Verlust ihrer Existenz. Rechtliche GegenMAASnahmen hat man natürlich nicht, denn Google ist ja ein völlig neutrales Unternehmen (wer's glaubt) und kann machen, was es will. Und natürlich kann es sich demnach in seiner Eigenschaft als heimliche Gedankenpolizei auch selber zum propagandistischen Lollo machen.

Übrigens gehöre ich anscheinend ebenfalls bei Google inzwischen zum Heer der Verdammten, denn der Suchbegriff »Stadtmensch« zeigt seit einigen Wochen diesen Blog nicht mehr auf der ersten Seite bei Google an. Stattdessen findet man bis zu sieben Jahre alte angestaubte Artikel, die Google aber ganz dolle wichtich findet und deshalb zuerst anzeigt. Bei allen anderen Suchmaschinen sieht das komplett anders aus, da liefert der Suchterm »Stadtmensch« wesentlich prominentere und aktuelle Ergebnisse. Wobei, traurig bin ich nicht darüber; ich grinse eher lautstark in mich hinein. Da hab ich anscheinend doch was richtig gemacht, hehe.

„The Matrix is a system, Neo. That system is our enemy. But when you’re inside, you look around, what do you see? Businessmen, teachers, lawyers, carpenters. The very minds of the people we are trying to save. But until we do, these people are still a part of that system and that makes them our enemy. You have to understand, most of these people are not ready to be unplugged. And many of them are so inert, so hopelessly dependent on the system that they will fight to protect it“ (aus dem Film »Matrix«).

 

Der Eifer, mit dem die Systemlinge versuchen, ihre festgezurrte Welt gegen jeden kritischen Einfluss zu schützen, ist indertat atemberaubend – allen voran die Femi- und Social-Justice-Warrior-Brigaden. Im Forum »Wieviel Gleichberechtigung verträgt das Land« gab's z.B. neulich einen Hinweis auf eine Radikalfeministin, die schon wieder vom Untergang der bösen »weißen alten Männer« fabuliert. Offensichtlich ist ihr der zunehmende Widerstand gegen die feministische Propaganda übel aufgestoßen, denn sie behauptet „Die alten weißen Männer bäumen sich noch mal auf – wie Tiere kurz vorm Tod“. Ah, endlich mal wieder Tiervergleiche mit Männern – hatten wir schon länger nicht mehr! Den Rest ihrer fiebrigen Ergüsse kann man sich eigentlich sparen; es handelt sich um die gewohnten Allmachtfantasien feministischer Bauart, also um die übersteigerte und sattsam bekannte Prinzessinnen-Variante. Immerhin, so behauptet sie, hat sie soviel weibliches Empauerment, dass sie »über Wasser laufen kann«. Ja, mach ruhig. Vielleicht kann RTL das im Dschungelcamp mal zeigen. Freu mich drauf.

Aus den genannten Gründen gibt es heute mal kein Youtube-Video. Okay, das unten gezeigte Filmchen – ein Aprilscherz – ist sowieso für die zarten Gemüter der Google-Community nicht empfehlenswert. Viel Spaß!

 


Kategorie: Male, Female, Politik, Gesellschaft

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