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Google is evil

09.08.2017

Und das nicht nur bei zweifelhaften Rausschmissen von kritischen Mitarbeitern.

Bei Spülgel-Online las ich heute, dass der Mitarbeiter, der angeblich so beleidigend gegen die Frauen bei Google gewettert hatte und daraufhin von Google an die Luft gesetzt wurde, gegen seine Entlassung klagt. Aber SpOn kann ja nichts aus diesem Themenbereich präsentieren, ohne seine besonderen feministischen Duftmarken zu setzen. Denn mitten im Artikel gibt es eine Bilderstrecke von sage und schreibe fünf Schwarzweißfotos, die vergessene Computerheldinnen aus längst verblichenen Tagen abbilden soll. Eine dieser Frauen, die ständig vom bösen Computer-Partriarchat verschwiegen wurden, hatte laut Bildunterschrift lediglich »90 Auszeichnungen, darunter 40 Ehrendoktorwürden«. So niederträchtig kann das Patriarchat gegen engagierte Frauen sein! Wo bleibt eigentlich der IT-Nobelpreis für diese arme Frau?

Derartige Dramen der Weltgeschichte werden stets verlässlich auf dieselbe strunzdumme Art und Weise skandalisiert. Erst gestern wetterte eine junge und anscheinend von jeder Recherchetätigkeit befreite »Journalistin« gegen den »frauenfeindlichen« Schrieb des besagten Google-Mitarbeiters James Damore. Hätte sie das »Pamphlet« nämlich gelesen, dann hätte sie gewusst, dass die Kritik des Urhebers gar nicht pauschalisierend gegen Frauen in der IT gerichtet war, sondern gegen ein Klima der geistigen Armut, gegen Denkverbote und für ein kritisches Hinterfragen der berüchtigten »Political Correctness«. Mit der kann man nämlich wunderbar gegen jede unliebsame und unbequeme Meinung einen virtuellen Lynchmob losschicken – und der oft ist nicht minder existenzbedrohend als ein realer Straßen-Mob. Damore hat, so steht es übrigens im o.g. Spülgel-Artikel, inzwischen ein Angebot von Wikileaks bekommen. So was nennt man dann wohl einen Pyrrhus-Sieg. Es ist auch noch nicht entschieden, wie es für Google nach einer gerichtlichen Würdigung des Vorfalls ausgehen wird.

Google hat sich in den letzten Jahren anscheinend voll und ganz diesem billigen Freund-Feind-Schema verschrieben. Von den diversen Maßnahmen gegen kritische Webseiten, die aus dem Google-Suchindex fliegen oder von unbequemen Youtube-Vloggern, die auf wundersame Weise plötzlich mit grotesk hohen Einbrüchen in ihren Besucherzahlen konfrontiert werden, hatte ich schon berichtet. Und obwohl z.B. der Feminismus ein urlinkes Gesellschaftsprojekt war, bleiben sogar anscheinend besonders kritische linke Seiten von diesen Zensurmaßnahmen nicht verschont. Seit Tagen tobt z.B. die »World Socialist Web Site« darüber, dass Google die Suchbegriffe, die bisher am häufigsten zur Seite der Sozialisten führten, auf einen Index von »anstößigen oder verschwörungstheoretischen« Inhalten gesetzt hat.

Die pötzliche Kontrollwut von Google beklagt auch Paul Graig Roberts, ein respektierter US-Politanalyst, der sich ebenfalls mit dem Fall des gefeuerten Google-Mitarbeiters Damore beschäftigt.

Schon die wirtschaftliche Monopolstellung von Google sollte eigentlich mal Gegenstand von kartellrechtlichen Betrachtungen sein. Bei anderen Monopolisten waren die Kartellbehörden in der Vergangenheit zumindest um wirtschaftliche Diversität bemüht (Standard Oil, AT & T, Microsoft) – eine Diversität, die den Namen auch tatsächlich mal verdient. Denn das dummdreiste Geschwätz von Google bezüglich seiner »diversifizierten« Firmenpolitik ist pure Augenwischerei und kann nur mühsam vertuschen, dass Google mit »diversifizierten Standpunkten« mittlerweile nichts mehr am Hut hat, sondern lieber das Lied der Uniformisten in Washington singt. Ich frage mich nur, wie die üblichen Strippenzieher Google zu dieser Haltung gebracht haben, denn Geld hat Google ohne Ende. Mit wirtschaftlichen Einbußen kann man denen nicht wirklich drohen – zumindest derzeit noch nicht.

Auch bei dem berüchtigten Online-Pranger »Agentin« der Heinrich-Böll-Stiftung (inzwischen wieder offline) mit seinen wild zusammengestellten Listen von angeblichen Antifeministen, überrascht nicht etwa die inhaltliche Substanz, die sowieso bei solchen Fanatikern traditionell unterentwickelt ist (sonst wären sie keine). Wie bei Google und seinen Zuflüsterern aus der Social-Justice-Warrior-Branche auch, ist das auffälligste Merkmal so einer Meinungsmache nicht die »forensische« Belastbarkeit ihrer plattitüdenhaften Argumente, sondern die panische Angst, die diese Meute antreibt. Alles, was sich heutzutage als Eckpfeiler einer offiziellen Meinung versteht, hat anscheinend das nackte Grauen davor, die liebgewonnene Meinungshoheit zu verlieren. Und so entlarven sich derartige Gefechte um die Deutungshoheit und damit letztlich um die Durchsetzungsmöglichkeit bestimmter Politikstile eher als die Agonie von Rückständigen. Inhaltlich kommt da nicht viel außer den bekannten, abgestandenen Phrasen wie z.B. »Frauenfeindlichkeit«. Sieht man mal von diesen inhaltsleeren spastischen Zuckungen ab, so ist diese Mischung aus Angst vor der Bedeutungslosigkeit und infantilem Trotz immer wieder unterhaltsam; aber das ist auch schon das einzig Konstruktive, das man daraus gewinnen kann.

Im Fall von Google entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass die Firma, die mit den größten Anteil an der Verbreitung des Internets hatte, plötzlich seinen eigenen Usern gegenüber als dummer Zensor dasteht. Eigentlich hätten sie wissen können, dass das systematische Unterdrücken von angeblich »anstößigen oder verschwörungstheoretischen Meinungen« ziemlich schnell auf sie selber zurückfallen kann. Für die, die es noch nicht wissen: Auch andere Firmen haben schöne Suchmaschinen. Die Standortabfrage auf meinem Smartphone ist grundsätzlich deaktiviert, Kartendienste habe ich durch das Programm »mal nach dem Weg fragen 2.0« ersetzt oder nutze (seltener) OsmAnd im Offline-Modus. Fakebook, Twitta oder WhatsDreck müssen natürlich ebenfalls draußen bleiben. Trotzdem vermisse ich nichts. Könnte es sein, dass ich damit bald nicht mehr zu den IT-Exoten gehöre? Vielleicht kommen die typischen »hab ja nix zu verbergen«-Trantüten demnächst auch auf den Trichter, dass Tante Google & Co. nicht überlebensnotwendig sind.

Man kann solche Balgereien um die hohe Meinung ein bisschen wie einen Guerillakrieg betrachten, denn trotz teils massiver Zensurabsichten der Obrigkeit (bzw. ihrer nachgeordneten, halbamtlichen Ja-Sager) will sich einfach keine diskursive Friedhofsruhe in den öffentlichen Diskussionen einstellen. Vielleicht dachten sich die Getriebenen an den Futtertrögen der Macht, dass sie mit dem Internet quasi einen verlängerten Arm der immer schon wohlwollenden Kartellpresse erhalten haben und sie fortan die unwissenden Bürgerleins von ihrer überlegenen »demokratischen« Haltung per informationellem Holzhammer überzeugen würden können. Aber der gewöhnliche Untertan in den »demokratischen« Gesellschaften bzw. in den sozialen Plapperbuden ist blöderweise weitaus störrischer, als es den Sonnenkönigen (und ihren -Innen) in den Kram passt. Schwer vorstellbar, wie die Hochwohlgeborenen diesen Geist wieder in die Flasche bekommen wollen. Obwohl, früher war man schlauer, was Protestbewegungen betrifft: Man kaufte sie einfach peu à peu. So war es mit den Hippies, so war es mit den Punks, so war es mit den Grünen, letztlich war es auch mit der DDR so – um nur ein paar Beispiele zu nennen, wie ehemalige revolutionäre Bewegungen im kapitalistischen Flow aufgesaugt wurden.

Alles in allem bin ich aber durchaus positiv gestimmt. Denn rein bauchgefühlt fliegen den Gazetten (und auch Google) inzwischen in den diversen Foren und Kommentarspalten ihre fadenscheinigen Zensurabsichten mit zunehmender Geschwindigkeit um die Ohren. Und Imageprobleme kosten sie eine ordentliche Stange Geld! Aber nicht nur das. War es bisher oft so, dass die Machthabenden gerne einen imaginierten äußeren Feind herbei schreiben ließen, um von ihrer eigenen Unfähigkeit abzulenken, so könnte selbst das in Zukunft nicht mehr ohne Weiteres funktionieren. Dazu ist die Vernetzung bereits viel zu weit fortgeschritten – und zwar eine Vernetzung, die keine feste Organisationsstruktur, keine Kartell-Millionen und vor allem nicht die üblichen scheinheiligen Vortänzer braucht.

 


Kategorie: Politik, Gesellschaft

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