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Valerian und die Stadt der tausend Planeten

25.07.2017

Fazit (für die Ungeduldigen): So lala.

Ach so: Für Spoiler wird keine Garantie übernommen.

Valerian

Die Voraussetzungen waren ja gut: VIP-Plätze im IMAX-Kino, also an der Stelle, die für 3D und Surround-Sound am besten geeignet ist, und der Film sogar in 4K. 4K, Alter! Mit Bildern in 4K-Schärfe soll man ja der Sage nach jedes Schamhaar einzeln zählen können. Schamhaare kamen allerdings in Valerian nicht so wirklich zum Einsatz. Trotzdem war er schön anzusehen (also der Film).

Diese Amis immer: Der Film »Valerian« habe angeblich eine Menge von »Star Wars« geklaut, behaupten sie in diversen Filmbesprechungen. Damit sind vor allem die vielen Fabel- und Aliengestalten gemeint, die sowohl in »Star Wars« als auch in »Valerian« rumwuseln. Das ist aber mal glatt gelogen, denn »Valerian« basiert auf der französischen Comic-Reihe »Valérian et Laureline«, die 1967 in den »Pilote«-Comicbänden zuerst erschien – und davon hat sich Star Wars (ohne jede Quellenangabe allerdings) halt großzügig »inspirieren« lassen. Ungefähr so wie Disney bei »Aschenputtel« vs. »Cinderella« oder Neuschwanstein vs. das Schloss in Disneyland.

»Pilot«-Hefte gab es (übersetzt) auch mal eine Weile in Deutschland, neben den anarchischen »U-Comix« oder der Reihe »Schwermetall«. In all diesen Comic-Reihen gab's zum Teil recht schräge Geschichten, wie u.a. »Der Mann, der das Klopapier erfand«, »Der Mann mit den zwei Penissen« oder über einen unausstehlichen Soziopathen namens »Peter Pervers«. Nach dem Lesen musste man sich jedenfalls immer erstmal die Augen mit Seife auswaschen.

Ohne Zweifel: Was die Optik betrifft, hat Regisseur Luc Besson nichts anbrennen lassen und allein dafür würde ich mir den Streifen gerne auch noch ein zweites Mal ansehen. Nur was den Ablauf der Geschichte angeht, hat man bei ihm z.B. in »Leon der Profi« oder in »Das fünfte Element« schon mehr Tiefgang gesehen als in »Valerian«. Wer seinen Film »Lucy« bereits als SciFi-Kitsch empfand, der macht mit »Valerian« eigentlich dieselbe Erfahrung, nur optisch sehr viel größer und schneller.

Dabei gab es in Teilsequenzen durchaus gute Ansätze für eine vielschichtige Story. Als sich die Protagonisten am Anfang des Films durch eine komplett virtuell erzeugte Welt ballern, in Wahrheit aber stattdessen in einer kargen Wüste rumzappeln, hatte das einen kleinen Touch von Christopher Nolans »Inception«. Nur dass hier, anders als bei den diversen, ineinander greifenden Traumebenen in Inception, in »Valerian« verschiedene SciFi-Dimensionen mit jeweils unterschiedlichen Szenarien zu sehen waren. Das wäre grundsätzlich interessant für intelligente Twists gewesen, wurde aber nicht weiter vertieft. Insgesamt bleibt der Film sehr konventionell und geradeaus in seiner Erzählweise. Es ist eindeutig kein Autorenkino, sondern als Blockbuster gedacht.

Auch in vielen anderen SciFi-Streifen fehlt es oft an dem Aspekt, dass eine »Zukunft« eben nicht nur Millionen neuer, blinkender Gadgets mit sich bringt, sondern dass sich die gesamte Kultur, die Konventionen und die ethischen Standards genauso drastisch ändern können. Dieser Aspekt scheint aber in Valerian nur in homöopathischen Mengen durch, obwohl die Bandbreite an skurrilen Wesen geradezu erschlagend ist. Dieses schnucklige Replikator-Tierchen, hinter dem sie alle her sind, hätte ich z.B. auch gerne zu Hause. Süß und außerordentlich praktisch!

Irgendwo hatte ich noch ein Gerücht gelesen, dass der Film zwar in 4K gedreht wurde, aber dass der 3D-Effekt lediglich nachträglich dazu gerendert wurde (finde jezz den Link nicht mehr). Tatsächlich war die Tiefenschärfe subjektiv nicht so dolle. Wenn das stimmt, dann sollte man allerdings diesen 3D-Firlefanz lieber gleich sein lassen; meine Meinung.

Das Hauptdarsteller-Duo Dane DeHaan (als Major Valerian) und Cara Delevingne (als Sergeant Laureline) macht seinen Job routiniert. Zwar wird Delevingne ihr angewachsenes Bitch-Face an keiner Stelle los, aber das passt ganz gut zu den Frotzeleien, die die beiden im Film miteinander austauschen. Irgendwie müssen total gleichberechtigte Frauen im Film anscheinend immer besonders unnahbar und besonders zickig sein – das bekommt auch unser immer jungenhaft wirkender Held zu spüren. Aber das emanzipatorische Pendel der Geschlechtergerechtigkeit schlägt weder in die eine noch in die andere Richtung besonders krass aus. Und natürlich kriegt sich das Helden-Pärchen (sogar eine Heirat wird nebulös angedroht), was denn sonst. Taschentücher muss man aber trotzdem nicht unbedingt mitbringen.

 

A Cure For Wellness

Dane DeHaan kann allerdings nicht nur Popcorn-Kino. Sehr spannend fand ich den in 2016 gedrehten Streifen »A Cure For Wellness«, ein Mystery-Thriller von Regisseur Gore Verbinski (Fluch der Karibik). Darin spielt DeHaan einen Top-Manager namens Lockhart, der wegen einer wichtigen Konzernentscheidung das Vorstandsmitglied Pembroke aus einem schweizer Sanatorium zurückholen soll. Zunächst sieht es so aus, als wäre dies eine einfache Sache, doch Lockharts Wagen hat auf der Rückfahrt einen eindrucksvollen Crash mit einem Hirsch, womit Lockhart selber zum Patienten des Sanatoriums wird. Kollege Pemrock, der eigentlich mit abreisen sollte, ist plötzlich wech und die anderen Patienten scheinen in der idyllischen Atmosphäre dieser Bergklinik seltsam handzahm und betont freundlich durch den Alltag zu schweben.

Anfangs plagt sich der Film noch mit einer gewissen Gesellschaftskritik, wenn er die erfolgsorientierte Konzernwelt Lockharts mit den traumhaften Landschaften der Schweiz und dem pittoresken Sanatorium gegeneinander aufrechnet. Doch Verbinski hält diesen Ansatz nicht sehr lange durch. Stattdessen entfaltet er einen klassischen Horror-Thriller, der amtosphärisch oft an »Shutter Island« von Martin Scorsese erinnert (einer meiner Must-See-Filme). Das macht Verbinski durchaus gut: Die ca. zweieinhalbstündige Irrfahrt Lockharts durch die altehrwürdige Enklave hoch in den schweizer Bergen weiß zu fesseln und man möchte unbedingt hinter das düstere Geheimnis des Klinikums und seines unheimlichen Personals kommen.

Als Kulisse für das Sanatorium diente die Burg Hohenzollern auf der Schwäbischen Alb; Innenaufnahmen sind z.T. in Zwickau (Johannisbad) und in den Potsdamer Beelitz-Heilanstalten entstanden. Die ausführende Produktionsfirma war das Studio Babelsberg.

Die europäische Filmkunst braucht sich wahrlich nicht vor den immer gleichen Militärspektakeln à la Hollywood zu verstecken. Denn das US-Militär spielt in Hollywood als Geldgeber eine überaus tragende Rolle – was man den meisten Blockbustern auch anmerkt. Egal ob »Godzilla«, »Pacific Rim«, »Independence Day 1 und 2« oder »Die Mumie (2017)«: Irgendwo fahren immer ein paar seelenlose Robo-Soldaten im Hummer über die Leinwand und schießen sich und den anderen Filmhelden den Weg frei; mindestens. Diese Sturmtruppen retten zwar öfter mal die filmische Welt, das Filmniveau retten sie allerdings nie. Aber darauf kommt es auch gar nicht an. Die Botschaft, dass die Army in Schicksalsfragen stets als moralisch einwandfreier Lebensretter des Gutmenschentums im Finale zu glänzen vermag, ist für Hollywood Botschaft genug.

Schön also, dass in Europa mit Streifen wie »Valerian«, »A Cure For Wellness« oder auch »Cloud Atlas« ein handwerklich hohes filmisches Können zur Verfügung steht, das auch künstlerisch mehr zu bieten hat als die meisten Hollywood-Produktionen. Weiter so.


Kategorie: Kultur

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08.12.2017

Der Hashtag #metoo als »Bullshit Of The Year«.

Kat: Male, Female
29.11.2017

...und nicht die Lösung.

Kat: Politik, Gesellschaft
28.11.2017

Das meint zumindest Frauenministerin Katarina Barley in der TAZ.

Kat: Male, Female
23.11.2017

Jakob Augstein würde für eine Falschbeschuldigung nur zu gerne in den Knast gehen.

Kat: Male, Female, Kultur, Musik
17.11.2017

Laut Deutschlandfunk darf man dessen Musik nicht mehr hören.

Kat: Diverses, Politik, Gesellschaft