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< Merkel rettet die Welt
   

There will be blood

19.06.2017

Nein, leider geht es heute nicht um eine Filmbesprechung des gleichnamigen Streifens; obwohl sich ein eigener Monolog darüber durchaus lohnen würden täte.

Ein Leser erinnerte mich vielmehr mal wieder daran, dass ich mit dem Schreiben etwas in Verzug bin (sorry, es war schlichte Unlust) und schlug als Thema das blutigste aller Menschheitsdramen vor, nämlich die Menstruation der Frauen.

Angeblich kann das Patriarchat mit dem Thema – zumindest nach feministischer Interpretation – mindestens fünf Kilometer Frauenunterdrückung generieren, indem nämlich Mann den Frauen das Reden und den freien bzw. lockeren Umgang mit diesem monatlichen Rumgeblute madig macht. So stellt sich das jedenfalls meistens in den esoterisch aufgeladenen Artikeln der feministischen Bauart dar, z.B. in diesem Artikel; danke dafür:

Es ist ein wichtiger Teil des körperlichen Bewusstseinsprozesses und der Aufklärung, weiter und mehr noch, über das Thema Menstruation zu sprechen. Welche Mythen sie umgeben und welche Auswirkungen die Stigmatisierung der monatlichen Blutung hat.


Bei den »Mythen« gehe ich ja noch mit. Es tauchen regelmäßig allerlei verschrobene, verschwurbelte und fast religiös gepimpte Pamphlete zur kosmischen Bedeutung der Monatsblutung in den entsprechend konditionierten Gazetten auf. Aus einem simplen biologischen Vorgang lässt sich mit ein bisschen esoterischem Lametta gleich eine ganze Weltanschauung fabrizieren, vor deren zentraler Funktion für die Menschheitsgeschichte wir minderbemittelten Männer uns nur ehrfürchtig in den geschlechterpolitischen Staub werfen können. Frauen, die regelmäßig bluten, können nämlich Leben spenden! Boah, krass ey! Wäre ich jezz nicht von alleine drauf gekommen.

Aber Stigmatisierung? Echt jezz? In Anzeigen machense Werbung für Tampons und Binden, in den Schulen klären sie über den Vorgang auf (zumindest physisch) und sogar im Fernsehen (frauTV; siehe obiger Link) darf jede Wald- und Wiesenfeministin ihren subjektivistischen Kommentar zum Thema Menstruation ausbreiten. Es werden keine Frauen an ihren Tagen weggesperrt und sie müssen auch kein Warndreieck mit sich rumtragen. Dass die Blutungen manchmal lästig sind, wenn man Sex haben will, ist unvermeidlich, aber durchaus beherrschbar. Im Eifer des Gefechts war ich persönlich nur manchmal an solchen Tagen zu bequem, um ein Handtuch drunter zu legen, wenn's zur Sache ging. Das hat dann zwar ein paar Waschmaschinenladungen extra produziert, aber mehr auch nicht.

Viel interessanter als die angebliche Stigmatisierung »meiner« Frauen fand ich das Phänomen, dass die Weiber an ihren Tagen meistens besonders anhänglich sind. Immerhin sind es die Tage, an denen sie absolut sicher sein können, nicht schwanger zu werden, sobald sie sich ihren heimlichen Gelüsten hingeben. Das hat einiges an grundsätzlichem Stress beim Sex – insbesondere eben die Angst vor einer potenziellen Schwangerschaft – abgemildert; so meine Erfahrung. Überhaupt ist das Risiko der Schwangerschaft ein überaus dominanter Faktor beim Zustandekommen diverser Begegnungen der schmuddeligeren Art. Die Angst vorm Schwangerwerden diktiert so einige schräge Winkelzüge, die Frauen ihren Tüpen vor dem Beischlaf abverlangen, also diverse Shit-Tests, Verführungs- und Hinhaltetaktiken, die vielfältigen emotionalen Reibereien, unvermeidbare »Liebesbeweise« und hochpreisige Romantikdienstleistungen, die undurchsichtigen erotischen Signale etc. Und so könnte das Phänomen »Scham«, das bei den meisten Frauen im Hinblick auf ihre biologischen Dispositionen offensichtlich eine dominantere Rolle als bei Männern einnimmt, möglicherweise die rücksichtslose Beschwängerung durch den erstbesten Hallodri, von dem eine Frau angetan ist, erfolgreich verhindern. Na ja, meistens jedenfalls. Aber diese metaphysische, ja fast philosophische Ebene diskutiert niemand; obwohl sie doch ziemlich interessant wäre.

Manchmal ist »sich schämen« sogar lebensbedrohlich. In Thailand, so berichtet Russia Today, trauen sich die Frauen oft aus Scham nicht mal zum Frauenarzt. Deshalb gibt es dort in Kampheang Phet auch eine Praxis, bei der die Patientinnen während ihrer Untersuchung eine Maske aufsetzen können, um anonym zu bleiben. Sogar das Personal trägt dort (etwas weniger auffällige) Masken – und alle fühlen sich prima dabei. Es gibt also Mittel und Wege, mit diesem fragilen Thema angemessen umzugehen – und eines kann ich verraten: Es sind nicht die Männer, die den Frauen dabei im Weg stehen.

Dass Frauen bluten, Schmerzen haben und sich wahrscheinlich unnötig schämen, ist zwar bedauerlich, jedoch für sich betrachtet leider nur eine ziemlich triviale Erkenntnis – vor allem eine, für die Männer diesmal wirklich nichts können und wozu sie auch wenig Erbauliches beitragen können. Alarmismus und Sensationismus sind hier jedenfalls gänzlich unangebracht. Eine Wärmflasche aufm Bauch oder eine sanfte Massage leisten hier definitiv die besseren Dienste als jedes übernervöse Geschreibsel.

 

Vulva-Watching

Nach nun fast vierzig Jahren Emanzipations-Geschwalle lassen einen die epischen Diskussionen über die weibliche Sexualität meistens immer noch ratlos zurück. Wenn Frauen z.B. in öffentlichen Publikationen über Menstruation reden, hört sich das fast jedes Mal so an, als hätten sie gerade etwas vollkommen Neues entdeckt, über das noch nie ein Mensch zuvor berichten durfte. Und so hört sich das auch bei fast allen anderen ähnlich gelagerten Themen an. Auf Vice.com, einem Portal, das sich ganz der feministischen Sichtweise verschrieben hat, berichtete neulich eine Frau von einem Seminar namens »Vulva-Watching«. Sinn der Veranstaltung ist, sich gegenseitig zwischen die (nackten) Beine zu gucken und so das weibliche Geschlechtsorgan aus seiner angeblich schambehafteten Ecke ins emanzipatorisch befreite Bewusstsein der Seminarteilnehmerinnen zu zerren.

Überteuerte Vulva-Seminare gab es allerdings vor Jahrzehnten schon und so manche Esoterik-Tante ist mit solchen Angeboten reich und fett geworden. Bereits die Großmütter heutiger Frauen haben also versucht, dieses Mysterium Vulva in sauteuren Pussy-Seminaren zu begrabschen. Offensichtlich ist nicht viel dabei rumgekommen, denn auch noch im 21. Jahrhundert werden derlei Erlebnistage bei Vulva-Seminaren wie die ultimative weibliche Erleuchtung angepriesen. Liebe moderne Frauen, entweder haben eure Omis auf ihren Seminaren bei sich nicht viel Berichtenswertes entdeckt oder sie haben es aus Scham vor euch verschwiegen. Sonst müsstet ihr ja nicht jedes Mal aufs Neue Geld für dieselbe feministische Erleuchtung ausgeben, newahr. Überhaupt: Wie kann ein so sensibler Bereich wie der Genitalbereich über Jahre und Jahrzehnte wie ein unbekanntes Mysterium vor sich hin dümpeln, so entfremdet und derart mit feministisch-mythologisierter Bedeutung überfrachtet, dass frau sogar Seminare für seine Entdeckung buchen muss? Kapier ich nicht (und die meisten anderen Männer wohl auch nicht). Fummeln die Weiber nicht mal ab und zu an sich selbst rum, so rein aus Interesse? Und wenn schon für die Frauen selber ihr Geschlechtsorgan ein weißer (okay, manchmal roter) Fleck auf der libidonösen Landkarte ist, wie fremd und unvertraut kommen sie dann wohl beim Kontakt mit dem (neuerdings) schwächelnden Geschlecht rüber? Man kann keinen guten, entspannten Sex mit Menschen haben, die ihr eigenes Körperempfinden nicht grundsätzlich positiv geklärt haben. Eigentlich simpel.

 

Wonderbra Woman

An Sensationismus herrscht also kein Mangel, wenn es um die Befreiung der Frau aus einer schier endlosen Kette der Unterdrückung durch das ominöse Patriarchat geht. So wurde dann fast zwangsläufig der Streifen »Wonder Woman« als endgültiger Durchbruch der feministischen Evolution in den Gazetten angepriesen; insbesondere bei den üblichen frauenzentrierten Sprachrohren wie u.a. Spülgel-Online. Autor Andreas Borcholte fabuliert in seiner Filmkritik folgendermaßen:

Es ist ein packender, zuweilen angenehm altmodischer Actionfilm, der dem Genre mit leichter Hand eine feministische Dimension eröffnet.


Tja, so kann es einem gehen, wenn man sich als Filmkritiker in die genitalen Niederungen des gewöhnlichen Spiegel-Duktus begibt. Aus »eine Frau hat einen halbwegs unterhaltsamen Action-Film mit einer Frau in der Titelrolle gemacht« wird bei ihm gleich ein feministisches Statement. Es gehört wohl zu den Einstellungs­voraussetzungen als Redakteur beim Spiegel, dass jede Angelegenheit, bei der irgendwelche Titten im Spiel sind, feministisch gewürdigt und taxiert wird. Dabei gibt es immer wieder Frauentypen in Filmen, die als Identifikationsfigur weitaus spannender (weil facettenreicher) sind; etwa in diesem Kurzfilm mit Sigourney Weaver, den ich bei Telepolis entdeckt habe.

Nun soll also laut Kritikus Borcholte die »feministische Dimension« ihre filmische Erfüllung in der Präsentation einer göttinnengleichen Heldin finden, eine, die mit Superkräften alles aus dem Weg haut, was ihr so an patriarchalischen Irrungen und Wirrungen über den Weg läuft? Immerhin sind das im Fall von Wonder Woman nicht weniger als der Erste Weltkrieg und die notorisch kriegsgeilen Deutschen! So einen Schmonzes kann sich nur einer mit einem ausgeprägten, kombinierten Ödipus- und Transatlantik-Komplex ausdenken. Das eigentlich Spannende hat der folgsame Redakteur nämlich nicht erwähnt: Warum wohl sind plötzlich die Deutschen wieder die Buh-Männer? Das denkt sich Hollywood nämlich nicht einfach so zufällig aus.

 


Kategorie: Male, Female

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25.07.2017

Fazit (für die Ungeduldigen): So lala.

Kat: Kultur
18.07.2017

Die 24 % Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen sind wieder da!

Kat: Male, Female
06.07.2017

Eigentlich müsste Twitta verstaatlicht werden.

Kat: Politik, Gesellschaft
05.07.2017

So was fragen sich... vor allem die Frauen.

Kat: Male, Female
28.06.2017

Derzeit überbieten sich die Parteien geradezu im konzentrierten Schwachsinn.

Kat: Politik, Gesellschaft