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Hollstein mal wieder

30.03.2017

...und seine kruden Thesen über Männer als Mangelwesen.

»Männer haben keine Zukunft« hört man ja schon seit Jahrzehnten, samt einer endlosen Liste an zweifelhaften Eigenschaften, die Leute wie Hollstein den Männern in ihrer Gesamtheit andichten wollen. Da ist ganz viel von ominösen »Rollenbildern« die Rede und von irgendwelchen »Ängsten«, die Männer befürchten, weil sie angeblich von den Frauen abgehängt werden. Und ganz wichtich: Es fehlen männliche Vorbilder, sagt Hollstein. Na, ob sein Gejammer über die männliche Krise ein vorbildlich-alternatives Orientierungsmuster darstellt, ist allerdings auch noch nicht entschieden.

Differenzierung war noch nie seine Stärke und seine unheimlichen Erkenntnisse über den gesellschaftlichen Status der Männer destilliert Hollstein aus längst abgehandelten und für untauglich befundenen Kernthesen aus der Hochzeit feministischer Irrungen. Etwa die berüchtigte Andrea Dworkin: Weil diese radikal-feministische (und zum Glück tote) Soziopathin mal in einem ihrer Bücher meinte, der Zweck der Männer sei Terror, glaubt Hollstein, dass alle Männer bei solcher Propaganda plötzlich in eine Schockstarre verfallen. Das mag vielleicht bei ihm seinerzeit so gewesen sein, aber diese Zeiten sind längst abgefrühstückt, und das Geschlechterthema damit zu beschreiben, wer wen am besten beleidigen kann, ist als Erkenntnis doch arg dünn und nebulös.

In dem FAZ-Artikel macht Hollstein die »Krise der Männer« u.a. an der Tatsache fest, dass Männer gar nicht mehr heiraten wollen. Das stimmt höchstens in statistischer Hinsicht, denn faktisch gehen die Familiengründungen in den westlichen Ländern auf breiter Front zurück. Was er dabei unterschlägt, ist die simple Tatsache, dass heiraten auch ohne feministische Einfärbung schon immer eine höchst feminine Angelegenheit und der Bräutigam lediglich eine Art notwendige Dekoration war. Die Frage, wie Männer heutzutage vom Heiraten eigentlich profitieren sollten, hängt auch nicht mehr davon ab, ob sie z.B. dadurch öfter (gesellschaftlich akzeptierten) Sex haben. Dazu sind die alternativen Angebote viel zu umfangreich und neuere technische Entwicklungen machen langfristig den Deal »geregelter Sex gegen männliche Ressourcen« sogar obsolet. Global betrachtet sieht es auch nicht danach aus, als hätten wir ein Problem mit fehlendem Nachwuchs. Das Problem für den Feminismus ist vielmehr, dass Männer auch in anderen Dingen als ausgerechnet in einer Familiengründung Erfüllung und Lebenssinn finden können. Jahrhunderte der Entdecker, Forscher und Tüftler belegen das. Das iPhone hat nicht eine Frau erfunden. Nicht mal die Waschmaschine oder den Fön haben Frauen erfunden. Kunst, Kultur, Literatur – the same. Nein, der Feminismus stellt keine kulturelle Entwicklung im eigentlichen Sinn dar, sondern einen unglaublich regressiv-infantilen Rückschritt. Schon die Suggestion Hollsteins, dass dieses Konstrukt »Feminismus« überhaupt einen fortschrittlichen Aspekt aufweist, kann man mit aller Berechtigung anzweifeln.

Auf den Punkt gebracht: Feminismus macht nur Ärger und bringt nix; etwa so ähnlich wie Astrologie oder wie homöopathische Zauberheilung. Am Ende geht es sowieso meistens nur ums Thema »ficken oder nicht ficken« – das sehen insbesondere die Feministinnen so, denn es ist ihr offensichtliches Hauptthema.

Immerhin konstatiert die Wissenschaft so langsam, dass mit der ständigen Herabsetzung typisch männlicher Eigenschaften (etwa Durchsetzungsfähigkeit und Risikobereitschaft), vielleicht elementare Mechanismen bezüglich der Grundversorgung unserer Gesellschaft in Frage gestellt werden. Denn zum Erstaunen der feministischen Gemeinde nutzen die Frauen ihre neu gewonnenen geschlechterpolitischen Freiräume eben doch nicht, um typisch »männliche Bastionen zu erobern«. Die Risiko- und Todesberufe sind nach wie vor männlich konnotiert und die scheuen weiblichen Rehe machen bis auf Ausnahmen kaum Anstalten, sich in dieser rauen Welt der Grundversorgung zu behaupten. Wo immer die Risiko- und Leistungsbereitschaft oder die Verwertbarkeit der Frauen gefragt ist, ist die »gläserne Decke« nicht weit weg und das Genörgel groß bis riesig.

Angeblich beklagen Arbeitgeber eine abnehmende Leistungsbereitschaft und Belastbarkeit, also die geringere gesellschaftliche Verwertbarkeit der Männer. Doch diesen Umstand allein der feministischen Propaganda anzudichten, greift viel zu kurz. Die technischen Entwicklungen, insbesondere die Substitution der Arbeitskraft durch Rationalisierungsmaßnahmen oder die anstehende »Industrie 4.0« (flächendeckende Digitalisierung bzw. menschenleere Fabriken) haben einen weit größeren und handfesteren Einfluss auf die männlichen Lebenszusammenhänge, als das Geschwafel über irgendwelche feministischen Beleidigungs-Feldzüge. Ob Männer ein »überholtes Rollenverständnis« haben, ist für die meisten von ihnen allerhöchstens Stoff für ein (singuläres und auch noch ziemlich langweiliges) Kneipengespräch. Drohende Arbeitslosigkeit und die Verarmung breiter Bevölkerungsschichten aufgrund von Veränderungen in der Arbeitswelt sind jedoch ein ganz anderes Kaliber und haben wenig Berührungspunkte mit irgendwelchen Geschlechterfragen. Es reicht einfach nicht aus, die Geschlechterdiskussion auf der Ebene von Küchenpsychologie und rollenbezogenen Mutmaßungen (weit interpretierbar) aufzuziehen, so wie Hollstein es seit Jahren tut.

Viel spannender wäre die Frage, ob der Feminismus ursächlich dafür verantwortlich ist, dass der gesellschaftliche Wohlstand auf eine derart schiefe Bahn geraten ist, wie wir ihn seit vielen Jahren wahrnehmen. Immerhin kostet er die Gemeinschaft einen Haufen Kohle, von der bisher noch nichts wieder zurückgeflossen ist. Feminismus in unseren Breitengraden ist ein nicht kritisierbares Luxusphänomen, aber keine ökonomische Notwendigkeit.

Die Frage, ob sich Männer aus der gesellschaftlichen Verantwortung (mit all ihren geschlechterrelevanten Facetten) zurückziehen, wird auch nicht dadurch entschieden, ob sich geistige Überflieger in akademischen Elfenbeintürmen irgendwelche Gedanken über Rollenverhältnisse machen. Vielmehr geht es einmal mehr ums Geld. Die Frage, ob Männer als Gruppe von der Gesellschaft als wertvoll erachtet werden, hängt nicht davon ab, ob sie sich – auf welche Art auch immer – dem Meinungsdiktat feministischer Prägung möglichst optimal anpassen oder andienen. Denn die klassische Emanzipation der Frauen bringt natürlich auch für die Männer eine nicht zu unterschätzende Wahlmöglichkeit. »Mein Bauch gehört mir« könnte z.B. in der männlichen Hemisphäre übersetzt »mein Ferrari gehört mir« bedeuten. Wieso sollte ein emanzipierter Mann seine Leistungsfähigkeit mit vielfach pampigen Weibsbildern verplempern, die in ihrer typischen konsumistischen Erwartungshaltung verharren? Wieso sollte er sein Engagement mit Menschen teilen, die seine Männlichkeit regelmäßig mit plumpen Beleidigungen überziehen?

Auch die Frage der eigenen Nachkommenschaft zieht nicht mehr, denn die Einseitigkeit, wie sie u.a. Familiengerichte bei den zahllosen Scheidungen an den Tag legen, kennt inzwischen so gut wie jeder Mann aus dem eigenen Umfeld. Auch das ist ein Faktum, das mit der Hollsteinschen Vorliebe für nebulöse Rollendiskussionen nicht viel zu tun hat, sondern vielmehr von Pragmatismus und Realismus angetrieben wird.

Der einzige Grund, weshalb sich die Gesellschaft eventuell zu einer etwas respektableren Haltung gegenüber dem männlichen Geschlecht hinreißen lassen könnte, ist die Frage nach den Kosten, welche durch eine allgemein virulente männerfeindliche Propaganda erzeugt werden. Kurz gesprochen: Wenn Männer sich zukünftig lieber die Eier schaukeln, statt sich für Familienbildung und den klassischen Nestbau zu begeistern, hat die Gemeinschaft nämlich tatsächlich ein langfristiges monetäres Problem. Die Frage, ob wir zukünftig genügend Malocher finden, die unsere Straßen bauen oder die Kraftwerke instandhalten können, hat eine nicht zu unterschätzende Relevanz; die Frage nach den Nachkommen ist demgegenüber eher variabel und diskussionsfähig.

Fazit: Insgesamt nehme ich Hollstein seine Integrität als »Männerbewegter« nicht ab. Wie so viele vor ihm beschäftigt er sich am liebsten mit der Frage, wie man Männer in die feministische Omnipräsenz einbinden kann. Feministische Grundannahmen werden von ihm nur dann kritisch hinterfragt, wenn sie allzu offensichtlich den Bogen überspannt haben.


Kategorie: Male, Female

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