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Lego-Man Macron

11.05.2017

Ein paar subjektive Betrachtungen zum französischen Wahlergebnis

Bereits in den ersten Berichten über die französische Präsidentenwahl (die ich insgesamt aus Zeitgründen nicht besonders intensiv verfolgt hatte) war die auffälligste Reaktion der bundesdeutschen Presse unisono von Erleichterung geprägt. Immerhin hatte dieser farblose Lego-Man Macron erfolgreich »den Rechtspopulismus in Europa verhindert«, schrieb man sich in Rage. Wie schon beim Thema Donald Trump oder auch bei den medialen Entscheidungsschlachten zum »Brexit« konnte man in der staatstreuen Presse eine extreme Nervosität beobachten: Hier die von Blitzlichtgewittern geschönte EU, da die bösen Kritiker, die das schöne Europa zugrunde richten wollen – so einfach und schlicht kann Politik in der medialen Aufbereitung heutzutage aussehen. Differenzierte Analysen musste man in den MSM (Mainstream-Medien) förmlich mit der Lupe suchen.

Zufällig guckte ich gestern in der Halbzeit der Champions League ins verkürzte »Heute Journal« im ZDF (»Mit dem Zweiten schläft man besser«) und erlebte einen sichtlich erleichterten Systemling namens Klebriger Klaus. Der war voll des Lobes, weil die »Grande Nation« sich nicht für die rechtspopulistische Marine Le Pen entschieden hatte; so als wäre die Erde gerade nochmal an einem Meteoriten der KT-Klasse vorbei geschrammt. Wenn man schon nicht mehr in der Lage ist, Politik ohne die melodramatischen Attitüden von Seifenopern zu orchestrieren, dann sollte man wenigstens wissen, dass der vermeintliche Pro-EU-Erfolg in Frankreich wahrscheinlich nur einen ziemlich holprigen Aufschub gewährt. Aber vielleicht ist es in Zeiten der kurzfristigen Beschäftigungsverhältnisse innerhalb des journalistischen Berufsstands tatsächlich ein vager Erfolg, wenn man wenigstens eine gesamte Legislaturperiode lang weiterhin systemkonformen Unsinn verbreiten und damit seine GEZ-vergoldeten Brötchen verdienen darf.

Die Langzeitprognose sieht für das EU-geschundene Europa leider viel düsterer aus – und das betrifft nicht nur die Wahlen in Frankreich, sondern auch den 2017er Wahlmarathon hierzulande. Könnte es vielleicht sein, dass der viel geschmähte »Rechtspopulismus« nun doch nicht in der Versenkung verschwindet – trotz Lego-Man in Frankreich bzw. Übermutti Merkel in Deutschland? Könnte es vielleicht sein, dass das Erstarken sogenannter populistischer Strömungen vielmehr auf gravierende systemische Probleme hinweist? Gibt es in der aktuellen Hof­bericht­erstattung überhaupt jemanden, der sich kompetent mit Ursachenforschung beschäftigt? Das Gegenteil ist der Fall.

 

"Haut die Bullen platt wie Stullen"

Die unmittelbare Phase vor den französischen Wahlen war geprägt von Straßenschlachten, Demonstrationen, brennenden Polizisten und einem beachtlichen Zerstörungswillen vor allem der selbsternannten »antifaschistischen« Szene. In der deutschen Presse wurde dies weiträumig ausgeblendet, lediglich auf RT Deutsch (als Beispiel) konnte man sich ein Bild über das zerissene Frankenland machen.

Aber was ist denn nun eigentlich »faschistisch«: Die ausländerfeindlichen Ressentiments, die dem Front National seit Jahren nachgesagt werden oder die Tatsache, dass ein blindwütiger Mob im Namen des Antifaschismus Gewalt und Terror auf die Straßen trägt? Überhaupt ist die simplifizierte Klassifizierung in anachronistische »Links-Rechts-Schemata« mittlerweile völlig ungeeignet, um sich ein vollständiges Bild der aktuellen Politik zu machen. Vielmehr handelt es sich bei den laufenden Balgereien um die politische Deutungshoheit um einen typischen »gordischen Knoten«. So, wie die gewaltbesoffene Antifa sich aufführt, handelt sie selber in klassisch faschistischer Tradition – und führt obendrein noch das Geschäft der Kartelle auf den Straßen weiter. Nein, ein paar eingeschlagene Fenster bei Banken sind kein besonders revolutionärer Akt, sondern Kinderkram. Das Establishment freut sich sogar darüber, denn diese Antifa hilft tatkräftig dabei mit, die wirklich gefährlichen Feinde der europäischen Kartellpolitik – nämlich die Wähler und Sympathisanten der »Rechtspopulisten«, die ein grundsätzlich anderes Europa wollen – zu dämonisieren. Unter dieser Konstellation laufen die Geschäfte der Gierigen und Korrupten währenddessen natürlich blendend weiter.

 

Wir mischen uns nicht ein - nur ein bisschen vielleicht

Lego-Man Macron war bekanntermaßen der Liebling der deutschen Bundesregierung. Das hatten sie wiederholt öffentlich so gesagt, obwohl sie doch sonst – wie im Fall Russland – nicht müde werden, vor einer ausländischen Wahlbeeinflussung zu warnen. Nun ist es leider so, dass sich die deutsche Regierung spätestens seit der Flüchtlingskrise die Sympathien in Europa bis auf wenige Ausnahmen komplett verscherzt hat. Die arrogante Art und Weise, wie man den europäischen Partnern die eigene Flüchtlingspolitik aufs Auge drücken wollte (z.B. durch Verteilungskontingente), hat Deutschland politisch isoliert und führt bei nicht wenigen in Europa schon wieder zu (berechtigten) antideutschen Ressentiments. Eine sehr prägnante und plastische Darstellung zu diesem Themenbereich liefert übrigens das Buch »Die Getriebenen«. Besonders pikant ist in diesem Buch auch das unwürdige Kompetenzgerangel zwischen Merkel und Seehofer, aber vor allem zwischen de Maizière und Altmaier (der von Merkel völlig unerwartet zu ihrem persönlich verpflichteten »Flüchtlingskommissar« gekrönt wurde) beschrieben. Man kann gar nicht fassen, mit welcher dümmlichen Bräsigkeit hierzulande Politik betrieben wird.

Auch in wirtschaftlicher Hinsicht schien Lego-Man Macron für die geliebte deutsche Bundesregierung ein Garant für die Weiterführung ihrer oligarchischen EU-Politik zu sein. Immerhin versprach er ähnliche Sozialreformen in Frankreich, wie sie seinerzeit Brioni-Kanzler Gerhard Schröder mit HartzIV in Deutschland angezettelt hatte. Egal, wie man nun zu diesen Reformen steht: Die Bereitschaft, auf all die unangenehmen Kritiker einer Wirtschaftpolitik nur für Reiche einzugehen, wird von den selbsternannten Eliten weiterhin vehement abgelehnt. Dabei ist das Protestpotenzial geradezu episch, so episch, dass sogar die AfD trotz ihrer neoliberalen Agenda von den Abgehängten als allerletzte demokratische Protestmöglichkeit favorisiert wird. Wenn ich mich recht entsinne, wandern nämlich nicht unbedingt viele Wähler der CDU zur AfD (zwischen denen es gewisse ideologische Schnittmengen gibt), sondern vor allem von der SPD und den Linken zur AfD. Das müsste eigentlich die Alarmglocken der Etablierten schrillen lassen, doch denen fällt nichts anderes ein als ein strunzdummes »Weiter so«. Und damit provozieren sie die soziale Eskalation geradezu; die französischen Straßenkämpfe der letzten Monate beweisen solche Tendenzen. Auch in Deutschland gab es mal (vor dem zwölfjährigen Reich) solche blutgetränkten Eskapaden – daran darf man ruhig mal nachdrücklich erinnern.

Immerhin hat das Verhältnis zwischen Sunnyboy Macron und der geliebten Bundesregierung in den letzten Tagen einen Dämpfer bekommen. Denn Lego-Man möchte nun doch am liebsten die französischen Wirtschaftssorgen auf die gesamte EU auslagern und eine europäische Schuldengemeinschaft aus der Taufe heben. Das fanden Merkel und Schäuble gar nicht lustig. Mal sehen, vielleicht entwickelt sich Lego-Man noch als echtes Kuckucksei, denn als ehemaliger Investmentbankster könnte ihm die langfristige Plünderung des europäischen Mittelstandes möglicherweise näher liegen als diese komische, überstrapazierte »soziale Marktwirtschaft«, in der die Wirtschaft der Theorie nach den Menschen dient (und nicht umgekehrt). Da es in Frankreich offensichtlich ökonomisch nicht mehr viel zu holen gibt, liegt das größte Potenzial für globalistische Hütchenspiele beim größten Hegemon Europas, nämlich Merkel-Deutschland. Die wirtschaftliche Dominanz und Arroganz der deutschen Regierung in der EU war übrigens mit ein Grund für den Brexit.

 


Kategorie: Politik, Gesellschaft

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