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Künstlerin als Agentin des Patriarchats?

07.11.2017

»Nie wieder nackte Brüste in einer Kunstausstellung«, meint das Göttinger Studentenwerk.

Zum Tathergang: In Göttingen gab's eine Ausstellung einer Künstlergruppe mit einigen nackten Brüsten und einem Bild von Albert Einstein mit Schweineohren. Nicht nur wird der Ausstellung reflexhaft »Antisemitismus« sondern natürlich der omnipräsente »Sexismus gegen FrauInnen« vorgeworfen. Darüber berichtete heute Spülgel Online (die schon wieder).

Ja, ihr habt richtig gelesen. Selbst in der Post-Weinstein-Ära heißt das Göttinger Studentenwerk noch immer nicht StudierendInnenwerk, wie sich das neuerdings gehört. Überhaupt lässt die journalistische Akkuratesse in diesem Artikel schwer zu wünschen übrig. Die Gendersprache sollte sich gerade bei Spülgel-Artikeln natürlich viel konsequenter darstellen, aber stattdessen finden wir »Studenten« neben »Studierenden« wild durcheinander gewürfelt. Da muss der Spiegel wahrscheinlich so manchen RedakteurIn nochmal ins Genderseminar schicken. Was das wieder kostet!

Spülgel Online lässt derzeit nichts unversucht, um die angestaubte Mär von »alle Männer potenzielle Vergewaltiger« immer wieder neu aufzukochen, so wie ein Junkie, der auch noch die letzten Reste von seinem medialen Löffel kratzt. Es scheint für die ganzen Heulsusen und HeulsusInnen bei diesem Schundblatt derzeit nichts Wichtigeres zu geben als die fünf Minuten mediale #mimitoo-Aufmerksamkeit.

Quasi parallel zu den ersten Veröffentlichungen zur Weinstein-Affäre gab es in Somalia übrigens einen üblen Terroranschlag mit 300 Toten. Aber Weinstein war viel wichtiger! Diese merkwürdige Priorisierung muss man erstmal sacken lassen, um die ganze Perfidie einer gleichgeschalteten Presse zu verstehen.

Die Ausstellung der studentischen Künstlergruppe »KomiTee« in Göttingen bestand also nach Ansicht des sittsamen Studentenwerks aus viel zu vielen Bildern mit nackten Brüsten. Ja, haben die denn noch nie einen Porno runtergeladen? Was lernen die eigentlich dort in Göttingen? Zu meiner Zeit... ach, lassen wir das. Aber früher war mehr unbekümmerter Sex, das kann ich sagen – und es war nicht alles schlecht daran!

Dumm ist nur, dass für die schlimmen nackten Bilder in Göttingen auch noch ausgerechnet eine Frau verantwortlich ist – wahrscheinlich eben so eine typische Agentin des ewig lüsternen Patriarchats. So eine fiese Kollaborateurin, eine die wahrscheinlich sogar »freiwillig« mit Männern schläft, eine die regelmäßig mit ihren weiblichen Reizen kokettiert und den anderen Frauen brutal das Recht auf eine selbstbestimmte Sexualität wegnimmt. Die wollte mit ihren selbstgemalten Nippeln wahrscheinlich wieder nur einen lukrativen Galeristenvertrag abstauben. Man weiß ja, wie einfach die Kerle zu kriegen sind. Von Nippeln sind die doch ständig paralysiert! Nie gucken die Tüpen auf die wunderbaren inneren Werte oder auf die Persönlichkeit einer Frau! Immer machen sie »Objekte zu Frauen« (O-Ton Rolf Miller; ebenfalls: »Frauencafé: Die trinken Kaffee und dann steht's in der Zeitung«)!

Der Bericht von Spülgel garniert den sexistischen Skandal übrigens mit einem Foto, auf dem ein gewisser »Horst Reinert vom Studentenwerk« bei seinem mutigen Einsatz des Bilderabhängens abgelichtet wurde. Hey, ich wusste gar nicht, dass man so lange studieren kann, wie es die rein anatomische Erscheinung dieses selbstlosen Nippel-Retters nahelegt. Aber auch Reinert kann sich von alten patriarchalischen Gewohnheiten nicht lösen, denn unzweifelhaft guckt er bei seinem Einsatz genau auf... die Titten im Bild! Die Tüpen sind eben alle gleich; hatte ich das schon gesagt?

In so einer Massenpsychose, wie sie derzeit in der veröffentlichten Meinung marodiert, darf man ruhig auch mal über Leichen gehen: In Kleinbritannien hat sich ein prominenter Beschuldigter, nämlich der walisische Kabinettssekretär für Gemeinden und Kinder, Carl Sargeant, wegen eben solcher sexistischer Vorwürfe das Leben genommen. Er war »nur« ein Beschuldigter. Mag sein, dass er Dreck am Stecken hatte – das wird man wohl niemals mehr ergründen können. Doch den Fanatikern von der frauenbewegten Front sind solche Kollateralschäden herzlich egal. Auch das bewährte Prinzip, nachdem jemand als unschuldig zu gelten hat, solange nicht das Gegenteil bewiesen ist, ist in diesen Tagen offensichtlich nicht mehr viel wert. Möglicherweise wusste Sargeant ganz genau, dass seine Karriere definitiv zu Ende ist, ganz egal, was ein britisches Gericht dereinst als Urteil über ihn verkünden würde.

 

Guess what happens next

Nun mag ja der propagandistische Feldzug gegen die »potenziellen Vergewaltiger« einen gewissen Unterhaltungswert und damit Klickzahlen generieren. Fakten, wie etwa stetig zurückgehende Vergewaltigungszahlen, passen dabei aber blöderweise nicht so wirklich ins Bild. Und deshalb dehnt man das Zauberwort Sexismus auf praktisch alle großzügig interpretierbaren Interaktionen zwischen Männlein und Weiblein aus. Einmal zu blöd in der U-Bahn geglotzt: #meetoo! Einmal »eine Frau mit den Augen ausgezogen«: #killallmen! Einmal einer Feministin widersprochen: #hatespeech! Eine Klobürste hat mehr kulturellen Nutzen als das, soviel ist mal sicher.

Als Mann ist es mir einigermaßen peinlich, mit Gegenbeispielen zu wuchern, um derartigen Bullshit zu kontern. Aber es gab sie, die aufdringlichen Weiber, die meinten, ich wolle es doch auch. Oder die unglaublichen Hassausbrüche, wenn es eine Kollegin endlich in ihren gefönten Schädel kriegte, dass mir damals meine Funktion als Familienmensch wichtiger war als die schnelle Nummer zwischendurch. Ablehnung ist nämlich etwas, mit dem fast keine Frau entspannt umgehen kann. Da werden sie teilweise zu regelrechten Furien. Aufpassen, kann zu blauen Flecken führen!

Nein, ich habe nicht mitgezählt, wie oft mir das passierte. Es war aber so häufig, dass man dem Ganzen locker Regelmäßigkeit attestieren kann. Nicht missverstehen: Solche Ereignisse haben nichts mit mir als Typ zu tun, denn ich bin kein Ladykiller im klassischen Sinn, nie gewesen. Das hätte jeden anderen genauso treffen können; ich war eher ein »hormoneller Zufall bestimmter weiblicher Zyklen«, wenn man so will. Nur spricht man als Typ nicht gerne darüber, wenn einem so eine rollige Pullertrude ungefragt Avancen macht, die man eigentlich gar nicht haben will. Außer schalen Witzchen wie »Na, für Männer ist das doch wohl angenehm« kriegt man da sowieso nix zu hören. Teilweise fütterte es natürlich auch mein Ego und meine Eitelkeit, aber eben längst nicht immer.

Mir persönlich geht schon dieses öde Prinzip auf den Keks, wenn Frauen meinen, sie könnten weitläufige Ansprüche aufgrund ihres sexuellen Entgegenkommens geltend machen – selbst dann, wenn die Initiative ursprünglich von ihnen selbst ausging. Das ist so ein universales, kulturunabhängiges Prinzip, das aus den allgemeinen Befindlichkeiten der Frauen heraus zum Mega-Axiom einer ganzen Frauenbewegung gesupert wurde: Männer sind an allem Schuld, vor allem sexuell. Mit »Sex und Intimität auf Augenhöhe« hat das gar nichts zu tun, nada, nicht mal theoretisch. Mit »Frauen sind potenzielle Huren« allerdings schon – um das mal auf das allseits beliebte Diskussionsniveau heutiger Prägung herunterzubrechen. Was, so etwas darf man als Mann nicht schreiben? Dann tut mir das leid. Obwohl, eigentlich doch nicht; hab mich gerade umentschieden, hehe.

Derlei Tiraden gegen die »ständig sabbernden Männer«, wie sie Presse zurzeit abfeiert, sind durchaus steigerungsfähig. Da sollte man sich keinen Illusionen hingeben, auch wenn sich das alles immer wie 1970 anhört, also komplett anachronistisch. Je unattraktiver die (schreibende) Frau, desto größer das Gezeter – so stellt sich das dar. Nein, mit »Attraktivität« ist ausdrücklich mal nicht das Aussehen gemeint, eher das allgemeine Auftreten, das Benehmen und das sozialverträgliche Charisma. Okay, ich habe eigentlich auch schon vergessen, was das nochmal war. Geschenkt. Aber Charisma hat nichts mit der Körbchengröße zu tun, soviel weiß ich noch.

Was Frauen wahrscheinlich an den Männern unterschätzen, ist ihr grenzenloser Pragmatismus. Woher sollten sonst die vielfachen Klagen der Frauen über die »Bindungsunfähigkeit« des schwächelnden Geschlechts herkommen? Die Typen richten sich die allgemeine heterosexuelle Lage halt so ein, wie es für sie am besten auskommt. Und plötzlich entdecken sie Freiheiten, die sie bei der ewigen Jagd nach den wehenden Röcken irgendwie vergessen hatten: Die Verlässlichkeit einer typischen Männerfreundschaft, die Abwesenheit von lebenslangen Unterhaltsverpflichtungen, das Vernarrtsein in typisch männliche Hobbys usw. Auf Sex muss man dabei nicht verzichten; das ist eher eine Organisationsfrage.

Man sollte auch nicht glauben, dass die prinzipielle diskursive Ausweglosigkeit, die solche totalitären Kampagnen mit sich bringen, sich irgendwann wieder legt – weil sich z.B. jezz ganz, ganz viele Männer ihrer Jahrtausende alten Erbschuld bewusst werden und vor keifenden Weibern Männchen machen. Hat noch nie funktioniert; ist eher peinlich. Nur die Frauen selber können diesen sterilen Spuk beenden. Ich meine Frauen, keine Prinzessinnen.

 


Kategorie: Male, Female

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08.12.2017

Der Hashtag #metoo als »Bullshit Of The Year«.

Kat: Male, Female
29.11.2017

...und nicht die Lösung.

Kat: Politik, Gesellschaft
28.11.2017

Das meint zumindest Frauenministerin Katarina Barley in der TAZ.

Kat: Male, Female
23.11.2017

Jakob Augstein würde für eine Falschbeschuldigung nur zu gerne in den Knast gehen.

Kat: Male, Female, Kultur, Musik
17.11.2017

Laut Deutschlandfunk darf man dessen Musik nicht mehr hören.

Kat: Diverses, Politik, Gesellschaft