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Zäsur

14.11.2017

Im Fahrwasser der #metoo-Kackscheiße*)

Prophezeiungen im Zuge der #metoo-Kampagne gab es gleich im Megapack. Nicht wenige Femilinistinnen fieberten neuen, geschlechtergerechten Zeiten entgegen, weil nun endlich nach sovielen erfolglosen Twitta-Anläufen, alle Empörlinge ihr kleines Sexismus-Happening in die Onlinewelt posaunen konnten. Was da alles auf einmal unter »Sexismus« fiel – ein Wahnsinn! Würde man die privaten Dramoletten allesamt als nackte Wirklichkeit betrachten, hätten wir »die Kölner Silvesternacht« an jedem verdammten Tag im Jahr – Schaltjahre und autochtone weiße deutsche Männer statistisch mitgerechnet.

Eine geschlechterpolitische Zäsur gab es durchaus, allerdings ganz anders, als es sich die Twitta-Urheberinnen eigentlich vorgestellt hatten. Denn ein scheler Blick auf die sekundären Geschlechtsmerkmale einer anderen Person oder eine aufdringliche Bemerkung haben eben nicht nur »Frauen in ihrem Leben schon mal erlebt«. Plötzlich gibt es sogar Männer, die bei ähnlicher Fakten- bzw. Anbahnungslage dasselbe von Frauen erlebt haben. Dumm gelaufen, was die höchst einseitige Message der InitiatorInnen angeht, denn so war das doch nie beabsichtigt.

Manche Einsichten waren natürlich für die Überengagierten der feminilistischen Brigaden nur schwer verdaulich, etwa die Frage, ob eine Frau überhaupt einen Mann gegen seinen Willen zum Sex zwingen kann. Die Kurzfassung lautet: Sie kann! Ich weiß, für jemanden, der die Geschlechterdiskussion mit einem festgezurrten Weltbild und mit einem Informationsstand auf Puppenhausniveau beackert, ist die Vorstellung, dass so ein grundsätzlich gewaltaffiner, muskulöser Mann von einer zartbesaiteten Heroine gegen seine eigentliche Absicht zum Sex gezwungen werden kann, ein Ding der Unmöglichkeit. Ohne mich in physischen Details zu verlieren: Die Beantwortung dieser speziellen Frage ist in etwa so schockierend wie die Tatsache, dass manche Frauen bei einer Vergewaltigung einen Orgasmus bekommen. Beides scheint undenkbar, beides ist aber leider Fakt. Die blöde Natur hat dummerweise kein Herz für Rosamunde Pilcher.

Statt also für alle Zeiten die dauergeilen Tüpen zur Räson zu bringen, stellen sich inzwischen auch bisher völlig unbedarfte Männer den neuralgischen Fragen des heterosexuellen Alltags: Bin ich ein potenzieller Vergewaltiger? War mein Kompliment von neulich eigentlich übergriffig? Muss ich mir Plastikmesser anschaffen, damit sich meine Freundin zukünftig nicht mehr so bedroht fühlt, wenn sie mich mal besucht? Wo liegt eigentlich die Promillegrenze, wenn man beschwipst miteinander ins Bett fällt (nach neuester Maasscher Doktrin gilt vögeln im Suff schon als Vergewaltigung)? Muss ich jezz schwul oder bisexuell werden, um wenigstens ein bisschen vom emanzipatorischen BRD-Fortschritt zu profitieren? Oder ist das permanente Insistieren auf dem Opfermonopol in Sexfragen vielleicht doch nur Ausdruck für eine fehlende erotische Aufmerksamkeit seitens der Männer? Muss ich allen Pornos abschwören, obwohl die Frau in meinem Bett eine Performance unterhalb der Duldungsstarre hat? Soviele Fragen!

Als letzten Rettungsanker im vermurksten Hetero-Business kommen die Flintenweiber regelmäßig mit dem Totschlagargument »Liebe«. Jaha, Liebe ist ein universales Bonmot und steht für viele, ganz verschiedene Dinge. Im Geschlechterdiskurs brilliert der Begriff meistens dann, wenn Femilinistinnen mit ihrem Standardrepertoire an Buzzwords auf kognitiven Widerspruch stoßen, insbesondere auf Fakten und Sachargumente; spezieller: auf Männer mit einem eigenen Kopp zum Denken.

Dabei sind die Ansichten der Weiber glasklar: Liebes-Voodoo können nur die Frauen, nur sie können definieren, was Liebe bedeutet. Komischerweise ist in ihrer gefönten Welt »Liebe« immer genau das, was ihnen persönlich gerade Vorteile und/oder Aufmerksamkeit beschert. Nein, Mascara ist nicht Liebe. Wie ich schon öfter schrieb: Kaum eine Frau interessiert sich für die Gefühlsduseleien ihres Mannes. Wenn also irgendeine Triene mal wieder fordert, dass die Tüpen »mehr Gefühle zeigen sollen«, dann meint sie damit, dass er zuallererst ihren Gefühlen kritiklos zuzuhören hat. Von männlichen Gefühlen will keine wirklich was wissen, außer sie fühlt sich dadurch restlos in ihren eigenen Gefühlen bestätigt. Fühlismus im Endstadium sozusagen. Nur zur Erinnerung: Wir hatten über viele Jahrhunderte bereits Kulturen mit einem ähnlich ausgeprägten Hang zu gefühlten Wahrheiten. Sie endeten jedes Mal in einer Katastrophe.

Dass die Femis durchweg einen an der Waffel haben, ist für meine Leser natürlich keine echte Neuigkeit. Dümmere Zeitgenossen haben da allerdings wesentlich mehr Probleme, den sexistischen Stoff zu bewältigen. So gibt es immer noch Autoren, die gewisse angeschimmelte Wahrheiten für bare Münze nehmen, wie etwa ein Herr Nico Beckert bei Telepolis. Der stellte neulich die Frage »Brauchen wir eine Männersteuer?«. Sein Hauptargument, das auch gleichzeitig sein einziges Argument ist: Männer verdienen 21 Prozent mehr als Frauen! Ist dieser Herr Beckert etwa über drei Ecken mit St. Martin Chulz verwandt, dem grandios gescheiterten SPD-Vortänzer, der dieses »Argument« ebenfalls zu seinem Wahlkampf-Diktum erhob? Man sieht, selbstgewählte Blödheit und sture Faktenresistenz sind sehr hartnäckige Phänomene im (geschlechter-)politischen Gerangel. Entsprechend lebhaft ist dann auch die Diskussion im angeflanschten TP-Forum. Bis auf ein paar wenige ewig Gestrige mag dort niemand diesem klugscheißenden Schreiberling beipflichten. Sehr unterhaltsam!

Handfeste bzw. realistische Verfahrenswege, um die historische Geschlechter­problematik endlich in erträglichere Bahnen zu lenken, liest man sowieso selten. Alles bewegt sich (vor allem seitens der Frauen) im Rahmen der bekannten Raterunden, was »eine Frau an und für sich« denn nun eigentlich wollen könnte. Die Deutung ihrer libidonösen Wünsche und Bedürfnisse sind also entweder ihnen selber nicht geläufig oder für ein respektables Binnen­verhältnis zwischen den Partnern irrelevant.

Über »Das musst du doch von selber merken, was ich will!« lässt sich nun mal nicht diskutieren. Das einzig Beständige an ihren erotischen Bedürfnissen sind also wie eh und je ihre Unberechen­­barkeit und ihre Willkür. Die meisten Frauen, die man zu ihren nonverbalen Wünschen interviewt, verbleiben im Nebulösen, was unvermeid­liche Ent­scheidungen und emanzipatorische (i.S.v. befreiende) Konsequenzen in einer Partnerschaft und zum Vorteil beider erschwert bzw. verunmöglicht. Lediglich Geld und Status scheinen der weiblichen Entscheidungsfindung in Sachen Erotik und Sex ab und an einen gewissen Drive zu verleihen. Auch das ist eine unmittelbare Einsicht aus den weltweiten #meetoo-Debatten und sie hat indertat eine großflächige Beachtung mehr als verdient. Manchmal sind Klischees aus der Welt der Reichen und Gephotoshopten eben doch lehrreich.

Als Antwort auf das jüngste Hollywood-Desaster kam übrigens beim ansonsten stramm feministischen Käseblatt »Zeit Online« der Vorschlag, dass Frauen sich zukünftig nicht mehr schminken oder sexy aussehen sollten. Auch darauf gab es eine erschlagende Anzahl kritischer Kommentare (über 2000). Anscheinend bewegt die Menschen das Klein-Klein der Erotik doch erheblich mehr, als es die zugeknöpften feminilistischen Gouvernanten gerne hätte. Zwar will frau u.a. »sexistische Werbung« aus den Augen haben, aber so ganz ohne weibliches Mimikri (erschminktes Kindchenschema) will frau dann auch nicht leben müssen. Vielleicht läuft ihr ja doch irgendwann mal so ein Herr Brad oder ein Herr Pitt über den Weg. Oder ein Herr Weinstein.

Bei der intellektuell eher unterbelichteten TAZ macht man aus solchen Thesen natürlich wieder eine Kapitalismuskritik. Schon doof, dass die Frauen mit ihrem Schmink- und Schönheitsfimmel auch noch das frauenfeindliche Patriarchat am Kacken halten. Mal ne Frage: Färbt sich Frau Göring-Göring von den Grünen eigentlich ihre evangelischen Haare? Dachte ich mir.

Ich bin schon gespannt wie ein Flitzebogen auf die nächste #-Debatte! Je mehr von diesem grotesken Unsinn in die Öffentlichkeit gelangt, umso besser.


*) »Patriarchalische Kackscheiße« ist ein soziologischer Fachbegriff, der sich im Laufe der 423. Feminismus-Welle etabliert hat.

 


Kategorie: Male, Female

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