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< Erst Twitta macht den Menschen
   

Liebe deine Feinde...

26.10.2017

...und halte zur Not auch noch die andere Arschbacke hin. Meint die Bundeswehr neuerdings.

Ich gebe ja zu, dass die geistigen Tiefflüge, wie sie einige Presseorgane wie »Der Westen« (aber auch andere) in die Öffentlichkeit tragen, mich in letzter Zeit auf seltsame Weise faszinieren; fast schon obsessiv ist das. Die bringen aber auch Themen, auf die ich mein Leben lang nicht kommen würde – vieles davon ist ordinärer Schmuddelkram auf dem Niveau der berüchtigten »Dr. Sommer«-Serie, wie es anno Tobak mal in der Jugendzeitschrift »Bravo« zu lesen war. Gibt's das Blatt eigentlich noch? Egal, andere Schundblätter wie »Frigitte«, »Feindin« oder »Das goldene Blah« sind da ganz ähnlich unterwegs.

Nun also die stolze Bundeswehr und ihr Magazin »Y«. Nach einigem Zaudern soll nun ein Sexratgeber für unsere Bürger in Uniform als Sonderausgabe erscheinen, denn – ihr ahnt es schon – es besteht ein dringender taktischer Handlungsbedarf, weil man vor Kurzem die »sexuelle Vielfalt« in der Truppe entdeckt hat. Damit also die Bundeswehr endlich nicht mehr so ein rein heterosexueller Machohaufen ist, will man die Soldaten für die unterschiedlichen sexuellen Präferenzen sensibilisieren. »Das ist mir persönlich ein Stück weit ganz wichtig«, lautet der übliche Textbaustein unserer Verteidigungsministerin von den Laien dazu.

Doch nachdem die Berichtbestatter dieses Magazins zwecks Untersuchung der möglichen sexuellen Ausdrucksformen sogar bei einem Pornodreh recherchierten, wurde der Ministerin plötzlich ganz wuschig im Kopf und sie ließ das Pamphlet noch einmal überarbeiten. Oh, das kann ich mir gut vorstellen! Militärsex (also Sexszenen mit Soldaten, Uniformen usw.) gilt ja fast schon als eigener Fetisch innerhalb der Schmuddelindustrie. Und natürlich müssen moderne, zeitgemäße Militärpornos nicht nur frei von Geheimnisverrat sein, sondern sie müssen selbstverständlich die gesamte Bandbreite sexueller Vielfalt darstellen. Allein schon Sex mit unterschiedlichen Dienstgraden ist da ein Problem; Ab­hängig­keits­verhält­nisse und so.

Vielleicht hat die Ministerin aber auch in den beanstandeten Pornoszenen ein »G36 von Heckler und Koch« entdeckt und deshalb die Pornorecherche verboten; kann auch sein. Mein Verbindungsoffizier im Kriegsministerium konnte dazu leider keine genaueren Angaben machen. Aber man weiß ja, dass sie auf diesen Hersteller generell nicht gut zu sprechen ist.

Derart geschult, steht den »Friedensmissionen« unserer selbstlosen und grundguten Armee nichts mehr im Wege und die weltumspannende Vermittlung unserer »westlichen Werte« kann nun endgültig ihren Siegeszug antreten. Da werden sich die Afghanen aber freuen, dass wir so ein entspanntes Verhältnis zu den südlichen Regionen unserer Soldaten haben! »Fuck the Taliban« bekommt da plötzlich eine ganz besondere Bedeutung.

Die Hysterie in sexuellen Dingen ist in diesen schlüpfrigen Tagen geradezu episch. Nicht nur hässliche Medienmogule werden mit ihren unsittlichen Avancen ins Rampenlicht gezerrt. Gestern kam heraus, dass sogar der ansonsten stinklangweilige ehemalige US-Präsident Bush senior (also der Vater dieses kriegslüsternen G.W. Bush) seine sexsüchtigen Griffel nicht bei sich halten kann. Obwohl er mit inzwischen 93 Jahren auf einen Rollstuhl angewiesen ist, hatte er bei einem Fototermin eine Schauspielerin befummelt und ihr auch noch einen versauten Witz erzählt – im Beisein seiner eigenen Ehefrau wohlgemerkt. Sein Büro meinte dazu beschwichtigend:

In der Mitteilung seines Büros hieß es, Bush sei bereits seit fünf Jahren auf einen Rollstuhl angewiesen. „Sein Arm fällt daher auf die niedrigere Taille von Menschen, mit denen er sich fotografieren lässt. Um Leuten zu helfen, sich zu entspannen, erzählt er regelmäßig denselben Witz – und gelegentlich hat er Frauen in einer von ihm als gutmütig beabsichtigten Weise auf die Hinterseite geklopft.“ Einige hätten das als unschuldig betrachtet, hieß es in der Erklärung weiter. Andere hielten es klar für unangemessen.


Jezz hätte mich doch mal interessiert, welche anzüglichen Witze ein puritanischer Texaner wie Bush sen. so auf Lager hat. »Kommt eine Frau zum Arzt...« oder wie? Und isses immer derselbe Witz, der bei den Bushs seit vielen Generationen die Runde macht? Wo ist eigentlich die NSA, wenn man sie mal braucht? Ich fordere eine lückenlose Aufklärung und gegebenenfalls ein nachträgliches Impeachement gegen diesen sexlüsternen Greis!

Alles in allem kann man aber die schonungslosen Twitta- und sonstigen Gazettenkampagnen nur begrüßen. Endlich begreifen die Männer, dass Flirtversuche und aktive Annäherungen gegenüber Frauen grundsätzlich unerwünscht sind. Selbst wenn (z.B. im Sommer) die Frauen halbnackt durch die Gegend stolpern, heißt das noch lange nicht, dass sie mit irgendwem in die Kiste hüpfen wollen. So was machen sie ausschließlich für sich selber! Dass das mal klar ist! Allerhöchstens kokettieren Frauen mit ihrem freizügigen Auftreten, weil sie ihre Geschlechtsgenossinnen beeindrucken wollen. Schließlich sind es ja meistens die Frauen selber, die anderen Frauen Stress wegen ihres Aussehens einreden. Oder hat man schon mal von Männern gehört, die sich in epischer Länge über Frisuren und Klamotten austauschen? Eben.

Ich bin jedenfalls froh über diesen Zuwachs an Planungs- und Verhaltenssicherheit in der heterosexuellen Kommunikation. Die Zeiten, in denen mann sich lang und breit den Kopf über irgendwelche dubiosen feuchten Hoffnungen und Wünsche zerbrechen musste, sind zum Glück Geschichte. Statt sich überflüssigen, archaischen Trieben hinzugeben oder nutz- und fantasielosen Plunder für die Balz aufzutreiben, können sich Männer zukünftig auf die wirklich wichtigen Themen konzentrieren. Wie uns der Justizheiko schon vor Monaten klargemacht hat, gibt es Sex mit Frauen in Zukunft nur noch gegen seine schriftliche Erlaubnis und auch nur, wenn der Paarungswunsch von einer (nüchternen) Frau ausgeht. Ich gebe zu: Mein primitives männliches Gehirn hatte diese modernistische Tragweite, wie sie unser Ex-Justizvogel im Blick hatte, zunächst gar nicht richtig erkannt. Danke SPD! Jedenfalls kann mann sich nun beruhigt zurücklehnen und den selbstbewussten Frauen den Vortritt in sexuellen Dingen überlassen. Schriftlich natürlich, was denn sonst. Soviel Gleichheit muss schon sein.

 


Kategorie: Male, Female

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