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Männer haben auch mal keinen Bock

05.10.2017

...berichtete heute »Der Westen«

So langsam sickert es anscheinend auch in die berüchtigten Mainstream-Medien ein, dass »Männer und Sex« doch nicht so eine verlässliche Konstante ist wie etwa die Lichtgeschwindigkeit. »Der Westen«, ein eher seichtes NRW-Portal der Funke-Medienverblödungsgruppe, zitierte eine US-amerikanische Studie, wonach sogar bei den Tüpen Gefühle im Spiel sind, sobald es um Sex geht. Man fand heraus, dass Männer »Beziehungsharmonie« bräuchten, vor allem, wenn sie sich schon in einer langen Beziehung abgequält haben, sonst läuft anscheinend nicht viel.

Das wirft natürlich das übliche Konstrukt, wonach die Tüpen immer können und alles besteigen, was bei drei nicht auf den Bäumen ist, komplett über den Haufen. Die meisten Frauen (insbesondere die feministische Fraktion) halten die männliche Sexualität ja für ein ziemlich primitives Konstrukt. Meistens wird das mit »braucht man gar nicht drüber reden« oder »sowieso schwanzfixiert« abgehakt. So schafft sich die kultivierte, selbstbewusste Frau im allgemeinen Aufmerksamkeitskontingent für derartige Fragen den nötigen Platz, um ihren eigenen Kodex zu etablieren, wie glücklicher und guter Sex denn auszusehen hat. Gewöhnlich geht das auf einer psychologischen Nebenspur einher mit einer ordentlichen Portion Beschämung und Gängelung ihrer Partner, gern im Beisein mit anderen Tussen, wo dann lang und breit und primitiv über die ach so simpel gestrickten Partner hergezogen wird.

Ich fand das eigentlich immer gut handhabbar. Denn solange Frauen derart schlicht über Männer nachdenken, war es immer relativ einfach mit ihnen. Man tat so, als wären sie die besteste Frau auf dem Planeten, schwor ewige Treue und so'n Firlefanz, packte dann und wann noch ein paar handfeste Überlebensvorteile obendrauf – so war meistens der Lümmel eingetütet. Einfache Kiste, wenn man's mal gecheckt hatte. Die Industrie liefert genug Tand, der derart schlicht gestrickten Weibern die größte Liebe der Welt simuliert; ist also nur eine Preisfrage letztendlich.

Wenn dann im Laufe einer längeren Beziehung die Damenwelt ihr lustvolles Angebot immer weiter drosselte (hab ich hier schon mal drüber geschrieben), konnte man ziemlich easy tausend Gründe erfinden (»Es liegt nicht an dir«), um sich langsam aber sicher zu neuen Ufern aufzumachen, wenn man denn wollte. Okay, ich gebe zu: Es hat öfter mal geschmerzt bei Trennungen, aber hey, Trennungen sind halt meistens so und als Mann kann man sowieso nicht behaupten, dass man von hässlichen Abfuhren seitens der göttinnengleichen Diven besonders verschont wird. Am ärgerlichsten war dabei eigentlich nur, dass die Weiber oft schon einen neuen Lover in der Pipeline hatten, während sie noch voll des Lobes über das bisher Erlebte waren. Es tritt aber ein gewisser Gewöhnungseffekt ein, wenn man diesen schrägen Mechanismus einmal verstanden hat.

Doch die Zeiten ändern sich. Inzwischen gibt es MGTOW (Men Going Their Own Way), PUA (Pick Up Artists), zickige Männerrechtler, Internetporn und stetig zunehmende Klagen über nicht erreichbare Tüpen, die »keine Verantwortung übernehmen wollen« (nämlich für die schier unersättliche Selbstbezogenheit der modernen Frauen). Es knirscht also ordentlich im heterosexuellen Gebälk – was ich zugegebenermaßen aufgrund einer gewissen Lebenserfahrung öfter amüsiert betrachte. Das war natürlich nicht immer so, vor allem als Jungspund; schon klar.

Ein Aspekt scheint die Frauen besonders zu irritieren, nämlich das ungeschriebene heterosexuelle Gesetz, nachdem ein Mann mit sexuellen Absichten einer Frau immer nebulös etwas schuldig ist. Die zutiefst weibliche Erwartungshaltung gründet unmittelbar auf der o.g. Annahme, dass der Mann an und für sich gar nicht anders kann, als ständig an das Eine zu denken, selbst wenn die Frau die erotische Anbahnung selber gewollt und (meistens sogar) selbst initiiert hat. Darüber haben sich natürlich schon viel schlauere Leute ihre Gedanken gemacht. Sie stellten u.a. fest, dass evolutionär betrachtet die Investitionsrisiken für eine Partnerschaft aufgrund einer potenziellen Schwangerschaft für Frauen weitaus höher sind als für Männer. So war es über viele Jahrtausende und so ist es in weniger modernen Gesellschaften heute noch. Jedoch ist das in medizinisch relativ gut versorgten Gemeinschaften wie bei uns nur noch ein hypothetisches, aber kein grundsätzliches Problem mehr. Der Mechanismus »Regelmäßiger Sex gegen existenziellen Schutz« aka »Liebe« verliert mehr und mehr an Relevanz, zumindest was die unmittelbare Lebensbedrohung betrifft.

Spannend ist dabei sicherlich, dass ein derartiger Paradigmenwechsel zu einigen perplexen Entwicklungen geführt hat. Betrachtet man es aus dem Blickwinkel der feministischen Emanzipation, so muss man sagen, dass viele Männer die langen Jahre des Totalaffronts gegen sie und ihre Sexualität dazu genutzt haben, sich von den üblichen Erwartungshaltungen an ihre männliche Rolle stillschweigend und ohne viel Aufhebens zu befreien. Ein Mann muss nicht mehr unbedingt den historischen Trampelpfaden seiner Vorväter folgen, um in den erlauchten Kreis der respektierten Mitmänner zu gelangen. Familie ist auch nicht mehr die einzige Bedingung, um sanktionsfrei an sexuelle Lust zu kommen. Die oft behauptete höhere Akzeptanz für promiskes Verhalten bei den Männern funktioniert ja nur für relativ wenige Jahre; solange sie jung sind. Danach wurde in voremanzipatorischen Zeiten üblicherweise von Männern eine Konsolidierung und unbedingte Familienorientierung erwartet. Ansonsten waren ihnen bestimmte gesellschaftliche Vorteile verwehrt (Karriere zum Beispiel).

Auf der Frauenseite gab es eine solche Befreiung von den konventionellen Erwartungshaltungen eher nicht. Nein, schnoddrige Pampigkeit ist keine Emanzipation. An der »sexuellen Befreiung« knabbern sie nach wie vor. Es gibt seit Äonen Kurse zur verbesserten Körperakzeptanz für Frauen (die nichts bewirken) und immer noch fühlen sich die Frauen im höchsten Maße zur attraktiven Selbstoptimierung (oft bis zur Selbstverstümmelung) gezwungen, behaupten sie. Man kann ihnen tausendmal erklären, dass sich »Aussehen« in ernstgemeinten Beziehungen innerhalb von wenigen Wochen komplett als Bewertungsmaßstab verflüchtigt und trotzdem scheinen sie nicht zu begreifen, dass eigentlich Leidenschaft die größtmögliche »Schönheit« ist. Als Mann muss man dieses falsche Spiel mitspielen, auch wenn es einem tierisch auf den Keks geht. Es bindet auf beiden Seiten unglaubliche Ressourcen.

Inzwischen dämmert dem feministisch gebrieften Mainstream also, dass das Ding mit den Tüpen und ihrer Sexualität vielleicht doch nicht so ganz stereotüp abläuft, wie sich das diese schlichten Gemüter gedacht haben. Willkommen in der Gegenwart! Bereits nach gefühlten 40 Jahren ständiger Agitation auf allen medialen Kanälen fangen hochemanzipierte FanatikerInnen nun also an, leise und mit viel Selbstüberwindung an den bisherigen Einschätzungen zur männlichen Sexualität zu zweifeln. Zumindest tun sie so, denn über ein Wehklagen kommt das bisher nicht hinaus.

Allerdings wäre es ein Trugschluss, wenn all die MGTOWs etc.pp. einen Aufbruch zu neuen erotischen Ufern erwarten, nur weil ein paar Medien plötzlich entsprechende Boulevardartikel raushauen. Genauso, wie die meisten MGTOWs Mechanismen entwickelt haben, um sich vor Verächtlichmachung ihrer intimen (und fragilen) Bedürfnisse zu schützen, genauso lernen die Frauen, mit größerer Versinglelung umzugehen. Es wird keine großflächige, substanzielle, heterosexuelle Neuausrichtung geben; sie kann höchstens auf individueller Ebene realisiert werden – die grundsätzliche Bereitschaft der Betroffenen vorausgesetzt. Momentan ist es so, dass der Spruch »Wenn eine Frau nicht will, läuft nix« lediglich durch den Spruch »Wenn ein Mann nicht will, läuft überhaupt nix« ergänzt wird.

Sorry für die Überlänge, aber ich finde das Thema halt anregend, selbst wenn es oft abtörnend daher kommt. Zur Vertiefung empfehle ich folgenden Link, den der User Henrik im Blog »Alles Evolution« eingestellt hatte. Darin geht es um (in Englisch) um die beachtlichen Veränderungen auf dem US-amerikanischen Heiratsmarkt. Lesenswert.

Apropos: Es gibt einen neuen Shootingstar unter den Übersetzungsmaschinen, den ich beim Heise-Verlag gefunden habe. Fühlt sich ganz gut an; irgendwas auf Basis von neuronalen Netzen und angeblich Google-überlegen. Gut so. Google is evil.

 


Kategorie: Male, Female

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08.12.2017

Der Hashtag #metoo als »Bullshit Of The Year«.

Kat: Male, Female
29.11.2017

...und nicht die Lösung.

Kat: Politik, Gesellschaft
28.11.2017

Das meint zumindest Frauenministerin Katarina Barley in der TAZ.

Kat: Male, Female
23.11.2017

Jakob Augstein würde für eine Falschbeschuldigung nur zu gerne in den Knast gehen.

Kat: Male, Female, Kultur, Musik
17.11.2017

Laut Deutschlandfunk darf man dessen Musik nicht mehr hören.

Kat: Diverses, Politik, Gesellschaft