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Nackt in Wesel

18.04.2018

»Keine Nacktbilder im Weseler Kreishaus!«, findet der Weseler Landrat.

Wie die »Rheinische Pest« berichtet, kam es neulich im Weseler Kreishaus zu einem Eklat, weil drei Bilder mit weiblichen Nackedeis dort angeblich das ländliche Sittenverständnis negativ tangieren. Es handelte sich um die Aussstellung einer Moerser Künstlergruppe namens »Palette« (wie originell). Die beanstandeten Werke der Künstlerin Marianne Pütz orientierten sich stilistisch an Bildern von Peter Paul Rubens sowie Sandro Botticelli (»Die Geburt der Venus«). Rein künstlerisch betrachtet, stellten ihre Werke also keine provokante Neuigkeit dar, die es so nicht auch schon vor vielen Jahrhunderten gegeben hat. Ja, man könnte meinen, dass frühere Epochen oftmals einen unverkrampfteren Zugang zu erotischen Motiven hatten als ein prüder Landrat der Metoo-Epoche.

Jezz sind die Bilder aber ausgerechnet von einer Frau gemalt worden. Ob sie selber beim Malen nackt war, ist nicht überliefert. Man kann hier öffentlich also nur schlecht mit dem Argument der »Frauenfeindlichkeit« Stimmung machen. Selbst die grüne Kreistagsfraktion, sonst traditionell immer an vorderster Front gegen die Sexualisierung von Frauen in der öffentlichen Darstellung, wenden sich gegen die amtlich verordnete Prüderie des moralbesoffenen Landrats.

Der wiederum argumentiert, dass sein geliebtes Kreishaus (das ist so ein klinisch-reiner Funktionsbau mit dem typischen Lego-Charme moderner Immobilien) doch auch von vielen Bürgern und BürgerinnenInnen benutzt wird, die möglicherweise künstlerische Vorstellungen haben, welche den westlichen Kunst-Gepflogenheiten diametral entgegenstehen. Wen er wohl damit gemeint hat? Der gewöhnliche niederrheinische Landmensch hat jedenfalls sicherlich auch schon mal eine nackte Frau hie und da wahrgenommen und ist trotzdem nicht vor Schreck in Ohnmacht gefallen oder zum rasenden Serienvergewaltiger geworden. Bedeutende Wissenschaftler vermuten sogar, dass sich nicht mal in so einer rückständigen Provinz wie in Wesel die Menschen rein durch Zellteilung fortpflanzen. Ein gewisses erotisches Grundinteresse muss man also auch am Niederrhein voraussetzen.

»Vielfaltigkeit und Dolleranz« sind ja sonst gern gesehene Tugenden, doch inzwischen fassen auch die unbedeutendsten Galerien die Darstellung von nackten Weibern nur noch mit spitzen Fingern an, etwa neulich in der Manchester Art Gallery. Die rechtfertigten ihre Nackt-Zensur betreten als Diskussionsanstoß für eine angeblich frauenfeindliche Kunst in vergangenen Epochen. Obwohl, die Engländer bleiben ihren puritanischen Grundsätzen wenigstens treu. So muss man z.B. bei einem neuen Vertragsabschluss mit einem Internetprovider schlüpfrige Inhalte ausdrücklich erst freischalten lassen. Mit sexualisierten Fachdokumentationen, wie sie in Kontinentaleuropa Usus sind, ham es die Engländer seit jeher nicht so. Wie das mit der Zellteilung bei den Sachsenangeln ist, kann ich allerdings nicht abschließend beurteilen.

Eigentlich sollten sogar integre Entscheider wie der Weseler Landrat inzwischen wissen, dass die Deutungshoheit darüber, was moralisch statthaft ist und was nicht, in der Geschichte der Herrschaftsinstrumente immer wieder krachend gescheitert ist. Außerdem kommt in Zeiten des Internet-Neulands so eine moralisch einwandfreie Entscheidungskraft wie der besagte Landrat reichlich zu spät. Da kann er seine Kinder fragen – falls er sich denn überhaupt selber zellgeteilt hat.

Wo der Feminilismus sonst so auf geschlechterpolitischen Gleichstand geeicht ist, versagt er (wieso eigentlich »er«?) in Sachen Kunst auf ganzer Linie. Die frauenbewegten Racheengel fordern ja seit Jahr und Tag einen generellen gesellschaftlichen Ausgleich für eine angebliche patriarchalische, 21-prozentige Unterdrückung der Frauen über mehrere Jahrmillionen. Da wäre es doch nur konsequent, wenn die Kunstbeflissenen statt auf pummelige Rubens-Damen zukünftig vermehrt auf die sexualisierte Darstellung von nackten Dadbod-Tüpen setzten. Blöderweise passt das aber rein gar nicht zum üblichen Duktus der frauenbesoffenen Front. Denn der männliche Körper an und für sich – und insbesondere sein bestes Stück – wird in solchen geschlechterbewegten Kreisen regelmäßig als »Waffe« alarmisiert. Der Kniff des »kulturellen Ausgleichs« funktioniert also an dieser schlüpfrigen Stelle überhaupt nicht und lässt einmal mehr die feminilistische Front in völliger Unkenntnis über die Vorzüge männlicher Nacktheit zurück. Gut, davon hatten sie auch schon vorher keine Ahnung.

Sich selbst attestieren Frauen allerdings höchste erotische Bedeutung, gerne auch immer wieder mal bei künstlerischen Gelegenheiten. Mal laufen sie als überdimensionale Vagina durch die Gegend, mal ejakulieren sie bei Kunstevents Hühnereier aus ihrem Geburtskanal, mal malen sie ihre Werke mit Menstruationsblut – alles als Kampf für die Frauenbefreiung von männlich dominierter Herrschaft zu verstehen.

Sogar im schnöden Alltag geht eine schnöde Frau felsenfest davon aus, dass ihre erotische Wichtigkeit über jeden Zweifel erhaben ist, wie uns z.B. eine Dame in einem amerikanischen Gerichtssaal erklärt: »Jeder Mann findet es angenehm, eine Vagina anzuschauen«, meint sie. Umgekehrt gelten solche heißen Sozialstandards natürlich nicht! Erstaunlicherweise reagieren die Tüpen auf derartige erotische Schieflagen eher mit Langeweile bzw. mit zwischenmenschlichen Ermüdungserscheinungen, nicht so sehr mit Empörung über eine unfaire Behandlung. Das ist das Resultat einer gewissen erotischen Gewöhnung, denn der durchschnittliche westliche Mann kennt das gefönte Geschlecht sowieso meistens nur als kontrollsüchtige Alleinvertretungsberechtigte in Sachen Sex und Erotik, insbesondere, wenn er solche Grazien über mehrere Jahre am Bein kleben hat. Dass der Sex in längeren Partnerschaften mit der Zeit »vertrauter, häufiger und erfüllender wird«, ist nämlich ein einziges Märchen. Das Gegenteil ist die (langweilige) Realität.

Man könnte nun noch stundenlang weiterschreiben über angeblich »verunsicherte« Männer, über MGTOW (Men Going Their Own Way), die zunehmende Bindungsunwilligkeit moderner Männer (im Femi-Jargon »keine Verantwortung übernehmen«) und ähnliche Dinge mehr. Aber ich finde es viel amüsanter, die Weiberschaft rätselraten zu lassen, wieso ihre heilige Erotik nicht mehr denselben Eindruck macht, den sie anscheinend aus früheren Epochen gewohnt waren. Gegen solche Entwicklungen wie MGTOW gibt es schließlich keine Taktik, die in der Reichweite heutiger Frauen liegt. Nein, ein simpler Schlafzimmerblick reicht heutzutage nicht mehr, um sich als erotisches Wesen spannend zu machen. Die Ansprüche haben sich seit der Einführung der feministischen Staatsdoktrin eben nicht nur bei den Frauen erhöht. So ein Wunder aber auch.


 

Nachspiel

So prüde ist der gescholtene Landrat offensichtlich doch nicht. Wie die RP-Online gerade meldet, erfolgte die Abhängung der beanstandeten Nacktbilder aufgrund einer einsamen Entscheidung der Gleichstellungsbeauftragten. Landrat Müller hat die übereifrige Kollegin nun erstmal zurückgepfiffen. Guter Mann!

 


Kategorie: Male, Female, Politik, Gesellschaft

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13.08.2018

In Spanien gibt es zwischen 350-400 Falschbeschuldigungen gegen Männer. Pro Tag.

Kat: Male, Female, Politik, Gesellschaft
08.08.2018

Zumindest, was ihre Heiratskultur betrifft.

Kat: Male, Female, Politik, Gesellschaft
30.07.2018

Aber selbstverständlich nicht aus Lust, sondern nur wegen des heißen Wetters.

Kat: Male, Female
21.07.2018

...wegen #metoo.

Kat: Male, Female
11.07.2018

Ja, richtig gelesen.

Kat: Male, Female