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Der Fall Aziz Ansari und die TAZ

18.01.2018

Gedankenlesen auf feminilistisch

Es ist eigentlich kaum noch sinnvoll debattierbar: In der seit jeher stramm feministischen TAZ versuchen sich drei Redakteure (2 Femis, 1 Mangina) gleichzeitig an einer Würdigung des jüngsten Vorfalls von »sexueller Belästigung« durch den US-Comedian Aziz Ansari.

Kurz zum Sachverhalt: Weil eine Frau sich nach einem vergeigten Schäferstündchen mit ihm schlecht fühlte, konstruierte eine Internetseite daraus eine üble Anschuldigungs-Kampagne gegen Ansari. Die betroffene Frau sprach davon, die »schlimmste Nacht ihres Lebens« mit ihm verbracht zu haben. Es gibt nur einen Schönheitsfehler dabei: Anders als bei »echten« Vergewaltigungen hatte die (übrigens anonyme) Frau freiwillig Sex mit diesem Herrn. Sie hat zu keinem Zeitpunkt an diesem Abend ihre Missbilligung geäußert, die Szenerie verlassen, einen Dritten per Telefon kontaktiert o.ä. Die einzige »Schuld«, die man Ansari ankreiden kann, ist die Tatsache, dass er, wie es die CNN-Reporterin Ashleigh Banfield bezeichnete, die Gedanken seiner Sexpartnerin nicht lesen konnte. Die Frau, die aktiv mitmachte, hat schlichtweg nicht »Nein« gesagt. Er konnte, zumindest der Faktenlage nach, nicht wissen, dass sie das Gefummel eigentlich im Nachhinein doch nicht so wirklich wollte.

Was die drei TAZ-Dampfplauderer aus dieser Geschichte konstruieren, ist mehr als abenteuerlich. Ohne rot zu werden, unterstellen sie Ansari, er hätte eben nonverbale Signale von der Frau, die ihm gerade einen blies, wahrnehmen müssen. Das liest sich in diesem tendenziösen Käseblatt dann so:

Aber die Vehemenz, mit der einige nun die Verantwortung in Richtung der Frau schieben, ist eine Form des Victim Blamings: Sie hat Schuld, weil sie nicht Nein gesagt hat. Sie hat Schuld, weil sie mit ihm nach Hause gegangen ist, sich ausgezogen hat.

Weiss (von der New York Times) hat Recht, wenn sie schreibt, dass es in diesem Fall um weibliche Hilflosigkeit geht. Wenn man der Geschichte und ihren Details Glauben schenkt, hat Grace jedoch nonverbal zu verstehen gegeben, dass sie keinen Sex mit Ansari will. Und ist dann doch immer noch einen Schritt weitergegangen, bis sie sich letztendlich dazu durchringen konnte, die Wohnung zu verlassen und in ein Taxi zu steigen.


Diese Sichtweise, dass Ansari etwas hätte merken müssen, weil seine Sexpartnerin mit einer offensichtlich bei den meisten Frauen vorhandenen latenten »Hilflosigkeit« zu kämpfen hat, gehört seit Jahren zum Standardrepertoire feministischer Deutungsversuche. Es ist schlicht unmöglich, bei einer aktiven Sexpartnerin uneindeutige Subtexte zu deuteln, die sie selber gar nicht ausdrückt oder deren faktisches Gegenteil sie gerade ausführt (Oralsex in dem Fall).

Die TAZ redet damit der Infantilisierung der Frauen das Wort. Denn von erwachsenen Menschen muss erwartet werden, dass sie in durchschnittlichen sexuellen Situationen in der Lage sind, ihre Zustimmung oder eben Ablehnung zu äußern. Frauen sind keine Kinder, auch wenn sie sich oft so anmalen! Wenn man so argumentiert, macht man emotionale Willkür zum Standard, teils mit katastrophalen Folgen. Die Reputation dieses Mannes ist mindestens schwer angeschlagen, wenn nicht zerstört. Diesen Kollateralschaden, den man durchaus als üble Nachrede auffassen kann, nimmt die TAZ leichtfertig in Kauf, zugunsten eines völlig antiquierten und extrem aufgeladenen Romantik-Voodoos, dessen Normwahrung ausschließlich an den Mann resp. die Männer delegiert wird. Eine Eigenverantwortung, also genau das, was man gemeinhin von erwachsenen Personen erwarten kann, wird ins Reich des Unterbewussten und Nebulösen verfrachtet – natürlich mit der Option, jederzeit die »richtige« Interpretation auch noch nach vielen Jahren umzudeuten, wie #metoo gezeigt hat.

Die Folgen sind für jeden vernunftbegabten Erwachsenen glasklar: Sobald man den Frauen »Hilfslosigkeit« bei ihren intimen Entscheidungen andichtet, enthebt man sie auch der Verantwortung für ihre Handlungen. Ist das der Fall, kann man ihren erotischen und intimen Winkelzügen im Grunde nur auf zwei Weisen begegnen: Entweder nimmt man sie grundsätzlich als selbständig entscheidende Menschen nicht ernst oder man macht einen Riesenbogen um derartige »Hilfsbedürftige«. Ich plädiere in der aktuellen Debatten-Situation für letzteres. Natürlich können sich in einer laufenden intimen »Session« Gefühle oder Wünsche in ihr Gegenteil verkehren, doch darum geht es hier gar nicht. Dazu vielleicht nur soviel: Solche Entwicklungen müssen zwingend ausformuliert werden (verbal oder nonverbal), alles andere ist schlichtweg indiskutabel. Es gibt kein Frauenrecht auf Hellseherei. Punkt.

Es gibt noch einen weiteren Aspekt, der hier reinspielt. Denn allein schon die Unwucht, mit der sexuelle Begegnungen von Femis (aber auch den meisten Frauen) taxiert werden, ist oft unerträglich. Denn daran lassen die TAZ und sogar die allermeisten unserer Zeitgenossen keinen Zweifel: Der aktive Part wird stets beim Mann verortet. Ihm vor allem obliegt immer das Risiko der Ablehnung bzw. (wie wir seit Maas wissen) das Justizrisiko. Er hat (in den Augen der Frauen) die Bringschuld für das Zustandekommen sexueller Lust, selbst wenn die Frau ursprünglich die (subtile) Initiatorin war. Ich glaube, ich spreche für viele Männer, wenn ich sage, dass genau diese nebulöse Art und Weise, wie Frauen ihre intimen Wünsche formulieren, den meisten Kerlen maximal auf den Sack gehen kann. Denn genau das ist eine der vielen Quellen für die unglaublichsten Missverständnisse und Fehlverhalten in den intimen Beziehungen zwischen Männern und Frauen.

Dazu muss man allerdings feststellen, dass der Feminismus zu keiner Zeit (trotz anderslautender Behauptungen) real ein selbstbewusstes erotisch-sexuelles Auftreten gegenüber Männern gelebt hat. Alle Frauen (man darf das ruhig pauschalisieren) verharren wie seit Jahrtausenden in diesem merkwürdigen Cinderella-Modus, der sie vor einem möglichen Scheitern erotischer Angelegenheiten bewahren soll. Auch bagatellisiert er letztendlich die weibliche Sexualität, denn Männer lernen aus so einem Verhalten, dass die Frauen sowieso nie wissen, was sie eigentlich wollen – und damit werden ihre Wünsche beliebig und unkalkulierbar, mit (heutzutage) potenziell gefährlichen Konsequenzen für den »aktiven« Part. Es ist schlicht nicht vorstellbar, wie in diesem Gefühls- und Verantwortlichkeits-Chaos so etwas wie Grundvertrauen aufgebaut werden soll.

Ich persönlich habe mir allerdings öfter mal den Luxus erlaubt, die Rollen insofern umzukehren, als ich nicht sofort auf jedes subtile weibliche Signal reagiert habe. Der Hass wegen auch nur kleinster erotischer Ablehnungen seitens solcher rolligen Geschöpfe war oft exorbitant und emotional sehr hässlich. Männer gehen mit Ablehnungen in der Regel weitaus entspannter um. In den allermeisten Situationen gibt es also überhaupt keinen Grund für die Frauen, ihre Zustimmung oder Ablehnung hinter einer halluzinierten »Hilflosigkeit« zu verstecken. Aber das nur am Rande.

Die drei lebensfremden Redakteure (mutmaßlich ohne besonders tiefschürfende Beziehungserfahrungen) verlangen genau das, was die überwiegende Anzahl der feministisch indoktrinierten Schreiberlinge in solchen Grenzsituationen eigentlich immer fordern: Ein neues Gesetz muss her! Na, das ist ja mal ein super Ansatz! Zwar finden sie auch, dass das Abschließen von Sexverträgen vor dem Beischlaf albern und unpraktikabel ist, aber sie finden trotzdem, dass das bisherige und völlig untaugliche »Nein heißt Nein«-Gefasel durch ein noch dolleres »Ja heißt Ja«-Monstrum ersetzt werden muss. In ihrem Sinne bedeutet das, dass das Erfragen von sexuellen Zudringlichkeiten zum Standard erhoben werden muss – notfalls eben per ordre de mufti. Herr Maas soll also virtuell immer mitvögeln. Na klasse.

Es ist überhaupt nicht vermittelbar, wieso ein neues Regelwerk auch nur irgendwas in dieser ärgerlichen Schlammschlacht ändern sollte, wenn schon die derzeitigen Regelungen meilenweit an der Realität vorbei schießen. Verlässlichkeit, Integrität oder Vertrauen lassen sich (zum Glück) nicht mit Paragrafen steuern. Statt miteinander zu reden, schlagen sie also wieder mal absolut untaugliche staatliche oder halboffizielle Verordnungen vor. Ein kompletter Irrsinn – und zwar einer, in dem speziell die weiblichen Befürworterinnen als höchst suspekt, kontrollsüchtig und vor allem komplett unsexy wahrgenommen werden. Das als »Befreiung der Frau« zu etikettieren, zeugt von grenzenloser Lieblosigkeit, von emotionaler Armut und von der völligen Abwesenheit irgendeiner Empathie. Ist eigentlich das Wort »Extase« schon strafrelevant? Denn fasst wollte ich auch noch über dieses verloren gegangene Mysterium etwas schreiben.

Was sich in den letzten Jahren in diesen Diskussionen an Erwartungen und Regularien eingeschlichen hat, ist ein einziges Gruselkabinett voll mit absolut lustfeindlicher und inhumaner Prüderie, gegen die das viktorianische Zeitalter ein regelrechter Swingerclub war. Besonders ekelerregend ist die Tatsache, dass dieser Unfug von einer verschwindend kleinen Meute an lebensuntauglichen Subjekten in den Medien bis zum Anschlag hysterisch aufgeladen wird und auch die liebenswertesten Frauen zu unberechenbaren Monstern werden lässt. Die von solchen Nichtsblickern zum Standard erhobenen erotischen Verhaltensweisen dienen nur ihrer eigenen Aufmerksamkeitsökonomie und tragen nichts zu einer Entspannung bei. Allerdings ist es reichlich naiv zu glauben, dass die Männer sich auf breiter Front (per Gesetz oder nicht) einem solchen monopolistischen Diktat jemals unterordnen werden. Dazu muss man noch nicht einmal Männerrechtler oder MGTOW sein, es reicht ein gesundes Misstrauen.

Die TAZ hat gestern einen weiteren fundierten Grund für diese Ablehnung beschrieben. Wait for it: Entscheidungen sind die Eltern der Konsequenzen! Und was die Substitutionsmöglichkeiten sexueller Bedürfnisse betrifft, gibt es inzwischen ein Riesenarsenal an Ausweichmöglichkeiten. Kein Gesetz wird das jemals aufhalten. Auch andere Länder haben schöne (und herzliche) Töchter.


Kategorie: Male, Female

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