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Feminismus für Dummies • Heute: Fap App

23.01.2018

Endlich gibt es eine App für richtiges Masturbieren – nur für Frauen natürlich.

Wie lange ist das nun schon her, dass die Kulturrevolution zur sexuellen Befreiung der Frau ausgerufen wurde? Also mindestens doch seit diesem magischen Sommer 1968, als das Märchen von »Love and Peace« seinen Weg in die Jugendbewegung und dann etwas später auch in die Gazetten fand. Wenn wir großzügig sind, also schon rund 50 Jahre. Das ist ungefähr eine Generation an Bemühungen, wie denn die Frauen endlich, aber jezz ganz wirklich, zu einem zufriedenen Sexleben kommen könnten.

Ob's an den fehlenden Leibesübungen liegt oder am bösen Patriarchat, das ja bekanntlich den Frauen lustvolle Erfahrungen dauernd madig macht, lässt sich leider empirisch nicht mehr nachvollziehen. Nicht mal die beeindruckende Marktpräsenz eines Beate-Uhu-Konzerns (inzwischen wegen allgemeiner Lustlosigkeit pleite) mit seinen fünf Millionen Varianten an Dildos und Sexspielzeugen konnte der vaginalen Lust bisher zum Durchbruch verhelfen. Auch in 2017 müssen scheinbar immer noch Artikel geschrieben werden, die von der »schambesetzten« Selbstbefriedigung palavern, so wie heute ein Artikel im Spülgel-Ableger »Bento«. Denn die besorgten Bento-RechercheurInnen berichten ihrerseits von einer Website, mit der Frauen des 21. Jahrhunderts es sich nun unter Anleitung endlich korrekt und erlebnisreich selber machen können.

Erst mit dem Aufkommen sog. »Apps« ist es nämlich möglich, die feminine Selbstbefriedigung aus der historischen Schmuddelecke zu holen und diesem sehr privaten Vorgang zur allgemeinen Akzeptanz zu verhelfen. Zunächst wird frau verbal darüber belehrt, dass sie tatsächlich den lieben langen Tag so ein mysteriöses »Lustorgan« mit sich rumschleppt. Anschließend kann frau dann mit einer virtuellen Muschi den gesamten Vorgang der femininen Masturbation auf einem Tablet oder einem Smartphone mit den Fingern zunächst im Trockenen simulieren. Dabei gibt die App sehr exakte Anweisungen, welche Bewegungen und Stellen bei einer allgemeinen Frau (bzw. Mumu) am geeignetsten sind. Dazu dienen z.B. die verbalen App-Rückmeldungen wie »Oh!«, »Ah!« oder auch »Nicht so feste!«. Woher sollte eine Frau das auch sonst wissen? Supa!

Allerdings gibt es aus Sicht diverser Verbraucherschutzorganisationen dabei noch ein kleines, rein technisches Problem, denn es fehlt momentan noch der Hinweis, dass solche medinzinisch sinnvollen Selbstversuche natürlich in der Öffentlichkeit relativ unpraktikabel sind. Wichsen im Café oder morgens im Zug auf dem Weg zur Arbeit ist schon aus hygienischen Gründen nicht besonders ratsam. Der Bundesjustizheiko empfiehlt deshalb bis auf weiteres, die Website nur während der Abendstunden geöffnet zu lassen (MEZ). Ein entsprechendes Gesetz zur zeitlichen Begrenzung sei bereits in Vorbereitung und evtl. Zuwiderhandlungen gegen diese adulte Programmausstrahlung im Internetz würden wahrscheinlich – ähnlich wie beim »Lex Fakebook« – mit 50 Mio Euro pro Minute Sendezeit veranschlagt.

Außerdem, so der TÜV Schweinland, müsste sichergestellt werden, dass keine Männer in den (zweifelhaften) Genuss einer solchen Anwendung kommen. Eine Ausweitung der selbstbefriedigenden Gesundheitsmaßnahme auf Männer ist derzeit nicht geplant. Möglicherweise könnte man, so eine feministisch geschulte Gleichstellungsbeauftragte (die nicht genannt werden möchte), Männern eine ähnliche App zur Verfügung stellen, sobald sie dem Eintrag »verunsicherter Mann« in ihren Ausweispapieren zustimmen. Aber nur dann! Man wisse ja, was die üblichen schwanzgesteuerten Machos mit solchen Anwendungen alles anstellen.

Bei einigen eifrigen Konsumentinnen der App stößt (Moment mal: Stößt? Echt jezz?) diese technisch-sexuelle Revolution allerdings nicht nur auf Zuspruch:

Schon nach den ersten drei Videos war mir klar, das macht mich nicht an. Mir ist das zu klinisch aufgezogen. Es fehlt die Sinnlichkeit. Klar, es ist hochwertig gemacht. Aber ich hätte es toll gefunden, wenn ich danach Lust gekriegt hätte, mich zu berühren. Das war aber leider definitiv nicht der Fall.


Nun, wie so oft muss so ein sensibles Produkt latürnich erst noch »beim Kunden resp. der Kundin reifen«. Das ist ein ganz normaler Vorgang bei hochmodernen IT-Anwendungen. In einer späteren Version kommen dann sicherlich Sinnlichkeits-unterstützende Maßnahmen hinzu, etwa virtuelle Liebesbeweise, profitable Scheidungsaussichten oder eine virtuelle Schauspielerinnenkarriere. Man überlegt noch bei der Herstellerfirma, ob man solche App-Zusätze in einem Premiumpaket oder im Aboverfahren anbietet. Sicher sei bisher nur, dass derartige Masturbations-Zugaben zur Unterstützung eines umfassenden Lusterlebnisses letztendlich auch zur Erforschung der weiblichen Selbstbefriedigung dienen.

Außerdem reicht die nur dreimalige Anwendung der Fap-App bei weitem nicht aus, um Frauen für ihr Geschlechtsorgan zu sensibilisieren. Ärzte empfehlen, die Anwendungen mindestens ein halbes Jahr durchzuführen und durch entsprechend geschultes Personal überprüfen zu lassen. Nur so kann gewährleistet werden, dass die Frauen auch tatsächlich einen Orgasmus hatten.

Wir von der Stadtmensch-Redaktion begrüßen diese Heranführung von Frauen zur Technik ausdrücklich! Als Pioniere der modernen Sexualforschung und als Wegbereiter des »weiblichen Jahrhunderts« verlosen wir außerdem die App an freiwillige TestpersonInnen: Jede aufgeschlossene Frau, die sich in unseren Laboren einer wissenschaftlich begleiteten Forschungsreihe unterziehen lässt, schenken wir als Dank ein gebrauchtes Tablet samt dieser bahnbrechenden Fapping-Anwendung (solange der Vorrat reicht)! Da die Teilnehmerinnenzahl begrenzt ist, bitten wir um zügige und rechtsverbindliche Anmeldung. Die Testergebnisse werden dann auf unserer Hornpub-Partnerseite veröffentlicht – selbstverständlich anonym.

Allerdings möchten wir darauf hinweisen, dass die Testreihen derzeit lediglich auf einen Orgasmus pro Testlauf ausgelegt sind. Frauen mit Hang zu multiplen Orgasmen sind von der Teilnahme somit leider (noch) ausgeschlossen. Dasselbe gilt für Frauen, die sich selbst aus lauter Gewohnheit einen Orgasmus vortäuschen.

Wir sind allerdings mit der Herstellerfirma der App in regem Kontakt für eine kontinuierliche Verbesserung ihrer Masturbationsprodukte. Auch gibt es erste Vorgespräche, bestimmte wasserresistente Smartphones zukünftig mit feuchtigkeitsspendenen Eigenschaften auszustatten, um das Lusterlebnis für Frauen noch umfassender darzustellen. Bisher stellt die realistische Viskosität der Masturbations-Nebenprodukte noch ein großes technisches Problem dar. Wir arbeiten dran!

 


Kategorie: Male, Female

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