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Superman superängstlich

21.07.2018

...wegen #metoo.

Völker des Internets und der Comic-Multiversen, schaut auf diesen Muskelmann! Wir werden alle sterben, es gibt keine Rettung. Sogar der vorbildliche Superman fürchtet sich davor, sich einer Frau mehr als eine Superarmlänge zu nähern, weil er Angst hat, als Supervergewaltiger zu enden.

Das sagt sinngemäß Henry Cavill, der britische Schauspieler, der die Hauptrolle im uramerikanischen Superman-Franchise spielt, in einem Interview mit der Zeitschrift »GC«. Natürlich, für einen so bekannten Hollywoodstar wie ihn ist #metoo inzwischen wie ein Gang auf rohen Eiern. Denn vor allem, wenn einer so berühmt ist wie er, ist er ein sehr wahrscheinliches Premiumziel für #metoo-Beschuldigungen. Dennoch hören sich seine Flirtprobleme nicht so an, als könnten sie nur solchen Supermännern wie ihm passieren.

"Die Dinge müssen sich unbedingt ändern", fügt er hinzu und spricht das Verhalten der Männer an. "Es ist wichtig, auch die guten Dinge, die eine Qualität der Vergangenheit waren, zu bewahren und die schlechten Dinge loszuwerden.

"Es ist wunderbar, wenn ein Mann einer Frau hinterher steigt. Es gibt eine traditionelle Herangehensweise, die schön ist. Ich denke, eine Frau sollte umworben und verfolgt werden, aber vielleicht bin ich altmodisch, weil ich das denke.

"Es ist sehr schwierig, das zu tun, wenn es nun bestimmte Regeln gibt. Weil es dann so ist: Nun, ich will nicht hochgehen und mit ihr reden, denn ich werde ein Vergewaltiger oder so genannt werden. Also sagst du: "Vergiss es, ich werde stattdessen eine Ex-Freundin anrufen und dann einfach zu einer Beziehung zurückkehren, die nie wirklich funktioniert hat". Aber es ist viel sicherer, als mich in die Hölle zu werfen, denn ich bin jemand in der Öffentlichkeit, und wenn ich mit jemandem flirte, wer weiß, was dann passieren wird?

"Jetzt? Jetzt kannst du wirklich niemandem mehr hinterher steigen, also "Nein". Es ist wie "OK, cool". Aber dann ist da noch das "Oh, warum hast du aufgegeben? Und es ist wie: "Nun, weil ich nicht ins Gefängnis wollte?"


Cavill sagt also »Die Dinge müssen sich unbedingt ändern«. Doch das sagt er wahrscheinlich, weil grad die Presse mitschreibt und er den Generalverdacht gegen sein Geschlecht aus Karrieregründen eben vordergründig zunächst mal in Kauf nimmt, um weniger eigene Angriffsfläche zu bieten. Doch pragmatisch betrachtet, lautet seine Empfehlung an seine Geschlechtsgenossen völlig anders: »Halte dich bis auf weiteres fern von weiblichen Avancen«.

Leider habe ich spontan keinen Link parat, aber dass so ein Superman trotz allerlei romantischer Einflechtungen durch die Blume behauptet, es sei für einen Mann seiner Preisklasse zu gefährlich, auf Frauen zuzugehen, schmeckte den üblichen feminilistischen Verdächtigen dann auch wieder nicht. Denn die würden doch nur zu gerne mal halb nackig sein Superman-Cape bügeln oder bedeutungsschwanger an seiner Super-Locke rumspielen, aber klar doch.

Henry Cavill hat auffallend Recht: Die Rolle des Super-Prinzlings, der die holde, talent- und karrierefreie Braut aus ihrer misslichen, kitscharmen Realität ins glitzernde Königreich Hollywood hinüber rettet, hatte zuletzt ordentlich Staub angesetzt – zumindest in den Systemgazetten und Propagandaschleudern. Als tagträumerische Fönfantasie kommt sie natürlich immer noch häufig vor.

Was sich allerdings am schnöden Anbaggerungsverfahren jezz »unbedingt ändern« soll, bleibt (wie so oft im Zusammenhang mit Frauen) natürlich ein Mysterium. Wozu seid ihr Männer – ratet doch einfach! »Zurückhaltend eine Frau erobern« – was fürn Krampf soll das bitte sein? Außerdem: Die letzten, die Softies, Manginas, weiße Ritter und lila Pudel in ihrem Bett rumrutschen sehen wollen, sind die Weiber selber.

Ja, auch die angeblich so selbstbewussten Schmalspur-Suffragetten würden sich lieber die Zunge abbeißen, als ihre ominöse »sexuelle Selbstbestimmung« mal mit Substanz zu füllen. Kannste knicken. »Was eine Frau will, muss ein echter Mann eben von selber merken«, tönt es dann häufig. Oder »Wer sich nicht sicher ist beim Anbaggern, sollte es im Sinne von #metoo besser sein lassen«. Also lässt Henry Cavill aka Superman es eben sein, wie soviele andere Männer das inzwischen auch machen. Problem solved! What's next?


Die Macht des Eisprungs

Neulich hatte ich ja woanders auf ein Video verwiesen, in dem es um die Vorzüge von Sperma für Frauen ging; eine durchaus delikate und frivole Angelegenheit. Heute soll es mal um den Eisprung der Damen gehen. Denn bei Spülgel-Online fand ich zufällig den Artikel einer Autorin namens Heike Kleen über »Die Macht des Eisprungs«. Warum eigentlich nicht »Der Zorn des Eisprungs« oder »Die dunkle Seite des Eisprungs«? Spiegel kann bei Mumu-Themen scheinbar nur Theatralik und Kitsch. Von der »Macht des Spermiums« liest man bei Spülgel jedenfalls nie was, komisch. Spülgel droht außerdem mit weiteren Folgen der Kleen-Kolumne (ich hatte es befürchtet):

Der weibliche Unterleib ist so aufregend wie unerforscht: Medizinern gibt er Rätsel auf, bei Männern sorgt er für Faszination, doch bei Frauen erzeugt er oft Scham und Zweifel. Heike Kleen will mit verbreiteten Vorurteilen aufräumen und weiblichen Stolz wecken.


Auf dem Niveau geht auch der Rest des Artikels weiter. Ich wusste übrigens nicht, dass Mediziner offenbar immer noch rätseln, was im weiblichen Unterleib gewöhnlich so vorgeht. Ein klarer Fall für Jens Spahn!

Auch das Ding mit der männlichen »Faszination« hängt doch sehr von speziellen Umständen ab und wird vom gefönten Geschlecht oft grob überschätzt – vor allem, weil es diesbezüglich gar keinen Mangel an Informationsmöglichkeiten gibt.

Den Punkt mit »Scham und Zweifel« ham wir inzwischen alle kapiert, denke ich. Offensichtlich sind Frauen immer so ganz knapp davor, jezz aber mal endlich mit all dem verklemmten Mist aufzuräumen, mit dem sie sich oft rumschlagen. Und dann kommt doch wieder irgendwas dazwischen, verdammt. Sonst gäb's ja auch keine »strukturelle Benachteiligung nur für Frauen«, newahr.

Viel Neues findet man auch sonst nicht in dem Artikelchen; jedenfalls wenn man an solchen lebensnahen Themen sowieso interessiert ist. Dass sich Frauen im Laufe ihres Zyklus unterschiedlich verhalten und z.B. beim Eisprung sexier wirken wollen als sonst, oder dass sie »auf Pille« immer den falschen Gigolo aussuchen, weiß inzwischen fast jeder. Dass der Zyklus sogar das Wahlverhalten beeinflusst, ist dagegen neu (mir zumindest). In der Summe könnte man durchaus den Eindruck gewinnen »Frauen sind östrogengesteuert«, was im angeschlossenen Forum auch für gewisse Irritationen sorgt:

Ich bezweifle gar nicht den Einfluss von Hormonen, ich bezweifle aber, dass dieser so groß ist, dass die Frau ansich plötzlich die Kontrolle über sich verliert. Jede Frau kennt ihre eigenen Stimmungsschwankungen, aber gleichzeitig entwickelt sie eben auch Strategien, diese zu kontrollieren, soweit es notwendig ist.


»Männer sind testosterongesteuert« hat nach der Lektüre dieses Spülgel-Artikels also nun ein Schwesterchen bekommen! Gratulation und willkommen im 21. Jahr­hundert! Schön entlarvend im o.g. Zitat ist übrigens die letzte Phrase »...zu kontrollieren, soweit es notwendig ist«. Erwischt! Da will jemand wieder heimlich einen Frauenbonus einführen. Denn ratet mal, wer darüber befinden soll, was »notwendig« bedeutet und was nicht. Nudelholz, ick hör dir trapsen.

 


Kategorie: Male, Female

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