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Tag der Empathie-Lücke für Männer?

11.07.2018

Ja, richtig gelesen.

Der Autor Gunnar Kunz hat den 11.7. zum Anlass genommen, auf die fehlende Empathie gegenüber Männern hinzuweisen. Der Grund, gerade diesen Tag zu wählen, ist ein historischer. Er schreibt:

Warum bringen wir von Boko Haram entführten Mädchen Mitgefühl entgegen, nicht aber den Jungen, die von derselben Terrorgruppe bei lebendigem Leib verbrannt werden? Warum hat die Bundesregierung lediglich die Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen auf ihrer Agenda und nicht auch die Bekämpfung von Gewalt gegen Männer?

Der 11. Juli symbolisiert als Gedenktag diese Empathielücke, steht er doch für das Massaker von Srebrenica im Jahr 1995. Die muslimische Enklave stand während des Balkankrieges unter dem Schutz von UN-Streitkräften, die jedoch die Eingekesselten den bosnisch-serbischen Einheiten überließen, die 8000 Männer und Jungen ab 13 Jahren ermordeten, während Frauen und Kinder vorab in Sicherheit gebracht worden waren.


So monströs dieses Verbrechen auch ist, es ist leider ein allgemein akzeptierter Standard, dass »Frauen und Kinder« offenbar die schützenswerteren Menschen sind und dass solche Vorfälle wie in Screbrenica regelmäßig als »Kollateralschäden« Eingang in die Geschichtsbücher finden.

Tausende ähnliche Beispiele lassen sich weltweit finden und zwar völlig unabhängig von Regierungsformen, von Kriegszuständen, von Kulturen, von Religionen usw. Selbst im schnöden Alltag unserer so demokratischen Gesellschaft ist das Leben einzelner Männer stets disponabel: Man findet z.B. so gut wie keine Frauen in den gefährlichen Berufen – ihr auffälliges Fehlen wird stattdessen mit ihrer leistung­s­losen Intronisierung in Konzernvorständen »kompensiert«, also dort, wo man ganz sicher keiner berufsbedingten Gefährdung oder körperlicher Über­beanspruchung ausgesetzt ist. Die Propaganda geht demnach immer so, dass lautstark für leistungs­lose Spitzenposten zugunsten von Frauen geworben wird, aber die Drecksarbeiten nur zu gerne den Typen überlassen werden.

Spricht man diese Auffälligkeiten in feminilistischen Kreisen an, dann erntet man permanent Spott und Hohn (»Male Tears«). Schließlich, so das feminilistische Märchen, gäbe es in unserer hoch technisierten Welt so gut wie keine Berufe mehr, bei denen es auf Körperkraft ankommt. Das halte ich für eine urbane Legende. Verglichen mit vorindustriellen Zeiten hat die Maschinenkraft natürlich einen weitaus höheren Anteil an der Arbeit. Aber auch im Computerzeitalter müssen Straßen gebaut, Leitungen verlegt, Häuser errichtet, Müll entsorgt werden – und nicht zuletzt wollen all die tollen Produkte, die mehrheitlich (und oft gedankenlos) gerade von Frauen konsumiert werden, auf rollenden Warenlagern durch unser verstopftes Land transportiert werden.

Men are our backup system

Besonders krass wird das Missverhältnis bei Katastrophen und – siehe oben – bei kriegerischen Konflikten sichtbar. Obwohl z.B. die Bundeswehr aufgrund von üblichen Forderungen nach Geschlechtergleichheit auch für Frauen auf jeder Einsatzebene geöffnet wurde, haben wir in Afghanistan einen hundertprozentigen Männeranteil bei den toten Soldaten. Nein, die berüchtigten »Soldatinnen und Soldaten«, die sonst so penetrant von unserer unterdurchschnittlich begabten Kriegsministerin bemüht werden, gibt es hier schlichtweg nicht.

Dagegen wendet die frauenzentrierte Front gerne ein, dass Männer eben auch hauptsächlich für Kriege verantwortlich sind, oft genug mit dem Nebensatz, dass in einer feminisierten Welt das Phänomen Gewalt quasi nicht existent wäre. Doch die paar wenigen Machthaberinnen in der Geschichte, die es an den verantwortlichen Stellen gab, können diese steile These nicht belegen. Nicht mal in der jüngeren Geschichte ist das so: Magaret Thatcher führte aus nichtigen Gründen Krieg gegen Argentinien (Falkland-Inseln), Angela Merkel wäre seinerzeit nur zu gerne mit den Amis grundlos in den Irak einmarschiert, wenn sie damals Kanzlerin gewesen wäre und Hillary Clinton protzt noch heute damit, dass sie Libyen in die Steinzeit hat bomben lassen. Es wird wohl so sein, dass Muammar al-Gadaffi ein Despot war. Aber die Art und Weise, wie Clinton seine Hinrichtung kommentiert, ist nicht weniger »disgusting«.

Aber es muss nicht immer martialisch zugehen. Bei Katastrophen wie in Tschernobyl oder Fukushima waren es ausschließlich Männer, die zu Aufräumarbeiten in die tödlichen Bereiche geschickt wurden. Oh, ich weiß schon, wie die Feministas argumentieren: Schließlich haben Männer solche gefährlichen Industrieanlagen auch gebaut! Aber ihren Fön möchten sie dennoch sorgenlos jeden Morgen benutzen können, gelle. Sie möchten natürlich auch weiterhin regelmäßig neuen Fummel kaufen können, der mit hohem Energieeinsatz und noch viel mehr Umweltverschmutzung hergestellt wird. Sie wollen Wasch- und Spülmaschinen, wollen warme Wohnungen und Unmengen an Plunder und Nippes. Wo das alles herkommt, ist ihnen großteils egal. Nur wenn's mal knallt, sollen die Typen gefälligst den Dreck wegräumen und den Müll wegbringen. Denn die Damen der Schöpfung sind ja »nur Frauen und Kinder«. Infantilismus pur.

Allerdings muss man dazu sagen, dass Männer als reine Dispositionsmasse nicht nur bei den Frauen vorkommen, sondern genauso bei den meisten Männern. Das erklärt u.a. den medialen Erfolg des Feminilismus. Denn dass ein gewisser Anteil der Männer dem menschlichen Fortschritt oder in kriegerischen Auseinander­setzungen geopfert wird, ist beileibe kein Alleinstellungsmerkmal der Frauen. Solche Dissonanzen nennt die feminilistische Propaganda dann großkotzig »toxische Männlichkeit«. Es soll bedeuten, dass unsere angeblich so männer­dominierte Gesellschaft eben auch für Männer eklatante Nachteile einfordert. Und deshalb sei die Gleichberechtigung der Geschlechter so eine zentrale dolle Aufgabe, meinen sie. Aber leider ist es eben doch nicht so, dass Frauen aus ihrem angeblich nativen Gerechtigkeitsempfinden heraus einen paritätischen Anteil bei Risikoberufen oder in prekären Situationen anstreben. Nein, wenn's hart auf hart kommt, ist von den selbstbewussten Feminilistinnen weit und breit niemand zu sehen.

Was nun die Frauenbeschützer und -versteher auf männlicher Seite betrifft, so mögen auch die sich nur zu gerne auf einen gewissen Bodensatz an maskulinen Entbehrlichen verlassen können. Falls also mal wieder ein Atomkraftwerk explodiert, ist es nicht der Siemens-Vorstand, der dann den Müll beseitigt. Ein paar Umdrehungen weiter gesponnen, kann man in dieser disponablen Sichtweise durchaus ein evolutionäres Prinzip erkennen. Ohne männliche Opfer in der Wissenschaft, in Kriegen oder beim Aufbau von Infrastruktur wären wir – also Männer UND Frauen – nicht dort, wo wir heute sind. Nun kann man sich natürlich die Frage stellen, was passiert, wenn Männer – den Thesen nach endgültiger Gleichberechtigung folgend – sich plötzlich nicht mehr aufopfern mögen. Das passiert gerade. Interessanterweise ist es nicht die kümmerliche Fortpflanzungs­bereitschaft der Frauen, die unsere Gesellschaft existenziell bedroht, sondern die immer größer werdende Unlust der Männer, sich für »Frauen und Kinder« den Arsch aufzureißen, das Land zu verteidigen (und sei es nur am Hindukush) oder sich dem technischen Fortschritt zu opfern.

Dieser Tag der »Empathielücke für Männer« kann an der Unerreichbarkeit einer gleichen Lastenverteilung in allen systemischen Bereichen wahrscheinlich nichts ändern. Aber er darf die verwöhnte Feminilistin ruhig mal daran erinnern, wer die ganzen Ressourcen, die sie normalerweise für ihre männerfeindlichen Feldzüge so gerne benutzt, denn eigentlich in die Welt setzt.

 


Kategorie: Male, Female

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