Header

Artikel Detailansicht

< Am gleichsten
   

Jezz aber wirklich: Die neue Weiblichkeit

23.05.2018

Ein schönes Ritual, das Ding mit der definitiven Befreiung der Frau.

Über die Befreiung der Frau an und für sich ist ja nun schon oft philosophiert worden und jedes verdammte Mal wird dabei nichts weniger als eine Zeitenwende angekündigt; zuletzt beim »Metooismus«.

Ist die #metoo-Kampagne wirklich der lang ersehnte Aufbruch ins geschlechtergerechte tausendjährige Reich? Eine Philosophin namens Svenja Flaßpöhler bezweifelt das, wie die FAZ schreibt. Mit ihren Thesen zur weltumspannenden #metoo-Kampagne dürfte Flaßpöhler allerdings bei vielen Hardcore-MetooistInnen auf erbitterten Widerstand stoßen, denn sie verlangt nichts weniger, als dass frau ihren blindwütigen #metoo-Eifer doch bitte mal langsam kritisch hinterfragen sollte:

[...] Stattdessen müsse stärker differenziert werden, in welchen Situationen Frauen Handlungsoptionen blieben – und wo sie womöglich selbst an der Festigung männlicher Macht beteiligt seien. Nur wenn Frauen ihre eigene, weibliche Potenz fänden, könnten sie Autonomie einfordern.


Das ist starker Tobak in dieser so hitzig und so leidenschaftlich einseitig geführten #metoo-Debatte. Frauen haben also »Handlungsoptionen«, wenn sie in #metoo-Situationen stecken? Höre ich da vielleicht sogar absichtsvolle und zweckorientierte Verhaltensmuster der Frauen raus, die sie manchmal durchaus bewusst einsetzen? Immerhin verfügen Frauen u.a. über zwei überzeugende Argumente, über die Männer i.d.R. nicht verfügen. Aber es stimmt schon: Das oft bemühte Bild von der völlig unschuldigen Frau, deren aussichtslose persönliche Lage permanent von männlichen Lustmolchen und Sittenstrolchen bis zum Anschlag ausgenutzt wird, ist so schlicht, so verräterisch dumm und eindimensional, dass nicht mal Hollywood so eine Story 1:1 übernehmen würde. Und die nehmen sonst wirklich jeden Trivialscheiß.

FAZ-Rezensentin Witzeck passt das überhaupt nicht, was die Flaßpöhler da so »aus ihrer abgesicherten Position« vor sich hin philosophiert:

Ihre Annahme, eine Welt ohne Verführung, die immer auch an Macht gekoppelt ist, sähe trist aus, erinnert an den Aufruf der Schauspielerin Catherine Deneuve und anderer Französinnen gegen die vermeintliche Abschaffung sexueller Freiheiten. Nicht alle MeToo-Verfechterinnen sehnen sich nach einer „reinen“ Welt, in der jede Annäherung geregelt ist. Und es soll auch schon Verführung ohne sexistische Sprüche gegeben haben.


Was für ein Segen, dass die Deneuve und »die anderen« nur Französinnen sind – eine lupenreine, linientreue deutsche Feministin käme gar nicht auf solche männerfreundliche Gedanken wie diese komische Schauspielerin aus dem letzten Jahrtausend. Jede selbstbewusste Frau aus dem deutschen Feuilleton weiß natürlich seit ihrer Geburt, dass Verführung immer an Macht gekoppelt ist! Immer auch! Ein Stück weit! !!Einself!! Geht gar nicht anders, war nie anders.

Wer solche eintönigen Gedöns-Debatten unter Frauen als intellektuell öde und deshalb als nicht weiter erwähnenswert betrachtet, liegt natürlich goldrichtig. Einerseits. Andererseits kann man aus dem Geplapper durchaus eine Menge lernen. Zum Beispiel, dass die Themen Verführung, Erotik, Leidenschaft etc.pp. bei einigen, die sich darüber in #metoo-Debatten feuilletonistisch austoben, merkwürdig weltfremd und unerprobt klingen, wie eben aus Femi-Lala-Land. In Femi-Lala-Land hat frau ständig den theoretisch besten Sex der Welt. Theoretisch. Dabei bleibt's dann meistens auch.

In den Zeitungen werden ja sonst gerne ganze Bibliotheken darüber zusammengeschrieben, wie denn nun eine frauenpolitisch korrekte Anbaggerei auszusehen hat. Und obwohl sich solche feuilletonistischen Benimmschwestern äußerste Mühe geben, die offensichtlichsten Nuancen zwischen selbstbewusster Verführung und plumpen Holzhammermethoden immer wieder neu theoretisch auszudifferenzieren, bleiben die Begeisterungsstürme auf männlicher Seite extrem verhalten. »Endlich sagt uns tumben Mannsbildern mal jemand, wie wir uns gegenüber Frauen zivilisiert zu verhalten haben« – derlei Würdigungen hört man eher selten von den Kerlen und wenn, dann ist es meistens peinlich. Nein, es gibt wohl nichts, was unsexier klingt als feuilletonistisches bzw. feministisches Womansplaining über Mann-Frau-Dynamiken. Da kriegste keinen mehr hoch, definitiv. Und das hat nix mit »Verunsicherung« oder so'n Quatsch zu tun.

Es ist ja schön für die Feuilletonistin, wenn sie ihr eigenes Geschlecht als den moralischen Leuchtturm in allen Anbahnungs- und Fummelfragen betrachtet. Allerdings kenne ich keinen Mann, der sich dauerhaft einer so herzlosen Defintions- und Kontrollwut unterwerfen mag (höchstens mal stundenweise aus Versehen, z.B. nach einer Betriebsfeier). Es könnte für die Gesamtdiskussion also vielleicht helfen, wenn frau ab und zu dem vermeintlichen Feindgeschlecht ihre viel gerühmte »emotionale Intelligenz« zukommen lassen würde, statt von ihrem lila Einhorn herab ihren merkwürdig sterilen Verhaltenskodex an das maskuline Fußvolk zu verkünden.

Was in solchen Grundsatzartikeln auch nie fehlen darf, sind die vielfach strapazierten »stereotypen Rollenbilder«. Die sind anscheinend seit einigen Jahrzehnten totales Teufelszeug, auch wenn nie jemand einen überzeugenden Grund dafür geliefert hat, warum es so ultimativ böse sein soll, wenn jemand gerne Mann resp. gerne Frau ist. »Weil Judith Butler das so gesagt hat« ist jedenfalls kein überzeugendes Argument. Aber gut, von mir aus sollen solche alltagsfremden Heldinnen der Frauenbefreiung alle Rollen ausprobieren, die ihnen genehm erscheinen – wenn sie nur ihre armen Mitmenschen mit diesem Stumpfsinn verschonen. Gebt ihnen Mecklenburg-Vorpommern oder eine freie Streuobstwiese in Sonstwo, wo sie sich und ihre Rollenbilder anhimmeln können; mir egal.

Philosophin Flaßpöhler empfiehlt schließlich, statt die männliche Sexualität zu verdammen, lieber die weibliche aufzuwerten und so insgesamt zu einer »neuen Weiblichkeit« zu gelangen. Hey, das ist ja mal ganz was Neues! Die wievielte Empfehlung für die in ferner Zukunft sexuell befreite Frau ist das jezz? Ich hab nämlich schon vor Jahren aufgehört zu zählen. Frau Witzeck von der FAZ ist natürlich völlig begeistert von diesen schlüpfrigen Aussichten. Nur das Ding mit dem feminilistischen Opferstatus kriegt sie damit nicht unter einen Hut; blöd jezz. Wird schon.

Seufz

Wie ihr wahrscheinlich schon geahnt habt, war diesbezüglich früher alles besser. Echt jezz: Bei uns im Stadtpark in dieser Jahreszeit knutschten und fummelten überall junge Leute rum (metoo), heute muss man Pärchen förmlich mit einer Wärmebildkamera erst detektieren – es gibt sie kaum noch.

Was es auch nicht mehr gibt, sind solche Rüpel wie unser Bassist bei J.C. Superstar. Der zog bei einer Tänzerin backstage einmal das Dekolletee ihres Gewands (so ein Büßer-Kleidchen) zu sich hin, guckte hinein und meinte bewundernd »Nice Shoes!«. Klar hat er sich eine eingefangen. Heute würden sie ihn wahrscheinlich öffentlich vierteilen – oder aber passenderweise bei J.C. Superstar am selben Abend noch live auf der Bühne kreuzigen, so sieht das mal aus.

Ein andermal ließ er sich von einem Groupie abschleppen. Als die ihn dann bei sich zu Hause den ganzen Abend aber nur »romantisch« zutexten wollte (»Der Monolog vor dem Beischlaf« – ein Klassiker), fragte er trocken, ob sie denn hauptsächlich reden wolle. Sie bejahte irritiert (was könnte man sonst wohl noch machen, hm?). Also stand er auf und ging. MGTOWs gibt es offensichtlich schon eine ganze Weile.


Kategorie: Male, Female

<- Zurück zu: Beiträge

 

Nach oben

13.08.2018

In Spanien gibt es zwischen 350-400 Falschbeschuldigungen gegen Männer. Pro Tag.

Kat: Male, Female, Politik, Gesellschaft
08.08.2018

Zumindest, was ihre Heiratskultur betrifft.

Kat: Male, Female, Politik, Gesellschaft
30.07.2018

Aber selbstverständlich nicht aus Lust, sondern nur wegen des heißen Wetters.

Kat: Male, Female
21.07.2018

...wegen #metoo.

Kat: Male, Female
11.07.2018

Ja, richtig gelesen.

Kat: Male, Female