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Die Klitorie

07.11.2018

Was man sich als Tüp manchmal alles so anhören muss.

Liebessenf

Liebessenf – für jede Wurst geeignet

Es ist schon seltsam: Da wollte eine entfernte Kollegin neulich schon wieder mit mir über Sexpraktiken diskutieren – ich hatte allerdings nicht darum gebeten. Weil ich aber im Alltag (meistens) ein höflicher Mensch bin, gehe ich, soweit erträglich, auf derlei halbseidene Unterhaltungen der Form halber ein. Und wie wir so über Prostatastimulation, Analverkehr, Lesbensex und andere delikate Dinge parlierten, sprach sie mehrmals von einer »Klitorie«. Hm. Das Organ kannte ich noch gar nicht. Zwar erwarte ich von niemandem, dass er/sie alle lateinischen (medizinischen) Bezeichnungen für solche zentralen Körperregionen runterbeten kann. Trotzdem ist so eine Darbietung an vorgestäuschter Sachkenntnis nicht gerade erbaulich, weder erotisch noch intellektuell. »Kitzler« hätte es ja auch getan, newahr. Die Frage »zu mir oder zu dir« hatte sich jedenfalls sehr schnell erledigt für mich.

Nun sind Stilblüten und/oder Irritationen gerade im Zusammenhang mit sexuellen Dingen natürlich keine Neuigkeit, insbesondere bei unerfahrenen (jüngeren) Mitmenschen – das kann man ihnen trotz »Pornos im Internet« auch nicht wirklich vorwerfen. Aber gerade bei lebenserfahrenen Frauen sollte man doch davon ausgehen können, dass sie sich schon mal hier und da mit faktischen Aspekten, wissenschaftlichen Erkenntnissen oder ihren eigenen persönlichen Erfahrungen beschäftigt haben.

Auch bei den üblichen öffentlichen Debatten über Sex mit dem (oft empfohlenen) Fazit »Man sollte über Sex offen reden, gerade in einer Beziehung« nicken so gut wie alle interessierten Damen eifrig-heftig zustimmend. Leider ist es von dieser zustimmenden Grundhaltung bis zur faktischen Umsetzung gerade für das gefönte Geschlecht offensichtlich außerordentlich mühsam, sich mit Schmuddel­angelegenheiten expressis verbis auseinanderzusetzen. Über die Motive kann Mann nur spekulieren. Es scheint bei den Damen der Schöpfung trotz all der modernistischen Überfrachtung mit Studien, medizinischen Fortschritten oder schlaumeierischen Frauenratgebern immer noch einen unbändigen Drang zum Nebulösen, zum Unnahbaren, zum Unaussprechlichen in Sachen Sex zu geben.

Gestandene Ehemänner werden mir Recht geben: Nicht mal die jahrelange Vertrautheit und das (sporadische) Reden über erotische oder sexuelle Wünsche schützen einen davor, ständig neu verhandeln zu müssen bzw. ständig wieder in alte, nervtötende Gewohnheiten zu verfallen. Der Umstand, dass Frauen in längeren Beziehungen ihre sexuelle Offenheit peu à peu reduzieren, verkompliziert zusätzlich die vertraute Partnerschaft und so enden viele Ehen schließlich in einem mehr oder weniger verdrießlichen (aber oft zweckorientierten) Bruder-Schwester-Verhältnis. Die australische Paartherapeutin Bettina Arndt beschrieb diesen schleichenden »Sex Gap« aufgrund ihrer beruflichen Erfahrung als den Normalzustand langfristiger Beziehungen – ausgelöst von Frauen. Von dem Märchen, dass man, je länger und besser man sich kennt, umso befreiter über intime Dinge im Sinne einer befriedigenden gemeinsamen Sexualität sprechen kann, bleibt jedenfalls nach ihrer Einschätzung nichts übrig.

Ein paar Anekdoten gefällig? Da war diese Susan, sie war in meiner Sturm-und-Drang-Zeit die Personifizierung aller jugendlichen Fantasien, eine echte, katalogtaugliche Schönheit von makelloser Perfektion. Alle wollten mit ihr, alle – und ich natürlich auch. Aber als diese feuchten Träume dann Realität wurden, war diese Person, die selbstredend die ihr entgegengebrachte kritiklose Bewunderung nur zu gerne genoss und auch für allerlei maskuline Dienstleistungen ausnutzte, dann doch seltsam verklemmt. Sie pustete nämlich ständig auf meinem besten Stück herum, weil sie wahrscheinlich »einen blasen« zu wörtlich genommen hatte. Später erfuhr ich, dass sie in einer WG mal die ernstgemeinte Frage stellte, ob Kinder eigentlich auch schon Schamhaare haben. Wow. Wie kann eine Frau, die ihre Liebhaber öfter wechselt, als ich meine Fenster putze, derart weltfremd daher reden? Im 20. Jahrhundert? So wird das nix mit der »sexuellen Befreiung«, Ladys.

Natürlich sind auch nicht alle Männer immer nur souverän und selbstsicher mit ihren sexuellen Kenntnissen und Erwartungen. Spontan fällt mir mein eigener kleiner Bruder ein. Der hatte seinen Kumpel einmal in helle Panik versetzt, als er behauptete, dass gesundes Sperma »grüne Punkte« enthalten müsse – worauf besagter Kumpel natürlich sofort zu seinem Hausarzt gerannt ist. Da wäre ich gerne Sprechstundenhilfe gewesen! Der arme Kerl.

 

Alles wird gut

Zum Glück bemüht sich die Forschung aber regelmäßig, unausgesprochene Dinge ins rechte Licht zu rücken und die verunsicherte Bevölkerung aus dem Dunkel der sexuellen Unkenntnis heraus zu führen. So berichtet die FAZ heute geschlagene vier Webseiten lang über eine neue Studie zum deutschen Sexleben. Dazu interviewte Redakteurin Julia Schaaf den Studienleiter Peer Briken ausführlich. Trotz einer überbordenden Sexualisierung unseres modernen Alltags sind nämlich einige intime Probleme zwischen den Menschen nach wie vor ein Dauerbrenner; etwa »Leistungsdruck im Bett, Vortäuschen eines Orgasmus u.a.m«.

Damn it: Heute morgen war der Artikel noch frei lesbar, jezz steckt er hinter der FAZ-Bezahlschranke. Das können sie ja handhaben, wie sie wollen. Interessant war an dem Interview nur, dass (wie immer eigentlich) die interviewende FrauIn einmal mehr den schändlichen Einfluss von Internetpornografie auf »normale« Beziehungen ausloten wollte. Briken hat das nach dem Stand der wissenschaftlichen Debatte pariert: Es gibt keinen direkten und universalen Zusammenhang zwischen Pornokonsum und den tatsächlichen Rutschmanövern in bundesdeutschen Ehebetten. Das feminilistische Mantra »Porno ist die Theorie, Vergewaltigung ist die Praxis« bedient zwar die sattsam bekannten infantilen Gemüter der frauenbesoffenen Fraktion, ist aber wissenschaftlich gesehen Bullshit in Reinform. Wir hatten eine ähnliche Debatte ja auch schon im Zusammenhang mit Ego-Shootern und Schulmassakern.

So ist das ja eigentlich immer mit dem feminilistischen Alarmismus. Ob es nun Buzzwords wie »das Patriachat«, die »männlichen Privilegien« oder die »toxische Männlichkeit« ist – so ziemlich alles, was von unbeliebten und unsympathischen Weibern über »die Männer« in die Gazetten gerotzt wird, hat bei näherer Untersuchung null Evidenz (in Worten 0). Nur die schiere Häufigkeit, mit der solche Floskeln und Beleidigungen in die Öffentlichkeit gekippt werden, verleiht dem Ganzen im Laufe der Zeit einen scheinbaren Wahrheitsgehalt. Das ist das Prinzip von Propaganda.

 

Alles wird noch besserer

Natürlich kann man das empörte Geschlecht jezz auch nicht zum ständigen Seelenstriptease in Sachen Sex und Erotik doll quatschen. Manches Unausgesprochene hat ja durchaus seinen Reiz und damit eine gewisse Berechtigung. Wie immer: Die Dosis macht das Gift. Aber auch für Frauen, die sich lieber dem komatösen Zustand fehlender erotischer Konkretisierung hingeben und dem permanenten maskulinen Wissensdurst entziehen wollen, gibt es sinnstiftende Lösungen. Die bekannte Bloggerin »Shoe On Head« hat dazu neulich die »Pussy Church Of Modern Witchcraft« entdeckt. Die hat alles, was die moderne Feminilistin so braucht: Psalmen, Gebete, Messen, Beschwörungen – und natürlich die Schlussformel »Awoman statt Amen«. Ach ja, T-Shirts von dieser obskuren Pussy-Sekte kann man natürlich trotz der partriachalischen Vorherrschaft im Restteil der ungläubigen Welt auch noch kaufen. Vielleicht haben sie schon den Trick raus, wie man aus einem T-Shirt hunderte macht (so wie Jesus das damals mit dem Brot angestellt hatte).

 

Und sonst noch

Zwei Youtube-Beiträge der BLÖD-Zeitung, die die Welt nicht braucht: Einmal eine Straßenumfrage, was Männer zum Thema Pille und Menstruation so wissen. Den unterschwelligen Hihihi- bzw. Giggelfaktor, den die Interviewerin mitbringt, kontern die befragten Männer mit teils durchaus respektablen Resterinnerungen aus dem Biologieunterricht. Aber zu den zentralen Männerthemen gehören »Pille und Menstruation« dann auch wieder nicht; das merkt man. Könnte es vielleicht sein, dass es für Männer ein Leben außerhalb von Frauenthemen gibt?

Zumindest gefühlt hat ja jeder zweite Frauenbeitrag in unseren Hochleistungs­medien irgendeinen Schmuddel-Bezug, selbst wenn er schnöde politische Zusammenhänge behandelt, bei denen es am allerwenigsten auf den Inhalt einer Unterhose ankommt. Gretchenfrage: Wer ist denn nun eigentlich sexfixierter: Männer oder Frauen? Kleiner Tipp: Es sind nicht die Männer.

In einem weiteren sinnfreien Filmchen stellt BLÖD skurrile Sexgesetze vor. Na gut, ich wusste noch nicht, dass man in Bakersfield (Kalifornien) Sex mit dem Satan haben darf, solange man ein Kondom benutzt. Schlimm auch, dass man in Ungarn Sex nur bei ausgeschaltetem Licht machen darf. Mist, schon wieder zwei Reiseziele von der Liste gestrichen.

 


Kategorie: Male, Female

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