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»Wir sind mehr«

05.09.2018

Ein offensichtlicher Trugschluss: Die AfD hat die SPD schon mal auf den dritten Platz verdrängt.

Nun gut, auf Umfragen kann man generell nicht viel geben, deshalb ist die heutige Meldung über eine Umfrage der BLÖD-Zeitung natürlich nur eine (bezahlte) Momentaufnahme. Das Problem für die selbsternannten Salon-Linken sind auch nicht einige mickrige Prozentpunkte mehr oder weniger im Hase-Igel-Rennen der Parteiendemokratur. Das Problem für die kuschelige »Wir sind mehr«-Bewegung (so sie denn überhaupt eine ist) ist die schiere Existenz einer politischen Kraft rechts von den üblichen konservativen Parteien. Das hätte es früher unter Kohl und Strauß nicht gegeben! Da gab es nur eine völlig marginalisierte NPD und ein paar Eintagsfliegen wie DVU oder die Schill-Partei, das war's im Wesentlichen.

 

Mehr linke Wunschvorstellungen

Geht man nach den strengen Kriterien, mit denen z.B. regelmäßig unsere viel gescholtene »Rape Culture« in großen Lettern in die Presselandschaft geschmiert wird, dann darf man getrost auch den neuen Trend »Knife Culture« aufs mediale Erregungspodest heben. Denn die Zunahme der Ereignisse, in denen Alltags­konflikte mit handelsüblichen Mordwerkzeugen – speziell bei unseren zugewanderten »Goldstücken« – ausgetragen werden, hat indertat zugenommen. Doch laut »linker« Denkvorgabe ist jede Diskussion darüber schon im Kern »rassistisch«. Was ist das? Dumm? Dummdreist? Realitätsverweigerung? Fehlende Bildung, fehlende Kritikfähigkeit? Merkel-Verehrung? Neoliberale Propaganda? Wahrscheinlich von allem etwas.

Bei Telepolis ist für solchen linken Dogmatismus gewöhnlich vor allem ein gewisser Herr Nowak zuständig. Er ist zwar nicht die hellste Fackel im linksrevolutionären Einheitsmarsch, dafür aber (wie so oft) umso fanatischer. Gestern befasste er sich mit dem Umstand, dass die gute Sarah Wagenknecht sich bisher ums Verrecken nicht so devot dem allgemeinen #metoo-Alarmismus unterordnen will. Dabei ist sie doch wie besagter Herr Nowak eine selbsterklärte Linke! Insbesondere hat Wagenknechts neue Sammlungsbewegung »Aufstehen« laut Nowak bislang ein klares Bekenntnis zu abgestandenen feminilistischen Standardfloskeln vermissen lassen.

Prompt fühlt man sich angesichts solcher Kritik an den Niedergang der »Piraten-Partei« erinnert, die maßgeblich an Gerüchten zugrunde ging, dass sie nicht frauenfreundlich genug sei. Nun kann man zwischen Nowaks Zeilen die latente Bewunderung für diese kluge und eloquente linke Zeitgenossin nicht übersehen, aber dass sie den standardisierten linken Denkschablonen nicht blind folgen mag, liegt dem Telepolis-Autor anscheinend schwer im Magen.

Immerhin simuliert Nowak einen gewissen geistigen Weitblick, indem der behauptet, dass #metoo eben auch männliche Opfer von sexuellen Übergriffen durch Frauen thematisiert hätte. Natürlich provoziert so eine ideologische Überdehnung wie diese Twitta-Kampagne ganz automatisch Abwehrmechanismen und Relativierungen. Das zuzugeben, ist rein journalistische Kosmetik, damit die eigene Borniertheit und das eigene Faible für kitschige Rockzipfelgeschichten von solchen eingebildeten Frauenrettern wie Nowak nicht ganz so krass ins Auge sticht. Aua!

Über die Existenz oder Nichtexistenz bzw. die Häufigkeit sexueller Belästigungen von Frauen gegenüber Männern sagt das erstmal nicht soviel aus; eher darüber, ob Männern solche fragilen Offenbarungen grundsätzlich zugestanden werden (werden sie nicht bzw. nur halbherzig). Die Story geht ja meistens so, dass die Männers doch mal endlich, endlich über Gefühle reden sollen – aber bitte hauptsächlich über die Gefühle der Frauen. Listen and believe! Then shut the fuck up! Wahrscheinlich sind Männer mit ihren Sorgen und Nöten bei Frau Siri von Apple besser aufgehoben.

Ob es der aufgeregten Debatte hilft, wenn zukünftig auch Männer jeden schelen Blick, jede Geste und jede Berührung einer wuschigen Frau als ultimativen Angriff auf die eigene Persönlichkeitsentwicklung empfinden, mag jeder selbst beurteilen. Denn – man mag es kaum glauben – selbst Frauen haben hier und da gewisse schlüpfrige Bedürfnisse. Obwohl: Als soziales Experiment wäre es schon interessant, wenn Männer ebenfalls flächendeckend rumzickten. Sehr unterhaltsam!

Bestimmte Paradigmen lässt Nowak als vorbildlicher Schreibtisch-Linker natürlich unangetastet, etwa das Postulat eines allgegenwärtigen »Patriarchats«. Die »Männerherrschaft« – insbesondere in seiner weißen, alten, heterosexuellen Geschmacksrichtung – hat ja inzwischen bei den Linken den revolutionären modus operandi »Klassenkampf« fast vollständig abgelöst. Dass 99 % der Tüpen selber gar nicht privilegiert sind, so wie es feminilistische Nervensägen immer wieder fabulieren, kommt in der linken Wahrnehmung jedenfalls schon lange nicht mehr vor.

 

Daueraufreger Sexroboter

Frauen mögen es gar nicht, wenn sie nicht das Monopol auf uneingeschänkte erotische Aufmerksamkeit besitzen – selbst dann, wenn sie sich sonst nur zu gerne über die diversen erotischen Macken ihrer Macker lustig machen. Die »Netzfrauen« fragen denn auch ganz nervös, ob Sexroboter eine Gefahr für die Gesellschaft sind. Huch, eine Gefahr, eine Gefahr! Müssen wir alle sterben? Ich zitiere:

Der Forscher Richardson bestätigte erst kürzlich, dass es Probleme gibt. Es reduziert unsere Fähigkeit zur Empathie, verursacht Selbstisolation und fördert das Gefühl, dass alle Bedürfnisse eines Menschen durch eine Maschine erfüllen werden könnten. »Aber das ist nicht wahr. Du brauchst andere Menschen«, so Richardson.

Zum Beispiel: Die programmierbare Persönlichkeiten wie: unsicher, verängstigt, schüchtern und traurig. Laut Kritiker fördert diese Simulation das »vergewaltigen«.


Wie kann dieser oberschlaue »Forscher Richardson« über etwas orakeln, das in dieser Form noch gar keine Relevanz hat? Man weiß es nicht. Mein persönlicher Geschlechterforscher hat jedenfalls herausgefunden, dass die Vergewaltigungs­zahlen seit der Einführung des Internets sichtbar zurückgegangen sind. Die auffälligen Häufungen von Sexualdelikten seit »Wir schaffen das« ignorieren wir mal an dieser Stelle großzügig. Und jezz? Läge es da nicht nahe zu orakeln, dass solange die Kerle an ihren Love Dolls rumfummeln, sie schlichtweg keine Zeit haben, »realen« Frauen nachzustellen? Win-Win!

Auch mit der verkümmerten Empathie ist es nicht so einfach, wie es den Netzfrauen scheint. Denn in der Behauptung »tötet Empathie« liegt die irrige Annahme, dass Empathie etwas wäre, was die Tüpen den Weibern einfach grundsätzlich schuldig sind. Doch es ist mit der Empathie ähnlich wie mit dem Respekt oder der magischen »Liebe«: Sie wollen bis zu einem gewissen Grad verdient bzw. gewürdigt werden, sonst ist das auf Dauer eine sehr, sehr einseitige Angelegenheit. Was Frauen wiederum tun könnten, um von den Kerlen eine ausreichende Dosis empathischer Zuwendungen zu bekommen, liegt nicht im Einflussbereich der Männer.

Natürlich verstehe ich – empathisch wie ein Mann nun mal so ist – die Heulsuserei der Netzfrauen dennoch sehr gut. Denn die Wahrheit hinter dem Umstand, dass womöglich viele Männer zukünftig lieber mit einer Love Doll kuscheln, sagt natürlich auch eine Menge über den empathisch-erotischen Reiz »realer Frauen« aus. Da dachten die Weiber Jahrtausende lang, ihre Mumu hätte eine omnipotente, unwiderstehliche Wirkung auf die Männerwelt – zumal die Kerle diese Sehnsüchte auch noch tausendfach in der Literatur, in der Kunst und sogar in der Technik zum Ausdruck brachten. Von alleine hätten die Männer jedenfalls keine Bügeleisen erfunden. Aber ich kann den Netzfrauen garantieren: Wir Tüpen wollen eure Dildos trotz diverser »Gefahren für die Gesellschaft«, die ja angeblich von seelenlosen Sextoys ausgehen, bestimmt nicht wegnehmen. Indianerehrenwort!

Die »Gefahr für die Gesellschaft« ist also vielmehr die Gefahr eines femininen Erotikverlustes. Aber war es nicht genau das, was #metoo und Konsorten ständig dramatisieren, nämlich den angeblich permanenten geilen Blick von Männern auf Frauen? Spätestens dann also, wenn so eine Sex Doll bei Aldi zum Schnäpp­chen­preis zu haben ist, können sich die Frauen endlich den wirklich wichtigen gesellschaftlichen Themen widmen, z.B. Umweltschutz, Philosophie, technischer Fortschritt, Ernährung – die Welt ist bunt und groß! Win-Win!

 

Und nochmal Telepolis

»Warum Männer Singles sind« – das beschäftigt auch Chefredakteur Rötzer in der Telepolis. Immerhin sind in den USA (aber auch in Deutschland) ein gutes Drittel aller Haushalte Singlehaushalte. Auch Rötzer bemüht diverse Untersuchungen, u.a. eine Auswertung auf die Frage »Guys, why are you single?« in einem Reddit-Diskussionsstrang. Die aufgeführten Gründe für die maskuline Einsamkeit lavieren allerdings allesamt um den berühmten heißen Brei. So behaupten Forscher, dass Männer nicht gelernt hätten zu flirten, weil früher halt die Eltern meistens für die Verkupplung ihrer Söhne gesorgt hätten. Da fragt man sich, wie es denn mit den ebenso verbandelten Frauen aussieht. Aber natürlich untersucht die patriarchale Wissenschaft solche Aspekte gar nicht erst. Mit Verweisen auf Familiengründungen von anno tobak kann man demnach alles oder nichts erklären.

Da klingt ein anderer Grund schon viel plausibler. Viele Männer schätzen die persönlichen Freiheiten, die ein Singleleben so mit sich bringt. Dabei müssen sie keineswegs auf Sex verzichten. Ob sie das deshalb tun (wie im Artikel angesprochen), weil sie erstmal die Karriere im Blick haben, um damit wiederum gesellschaftlichen Status und Besitz anzuhäufen, die dann zu einem späteren Zeitpunkt den Frauen zugute kommen, ist leider auch nur eine ausgesprochen nebulöse Kaffeesatzleserei.

Auch auf die Gefahr hin, solche Diskussionen mit anekdotischen Selbst­wahrnehmungen zu überfrachten: Ich kenne etliche MGTOWs als extrem freiheitsliebende, selbstbewusste Individuen, die ihre »einsame« Lebensgestaltung keineswegs als Mangelerscheinung wahrnehmen. Sex ist für sie »nice to have«, aber keine Manie. Doch natürlich schreibt die feminilistische Zunft viel lieber über Männer als extrem verunsicherte, zutiefst verstörte Halbwesen mit flirttechnischen Verhaltensstörungen. Wie kann man auch nur auf die bescheuerte Idee kommen, dass die Frauen irgendwas Positives zu dieser Thematik beitragen könnten?

 


Kategorie: Male, Female, Politik, Gesellschaft

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Flintenuschi bläst wegen eines Noch-Nichtereignisses schon mal die Backen auf.

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05.09.2018

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Die Politik ist ganz doll betroffen von der Randale in Chemnitz. Ach was.

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