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Patriarchalismus

16.05.2017

Das ist ein neues Krankheitsbild, das eine Femen-Aktivistin erfunden hat.

Manchmal ist es ja ganz unterhaltsam, die Feindpresse zu lesen. So gab es heute im Hipster-Ableger »Bento« von Spülgel-Online ein Interview mit einer deutschen Femen-Aktivistin namens »Hellen (27)«, die die ganze Litanei ihrer grandiosen revolutionären Arbeit abnudeln durfte. Immerhin hatte sie schon mal halbnackt (wie man das von Femen halt kennt) gegen Heidi Klum und deren dämliche Glitzer-Show protestiert. Natürlich ist Klums Blingbling unterstes kulturelles Niveau, aber wenn man selber nicht die hellste Funzel im geschlechterpolitischen Diskurs ist, bleiben die Doofen mal wieder unter sich.

Dass die Femen-Truppe »das Patriarchat abschaffen« will, teils auch mit fantasievollen Gewalt- und Splatterfantasien (Kastrationsfetische vor allem), war in den einschlägigen Kreisen schon länger bekannt. Aber was ist nun dieses neue Ding »Patriarchalismus«? Nie gehört. Vielleicht hat den ja ein Herr Patriarch erfunden, so wie sich z.B. dieser Herr Marx anno Tobak den Marxismus ausgedacht hat.

Für den theoretischen Überbau, mit dem Hellen (27) ihren revolutionären Kampf mental unterfüttert, hat allerdings noch nicht einmal Bento ein offenes Ohr. Lieber fragen sie wuschig, wie es sich denn so anfühlt, wenn man halbnackt auf Veranstaltungen rumhüpft oder ob die Bilder, die es von Hellen (27) im Internet gibt, für sie Nachteile brachten. Die Frage ist natürlich sehr berechtigt, denn wann sieht man schon mal nackte Quarktaschen im Internet – außer man ist wie ich Fachreferent beim »Amt für Lebensfreude und Erotik«? Aber nein, niemand erkennt Hellen (27) in der Öffentlichkeit als Pionierin des radikalen Femen-Feminilismus und niemand kann sich anscheinend an ihre beiden wichtigsten Argumente erinnern.

Hellen (27) erklärt ein bisschen was zum ukrainischen Ursprung der Femen-Frauschaft und dass ihre nackten Brüste in der Öffentlichkeit »Waffen« sind. Keinesfalls seien sie (also ihre Boobanies) »sexualisiert«, denn immerhin haben die Femens bei ihren Protesten wichtige politische Botschaften drauf gekritzelt (hoffentlich nicht mit einem Edding). Vielleicht sollte ihr mal einer erklären, dass frau sich auch T-Shirts mit hohlen Sprüchen bedrucken lassen kann. Das ist auf Dauer nicht nur kostengünstiger als diese teuren, TÜV-geprüften Fingerfarben, sondern macht auch weniger Sauerei beim Auftragen und Abwaschen. Auch für ein geschlechterpolitisch korrektes Date eignet sich ein T-Shirt viel besser als Selbstgemaltes!

Was Hellen (27) leider verschweigt: Ursprünglich wurde die antipatriachalistische Frauentruppe von einem Mann erfunden und betreut, nämlich von einem gewissen Wiktor Swjatskij, der die ukrainische Urtruppe eigentlich als »zu schwach für politischen Aktivismus« fand und diese schwachen und vor allem unpünktlichen Femen-Girls öfter mal allesamt »Schlampen« nannte. Außerdem mussten es immer junge und einigermaßen hübsche Frauen sein, denn Swjatskij wusste natürlich ganz genau, dass »Sex sells«; ein sehr bekanntes und erprobtes Geschäftsmodell, wie jede weiß.

Komisch: Jedes verdammte Mal, wenn einer über diesen Feminilismus und seine Motive in den Gazetten palavert, kommt ein Absätzchen über die seit Ewigkeiten herbei ersehnte Befreiung der Frauen aus ihrer sexuellen Knechtschaft vor. Man muss nämlich wissen, dass die meisten Frauen so dermaßen unterdrückt sind, dass sie sich ihrer sexualisierten Rolle oft gar nicht mehr bewusst sind (auch bekannt als Stockholmilismus). Obwohl seit Jahren und Jahrzehnten für die sexuelle Selbstbestimmung der Frauen in jedem Käseblatt Reklame gemacht wird, ist die konkrete Befreiung der einzelnen Frau an und für sich anscheinend doch noch nicht so weit fortgeschritten. Das ist natürlich tragisch für so eine moderne, emanzipierte Gesellschaft wie die unsere. Vor allem, wenn aus Frauen wie Hellen (27) irgendwann mal Frauen wie Hellen (37) werden und sie mangels Alternativen doch noch einen dieser haarigen, ekligen Männer zur Fortpflanzung brauchen, erodiert das revolutionäre Potenzial der Feminilistinnen schneller, als sie »ficken« buchstabieren können.

Wie war das noch neulich? Da wollte eine Kollegin unbedingt Privatunterricht zum Thema »Allgemeine Pixelschubserei« bei mir buchen. Während sie mir in einer Arbeitspause umfangreich ihren bisherigen Werdegang vortrug, fiel mittendrin plötzlich der Spruch, dass sie oft Männer getroffen hätte, die »nur Sex von ihr wollten«. Aha, dachte ich, so was gibt's tatsächlich noch? Und warum nochmal erzählte sie das überhaupt? Denn besonders fachrelevant war es ja nicht. Außerdem war ich immer der Meinung, dass ein Mensch, der mit einer bis dato unbefummelten Person intim werden möchte, sich in vertrauenstechnischer Hinsicht durchaus verletzbar macht – denn die offen zugestandene sexuelle Anziehung wird ja ab und zu mal mit Ablehnung quittiert und das kann durchaus schmerzvoll sein. Wenn das schlüpfrige Angebot nicht zu platt/zu unhöflich formuliert wurde, warum sollte dann die ehrlich ausgesprochene intime Zuneigung etwas Verwerfliches sein? Ach, ich Dussel hab's natürlich wieder vergessen: Der Preis für seine intimen Bemühungen soll möglichst hoch angesetzt werden. Denn wer hier für die diversen Romantikdienstleistungen vor dem Beischlaf aufkommen muss, ist selbst in feminilistischen Kreisen glasklar: Der Tüp selbstverständlich. Hab ich jezz wieder alle desillusioniert? Fein.

Aber nicht nur die armen Frauen leiden an ihren stereotypen Rollenzuschreibungen. Bento verlinkt auf derselben Seite nämlich zu einem weiteren Interview mit der Überschrift »Gerechtigkeit • Wir sind Männer und Feministen«. Dort guckt uns gleich zu Anfang ein ungekämmter Hoodie-Typ mit 3-Tage-Bart namens Jan (26) sorgenvoll an, weil er offensichtlich gerade versucht, seine lästigen Darmwinde irgendwie unter Kontrolle zu bringen. Immerhin zeigt der Artikel, dass auch (männliche) Feminilisten ganz ähnliche Leidenswege wie ihre kämpferischen Genossinnen beschreiten. Jan (26) fühlte sich z.B. ganz doll verletzt, weil ein Freund ihn als »verweichlicht« bezeichnet hatte – und das nur, weil Jan (26) ihm »Wir sind schwanger« geschrieben hatte. Auf bisher nicht geklärte Weise hatte es Jan (26) nämlich geschafft, dass seine Partnerin ihn zum Vater ihres Fötus auserkoren hatte. Das war indertat eine dumme Bemerkung von dem besagten Freund, denn er hätte unseren armen Jan (26) lieber darauf hinweisen sollen, dass ein Frauenversteher wie er üblicherweise nach wenigen Jahren als ständiges Familienmitglied abgeschossen und gegen einen neuen Papi eingetauscht wird. Die Chancen dafür stehen ungefähr 50:50, wenn man den Scheidungszahlen glauben soll. Bei Unverheirateten geht's sogar noch a bissl schneller.

Eines kann man jedenfalls sagen: Die Versuche, uns Tüpen den Heiligen Feminilismus irgendwie schmackhaft zu machen, nehmen subjektiv in letzter Zeit auffällig zu. Und immer häufiger werden dazu in den systemtreuen Gazetten irgendwelche halbgaren lila Pudel zitiert, weil die ständigen Belehrungen von weiblicher Seite bei solchen rückständigen Mackern wie mir bisher immer noch nicht die gewünschte ideologische Wirkung entfalten. »Auch der Feminilismus muss sich ja irgendwann bezahlt machen«, denken sich unsere Staatenlenker und ihre Hofberichtbestatter in den Mainstream-Medien. Doch wie jeder andere Krieg ist auch der Geschlechterkrieg ein sauteures Unterfangen; das sollte man einplanen.

 


Kategorie: Male, Female

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