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Die Taubernuss

06.07.2017

Eigentlich müsste Twitta verstaatlicht werden.

Dass er nicht einer der hellsten ist, hat Peter Tauber (Generalschwadroneur der CDU) schon häufiger bewiesen. Seine letzte flapsige Bemerkung bei Twitta über die »selber schuld«-Minijobber, die nach seiner Ansicht nichts Gescheites gelernt haben und darum halt in der Armutsfalle landen, wird seiner tranigen Chefin Merkel nicht gefallen haben. Wobei Merkel in diesem speziellen Fall erstmal nur an ihre Wahlaussichten denkt: Inhaltlich, das hat sie ebenfalls schon häufig so kommuniziert, denkt sie genauso (z.B. neulich bei der Zensur des letzten »Armutsberichtes« der Bundesregierung).

Schon der Umstand, dass hochoffiziöse Dampfplauderer wie Tauber sich über ein Privatunternehmen wie Twitta zu halbamtlichen Äußerungen versteigen, ist kritisch. Mal abgesehen von den vielen Fettnäpfchen, in die die Gesalbten aufgrund ihrer grenzenlosen Dämlichkeit sowieso regelmäßig treten, ist es schon verwunderlich, dass halbamtliche Verlautbarungen von halbgaren Generalsekretären über so eine Fun-Not-Facts-Firma laufen. Und wo ist eigentlich »Schutzlücke« Maas und sein dummdreistes »Hate-Speech-Gesetz«, wenn man ihn mal braucht? Immerhin beleidigt Tauber mal eben so Millionen von hart schuftenden Menschen.

Derart machtbesoffenes Gelaber ist leider kein dummer Ausrutscher, sondern eine handfeste innerstaatliche Kriegserklärung. Die hastig nachgeschobene Entschuldigung Taubers hat dagegen keinerlei Relevanz, denn die schiere Politik der CDU (ergo ihre Taten, an denen sie selbstverständlich gemessen werden), steht überhaupt nicht im Widerspruch zur tauberschen Grundhaltung. Der Mann sitzt also durchaus auf dem richtigen Posten.

Eine solche Arroganz bleibt natürlich auch nicht ohne Folgen – und die heißen »Schattenwirtschaft, Schwarzarbeit, Steuerhinterziehung, Bestechung und Sozialbetrug« – sozusagen die vollständige »Bakschischisierung« des Abendlandes. Wenn die Sonnenkönige ostentativ vorleben, dass ihnen ein fairer Interessensausgleich in ihrer Gesellschaft ein Dreck wert ist, warum sollte das Fußvolk sich dann überhaupt zu »demokratischen« Werten und Idealen bekennen? Der Fisch stinkt bekanntlich vom Kopf her.

»Dann wählen wir halt die menschenverachtende CDU nicht mehr«, könnte sich der interessierte Twitta-Untertan denken. Guter Ansatz, aber da gibt es noch diesen Zombie namens SPD! Es sieht nämlich nicht so aus, als würde das melodramatische Geschwafel von St. Martin Chulz über »Gerechtigkeit« tatsächlich mal zu Konsequenzen führen, etwa zu einer eindeutigen Koalitionsaussage bzw. -verweigerung, falls nichts Substanzielles im Hinblick auf »Gerechtigkeit« passiert und solche Sozialdarwinisten wie Tauber und Merkel auf den Müllhaufen der Geschichte wandern. Nein, diese SPD hat immer noch nichts kapiert.

Hier im lokalen SPD-Kader (NRW), wo man sich in lauter Selbstmitleid immer noch die Wunden leckt wegen der verlorenen Landtagswahl, ist die Marschrichtung jedenfalls vorgegeben: »Jetzt erst recht!« – so die Worte eines der hiesigen SPD-Großkopferten. Nicht diejenigen, die Fehler machen, sind gefährlich. Es sind die, die aus Fehlern nichts lernen wollen. Nein, statt die »Umverteilung von fleißig nach reich« zum bestimmenden Koalitionsthema zu machen, führen die Spezialdemokraten lieber glitzernde Scheingefechte für die Schwulenehe.

Prompt – so als hätten wir noch eine funktionierende, weil kritische Presse – erschienen heute mehrere Artikel in den Hochglanzblättern über die Situation von Geringverdienern, wie etwa beim Spiegel. Immerhin. Man mag diese Diskussionen allesamt lästig finden und stattdessen des Prinzips »Survival of the fittest« das Wort reden. Doch wir haben ähnliche Prozesse schon zigfach mit dem immer gleichen (üblen) Ausgang in der Geschichte gesehen und eine feste Garantie für das Fortbestehen von Herrscherdynastien gleich welcher Art (Adel, Bürgertum oder Diktatur des Proletariats) lässt sich daraus ebenfalls nicht ableiten. Die Kollateralschäden durch politische Ignoranz sind generell um etliche Faktoren größer als ein moderater Umgang mit den klassischen Verteilungsproblemen (auch dereinst bekannt geworden als »soziale Marktwirtschaft«). Sieht also so aus, als würde es langfristig teuer werden. Für alle. Ich meine ALLE. Ja, auch für dich, Taubernuss.

 

Der Tanz ums goldene Kalb

Ich weiß: In solchen Diskussionen fällt dann oft der hohle Spruch vom »Sozialneid« – in einem Tonfall, als sei das gegenüber der rastlosen Gier der wenigen Privilegierten die viel größere Todsünde (um mal im biblischen Bild zu bleiben). Leider trifft das den Kern überhaupt nicht. Mich persönlich interessiert es z.B. nicht im Geringsten, ob ein Herr Winterkorn, seines Zeichens mitverantwortlich für den millionenfachen Betrug an arglosen VW-Kunden, laut Blöd-Zeitung 3.100,- Rente am Tag kassiert. Er muss selber rausfinden, ob ihn das glücklich macht – und ich denke, da hat er noch eine ganze Menge zu lernen.

Dass es auch anders geht, zeigt ein interessantes Interview von Heiko Schrang mit Florian Homm, einem ehemaligen Finanzjongleur, der auch bei RT Deutsch regelmäßig Videos zu Wirtschaftsfragen bringt. Homm wurde bereits in einen goldenen Käfig hinein geboren, hat aber auch durch eigenes Engagement und über eine steile Karriere alles erreicht, was man für Geld kaufen kann – und konnte damit doch nie eine gewisse innere Leere loswerden. Homm ist beileibe kein Heiliger, aber eine respektable Persönlichkeit. In dem Zusammenhang sprach er auch von seiner Haft in Italien (ich glaube, er war wegen irgendwelcher Finanzvergehen angeklagt). Damals gab es – laut seiner Aussage jedenfalls – keine belastbaren Vorwürfe, die die lange Haftzeit hätten rechtfertigen können. Er wandte sich u.a. an den damaligen Außenminister Westerwelle, der ihm allerdings eine direkte Unterstützung für seine Freilassung versagte – aus Gründen der Staatsräson. Die beiden kannten sich persönlich. Es war schließlich Sarah Wagenknecht, die sich vehement für seine Haftentlassung einsetzte, weil sie die Dürftigkeit der Beweislage als nicht ausreichend für seine lange Haft ansah – obwohl doch ein Finanzhai wie Homm der klassische Feind aller Linken sein müsste. Doch darum geht es gar nicht. Es geht auch nicht um bedrucktes Papier, dem man ein Leben lang hinterher rennt (also Geld). Ein sehenswertes Interview mit einem facettenreichen Homm.

So, jezz muss ich noch schnell zu Aldi fahren. Nehm ich jezz den Porsche oder doch lieber den Maserati? Aldi hat nämlich grad goldene Klodeckel im Angebot.

 


Kategorie: Politik, Gesellschaft

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25.07.2017

Fazit (für die Ungeduldigen): So lala.

Kat: Kultur
18.07.2017

Die 24 % Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen sind wieder da!

Kat: Male, Female
06.07.2017

Eigentlich müsste Twitta verstaatlicht werden.

Kat: Politik, Gesellschaft
05.07.2017

So was fragen sich... vor allem die Frauen.

Kat: Male, Female
28.06.2017

Derzeit überbieten sich die Parteien geradezu im konzentrierten Schwachsinn.

Kat: Politik, Gesellschaft