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Ernüchternd

09.11.2016

Die Schlichtheit des neuen US-Präsidenten wird nur noch übertroffen von der Dämlichkeit unserer modernen Erziehungsmedien.

Dass Trump nun doch entgegen aller einseitigen Beschwörungen der Systempresse die Präsidentschaftswahlen gewonnen hat, löste ein ordentliches Erdbeben in den »liberalen« Redaktionsstuben aus. Die mediale Katerstimmung gestern war episch; manche reden sogar großspurig von einer Zeitenwende. Als Medienkonsument weiß man gar nicht, was dämlicher ist: Ist es die Grobschlächtigkeit, mit der Trump den Wahlkampf betrieben hat oder ist es die mediale Trotzphase bzw. der journalistische Katzenjammer, weil die Tendenzmedien nun halt doch nicht ihren Willen bekamen?


Ich halte die Frage, ob denn nun alles in den USA schlimmer wird, für irrelevant. Man kann diese Frage nämlich wunderbar an der Karriere seines Vorgängers studieren. Der hatte mit extrem viel Pathos den »Change« als sein pesönliches, präsidiales Marketingkonzept hochgehalten, doch von diesem Elan ist am Ende nicht nur nichts übrig geblieben, sondern es wurde unter Obama – vor allem in weltpolitischer Hinsicht – vieles unerträglicher. Auch von Trump ist nicht zu erwarten, dass er den »Krieg Reich gegen Arm«, den Krieg der Kartelle gegen die Besitzlosen signifikant abmildern kann. Dass dieser Krieg stattfindet und dass er die Ursache für den Erfolg Trumps ist, ist keine Erfindung aus dem Wortschatz der üblichen Sozialromantiker, sondern die Aussage eines der reichsten Männer dieser Erde, Warren Buffett. Er meint in diesem Zusammenhang auch, dass die besitzende Klasse (seine Klasse) diesen Krieg gewinnen wird – fragt sich nur, zu welchem Preis. Denn Krieg (Bürgerkrieg) und die eigenen Schergen kosten einen Haufen Geld – ohne verlässliche Garantie, dass Leute wie Buffett tatsächlich als Kriegsgewinnler übrig bleiben. Insofern kratzt die Beschäftigung mit dem Hin und Her einer einzelnen US-Wahl nicht mal ansatzweise an den eigentlichen Ursachen für die vielen Verwerfungen und Irritationen.

Aber wenden wir uns nochmal unseren Qualitätsmedien zu. Die hatten ja über Wochen und Monate versucht, Hillary Clinton als die einzig akzeptable Kandidatin aufzubauen; teils mit äußerst intriganten Methoden, wenn man mal an Bernie Sanders denkt. Das ist bekanntlich nach hinten losgegangen und lässt solche eingebildeten Dampfplauderer wie z.B. Sascha Lobo beim Spiegel völlig irritiert zurück. Sprachlich betrachtet, war Lobo sowieso schon immer eine Zumutung (»Dieser Satz kein Verb«), aber sein eintöniges linkes Gesinnungspalaver offenbart auch intellektuell die konzentrierte Arroganz heutiger Kolumnenschreiberlinge, wie sie vor allem bei Spiegel-Online zu beobachten ist. Er zählt sich allerdings zusammen mit seinen übrigen Kollegen ebendort zur journalistischen Elite und palavert angesichts des Erdrutschsieges von Trump und angesichts der medialen Begleitmusik wichtich von einem »Übergang der Rationalmedien zu Gefühlsmedien«. Nachts kälter als draußen – wer hätte das gedacht? Wie so oft bei diesen Schmalspur-Redakteuren liest man besser die Kommentare der Leser dazu.

Auch in der FAZ geht es ähnlich erkenntnisresistent zu. Herausgeber Berthold Kohler fabuliert dort immer noch von der »populistischen Gefahr«, die Trump verkörpert; ein Phänomen, das wie aus dem Nichts plötzlich und anscheinend vollkommen ursachenfrei die heile Welt des selbsterklärten Bildungsbürgertums durcheinander wirbelt. Die intellektuelle Schlichtheit seiner Erkenntnisse gipfelt am Ende darin, dass Trump nur die amerikanische Ausgabe unserer eigenen europäischen »Populisten« wie Le Pen, die AfD, Putin (das war klar) und – man höre und staune – sogar Erdogan sei. Differenzierung ist also schon mal nicht seine Stärke, weshalb ihm (und den meisten anderen schreibenden Systemlingen) auch jede tiefere Einsicht und jede logische Konsequenz aus den bekannten politischen Entwicklungen vollkommen verwehrt bleibt. Als Chef vom Dienst sollte er sich vielleicht besser um die Spesenabrechnungen seiner Untergebenen kümmern, statt in Angsthasen-Manier von einem sinistren Populismus zu faseln.

Den Vogel abgeschossen hat aber unsere geliebte Bundeskanzlerin mit ihrer Bemerkung, dass sie »unter bestimmten Bedingungen« bereit sei, mit Trump zukünftig zusammenzuarbeiten. Das war wirklich der Brüller. Falls sich nun die beiden Vorturner zum Beispiel höchstamtlich über den Sinn und Zweck von Gendertoiletten streiten würden, was hätte Merkel dann als Drohgebärde in der Hinterhand, um Trump zu einer (angeblich) »geschlechtergerechten« Sichtweise zu zwingen? Wird sie in Washington einmarschieren? Wird sie sich endlich ein neues, abhörsicheres Handy kaufen? Wo lebt diese Frau? Übrigens lässt sie bei ihrem ungezogenen Intimus Erdogan ein solch selbstbewusstes Auftreten schmerzlich vermissen.

Derweil macht sich John Paul Watson über die Tränen vieler (vor allem weiblicher) Hillary-Fans während der US-Wahl lustig. Das mag man amüsant finden, aber ehrlich gesagt, geht es uns Männers doch genauso, wenn unsere Lieblingsmannschaft verloren hat. Häme ist hier unangebracht. Viel gefährlicher ist nämlich die permanente Aggressivität dieser selbsterklärten »Social Justice Warriors« und Clinton-Fanatikerinnen, denn dass nun doch keine Frau die US-Wahl gewonnen hat, empfinden sie latürnich als ultimativen Beweis für »Frauenfeindlichkeit«. Dass Clinton als Anwältin einmal einen üblen Vergewaltiger mit äußerst fadenscheinigen Methoden rausgehauen hatte, ignorieren sie allerdings mit Nachdruck. Sie springen stattdessen lieber auf das dümmliche, aber letztlich folgenlose Lockergate-Gelaber von Donald Trump an. Herrje.

Es stimmt: Nach dem Brexit-Schock und dem neuerlichen Trump-Schock stehen die Medien, die abgehobenen Politiker und ihre Gläubigen vor einem Scherbenhaufen. Nach ihrer Auffassung ist das gewöhnliche Volk einfach zu blöd, das Richtige zu wählen. Von einer gewissenhaften Katharsis, von einer Überprüfung der ureigenen Überzeugungen und Standpunkte ist allerdings weit und breit nichts zu sehen. Durch die Bank reden die Sonnenkönige von einem Schock, aber dass sie selber der Auslöser für solche Schockerlebnisse sein könnten, kommt ihnen (und ihren Erfüllungsgehilfen in der Presse) nicht für eine Sekunde in den Sinn. Was sagt uns das? Die größte Koalition aller Zeiten wird mit ziemlicher Sicherheit nächstes Jahr bei der Bundestagswahl krachend scheitern. Dazu muss man kein Prophet sein. Wir Außerparlamentarischen wissen das. Die Leithammel in Politik und Gesellschaft hätten es ebenfalls wissen können. Aber sie wollten und wollen nicht. 

 


Kategorie: Politik, Gesellschaft

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