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Feminismus ist für mich persönlich uninteressant.

28.08.2010

Von: Stadtmensch

Zu einem Interview mit der französischen Feministin Badinter bei Spiegel-Online.

Frau Badinter, angeblich eine der »gemäßigten« Feministinnen, äußert sich in diesem Interview hauptsächlich zum Thema Kinderkriegen. Eine düstere Vorahnung jovial verdrängend, habe ich mir entgegen meiner sonstigen Gewohnheiten den Artikel tatsächlich mal durchgelesen. Normalerweise mache ich um solche Pamphlete einen Bogen, denn es gibt i.d.R. nichts Neues zu lernen.

Anders als bei den üblichen Info-Häppchen, die SpOn täglich auftischt, geht dieses Interview über geschlagene zwei Seiten. Sie schreibt u.a. über den enormen Druck, dem Frauen ausgesetzt sind, die sich Gedanken ums Kinderkriegen machen. Zum Beispiel mag sie nicht, dass alle Welt das Stillen so wichtig findet oder dass von Frauen permanent erwartet wird, sie müssten perfekte Mütter sein. Zwei Dinge sind an solchen Aussagen falsch: Das eine ist die Tatsache, dass grundsätzlich niemand irgendwelche Perfektionsgelüste zu benennen hat, weil sie schlichtweg nicht erfüllbar sind. Andererseits ist es auch nicht so, dass den gebärwilligen Frauen von seiten des Staates tatsächlich Druck bereitet wird. Es gibt keine Androhungen und keinerlei Sanktionen dafür, dass Frauen sich so oder so als Mutter zu verhalten haben. Manchmal, angesichts der vielen Kindsmorde z.B., möchte man sich wünschen, es gäbe an der einen oder anderen Stelle mehr Druck seitens der Behörden, sich den eigenen Kindern gegenüber gut und liebevoll zu verhalten. Wenn der von ihr behauptete »Druck« auf die Frauen aber nur in bunten Zeitschriften, im Geschnatter anderer Frauen, in Talkshows u.ä. besteht, jedoch nicht behördlicherseits mit Sanktionen ausgestattet ist: Was hält die Frauen davon ab, ihren ganz persönlichen Weg als Mutter zu gehen? Wieso hat man immer das Gefühl, dass Frauen so vollkommen ausgeliefert sind in Bezug auf öffentliche Meinungen? Ist das etwa Emanzipation? Auweia.

Natürlich fiel in dem Interview auch wieder das magische Satzgebilde »Vereinbarkeit von Familie und Beruf«. Wir wissen inzwischen aufgrund der journalistischen Trommelfeuer, dass es ein Problem ist, Kinder mit Karriere zu verbinden. Aber es reicht nicht aus, das Problem auf diese schlichte Formel einzudampfen und daraus einen ganzen Blumenstrauß an staatlicher Unterstützung abzuleiten, so dass jede Frau problemlos Beruf und Karriere wuppen kann.

Das unterschwellige Credo in solchen Veröffentlichungen, dass nämlich Männer sich als Workaholics verlustieren und familiär sowieso unzuverlässig sind, ist eine urbane Legende. Die wenigsten Männer machen Karriere. Die meisten überleben nur durch ihre Arbeit. Gerecht wäre, in diesem Zusammenhang auch über die Männer und ihre Möglichkeiten von der »Vereinbarkeit von Familie und Beruf« zu reden. Es gibt diese Vereinbarkeit für Männer ebenso wenig. Nicht zuletzt sind es die Frauen, die von ihren Partnern maximalen Erwerbseinsatz erwarten, um bestimmte Standards in der Lebensführung zu gewährleisten - eben trotz Kindern. Männer werden selten danach ausgesucht, ob sie liebevolle Väter sind, sondern danach, wieviel Asche sie im Falle der Familiengründung erwirtschaften. Ehen, in denen die Männer die Hausarbeit komplett übernehmen, also den radikalen Rollentausch vollziehen, sind vollkommen unattraktiv für Frauen. Solche Ehen scheitern fast automatisch.

Und natürlich: Die meisten Scheidungen werden von Frauen eingereicht. Wo ist hier die gute Absicht, den Kindern ein Aufwachsen in intakten Familien zu ermöglichen? Ich behaupte nicht, dass Männer sich niemals wie Berserker verhalten oder dass einige von ihnen keine guten Gründe für eine vorzeitige Trennung liefern. Jedoch ist es vollkommen unglaubwürdig, den Männern in Familiendingen ein derartiges Komplettversagen zu unterstellen, wie es die Scheidungszahlen suggerieren. Es ist auch historisch nicht haltbar, denn die Scheidungswilligkeit hat in den letzten Jahrzehnten drastisch zugenommen (genauer gesagt seit der Scheidungsreform in den 1970er Jahren). Zu unterstellen, diese geschiedenen Männer seien, verglichen mit Vorgängergenerationen, auffällig asozialer oder familienfeindlicher, ist nichts weiter als die billige Agitation irgendwelcher Flintenweiber. Nein, die zunehmende Scheidungswilligkeit hängt von ganz anderen Faktoren ab, von denen ich zwei nennen will: Es ist einerseits die existenzielle Absicherung über die Sozialsysteme, also die Übernahme der Versorgerfunktion durch den Staat, die ein (prinzipiell) finanziell desaströses Ereignis wie eine Scheidung abfedert. Und es ist das Profitstreben einer regelrechten Scheidungsindustrie, die keinerlei Interesse daran hat, dass Familien zusammenbleiben trotz familiärer Schwierigkeiten.

Nach diesem kleinen Ausflug in die graue Theorie der Scheidungswelt will ich aber noch ein paar Worte zu Badinter selbst verlieren. Sieht man nämlich von ihren Wehklagen bzgl. des Mutterseins ab, stellt man fest, dass Männer für sie in familiären Zusammenhängen keine Rolle spielen. Das ist das eigentliche Problem, das ich mit solchen kaltherzigen Weibern habe und es ist in meinen Augen das eigentliche Problem hinter dem Problem. An keiner Stelle ihres ellenlangen Interviews kommt auch nur ansatzweise in Betracht, dass eine Familiengründung, das Aufwachsen der eigenen Kinder, für Männer eine gleich große zentrale Bedeutung haben könnte wie für Frauen. Offenbar stimmt sie in den morbiden Chor aller modernen Weltverbesserinnen und Übermenschinnen mit ein, dass Männer zwar zur Zeugung und zum Zahlesel taugen, aber als Vater vollkommen austauschbar sind. Das Unwort des Jahrhunderts dazu lautet »sozialer Vater«. Ehrlicherweise sollten solche Frauen ihre Kinder dann auch lieber von einer Samenbank beziehen. Badinter bezeichnet es an einer Stelle als »gutes Recht von Frauen«, sich für Kinder zu entscheiden (und beklagt dann, dass der Staat für diese Entscheidung keine großflächige Bestandsgarantie abgibt). Solange Männer jedoch in derartigen Gedankenspielen nicht vorkommen, haben diese genauso das Recht zu sagen »Eure Kinder wollen wir nicht«.

In der Summe ergeben die Aussagen von Badinter ein zutiefst egomanisches Bild, in dem es nicht um die Kinder, nicht um Väter und nicht um Familien geht. Es geht einzig und allein darum, dass eine nebulöse »Gesellschaft« das »gute Recht der Frauen« zu verwirklichen hat. Wollen wir uns nochmal anschauen, was das Wort »asozial« bedeutet? Lieber nicht.

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Kategorie: Male, Female

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