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Jahresendzeit-Ansprache

21.12.2010

Von: Stadtmensch

Ein kleiner Rundumschlag in dieser besinnungslosen Zeit.

Arbeitslosenministerin von der LeinIn hat, nachdem der Bundesrat ihre schönen, neuen HartzIV-Regelungen abgelehnt hatte, den Vermittlungsausschuss mit selbstgebackenen Plätzchen bestochen, damit die dort Schlafenden ihre 5-Euro-Reform durchwinken. Es ist allerdings nicht überliefert, ob es sich dabei um Haschkekse handelte. Immerhin weiß man jetzt, warum v.d. Leier sich bei den Hartzies so knauserig verhalten hat:

 

»Wer mehr Geld in Hartz IV möchte, der muss auch sagen wofür: Für Alkohol oder für Tabak, für Flugreisen oder Pauschalurlaub«, sagte von der Leyen.

 

Flugreisen! Hartzies! Wo holt die Tante solche Gerüchte bloß her? Waren das doch die Haschkekse? Selbst wenn die faulen Underdogs tatsächlich Pauschalreisen von ihrer Stütze finanzieren könnten, sie bekämen ja derzeit überhaupt keinen Flug wegen der Witterungsverhältnisse. Es offenbart allerdings, wie die selbsterklärten Alphatiere in der Politik einer Mentalität das Wort reden, die Menschen, welche für Hungerlöhne arbeiten (viele der Hartz-Bezieher sind sog. »Aufstocker«) zu dummen Arbeitssklaven abkanzelt, über die man nach Lust und Laune verfügen kann. Immerhin hat sie - wohl aus Versehen - einen gescheiten Satz gesagt: Die Menschen brauchen Arbeit. Stimmt, Ursel! Vor allem brauchen sie Arbeit, von der sie auch leben können. Von der »Politik« könnte man erwarten, dass sie sich zu diesem zentralen Thema wenigstens ab und zu mal ein paar Gedanken macht. Was die Politik aber seit Jahren macht, ist nichts weiter als ein Verwaltungsakt. Mehr als das Verwalten des Elends ist einfach nicht drin. Das könnten normale Bürotippsen allerdings auch erledigen, dazu braucht es keinen überbezahlten Landadel wie Frau von der Laune.

Schwer getroffen hat es dieses Jahr unseren allseits beliebten Genscher-Imitator, Herrn Schwesterwelle. In verschiedenen Bundesländern hat man sich bei der FDP nämlich entschieden, in den anstehenden Landtagswahlen nicht mehr mit dem großspurigen Vorsitzenden zu werben. Möglicherweise kristallisiert sich hier eine neue wahlkampftaktische Finte heraus, nämlich der Mitleids-Wahlkampf. Denn inzwischen - und nicht erst seit Wikileaks - ist klar, dass dieser Außenminister derart viel Kritik verkraften muss, dass man tatsächlich grenzenloses Mitleid mit ihm bekommen kann. Mitleid ändert zunächst einmal nichts an der grundsätzlichen Nichteignung dieses Mannes, aber da Wahlen sowieso mehr auf den Showeffekt als auf die Inhalte abzielen, ist es aus marketingtechnischen Überlegungen heraus vielleicht nicht die schlechteste Idee, die tiefenpsychologische Karte zu spielen. Könnte klappen: Der Mann hatte eine schwere Akne, redet wirres Zeuch und er ist auch noch schwul. Daraus könnte man tatsächlich eine Werbekampagne generieren, die funktioniert. Memo an Westerwelle: Volker Beck von den Grünen mal kontaktieren, wie die Revuenummer mit den schwulen Dauerbenachteiligten genau geht.

Frau Merkel schreibt seit Wochen schon an ihrer Weihnachtsansprache (und hat deshalb gar keine Zeit für solche Lappalien wie die europäische Schuldenkrise): »Liebes Volk, wir müssen der Zukunft gemeinsam und alternativlos ins Auge sehen«, so fängt die Rede laut aus für gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen auch in diesem Jahr wieder an. Und hier müssen wir ebenfalls mit Mitleidstränen kämpfen, denn ihr geflügeltes Wort »alternativlos« hat es dieses Jahr leider doch nicht geschafft, zum Unwort des Jahres zu werden. Schade eigentlich. Dabei hatte es dieses schöne Wort schon weit gebracht: Selbst der sonst so humorbefreite Wolfgang Schäuble machte regen Gebrauch davon. Da fällt mir ein: Hat unser Finanzminister eigentlich Winterbereifung an seinem Rollstuhl? Das ist nämlich jetzt Vorschrift! Herr Ramsauer, bitte kontrollieren Sie das mal.

Einige unserer Zeitgenossen haben das Talent, dem eh schon erbärmlichen Niveau des Jahres 2010 in seinen letzten Tagen noch einen ordentlichen intellektuellen Tiefschlag zu versetzen. Ein besonderes Talent hat kürzlich ein gewisser Herr Hurrelmann bewiesen (der heißt wirklich so), der mit dem üblichen lila Pathos beklagte, dass Frauen keine passenden Partner mehr finden. Seine Kernthese dazu lautet: Die Männer müssen sich verändern. Boah, das ist mal eine Neuigkeit! Hätten wir Männer das bloß eher gewusst, dass wir uns auch mal ändern müssen! Nicht bestätigten Gerüchten zufolge plant deshalb das »Bundesforum für Männer« (angesiedelt im Ministerium nur für Frauen) im Rahmen seiner politischen Aufklärungsarbeit, verschiedene Veränderungs-Survival-Packs für das schwächelnde Geschlecht auf den Markt zu bringen. Neben wichtigen Utensilien wie z.B. dem anklebbaren »Porno-Schnauzbart«, einem rosa Schal, Brusthaartoupets, Lippgloss für Männer usw. enthält beispielsweise das Set »Warmduscher« auch viele nützliche Tipps für die Ansprache an Frauen zwecks Steigerung der allgemeinen Bevölkerungsdichte. So gibt es auch eine Sammlung wichtiger Gesprächsthemen, die alleingelassene Frauen begeistern sollen, wie die Reihe »Ist männliche Penetration Gewalt?« von Dr. A. Schwarzer, Band 1-17.

 

Liebe Leser, Gerüchteköche, Geschlechterkrieger, Vaterschänder und Muttermörder, Genossen und Kameraden: Ich wünsche euch allen weiterhin Nerven aus Stahl für das Neue Jahr! Ich hätte gerne mehr geschrieben - indes es zahlt niemand dafür. Immerhin helfen auch im nächsten Jahr verschiedene Co-Autoren dabei mit, die Seite mit guten Inhalten zu füllen. Mein besonderer Dank gilt daher Narrowitsch, Holger und natürlich Donna Amaretta, aber auch den Kommentatoren, die uns inspiriert haben! Eines ist mal gewiss: Auch im neuen Jahr wird es wieder genügend Themen geben, die uns amüsieren, aufregen und antreiben. Wir haben das eine oder andere schon in der Pipeline.

So long,
Stadtmensch

 


Kategorie: Diverses

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