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Die spinnen, die Schweizer...

14.07.2010

Von: Stadtmensch

Frauen, die die Ernährerrolle übernehmen? Mal wieder ein Beispiel feministischer Omnipotenz-Fantasien, diesmal aus der Schweiz.

Das Hinterlistige am Phänomen Propaganda ist nicht nur das Verschleiern von Informationen oder die Indoktrination mit falschen Wahrheiten. Das Schlimme ist vielmehr die stetige Wiederholung von Unwahrheiten. Das hatte bereits ein gewisser Herr Dr. Goebbels erkannt.

 

In eben dieser Tradition, mit einem ständigen Trommelfeuer an Falschbehauptungen, tritt seit gefühlten vier Jahrzehnten die feministische Propaganda auf. Neben vielen anderen geistigen Durchfällen wird in regelmäßigen Abständen über die urbane Legende vom »kommenden Zeitalter der Frauen« schwadroniert. Jüngstes Beispiel ist ein Artikel in der Schweizer NZZ.

 

Sie legen sich wieder mächtig ins Zeug, die Redakteure und Redakteusen der NZZ. Besoffen von einem ganzen Blumenstrauß angeblicher Überlegenheiten der Frauen, kommen sie zu dem Schluss, dass Männer gänzlich verzichtbar, ja sogar hinderlich sind bei der Weiterentwicklung der Menschheit. Und klar: Der »schwache Mann« darf nicht fehlen und mit jedem Semikolon wird bekräftigt, dass Konkurrenz zwischen den Geschlechtern statt Kooperation die Ultima Ratio darstellt, die Doktrin, nach der sich Politik und - nach Meinung dieser Kulturimperialisten - auch der gemeine Alltag auszurichten haben. In exakt demselben Duktus könnte man sich auch für die Abschaffung der Ausländer, der Behinderten, der HartzIVer oder sonstiger vermeintlicher Randgruppen einsetzen. Die Juden hatten wir schon mal, deshalb lasse ich sie hier beiseite.

 

Nun ist man als aufmerksamer Beobachter solcher Tiraden längst an allerlei nervtötende Sprüche gewöhnt. Insofern kann man nicht wirklich überrascht sein. Eines überrascht aber doch: Die Unfähigkeit der meisten Medienkonsumenten, die Substanzlosigkeit solcher Behauptungen zu erkennen, von denen ich meine, dass sie einem förmlich ins Auge springen müssten.

 

Und natürlich verrät der Artikel selbst, auf welch wackligen Füßen er inhaltlich steht, sobald er das Reich der Fabeln verlässt und in die Welt der Fakten stößt. Denn nach mehreren Absätzen, in denen die Frau an und für sich als der neue Herrenmensch, pardon die neue HerrenmenschIn, belobhudelt wird, folgt ein kleines, unscheinbares Absätzchen, das all die blumenreichen Vorbemerkungen von weiblicher Überlegenheit und zukünftiger Dominanz der Weiber quasi im Handstreich ad absurdum führt:

 

Heute sind Frauen die besseren Versorger. Sie verrichten nicht nur den Hauptteil der Haus- und Erziehungsarbeit, sie verdienen auch das Geld. In den USA tragen Frauen durchschnittlich 42 Prozent zum Familieneinkommen bei. Nicht wenige tun dies auf eigene Faust: Die Zahl der von Frauen gegründeten Firmen hat seit 2000 doppelt so stark zugenommen wie die der von Männern gegründeten. Umgekehrt waren Frauen nur von einem Viertel der rezessionsbedingten Entlassungen betroffen. Von den 8 Millionen Jobs, die in den vergangenen zehn Jahren im EU-Raum geschaffen wurden, sind 6 Millionen in Frauenhand. In der Dritten Welt verleihen NGO Mikrokredite nur an Frauen. So kommt es, dass Frauen in liberalen Gesellschaften nicht mehr von Männern abhängig sind, sondern – meistens – umgekehrt.

 

Natürlich: Frauen tragen zum Einkommen bei. Aber zu behaupten, das dies im selben Umfang und mit derselben Selbstverständlichkeit wie bei Männern passiert, wäre ein Leugnen der Fakten. Denn es sind nicht nur die Männer, die sich selbst die Ernährerrolle aufzwingen (weil sie so karrieregeil sind), es sind vor allem die Frauen, die solche verlässlichen Existenzbestreiter für sich aussuchen. Ehen, in denen der Mann die Hausarbeit übernimmt und die Frau das Familieneinkommen komplett alleine erwirtschaftet, sind einerseits die exotische Ausnahme, andererseits wie keine andere eheliche Lebensweise von Scheidung bedroht.

 

Auch die Tatsache, dass Männer von Arbeitslosigkeit häufiger betroffen sind als Frauen, ist zunächst einmal Fakt. Schaut man aber hinter die feministische Gardine (was die eigentliche Aufgabe journalistischer Recherche wäre), stellt man fest, dass dies eine politisch gewollte Entwicklung ist, die komplett an markwirtschaftlich orientierten Angebots- und Nachfragemechanismen vorbei geht. Förderprogramme, Sondermaßnahmen, »positiv diskriminierende« Einstellungspraktiken beim öffentlichen Dienst u.v.a.m. gibt es für Männer überwiegend nicht. Auch ist nicht davon die Rede, dass neue Arbeitsplätze vor allem im öffentlichen Sektor und in der Dienstleistungsbranche geschaffen wurden, während klassische Industriejobs des produzierenden Gewerbes aufgrund von Rationalisierungen und Auslagerungen in Billiglohnländer verloren gehen. Man muss kein Mathematiker sein um festzustellen, dass der Dienstleistungssektor sich nur dann selber trägt, wenn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmen. In Zeiten der Krise hebt sich der Staat, der sich das Luxusproblem umfangreicher Frauenförderung auf die Fahnen geschrieben hat, sehr leicht einen Bruch - wie wir es derzeit auch sehen. Nichts ist wirtschaftlich fragiler als die Aufrechterhaltung solcher Branchen, die sich die berühmten »Soft Skills« an die Brust heften. Derlei Ambitionen leiden vor allem daran, dass sie in einem virtuellen Raum funktionieren, jedoch nur dort. Volkswirtschaftliche Werte, die auf dem Hintergrund einer globalen Konkurrenz belastbar sind, entstehen - auch das wissen wir - allerdings derzeit nur im Exportbereich. Wir Deutsche könnten ja mal versuchen, ob wir ebenso erfolgreiche globale Kaufleute sind, wenn wir der Welt mehr Homepages oder mehr Sachverstand im Studienfach Gender Diversity verkaufen wollen.

 

Es gibt nicht wenige feministische Allmachtsfantasierer, die meinen, dass Männer zukünftig überhaupt keine Bedeutung haben. Das hat ungefähr denselben geistigen Tiefgang, dieselbe infantile Qualität wie die felsenfeste Überzeugung früherer Generationen, dass ein Gott Blitze vom Himmel schicken kann. Es ist dieses Momentum, das mich regelmäßig ratlos zurücklässt und mich zweifeln lässt, ob Aufklärung und gesellschaftlicher Fortschritt tatsächlich stattfinden. Wann immer bestimmte Menschen sich auf simpelste Erklärungsmuster für komplexe Sachverhalte versteifen, ist höchste Achtsamkeit gefordert. Denn aus der Geschichte geht mannigfaltig hervor, dass solche Simplifizierungen, Banalisierungen oder eine holzschnittartige Agitation fast zwangsläufig zu repressiven Strukturen und zu einem kontrollwütigen Staatapparat führen.

 

Interessanterweise ist die Reaktion der Männer auf die oben beschriebenen Entwicklungen insgesamt eher verhalten. Angesichts der offensichtlichen Absurdität müsste Mann im Grunde mit einem wirkungsvollen und deutlichen Widerstand reagieren. Zum Teil passiert dies, jedoch nur in begrenzten Zirkeln (meist im Internet). Männer tun sich weitaus schwerer, Unterstützung an Frauen zu verweigern; ob aus Eigeninteresse (Partnersuche) oder aus einem bestimmten Rollenverständnis heraus, soll hier nicht Thema sein. Aber man kann eine allgemeine Erodierung des Geschlechterverhältnisses bemerken, eine Entsolidarisierung, die inzwischen auch Männer dazu bringt, Beziehungen zu Frauen auf ihren »Nutzwert« bzw. ihre »Schädlichkeit« hin zu überprüfen und sich entsprechend berechnend zu verhalten. Das ist insofern bemerkenswert, weil die Frauen - alle Frauen - davon ausgehen, dass Männer »immer wollen« und so die Konditionierbarkeit der Männer im weiblichen Sinne als fester Ankerpunkt möglicher Lebensstrategien für sie eine praktikable Perspektive ist. Es lässt heutige Frauen, die sich den Männern dank feministischer Propaganda überlegen fühlen, nicht selten verzweifeln, da sie neben eben dieser einen (sexualisierten) Strategie keinerlei weitere Verhaltensstrategien für einen Umgang mit dem anderen Geschlecht kennen. Die meisten der oben genannten erfolgreichen Überfrauen leiden an extremer Einsamkeit und Inhaltsleere.

 

Dies soll für heute erstmal reichen, obwohl das Thema natürlich wie kein anderes zentrale Fragen berührt. Die Reihe wird auf jeden Fall demnächst fortgesetzt.


Kategorie: Politik, Gesellschaft

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