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< Feminismus - Versuch einer allgemeingültigen Beschreibung, Klärung eines Begriffes
   

Die ewige Hausfrau

24.11.2010

Von: Stadtmensch

In einem Scheidungsfall hat der BGH (Aktenzeichen: Bundesgerichtshof XII ZR 202/08) das neue Scheidungsrecht von 2008, nach dem geschiedene Ehepartner einen nur noch zeitlich begrenzten Unterhaltsanspruch nach der Scheidung haben, wieder mal gekippt.

Was soll einen mehr ärgern: Dass bestehendes Recht - eben das seit 2008 geltende Scheidungsrecht - einfach so den Lokus gespült wird oder dass mal wieder mit Tränendrüsen-Argumenten auf die unbarmherzige Situation von vollversorgten Ehefrauen abgehoben wird?

Mit den Themen Gerechtigkeit oder Fairness hatte das bundesdeutsche Scheidungsrecht seit jeher kaum Berührungspunkte. Immerhin wurde das Scheidungsrecht 2008 dahingehend geändert, dass die Unterhaltsansprüche geschiedener Frauen gegenüber ihren Exmännern nicht auf Ewigkeiten wie eine Leibrente festgeschrieben wurden. Um es gleich vorweg zu nehmen: Die lebenslange Knechtschaft des geschiedenen Ehemanns in Sachen Unterhalt gegenüber seiner Exfrau war zwar noch nie ein Ruhmesblatt für die angebliche »emotionale Intelligenz« aller supergerechten Frauen. Trotzdem ist eine solche Anspruchshaltung der Vollversorgung kein Ausdruck für eine grundsätzliche, weibliche Schlechtigkeit. Sie ist vielmehr eine Einladung an scheidungswillige Frauen, die bestehende Gesetzeslage zu ihren Gunsten auszunutzen. Man kann den Frauen in solchen Situationen ein mangelndes Objektivierungsvermögen nachsagen - denn objektiv bedeutet es eine einseitige Vorteilsnahme für die Frauen, wenn sie den Ratschlägen und Hinweisen einer nimmersatten Scheidungsindustrie folgen. Aber ich denke, dass eine bestimmte Gesetzeslage - also offizielles Recht - potenziell von jeder Menschengruppe bis an den Rand ihrer Sinnhaftigkeit strapaziert werden kann. Mit dem Gerechtigkeitsempfinden der Frauen speziell in diesen Fragen sollte man also nicht rechnen. Möglicherweise ist das o.g. BGH-Urteil auch nichts weiter als eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für den hoffnungslos überlaufenen Berufsstand der Anwälte und Rechtsfachleute.

Solche Urteile, die eine Scheidung ad absurdum führen - weil sie faktisch niemals stattfindet, sondern einseitige Ansprüche fortschreibt - sind nicht nur in moralischer Hinsicht eine Beleidigung für die Frauen insgesamt. Es wird ihnen zusätzlich unterstellt, dass sie unfähig sind, nach einer Scheidung für sich selbst zu sorgen und es wird unterschlagen, dass sie während ihrer »ruhmreichen Aufopferungszeiten« in der Ehe natürlich auch Vorteile konsumiert haben, als da wären:

 

  • Fehlender Existenzdruck und damit das Fehlen lebensverkürzender Stressfaktoren,
  • Ansprüche innerhalb der »Zugewinngemeinschaft Ehe« ohne jegliche Kapitalinvestition,
  • Rentenansprüche gegenüber dem Ehemann, die genau dazu eingeführt wurden, um fehlende Erwerbszeiten der Frauen aufgrund von »Familienarbeit« auszugleichen - und last but not least
  • freie Kost und Logie sowie kostenlose Bereitstellung allerlei Konsumgüter über den existenziellen Bedarf hinaus.


In dem individuellen Rechtsstreit, um den es im o.g. Urteil geht, mag sich die betreffende Frau über ihren anrüchigen Sieg freuen. Dennoch bedeuten solche Urteile auf längere Sicht keineswegs, dass damit die Ehe- und Familiensituationen für die Frauen insgesamt verbessert würden. Denn die Männer wehren sich durchaus, wenn auch mit gänzlich anderen Mitteln, als sich das der Gesetzgeber bzw. seine Schergen am BGH gedacht haben. Es ist nämlich nicht erst seit gestern so, dass Familienwünsche der Frauen immer seltener auf Gegenliebe stoßen. Was andernorts oft als »mangelnde Verantwortung der Männer« fabuliert wird oder als ominöse »Angst der Männer vor selbstbewussten Frauen«, ist in Wahrheit nichts weiter als die Weigerung der Männer, sich für die Sorgen der Frauen in substanzieller Art und Weise zu interessieren. Auch das Propagieren »moderner« Familienmodelle - nämlich ohne einen Vater - funktioniert eher schlecht als recht: Noch nie gab es in unserer bundesdeutschen Geschichte soviele Single-Haushalte. Noch nie waren soviele Frauen kinderlos, insbesonders bei den gut ausgebildeten Frauen. Noch nie hatten Frauen derart massive Schwierigkeiten, längerfristige Partnerschaften zu finden. Mit jedem derartigen Urteil entsteht offensichtlich ein viel größerer Verlust an belastbaren Beziehungen für Frauen, als sie diese (angeblich) durch eine solche frauenfreundliche Politik hinzugewinnen können. Männer entziehen sich mehr und mehr den unübersehbaren Absichten des frauenfokussierten Gesetzgebers, zu Zahleseln für erwerbsängstliche und risikofeindliche Frauen zu werden. Je einseitiger der Gesetzgeber und seine Gerichte zugunsten von Frauen aktiv werden, desto geringer wird die Solidarisierungsbereitschaft der Männer gegenüber Frauen. Ihr eigentlich angeborener Beschützerinstinkt degeneriert mit einer mittlerweile schwindelerregenden Rasanz.

Es müsste jedem klar denkenden Menschen ins Auge springen: Wenn man eine höchst individuelle, partnerschaftliche Vereinbarung wie eine Familiengründung unter die Fuchtel von Zahlentabellen oder Berechnungs- bzw. Gegenrechnungsmodalitäten stellt, provoziert dies ganz automatisch natürlich auch eine Kosten-/Nutzenabwägung auf der Gegenseite. Wer etwas anderes erwartet, kann mit Fug und Recht als dumm bezeichnet werden. Wenn sich die Geschlechtersolidarität, also das Einstehen für den Partner über einen längeren Zeitraum, darauf reduziert, wieviel Kohle am Ende dabei rauskommt, bleibt dies naturgemäß nicht nur auf die Frauen beschränkt, sondern wird selbsverständlich genauso von Männern, potenziellen Vätern usw. adaptiert. Es hilft den Frauen also gar nichts, sich hinter einer frauenzentrierten Gesetzgebung zu verstecken. Das Lebensrisiko eines Scheiterns, das man mit Partnerschaften naturgemäß in Kauf nehmen muss, wird sich mitnichten minimieren, es wird für die Frauen größer und sogar unbeherrschbar werden. Diesem Umstand kann eine Frau nur entgegensteuern, indem sie Partnerschaften, Ehen und ihre familiäre Situation aktiv fair ausgestaltet. Zu glauben, eine wie immer geartete Gesetzgebung könnte Fairness zwischen den Partnern garantieren, ist naiv.

Wollt ihr den totalen Geschlechterkrieg?

 


Kategorie: Male, Female

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