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Prof. Hollstein und sein Problem mit dem Mannsein

03.11.2010

Von: Stadtmensch

Er ist ein regelmäßiges Hassobjekt bei allen antifeministischen Gruppierungen, polemisiert gegen alles, was er für übertrieben männlich hält - und findet doch immer wieder Presseorgane, um sich auszutoben.

Professor Hollstein hat ein Problem mit Männern und deshalb schreibt er böse Artikel gegen Männer. Der jüngste Anlass für eine weitere Tirade war der - wie kann das sein - immer noch nicht verurteilte Jörg Kachelmann. Hollstein nennt ihn »widerwärtig«, weil Kachelmann eine härtere Gangart des Sex bevorzugt als der Blümchensex, wie er wohl bei feministisch inspirierten Männern vorkommt (ich kenne mich beim Thema Blümchensex jezz nicht so gut aus).

 

Hollstein hat bezgl. Kachelmann eine ganz spezielle Auffassung vom Strafrecht:

 

Schuldig ist Kachelmann aber allemal: des Missbrauchs von Gefühlen, der Zerstörung von Lebensentwürfen und möglicherweise ganzer Menschen. Er hat gleichzeitig mehreren Frauen vorgegaukelt, jeweils die einzige in seinem Leben zu sein, die auserwählte künftige Ehefrau und Mutter seiner Kinder. Das ist schlicht widerwärtig.

 

Das ist eine etwas urzeitliche Auffassung von Strafrecht; man würde sie eher bei sog. unterentwickelten Völkern verorten als in demokratisch genannten Gemeinschaften. Eine Strafrechtsangelegenheit durch gefühlte Empörung zu beurteilen, hat einen faden Beigeschmack von Vorverurteilung und Lynchjustiz und ist damit seinerseits widerwärtig. Dass man Kachelmann auch ohne rechtmäßige Verurteilung seine berufliche Laufbahn zerstört hat, ist bereits Gesinnungsdiktatur und wird von Gesinnungstätern wie Hollstein, Schwarzer (als Skandalreporterin der Bild-Zeitung) oder Karasek unaufgefordert befeuert. Alsob es jemanden etwas anginge, wie Kachelmann sein Sexleben gestaltet! Und auch ob er untreu war, ist völlig unerheblich. Denn das sind Millionen andere - Männer wie Frauen - ebenfalls. Ob der Wettermoderator »Gefühle verletzt« hat, kann nicht mal ein Professor abschließend klären, weil er davon - wie wir alle ohne intimere Kenntnisse der Kachelmannschen Beziehung - schlichtweg keine Ahnung hat. Nach über einem Jahrzehnt Techtelmechtel mit der Anklägerin fällt es jedoch einigermaßen schwer zu glauben, dass die Kachelmannsche Affäre gegenüber seiner Ex-Geliebten ausschließlich aus »Widerwärtigkeiten« bestanden hat.

 

Der Fall Kachelmann ist von viel grundsätzlicherer Natur. Will man nicht gänzlich den Glauben an ein einigermaßen faires Rechtssystem verlieren (was immer schwerer fällt), dann ist dieser Mann solange unschuldig, bis das Gegenteil gerichtlich festgestellt ist. Ist er schuldig, muss er bestraft werden. Es sind solche eigentlich recht einfachen Prinzipien, die Willkür und Ungerechtigkeit verhindern sollen und in modernen Gesellschaften zum allgemeinen Konsens gehören. Gibt man diesen Konsens auf, gibt man gleichzeitig das Prinzip Rechtsstaatlichkeit auf und öffnet anderen Prinzipien Tür und Tor: Willkür, Tyrannei, das Recht des Stärkeren - es gehört zur Allgemeinbildung, dass solche Tendenzen ein Desaster darstellen. Warum nicht bei einem Professor?

 

Nun mahnt Hollstein das Gekungel und die Solidarisierung von seiner Meinung nach randständigen Männerbünden in der Kausa Kachelmann an. In seinem Übereifer nennt er namentlich das Forum »Wieviel Gleichberechtigung verträgt das Land?«, das seit etwa einem Jahrzehnt eine Anlaufstelle für entnervte, wütende, abgezockte Männer darstellt und vergisst dabei, dass die namentliche Nennung dieses für ihn grenzwertigen Forums lediglich neue Zugriffszahlen in eben diesem Forum generiert. Das nennt man allgemein »einen Schuss in den Ofen«. Ganz nebenbei sind schon die Kommentare zu seinem Artikel in der Welt eine schallende Ohrfeige für seine rückständige Auffassung. So gut wie niemand der Kommentatoren kann sich mit den imaginären Ängsten, die Hollstein antreiben, identifizieren, im Gegenteil. Man will sich gar nicht vorstellen, wie einem Professor gegen Ende seiner Gelehrtenlaufbahn angesichts solcher Kommentare noch die sinnhafte Rechtfertigung seiner bisher »erforschten« Gedanken (die ich wie die Kommentatoren in der Welt für hochgradig tendenziös halte) gelingen will. Ich nenne ihn deshalb tendenziös, weil er das Familienrecht, das Männer überwiegend als destruktiv und existenzgefährdend erfahren müssen, komplett ausblendet. Ich nenne ihn deshalb voreingenommen, weil er zwar findet, dass der Feminismus möglicherweise an einigen Stellen über das Ziel hinausgeschossen ist, aber ansonsten sinngemäß der Meinung ist, Männer müssten sich angesichts der ihnen per Gesetz widerfahrenden Ungerechtigkeiten gefälligst selber helfen. Letztendlich mündet all seine graue Theorie darin, dass es den Männern wohl nicht gelungen sei, mit den herbei fantasierten Riesenfortschritten der Frauen mitzuhalten. Kulturunfähig halt, diese Sippe Mann - und die Frauen sind nach seinem Dafürhalten die Garanten einer paradiesischen Zukunft in Frieden und Harmonie. Ich würde sagen, der Mann hat ganz offensichtlich keine Ahnung von Frauen.

 

Aus vielen seiner öffentlichen Texte geht hervor, dass er dem Prinzip huldigt, für Frauen jederzeit ein kritikloses Verständnis und für die Männer nur Erfüllungsaufgaben den Frauen gegenüber zu akzeptieren. Er verlangt - auch nicht gerade eine bahnbrechende Neuigkeit - dass Männer sich zu empathischen und gefühlsbetonten Wesen zu entwickeln hätten und sagt damit im gleichen Atemzug, dass er die meisten Männer (ganz besonders die bei WGvdL.com) für gefühlslose Kulturlasten hält. Das muss ich nicht kommentieren, oder?

 

Es ist eigentlich auch nicht so interessant, mit welchen Vorurteilen Hollstein da hadert, denn inhaltlich ist das, was er Männern pauschal unterstellt - um es mal freundlich auszudrücken - der reinste Bullshit. Man kennt denselben Sermon auch von anderen wie Gersterkamp, dem jüngst hier besprochenen Prof. Höying, den selbsterklärten Nicht-Machos bei den Grünen usw. usf. Mit keinem dieser devoten Männer ist eine sachliche Diskussion, ist eine unvoreingenommene Abwägung der Pros & Cons in Bezug auf Geschlechterfragen überhaupt vorstellbar. Aber sie sind als Psychogramm von erstaunlichem Unterhaltungswert, denn sie ziehen u.a. Hohn und Spott an wie mediale Fliegenfänger (was mir jedesmal ein breites Grinsen auf die Wangen zaubert).

 

Allerdings geht es mir heute mal nicht um das satirische Element. Manchmal frage ich mich vielmehr, ob diese »Männer« ihre erstaunlichen Diagnosen über das eigene Geschlecht tatsächlich selber glauben. Jeder von diesen vom feministischen Zeitgeist hochgespülten Experten, Frauenerklärern und Neunmalklugen ist auf eine derart tragische Weise von Unterwürfigkeit gegenüber allem, was mit Frauen zu tun hat, angetrieben, dass man eher an Comedy oder Satire denken muss als an langjährig studierte Fachleute. Der Eifer, mit dem sie sich auf alles stürzen, das Männer als die minderwertigere Variante des Menschen deklarieren, ist wohl als pathologisch zu bezeichnen. Denn sonst wäre das Selbstverständnis dieser Dampfplauderer nicht erklärbar. Oder versteht es jemand, dass da ein Mann über die Spezies Mann überwiegend nur negative Einstellungen verbreitet, aber individuell davon aufgrund seiner selbst empfundenen Kompetenz ausgeschlossen sein soll? Ich nicht.

 

Da ich permanent einen Schalk im Nacken habe, würde ich angesichts der Hollsteinschen Fundamentalkritik sogar eher dazu tendieren: Ist der Ruf (der Männer in dem Fall) erstmal ruiniert, lebt's sich leichter ungeniert! Was nichts anderes heißen soll als das: Solche Pauschalkritik, wie sie von Hollstein und Konsorten wie besoffen übers Land posaunt wird, ist nicht nur sachlich völlig daneben, sie ist in ihrem eigenen Sinne kontraproduktiv - aber sie merken es nicht einmal!

 

Okay, dies soll ein letzter Versuch sein, solchen armen, fehlgeleiteten Subjekten nochmal auf die Sprünge zu helfen, bevor dieser Artikel doch noch in Hohn und Spott versinkt:

 

  • Es gibt keine Theorie, die eine höchst private Angelegenheit wie das Mann-Frau-Verhältnis generalisieren und dauerhafte, belastbare Regeln dafür aufstellen kann.
  • Es gibt keinen Staat, der per Gesetz partnerschaftliche Übereinkünfte - besonders bei der Familienplanung - auf Dauer festzurren kann, um »Lebensglück« für welche Seite auch immer zu produzieren und zu garantieren.
  • Es gibt keine Professoren, die einen Gesellschaftswandel (Paradigmenwechsel) aufgrund überbewerteter Theorien zum Geschlechterverhältnis auslösen können.
  • Es gibt nichts Langweiligeres als uniforme Geschlechter, wie sie die Dekonstruktivisten als Endziel voraus orakeln.
  • Es gibt keine unkomplizierten Frauen.
  • Es gibt keine Männerschweine als Massenphänomen.


...das gibt es aber durchaus: Titties & Beer!

Stadtmensch


Kategorie: Male, Female

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