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Buhu! Frauen immer noch benachteiligt!

13.10.2010

Von: Stadtmensch

So kenne ich Spiegel-Online: Das ewige Lamento über die Benachteiligung von Frauen in der Wirtschaft ist ein typischer Dauerbrenner bei dieser Bild-Zeitung für Halbintellektuelle.

Es sind sattsam bekannte Phrasen und Floskeln, die einem jedesmal auffallen, wenn die Presse - nicht nur am Weltfrauentag - auf die angeblich unglaubliche Lohndiskriminierung von Frauen in Deutschland hinweist: »Immer noch werden Frauen...« oder »...ist zwar schon viel erreicht worden, aber noch lange nicht...« oder »seit tausenden von Jahren werden Frauen...«.

Ein Dreh- und Angelpunkt der Lobby der Frauenversteher und -helfer (dahinter steht nämlich eine ausgewachsene Helferindustrie) ist regelmäßig die Aussage, Frauen verdienten nur aufgrund ihrer primären Geschlechtsmerkmale erheblich weniger als Männer. Dabei schwanken die Zahlen munter, wobei die ominösen »23 % Lohnunterschied« scheinbar den letzten Stand des Lohnunterschiedes manifestieren sollen.

Der Verein Manndat e.V. hat in dieser Frage das Frauenministerium nachweislich der Lüge bei diesem Thema überführt, eine Lüge, die nun seit Jahrzehnten immer wieder hochgekocht und weiter verbreitet wird. Nachdem Manndat erreicht hatte, dass das Ministerium seine haltlose Behauptung der Lohndiskriminierung gegenüber Frauen zurücknehmen musste, hat die Zunft der Dauerlamentierer einfach die Fragestellung ein wenig modifiziert, um zum selben »Ergebnis« zu kommen. Statt »Frauen erhalten für gleiche Arbeit weniger Lohn« heißt es seit einiger Zeit »Frauen erhalten für gleichwertige Arbeit weniger Lohn«. Die Kriterien, nach denen »gleichwertige Berufe« verglichen werden, sind überaus nebulös und werden von noch nebulöseren Statistikern in den Medien gestreut, um den Eindruck der Dauerbenachteiligung von Frauen in der Arbeitswelt zu verfestigen. Das Ziel ist klar: Die Empörung ist garantiert, die Schar der Falschbehaupter hat weiterhin ihr Auskommen, indem sie ihren statistischen Stuss in die Öffentlichkeit blasen kann. Wenn schon nicht Frisörinnen weniger verdienen als Frisöre, dann verdienen halt Sekretärinnen weniger als Manager und Arzthelferinnen weniger als Ärzte. Derartige »Lohnunterschiede« sind allerdings auch Männern nicht fremd. Fragt die jemand danach? Nein.

In einem konkreten Punkt entsteht allerdings tatsächlich ein Lohngefälle, nämlich bei der Frage, wie sich Familienzeiten mit Karrierechancen vereinbaren lassen. Sobald die Frage der Mutterschaft im Raum steht, gibt es regelmäßig Brüche im weiblichen Berufsleben. Das ist ein ganz ähnlicher Effekt wie bei Langzeitarbeitslosen. Allerdings beruht Familienplanung auf rein privaten Lebensentscheidungen, sie unterliegen keinem unmittelbaren Zwang, und die beruflichen Nachteile, die daraus entstehen, können prinzipiell keinen Anspruch auf gesetzliche Komplett-Kompensation hervorrufen. Sie wären - nicht nur in finanzieller Hinsicht - schlichtweg nicht erfüllbar. Gegen Fördermaßnahmen für Wiedereinsteigerinnen ist natürlich nichts zu sagen, doch erstens gibt es hier bereits zahlreiche administrative Instrumente (z.B. bei der Arbeitsagentur), zweitens existiert für Väter kein einziges Instrumentarium, das ihnen den Entschluss zur Familienplanung ebenfalls erleichtert und drittens ist der pauschalisierte Vorwurf an den Staat und die Gesellschaft, man würde Frauen aufgrund ihres Frauseins in diesen Angelegenheiten diskriminieren, von einem ganz anderen Kaliber als ein Streit um partielle Fördermaßnahmen.

(Ein nicht geringer Teil der Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen besteht übrigens darin, dass von Vätern vermehrte Einkommensanstrengungen (z.B. in Form von Überstunden) erwartet werden, um eine Mutterschaft absichern zu können. Des Weiteren erwartet auch die Familiengerichtsbarkeit im Scheidungsfall eine »erweiterte Erwerbsobliegenheit« - im Klartext die Aufnahme weiterer Jobs durch den Ehemann, um nacheheliche Unterhaltsansprüche erfüllen zu können. Merkwürdigerweise fehlen solche und ähnliche Aspekte regelmäßig bei familienpolitischen Diskussionen. Fazit: Wo sich die Gesellschaft über »Frauenbenachteiligung« empört, hält sie sich bei typischen Väterproblemen mit hartnäckiger Ignoranz zurück bzw. sabotiert die Interessen von Vätern aktiv.)

Damit kommen wir zu einem weiteren Diskussionsthema, nämlich der Unterrepräsentanz der Frauen in Führungspositionen. Die Meinungsmache zu diesem Thema läuft auf Hochtouren. Immer wieder wird beklagt, dass Frauen in den Vorständen der größeren Dax-Unternehmen eine Seltenheit sind. Und natürlich wird dieses, genau wie die weiter oben beschriebene Empörungsmaschinerie, den bösen Absichten ominöser Männerbünde bzw. herbei fabulierten »gläsernen Decken« in der Arbeitswelt angelastet. Besonders bizarr an der Diskussion ist, dass es sich um ca. 1700*) Arbeitsplätze insgesamt handelt, auf die das Kriterium »Geschlechterverteilung in Aufsichtsräten« zutrifft. Es wird der Eindruck verfestigt, als könnten Männer einzig aufgrund ihres Geschlechts eher mit einer steilen Karriere in diesen Gefilden rechnen als Frauen. Aber die Einstellungspraxis elitärer Führungszirkel gleicht vielmehr dem Prinzip Erbfolge als der objektiven Auswahl nach Eignungskriterien. Vorstandsposten sind also auch für die Masse der männlichen Erwerbstätigen ein niemals erreichbarer Olymp, während frauenbewegte Dampfplauderer wie die Grünen sich aber per Quote dort hineinklagen wollen.

Abgesehen von den faktischen Einwänden, die hier aus Zeitgründen leider nur angerissen werden konnten, gibt es eine weitaus fatalere Dimension, die man vorerst nicht in Cent und Euro verifizieren kann: Es ist die Aufhebung jeder geschlechtlichen Solidarität (z.B. bei der Frage für oder wider eine Familiengründung), es ist die Einführung von schärfstem Konkurrenzdruck zwischen den Geschlechtern und das immer weiter um sich greifende Gehaltsdumping, das daraus unmittelbar resultiert. An dieser Stelle erscheint dann bei einfacheren Gemütern erwartungsgemäß die tendenziöse Frage »Wollen Männerrechtler (wie Manndat z.B.) die Frauen zurück an den Herd befördern?« - eine reine Suggestivbehauptung, wie ich meine. Nüchtern betrachtet, sind alle bisherigen Forderungen nach kompensationsloser Frauenförderung in unserer Arbeitswelt nicht weniger desaströs anzusehen als die angedichteten, reaktionär-männlichen »Rückbesinnungsabsichten« einiger weniger Männerrechtler. Der Fachkräftemangel, den z.B. die Industrie (angeblich so unverschuldet) hinzunehmen hat, hat als eine Ursache u.a. die Benachteiligung von Jungen in den Schulen und die Fixierung auf rein mädchenorientierte Lern- und Förderungsmethoden. Die Millionen, die z.B. bei den Girlsdays seit Jahren verpulvert werden, haben den Anteil der Frauen in technischen Berufen bisher nicht beeinflussen können; die Zahlen sind vielmehr rückläufig.

 


*) Hinweis: An dieser Stelle stand zuerst die Zahl 500, war also falsch. Ich bitte deshalb alle Erbsenzähler um Entschuldigung. An der Grundaussage ändert das m.E. gar nichts. Vielen Dank an meine recherchefeste bessere Hälfte für diese Korrektur!


Kategorie: Male, Female

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