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»Frauen kommen gewaltig«

08.10.2010

Von: Stadtmensch

Das kommt davon, wenn man nie Zeit zum Schreiben hat. Heute müssen wir mal ein paar Meldungen zum Thema Frauengewalt im Eiltempo durchhecheln.

Mit Erstaunen las man vom schweren Schicksal einer Rechtsanwältin, die - wahrscheinlich aus lauter Notwehr - neulich in Lörrach ein paar Leute umgenietet hat - zum Glück nur Männer.

 

Da müssen wir mal kurz innehalten: Es war die Omma (Emma), das journalistische Wunderland der Alice Schwarzer, die beim Amoklauf in Winnenden letztes Jahr behauptet hatte, dieser durchgeknallte Tim K. sei »Frauenhasser« gewesen, weil er überwiegend Mädchen und Frauen weggeblasen hat. Natürlich hat Omma diese Sichtweise in ihrer typischen Art und Weise herbei gefühlt. Tastaturen sind halt geduldig. Leider kam vor kurzem ein Gutachten zu dem Schluss: Nö, so war's doch nicht. Es war eher Zufall. Okay, die Omma hat sich noch nie durch gründliche Recherchen hervor getan. Dennoch fragt man sich, warum es nun ein Gutachten über diese Frage gibt? Hat Omma das beauftragt? Oder gibt es eine gesetzliche Regelung, dass der Mord an Frauen der besonderen Begutachtung bedarf? Ich dachte nämlich, die Schuldfrage sei bereits geklärt. Oder wollte man »Hier liegt ein Frauenmörder« auf K.s Grabstein meißeln lassen?

 

Egal. Die marodierende Rechtsanwältin wiederum erfährt posthum in den Medien eine ganze Breitseite empathischer Erklärungsversuche für ihren Ausraster. Denn wir wissen ja aus den Gazetten, dass Frauen immer und von Natur aus das friedliebendere Geschlecht sind. Amokläufe von Frauen sind seltener als bei Männern, das lesen wir dauernd und es stimmt - den offziösen Zahlen nach. Aber nicht immer sind Zirkelschlüsse und simples Deutungsgeschwafel samt Küchenpsychologie dazu geeignet, schwierige Kriminalfälle angemessen aufzuklären.

 

Gewalt durch Frauen ist nämlich ein durchweg tabuisiertes Journalisten-Heiligtum. Bei Gewalt gegen Kinder führen Frauen die Hit-'n-Kick-Liste einsam an, bei Kindstötungen ebenfalls. Aber nur in krassen Einzelfällen - wenn z.B. Neugeborene etwas lieblos in Blumentöpfen angepflanzt werden - zuckt die Journaille zusammen und guckt betreten weg angesichts der Kaltblütigkeit der Taten. Es sollen aber auch schon Bewährungsstrafen bei Kindstötungen damit begründet worden sein, dass ein »Wiederholungsfall« nicht zu befürchten sei, da die Kinder der betreffenden Frau ja bereits tot seien.

 

Immerhin hatte Spiegel Online neulich einen ganz passablen Artikel zum Thema Frauengewalt. Wer sich schon länger mit dem Thema befasst hat, erfährt hier zwar keine echten Neuigkeiten, aber man ist baff erstaunt, dass ein solcher Artikel beim Spiegel an der Gleichstellungs-Zensur vorbei geschummelt werden konnte. Gerade der Spiegel hatte in den letzten Jahrzehnten fleißig daran mitgewerkelt, Männer schon aufgrund ihrer genetischen Dispositionen als die dunklen Lords zu brandmarken; als die, die permanent Kriege anzetteln, die den Löwenanteil der Knackis stellen und als diejenigen, die auch sonst nicht als kulturfähig gelten können. Demnach wären Magaret Thatcher (Falkland-Krieg) eher mit »männlich« und Mahatma Ghandi eher mit »weiblich« zu assoziieren. Naja, es mag generell schwer sein, in Zeiten, in denen einem kriegführenden Präsidenten wie Obama der Friedensnobelpreis verliehen wurde, noch allgemeingültige Maßstäbe für Friedfertigkeit zu erkennen. So gesehen, taugen allerdings hyperventilierende Pauschalisierungen, wie sie die Omma seit ihrer Erstausgabe zum Besten gibt, aus prinzipiellen Gründen einen feuchten Irgendwas.

 

Auch in den täglichen Nachrichtensendungen heißt es immer wieder bei Katastrophen jeder Art (ob durch Kriegshandlungen oder nicht): »...kamen dabei soundsoviel Menschen um, darunter xy Frauen und Kinder...« Man könnte meinen, um die Männer sei es ja nicht schade und so isses wohl auch gemeint. Das sieht z.B. Heulary Clinton so, die amerikanische Außenministerin. Die befand nämlich schon vor Jahren, dass Frauen bei Kriegen deshalb am meisten zu leiden hätten, weil ihre Männer totgeschossen wurden. Da fällt mir ein, wann gab's eigentlich zuletzt eine Initiative gegen Kindersoldaten - oder auch nur einen Bericht darüber? Die UN, sonst aufgeregt wie ein Hühnerhaufen (berechtigterweise), wenn es um Gewalt gegen Frauen geht, ist auf diesem Auge merkwürdig taub.

 

Abschließend möchte ich in diesem Zusammenhang noch auf eine Arbeit des Prof. Gerhardt Amendt vom Institut für Geschlechter- und Generationenforschung in Bremen (?) hinweisen. Er hat sich mit Gewaltfragen in Ehen und während Scheidungen beschäftigt. Lesenswert.

 

So long,
Stadtmensch

 

 


Kategorie: Male, Female

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