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Ein ganz und gar enteiertes Pamphlet mal wieder

22.09.2010

Von: Stadtmensch

Der Sozialwissenschaftler Stephan Höyng hat Angst vor einer angeblichen »Meinungshoheit« der Männerrechtler in den Medien.

Es ist, wie es meistens ist: Man liest so einen uninspirierten Quark und denkt »ich habe das so satt, so satt«. Höyng ist einer dieser Kandidaten, gefangen in seiner schönen Reißbrettwelt, die den modernen Menschen mittels Wunderdingen wie »Dekonstruktivismus« ins emotional kompetente Paradies führen will. Er wird dumm sterben; nicht einmal, weil er falschen Ideologien nachhängt, sondern weil er eine besondere Eigenschaft mit allen feministisch konditionierten Wesen teilt: Sinnbefreite Langeweile. Und Langeweile wird sich nicht durchsetzen.

 

Solche Texte auseinander zu nehmen, ist eine undankbare Aufgabe, denn im Grunde ist jedes zweite Wort von einer derart indoktrinierten Verblendung durchdrungen, dass man ein komplettes Gebirge aus dem Weg räumen muss, um einen unverstellten Blick auf das Geschlechterthema zu bekommen. Deshalb will ich mich hier auf ein paar besonders markante Aussagen beschränken.

 

Im ersten Absatz plaudert Höyng ein bisschen über seine ersten Gehversuche in Sachen Männerthematik und nörgelt sinngemäß, Männer hätten sich »damals« (1986) am Feminismus gerieben und als Konterreaktion den Macho raushängen lassen. Nun, offensichtlich gibt es also etwas am Feminismus, das Männer abschreckt, das sie nicht so ganz toll finden wie Höyng und Konsorten. Und natürlich fehlt auch nicht die gut platzierte Werbung für seinen Arbeitgeber Dissens, ein Verein, der sich mit Jungenarbeit beschäftigt. Dissens hat allerdings etwas neurotische Auffassungen von Jungen- und Männerarbeit. So behaupteten sie einem kleinen Jungen gegenüber, er sei gar kein Junge und täte nur so; in Wahrheit hätte er eine Scheide. Das genau beschreibt jedoch das Thema »Dekonstruktivismus«: Das Einreißen von eingeübten Verhaltensweisen, das Zerstören jeder bisherigen geschlechtlichen Identität, um danach aus den neurotisierten Überbleibseln den neuen, den wahrhaften, den menschlichen Menschen zu erschaffen - so die Theorie. Es ist eine einzige, totalitäre Anmaßung und die Methoden dazu unterscheiden sich von anderen Deformationsversuchen wie z.B. psychischer Folter nur marginal.

 

Zur weiteren Entwicklung fabuliert er:

 

Die Frauenbewegung setzt sich sehr stark für die Gleichstellung von Frauen im Beruf ein. Es sind jedoch kaum Klagen von Männern zu hören, die sich sorgen, beruflich gegenüber Frauen zu verlieren.

 

Solche Sätze sind ein empathisches Armutszeugnis. Denn hätte dieser Mann Ahnung von dem, was er da erzählt, wüsste er, dass Männer statistisch von Arbeitslosigkeit in wirtschaftlichen Krisen sehr viel häufiger betroffen sind als Frauen und ihnen die Notbremse »dann heirate ich eben« verwehrt ist. Auch bei den geschlechtsbezogenen Förderinstrumenten der Arbeitsagenturen schneiden sie - mit dem Segen des Gesetzgebers - sehr viel schlechter ab (Stichwort: Meisterkredit, Frauenförderkurse). Wenn Männer »kaum klagen«, so ist dies der Tatsache geschuldet, dass klagende Männer nicht nur von Frauen sondern auch von anderen Männern extrem selten akzeptiert werden. Wo staatlicherseits die Männer mit ihren spezifischen Problemen nicht wahrgenommen werden, wo in den Medien außer Misandrie gegenüber Männern nur die Frauenthemen einen sonnigen Platz haben, kann man nur allzu leicht darauf abheben, Männer seien ganz alleine für das verantwortlich, was ihnen widerfährt. Das ist billige Indoktrination.

 

Er schreibt weiter:

 

Ich erkläre mir das [die Tatsache, dass Männer sich benachteiligt fühlen] so, dass diese Männer von ihren Erfahrungen [z.B. bei Scheidungsverfahren] so belastet sind, dass sie gar keine anderen Themen mehr wahrnehmen können. Sie verallgemeinern damit das eigene leidvoll erfahrene Thema so sehr, dass es in kein Verhältnis gesetzt werden kann zu anderen, der eigenen Erfahrung widersprechenden Geschlechterverhältnissen. Sie können eine soziale Bewegung wie die Frauenbewegung in ihren vielfältigen Wirkungen, die auch durch wirtschaftliche Entwicklungen bedingt sind, nicht einordnen.

 

Welche »der eigenen Erfahrung widersprechenden Geschlechterverhältnisse« sollen das denn sein, wenn es so gut wie keine positiven, also auf Ausgleich hin orientierten Scheidungsmodalitäten in Deutschland gibt? Warum muss ein Vater bis vor den Europäischen Gerichtshof ziehen, um das eigentlich selbstverständliche Sorgerrecht für unverheiratete Väter zu erstreiten? Es gibt de facto in Deutschland keine gerichtliche Instanz, die sich für dieses Anliegen erwärmen konnte! Was vermittelt dieser Staat seinen männlichen Bürgern, wenn er heimliche Abstammungstest mit einer horrenden Strafe bedroht? Höyng versteht die Dimension des Problems überhaupt nicht. Es geht in keinster Weise um Betroffenheitsfolklore, sondern um handfeste, gesetzliche Rahmenbedingungen und deren einseitige Schieflage.

 

Im Anschluss wundert sich Höyng darüber, dass Männerrechtler den Feminismus ablehnen. Er begründet seine Verwunderung damit, dass sich die meisten Frauen gar nicht als feministisch bezeichnen würden. Mal herhören, Höyng: Darum geht es überhaupt nicht, ob Frauen sich als Feministinnen oder als Nasenbärin outen, sich andererseits aber analog dazu verhalten und alle Vorteile einer frauenzentrierten Gesetzgebung ausnutzen. Es geht um einseitige Frauenbevorzugung vor Familiengerichten (das bereits genannte Sorgerecht z.B.), es geht z.B. um Missbrauchsvorwürfe gegen Männer seitens der Exen vor eben diesen Gerichten, die regelmäßig erlogen sind, es geht um staatliche Kampagnen, die Männer als einzige Täter im Bereich häuslicher Gewalt diffamieren, obwohl hunderte, internationale Studien etwas komplett anderes aussagen. Ein Mann in dieser beruflichen Position sollte eigentlich seine Fachliteratur kennen, sollte man meinen.

 

Und an dieser Stelle lügt Höyng glasklar:

 

Aber die aktuell wichtigste Theorielinie infolge des Feminismus, der Dekonstruktivismus, ist keine vorherrschende Meinung, die gesellschaftliche Gestaltungsmacht hat. Sozialwissenschaft hat viel zu wenig Einfluss auf Politik und Wirtschaft und Medien.

 

Genau so ist es aber passiert: Gender Mainstreaming als politisches Instrument ist eine Verhaltensrichtlinie für alle öffentlichen Institutionen, die unmittelbar auf feministischen Ideologien wie dem Dekonstruktivismus fußt. Sie führt u.a. zu solch abstrusen Stellenanzeigen im ÖD, dass Frauen »bei gleicher Eignung bevorzugt eingestellt werden«, auch wenn die Frauenquote bereits übererfüllt wurde. Gender Mainstreaming wurde nach der UN-Frauenkonferenz in Peking als Europa-Richtlinie ins Leben gerufen und den Mitgliedsstaaten zur Umsetzung anbefohlen. Niemals gab es eine parlamentarische Diskussion im Bundestag darüber; es gab nicht einmal eine mediale Diskussion darüber, es gab nicht einmal ein geordnetes Gesetzgebungsverfahren - eine reine Top-Down-Maßnahme. Geschätzte neunzig Prozent der Bevölkerung wissen nicht einmal, um was es dabei geht - obwohl die Behörden Berge von Papier dazu produzieren, wie GM praktisch umzusetzen ist. Feminismus hat also sehr wohl »Gestaltungskraft«, wobei ich die subtilen, beleidigenden und geschlechterrassistischen Apartheids-Intentionen in den Medien, die solche ideologiegetriebenen Gestaltungsabsichten flankieren, mal großzügig außen vorlasse.

 

Höyng sieht zwar im weiteren Verlauf, dass Männerrechtler im Gegensatz zu Frauenrechtlerinnen keinerlei öffentliche Gelder erhalten, aber er findet, dass »Initiativen mit ausgrenzenden Menschenbildern« sowieso kein Recht auf öffentliche Unterstützung haben sollten. Angesichts der Faktenlage in der Gesetzgebung und der allseits virulenten Misandrie in den Medien (»Nur ein toter Mann ist ein guter Mann« {Bestseller}, »Eine Krankheit namens Mann« {Spiegel}) stellt sich natürlich sofort die Frage, wer hier wen von einem positiven Menschenbild ausgegrenzt hat. Nicht zuletzt ist an diesem Punkt natürlich ebenso spannend, wer denn den sozialen Bewegungen attestiert, dass sie »ausgrenzend« sind. His Highness Höyng? Dissens e.V.? Die göttinnengleiche Alice Schwarzer, immerhin Trägerin von zwei BundesverdienstkreuzInnen?

 

Wie so oft bei tendenziösen Machwerken, ist auch dieser Artikel ein einziges Ärgernis wegen der immanenten ideologischen Verblendung, die man von einem studierten Menschen, der für sich Wissenschaftlichkeit reklamiert, nicht erwarten sollte.

 

Dennoch findet man in letzter Zeit gehäuft solche Rechtfertigungspamphlete und dies ist etwas, das hoffen lässt. Das Internet als Informationsquelle lässt nämlich alle bisherigen Versuche, einseitige Indoktrination - ganz in der Tradition des Volksempfängers - über kurz oder lang vor die Wand laufen. Dieser Blog ist nur ein kleines Beispiel dafür. Höyng selbst datiert erste Gespräche von Männern über deren Benachteiligung in die 1990er Jahre. Der Aufstieg des Internets als Leitmedium fällt nicht zufällig genau in diese Zeit. Höchste Zeit ist es allerdings, solche verstaubten Ansichten aus den Gazetten und Online-Medien zu schreiben. Auf den Müllhaufen der Geschichte damit!

 

Nachtrag 23.09.2010:

 

 

 


Kategorie: Male, Female

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