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Geschlechtergerechte Wehwehchen

31.08.2011

Von: Stadtmensch

Studenten sind ein seltsames Volk und ihr Talent, sinnlos Zeit totzuschlagen, ist ein seit Jahrhunderten liebevoll gehegtes Vorurteil, das leider hin und wieder seine Bestätigung findet.

Endlich wissen wir, warum das mit Studentenrevolten nie was wird. In Hamburch balgen sich der Asta und eine von ihm abhängige Redaktion um geschlechterInnengerechte Gerechtigkeit in Pressetexten.

In Hamburg gibt es nämlich eine Internet-Redaktion, die über allerlei studentenrelevante Themen schreibt und dafür eine finanzielle Unterstützung vom Asta erhält. Nun hat sich eben dieser Asta überlegt, dass er nur dann »Pressefreiheit gewähren kann«, wenn die von ihm bezahlte Redaktion (ein Online-Portal namens info-parkour) auch auf die armen Studentinnen mehr Rücksicht nimmt.

Gibt es in Hamburg eigentlich keine Studiengänge bzw. Seminare zum Thema Pressefreiheit? Scheinbar nicht. Insbesondere stößt (noch so ein patriarchalisch versautes Wort) sich der Asta daran, dass die blöden Redakteure nie das Wort »Studierende« verwenden, sondern immer noch das repressive Wort »Studenten«. Mir fällt auf, dass das Fach Deutsch offensichtlich ebenfalls nicht in Hamburg gelehrt wird. Schade, denn sonst wüsste der Asta, dass er als Asta deshalb kein Pimmelchen hat, weil »der Asta« zwar ein generisches Maskulinum ist, aber kein biologisches. Okay, Biologie fällt also auch aus in Hamburg, merke ich gerade.

Wenn man's genau nimmt, ist »der Asta«, auch wenn das von »allgemeiner Studentenausschiss« kommt (da klemmte ausgerechnet die u-Taste), schon ein politisch vollkommen inkorrektes Unwort, denn »der« und ein Wort auf »a« ist doch total bäh! Es sind eigentlich immer Frauennamen, die auf »a« enden, so wie Helga, Tusnelda, Pornosta usw. Soll »der Asta« doch erstmal vor der eigenen Tür kehren!

Noch verwirrender wird die Sache, weil ausgerechnet eine Redaktions-Frau sich mit Händen und Füßen (und was sie sonst noch zu bieten hat) dagegen wehrt, aus Studenten Studierende zu machen. Sie behauptet, Studierende wären nur solche Studenten, die just im Moment studieren und das sei falsch, weil diese Menschen ja auch dann und wann z.B. schlafen oder essen müssten. Das hätte sie besser nicht gesagt; was wirft das bloß für ein Licht auf unseren akademischen Nachwuchs? Trotzdem muss man neidvoll anerkennen: Diese Frau hat Eier in der Hose!

Als wäre es nicht schon deprimierend genug, dass an unseren Unitäten endlos viel Geld für Genderseminare verballert wird - nun streiten sich die Studenten auch noch außerhalb des Campus über geschlechterpolitische Benimmregeln. Wie spießig ist das denn?

Hört mal, Studenten und/oder Studierende: Wollt ihr nicht lieber was für den Weltfrieden o.ä. tun statt euch in aller Öffentlichkeit zu blamieren? Ihr endet doch sowieso später in der Praktikumsschleife. Da hilft euch auch kein Binnen-I wie in »gib mir mal die SalzstreuerIn«. Bei diesen latenten Penetrationsängsten, wie sie manche von euch pflegen, ist es kein Wunder, dass gerade Akademiker vollkommen sterile Biografien hinlegen. Kinder kennen die doch höchstens von der Spendenbescheinigung bei UNICEF.

»Der Asta« wäre angeblich schon zufrieden, wenn »die Redaktion« wenigstens alle paar Artikel mal die eine oder andere gendergerechte Formulierung bringen würde. Das wird nicht leicht. Ich kann mir schon lebhaft vorstellen, wie »der Asta« alsbald mit der Lupe alle Pamphlete nach geschlechterpolitischer Gleichschaltung, äh ich meine Gerechtigkeit, durchforstet. Aber vielleicht gibt es ja ein paar StudierendInnen aus der Informatik-Ecke, die ein neues Pressefreiheits-Programm schreiben können, das solche lästigen Zensurmaßnahmen automatisiert. Wie, es gibt keine Informatikerinnen, die sowas können? Da bin ich aber überrascht. Nee, doch nicht überrascht.

Seufz! Als wir jung waren, haben wir alle Leerveranstaltungen platzen lassen, haben tonnenweise Hasch gefixt, die Studentenkneipen grundsätzlich nur auf LSD besucht und ab und zu ein Haus besetzt - um weiter zu feiern und wild rumzuvögeln - sogar mit Frauen. Aber heute?

Früher war alles besser.


Kategorie: Male, Female

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