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Liebe Schlampen!

07.08.2011

Von: Stadtmensch

Nun wollt ihr demnächst als Schlampenpack für »sexuelle Selbstbestimmung« auf die Straße gehen. Aber warum sollte das eigentlich irgendwen interessieren, habe ich mich gefragt.

Im Kindergarten war das früher auch so: Die Mädchen verkleideten sich gerne, damals meistens als Prinzessinnen, heute im Erwachsenenalter neuerdings eben als »Sluts«. Erstaunlich (naja, irgendwie auch wieder nicht) ist ja, dass auf den Fotos, die bisherige »Slutwalks« zeigen, die meisten Schlampen mehr oder weniger reizlos sind und zwar ganz egal, ob sie nun besonders schäbig, aufreizend oder provokativ angezogen sind. Bei den meisten wünscht man sich eher, sie würden einen lieber nicht mit diversen plakativ herausgestellten Körperteilen belästigen. Die Frage, ob solche »right into the face«-Präsentationen überhaupt sexuelle Regungen bei irgendjemand auslösen können, ist äußerst zweifelhaft, denn, liebe Schlampen, es ist so: Nackte Haut anzugucken, die man nicht anfassen kann (und vielleicht auch gar nicht will) ist nun mal in heutigen Zeiten kein wirklich brennendes Problem. Wie ihr wisst, haben wir Männer das Internet genau dafür erfunden. Natürlich haben wir Tüpen uns schon was dabei gedacht, als wir das Internet mit Schmuddelbildchen geflutet haben. Es ist einfach soviel bequemer und stressfreier! Auch für euch!

Diese Masche, dass ihr uns gerne unaufgefordert alle möglichen Körperregionen unter die Nase halten wollt, obwohl ihr das alles gar nicht ernst und schon gar nicht erotisch meint, ist ein sattsam bekanntes weibliches Phänomen. Ich habe jedenfalls noch keinen Mann erlebt, der sich absichtlich und rein aus Aufmerksamkeitsgründen z.B. den Hosenstall ausbeult und so durch unsere biederen Straßen stolziert. Wir Männer wissen durchaus, dass ihr uns überhaupt nicht damit meint, wenn ihr euch derart »schlampig« in Szene setzt. So bleibt für diese freizügige Phänomen nur eine einzige Erklärung übrig, nämlich dass eure bewusst gewollte »Erregung öffentlichen Ärgernisses« einzig und allein auf eure Mitschlampen abzielt. Denn seien wir mal ehrlich: Die meiste Kritik an eurem Aussehen und Auftreten kommt doch von anderen Frauen.

Wir Männer wissen durchaus, dass wir solche Sätze wie z.B. »Schau mal, ich war heute beim Frisör« lieber nicht mit »Und? Haste einen Termin bekommen?«, sondern mit »Sieht aber toll aus!« beantworten müssen, sofern wir nicht einen handfesten Ehekrach oder endlose Diskussionen riskieren wollen, die dann wieder die Sendezeit unserer heiligen Sportschau strapazieren. Ob z.B. euer neuer Stringtanga (also dieser Ritzenputzer) nun blau oder rot ist, erreicht unser Langzeitgedächtnis leider eher selten.

Es gibt also durchaus eine gewisse Diskrepanz zwischen dem erotischen Aufmerksamkeitskontingent, das ihr beansprucht und der Redlichkeit unserer Antworten; zugegeben. Insofern sind die Verhältnisse aber durchaus als ausgeglichen zu betrachten: Wir überlassen euch euren subtilen Hang zu plakativem Exhibitionismus, den ihr natürlich gar nicht so gemeint habt, und dafür verzeiht ihr uns unsere kleinen Lügen über eure »charakterlichen« Besonderheiten, die ihr z.B. über Reizwäsche und sonstige sparsame Textilien an den Mann bringen wollt. Wir tun dann einfach so, als hättet ihr eine »ganz dolle Persönlichkeit«, wenn ihr mit dem erotischen Fummel aus'm Ottokatalog (neuerdings von diesem kreischenden Zalando-Verein) daher kommt.

Oft beschwert ihr euch ja, dass Männer euch »mit den Augen ausziehen wollen«. Das habe ich allerdings noch nie so richtig verstanden. Wie soll das überhaupt gehen, so rein technisch meine ich? Anscheinend bin ich gar kein richtiger Mann, weil ich immer noch die Hände dafür brauche. Wenn ihr also wieder mal viel Haut raushängen lasst, können wir uns ja in Zukunft umdrehen, wenn ihr mit uns redet. Vielleicht hilft das ja. Oder wir fummeln irgendwas an unserem iPad rum, wenn wir mit euch quatschen. Gut so?

Blöd ist auch, dass die Natur eure Busen direkt auf den Brustkorb montiert hat. Bei den meisten Säugetieren hängen diese vollkommen unerotischen und rein zweckdienlichen Organe wenigstens am Bauch und stören einen nicht, wenn man sich mal gepflegt und niveauvoll unterhalten möchte. Eventuell schafft es die feministische Evolution ja, im Laufe der Jahrhunderte diese wabbeligen Dinger auf den Rücken wandern zu lassen.

Fast hätte ich es vergessen: Ihr veranstaltet eure Slutwalks nur, weil ihr denkt, dass ihr sonst ständig vergewaltigt werdet. Das ist natürlich nicht schön. Manche Männer denken halt immer noch, dass eine Frau das einzige Beutetier ist, das seinem Jäger auflauert. Aber das ist natürlich ein primitiver Quatsch! Immerhin hat sich in den letzten Jahren so einiges zum Besseren geändert, und zumindest in den aufgeklärten Kulturen wie in Deutschland halten sich die Mannsbilder inzwischen doch merklich zurück. Die sexuellen Belästigungen gehen deutlich zurück, was man z.B. an den vielen Singlehaushalten oder dem Geburtenrückgang feststellen kann. Ich zähle auf eure Geduld, bis wir einfach gestrickten Männer mit unserem archaischen Genpool endlich soweit sind, dass wir euch Frauen ausschließlich nach ehrenvollen Aspekten wie »Literaturnobelpreis-Kandidatin« oder »angehende Ingenieurin« begreifen.

Für die männlichen Leser sei gesagt, dass es hilfreich ist, wenn man in Schlampenzonen z.B. immer eine Ausgabe der »Omma« mitführt. Das beruhigt viele Frauen schon im Ansatz, wenn sie einem Mann mal aus Versehen halbnackt über den Weg laufen. So kann der Mann von heute außerdem zeigen, dass er kulturell auf der Höhe ist.

Wenn ihr, liebe Schlampen, also demnächst für eure Schlampigkeit in Deutschland auf die Straße geht, werden wir Männer natürlich das einzig Richtige tun: Wegsehen. Und wir werden auch kein negatives Wort darüber verlieren, damit ihr euch nicht entblößt fühlt. Versprochen! Wie gesagt, es gibt ja auch schöne Seiten im Internet.

Solidarische Grüße,

euer Stadtmensch


Nachtrag:

Unten stehendes Video habe ich auf der Seite »A voice for men« mit folgender Beschreibung gefunden:

 

Dieses Video, das nun auf YouTube läuft, bekam folgenden Kommentar, der wiederum seinerseits breite Zustimmung erfuhr: »Anstatt gegen Banken und Konzerne, die den Wohlstand des amerikanischen Volkes stehlen, zu demonstrieren, marschieren diese Leute, weil ihnen jemand sagte, Frauen seien für die Konsequenzen ihrer Handlungen selbst verantwortlich. Ich glaube, es wird keine Rettung geben.«

 

[Anm.: Die »Slutwalks« entstanden, weil ein Polizeibeamter meinte, sexuelle Belästigungen entstünden auch durch allzu »schlampiges« und provokatives Auftreten der Frauen.]


Kategorie: Male, Female, Politik, Gesellschaft

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