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Die Nervensäge der Woche: Bascha Mika

04.02.2011

Von: Donna Amaretta

Mika war lange Zeit eine der ominösen »Frauen in Führungspositionen«, nämlich bei der TAZ. Trotzdem tingelt sie mit ihrem neuen Buch durch die Lande und verbreitet das ewige feministische Lamento über die chancenlosen Frauen. Eine wütende Antwort von Donna Amaretta.

Mein Kommentar bezieht sich auf eine Einladung zur Buchvorstellung von Mikas neuestem Pamphlet »Die Feigheit der Frauen«, erschienen im Bertelsmann-Verlag. Moderatorin dieser Buchvorstellung ist die nicht minder nervige Heide Simonis. In der Einladung heißt es u.a.:

 

Psychologie hin, Sozialisation her - mutig oder kleinmütig, Frauen haben die Wahl, schreibt Bascha Mika. Sie zweifelt zwar nicht daran, dass wir noch immer in einer männlich dominierten Gesellschaft leben, dass Männer die Macht, das Geld und die Aufmerksamkeit haben,

 

Und wen interessiert, was »die Männer« haben? Mich jedenfalls interessiert weder Geld noch Macht noch Aufmerksamkeit. Mich interessieren die Menschen, das Leben, meine Familie. Von welchen »die Männer« ist hier überhaupt die Rede? Von meinem Vater, Onkel, Söhne, Freund bestimmt nicht. Die haben keine Macht und kein Geld, und sind auch an wie auch immer gearteter Macht nicht interessiert, nie gewesen. Von welchen Männern spricht sie also? Auf jeden Fall von wenigen.

 

doch Frage Nummer 1 ist für sie, welchen Anteil Frauen an der Aufrechterhaltung dieses Zustands haben? Ihre Behauptung: Frauen profitieren von diesem System, die alten Strukturen sichern uns einen Platz, den wir kennen, wir seien konfliktscheu und bequem , wir hätten nicht den Mut, uns gründlich von Rollenklischees

 

Rollenklischees...

 

zu befreien und auf den Putz zu hauen, statt zu meckern. Stattdessen hätten wir uns eingerichtet mit der Geiselmentalität,

 

wessen Geisel? Wieso »Geisel«?

 

den Rollenfallen

 

Rollenfalle. Dieses Wort! Ich kann es nicht mehr hören, mag es nicht mehr sehen! Gleich falle ich tatsächlich aus der Rolle!

 

und dem Selbstbetrug.

 

Ich sehe nirgends einen Selbstbetrug.Ich jedenfalls habe mich nie selbst betrogen. Aber feministische Denkweise versucht zu betrügen. Und ich lasse mich nicht betrügen und bevormunden.

 

Möglicherweise sind wir dem verfallen, was wir scheinbar bekämpfen.

 

Was bekämpfen »wir« denn? Wer ist überhaupt »wir«? DEM verfallen? Wer oder was ist DEM? Dem Mann? Das »System«? Da hätte ich gern eine genaue Feindbennenung. Los, Bascha, sag was du meinst!

 

Obwohl sich unsere Gesellschaft formal zur Gleichheit bekennt,

 

Es interessiert mich nicht, dass die Gesellschaft sich zur Gleichheit bekennt. Ich gleiche niemand.

 

leben die Bilder von Unterordnung und Dominanz.

 

Unterordnung? Wie wäre es dann mal mit ein bisschen Realtätssinn? Einordnung, Zuordnung! Aus Notwendigkeit!

 

und das damit verbundene Machtverhältnis stur und stillschweigend überall weiter. Mangels eines Aufstands dagegen, geht Mika mit weiblichem Verhalten und Stillhalten kritisch ins Gericht. Festzustellen sei der millionenfach selbstgewählte Rückfall in alte Rollenmuster, so dass die große Frage im Raum steht, woran liegt es, welche Vorteile sind damit verbunden. Rhetorisch seien wir emanzipiert, doch in der Praxis würden wir jämmerlich versagen. Wir ordnen uns unter.

 

Nein. Ich ordne mich nicht unter! Wie oft muss ich dieses Unterordnungsgeschwaller noch lesen? Ich gebe mich hin - aber nicht auf! Ich ordne mich ein - aber nicht unter!

 

Freiwillig, weil es bequem ist, weil wir Konflikte scheuen, weil wir davon profitieren. Frauen sind zu feige. Eines ist für sie klar: Niemand übernimmt für uns Verantwortung, es kommt keiner, kein Vater, keine Mutter, kein Lehrer, kein Freund, kein Mann.

 

Und? Wer bitte braucht diese Art Verantwortungsabgabe?

 

Niemand übernimmt für uns Verantwortung - wenn wir es nicht selber tun.

 

Na sowas aber auch! Ich dachte, dass sei selbstverständlich für emarzipanierte Frauen.

 

Ein großes Problem sei, dass wir immer wieder einfach alles auf unser Gefühl schieben, wenn wir uns nicht entscheiden, wenn wir nicht handeln, wenn wir unser Leben nicht planen, wenn wir nicht weiter wissen.

 

Gefühl als Ausrede oder Handlungsgrund? Wichtig wäre doch nur, dass man merkt, dass man fühlt, sich des Gefühls also bewusst wird, denn dann kann man es klaren Verstandes in Entscheidungsfindungen einbeziehen. Es ist aber nicht Sache des Mannes, der Frau zu vermitteln, was sie fühlen soll oder nicht, es ist ihre eigene Angelegenheit, von Gefühl ausgelöste Wünsche wahrzunehmen und sodann zu lenken - in bewusste Bahnen, gut vorbereitet auf Kommendes.

 

»Die Liebe ist die Seife auf der Rutschbahn in die Rollenfalle«. Viele Frauen würden in gefühlter Gleichberechtigung leben. 90 % der jungen Frauen zwischen 20 und 30 Jahren sagen heute, dass sie eigenständig seien und ein möglichst selbstbestimmtes Leben führen wollen. Doch der Unterschied zwischen Selbstentwurf und dem tatsächlich gelebten Leben sei groß. Massenhaft würden Frauen in die Abhängigkeit stolpern und traditionelle Rollen übernehmen.

 

Ich habe Möpse. ICH habe Möpse. Ich habe MÖPSE. Nicht mein Mann. Zur genaueren Klärung: Ich habe MÖPSE, da kommt Milch heraus. Das ist Babynahrung. Wie furchtbar! Ich habe Möpse und bin deswegen nicht wie ein Mann! Dabei sollte ich das doch sein! Das schrieb sinngemäß schon Beauvoir! Ich schäme mich so grenzenlos, das ich nicht wie ein Mann bin! Nur ein Mann ist etwas wert, das sieht man schließlich an der Lohnabrechnung! Wo bleiben die Uterusamputationen?!?

 

Allerdings, was die gesellschaftlichen Verhältnisse angeht, sei die Lage in dieser Republik destaströs,

 

Ja - richtig! Ich bin ein Desaster! Ich Schwein! Ich bin heute zur ersten Tupperparty meines Lebens gegangen, und niemand hat mich gezwungen! Ich habe mir eine suuupertolle Zitronenpresse bestellt, und Gefrierbehälter, weil ich meinen Söhnen Essen einfriere und mitgeben möchte. Ich weiß, ich bin eine reaktionäre Sau, gefangen in Rollenmustern und von Feministinnen einfach nicht umzubauen: Diese blöde Einfriererei ist mir tatsächlich wichtiger als es meine Karriere je war und hätte sein können.

 

der grundsätzliche Befund niederschmetternd. Vielleicht hat sich das öffentliche Bewusstsein gewandelt, wenn es um Gleichheitsfragen geht,

 

Verpieselt euch endlich mit eurer Scheißgleichheit! Ich bin ungleich unvergleichlich! Wunderbar, unverwechselbar!

 

aber nicht die Realität, denn in allen Fragen der maßgeblichen Macht sieht es übel aus für den weiblichen Teil der Gesellschaft.

 

Macht? Ich habe die Macht über meine Entscheidungen, mein Denken. Mir genügts. Jetzt kommt übrigens noch das Schlimmste...es ist so beschämend...Wir...also meine Schwester und Mutter, Cousinen und Freundinnen...wir haben die Männer vorhin weggeschickt...in eine Kneipe um die Ecke zum Bier trinken...die Frauen, die fahren mussten, tranken nur Wasser, damit sie Mann und Frau gefahrlos nach Hause fahren können. WARUM? Weil wir wollten, das die Männer unter sich schnattern und gemütlich zusammen sind. Und wir schnattern über die Tupperware-Qualität und das die Cousine ihr Baby in 2 Wochen kriegt. Es ging uns Frauen gut und es ging unseren Männern in den drei Männer-Stunden gut. Dann kamen die glücklichen Männer zurück, ich bekam Küsse von meinem alten Onkel, mein Schwager will mir ein Parfum mischen und mein Papa freut sich und drückt mich, das Wir etwas Brauchbares für die Küche gefunden habe.

 

Diese unterdrückerischen Schweine, nicht wahr? Diese pöhsen Patriarchen, die uns mit all ihrer Macht der Muskeln unsere Schränke anbauen. Und wir sind ja so dumm, wir schätzen sie noch wert dafür! So habe ich natürlich auch den heutigen weltbewegenden Vortrag im Literaturhaus versäumt... wegen einer klischeebeladenen widerwärtigen und unzeitgeistgemäßen Tupperparty mit den blöden Familienweibern!

 

So, und bevor ich jetzt platze wegen dieser unsäglichen Rollenklischees, gehe ich lieber zu Bett. Eine Gute Nacht wünsche ich allen Lesern mit Realitätssinn. Die Anderen können sich eine gendergefederte Rollenmatratze basteln. Am Besten virtuell im nächsten PC-Kurs für Alleinerziehende.

 

Bascha Mika, geb. 1954, in Polen. 1959: Übersiedlung in die BRD. Studierte Germanistik, Philosophie und Ethnologie in Bonn und Marburg. Während des Studiums bereits freie Mitarbeit bei verschiedenen Zeitungen, mit Anfang 30 beschloss sie, Journalismus zum Hauptberuf zu machen. Von 1999-2009 war sie alleinige Chefredakteurin der TAZ, sogar einzige Chefredakteurin einer deutschen überregionalen Zeitung (Stand 2007). 1998 erschien ihre kritische Alice-Schwarzer-Biografie. Seit 2007 ist Mika nebenberuflich Honorarprofessorin an der Universität der Künste Berlin.

 

Donna Amaretta, geb. 1964 in Deutschland. 1977: Entdeckung der eigenen Meinung. Studierte Nichts, lernte Handwerk und Menschenkenntnis. Mitarbeit in Werkstätten, Kundenberatung und Schnittechnik-Ausbildung bis zur Geburt der Kinder, dann Mutter und Handwerkerin, später, als die Sprösslinge zur Schule kamen, selbstständige Handwerkerin, Mitglied Handwerkskammer. Von 1999 bis 2006 Designerin und Tänzerin, Handwerkerin,  Mutter und Hausfrau, alle Aufgaben und Herausforderungen verbindend. Seit 2007 auch Autorin von Texten »aus dem Leben«, mit Blickrichtung auf Gesellschaftspolitik und Kultur. Feminismuskritikerin aus Erfahrungen und Beobachtungen des menschlichen Miteinanders und - leider - Gegeneinanders...

 

Heide Simonis moderiert

 

Es wäre besser, Donna moderiert. Sie kann es: Das Publikum bescheinigte wiederholt ihre Leidenschaft, Temperament und Kompetenz sowie Fachwissen.

 

Kooperation mit dem Literaturhaus

 

Kooperation mit niemand, weil niemand vom echten Leben etwas wissen will. Kooperationen mit »Ich mach mir die Welt wie sie mir gewollt« werden jedoch gerne von der EU unterstützt.


Kategorie: Male, Female

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