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Hausmann? Kein Problem!

31.01.2011

Von: Donna Amaretta

Heute sprechen hier mal die Frauen: Im Folgenden zitiert Donna Amaretta den Bericht einer Freundin, die jahrelang »Rollentausch« praktizierte, live und in Farbe.

Heute fand ich diesen Artikel im Focus, hier ein Auszug:

 

»Die Hälfte der deutschen Männer kann sich gut vorstellen, für die Familie zuhause zu bleiben. Zwei Drittel gönnen laut FOCUS-Umfrage den Frauen auch ein höheres Gehalt. Jeder zweite deutsche Mann kann sich vorstellen, die Rolle des Hausmannes zu übernehmen, während die Frau oder Partnerin einem Beruf nachgeht und das Geld verdient. Das geht aus einer repräsentativen FOCUS-Umfrage unter Männern hervor. 66 Prozent der Befragten zwischen 20 und 50 Jahren gaben zudem an, es würde ihnen nichts ausmachen, wenn die Partnerin mehr verdiene und eine höhere berufliche Position einnehme.«

 

Die Umfrage hat also ergeben, dass die Hälfte der deutschen Männer sich das vorstellen kann. Vielleicht sollte man die Betonung auf »vorstellen« legen. Und da mir die Angabe »jeder zweite Mann« recht hoch erscheint, frage ich mich zudem, wieviele Männer da eine Antwort gaben, von der sie wissen, dass sie Beifall finden wird, denn so soll der »neue Mann« ja sein. Ich könnte jetzt eigene Gedanken zur realen Umsetzung dieses Lebensmodells ausspinnen, ziehe es aber in diesem Fall vor, die sehr persönlich geschilderte Lebensgeschichte einer Frau einzusetzen, die das gelebt hat.

Hier ist der Beitrag von A.C.R. aus einem anderen Forum, den ich mit ihrer Erlaubnis verwenden darf:

Meine Erfahrung mit dem Rollentausch in der Familie – ich habe ihn erlebt. Er hat sich schleichend eingestellt, zunächst eine wunderbare Lösung für die ganze Familie, so nach dem Motto »Völlig gleich, wer was wann tut: Wenn es der ganzen Familie nutzt, ist es Klasse«.

Ich hatte alle Jahre gearbeitet, als Frau in der DDR kein großes Ding. Wer ein wenig helle im Köpfchen war und wollte, konnte jederzeit einen weiteren Beruf lernen, konnte studieren, bekam jede Arbeit, die interessant war. Frauen und DDR – ein Wunder der Sozialpolitik – sozusagen.

Dazu kam, ich verdiente stets mehr als mein Mann. Das hat an den unterschiedlichen Berufen gelegen, an Qualifizierung und so allerhand anderem. Mir ist es immer egal gewesen, Hauptsache uns ging es richtig gut, zumal ich eh dazu neige, mehr Workaholic als Hausfrau zu sein.

Mein Eheman war fleißig, auch nach der Wende keinen Tag arbeitslos, aufmerksam, zuverlässig. Himmel, was für ein toller Mann.

Nach der Wende machte ich mich selbständig, lebte mich somit endlich und grenzenlos beruflich aus und mein Mann hielt mir den Rücken frei, glücklich darüber, dass ich glücklich darüber bin. Nebeneffekt, ich verdiente richtig, richtig gut.

Mein Mann ist treu, ich bin während unserer Ehe die Einzige für ihn gewesen.

In Bezug auf Emanzipation ist er ein hervorzuhebender Protagonist, erledigte freiwillig-freudig ausnahmslos alle Arbeiten im Haushalt. Aufgeopfert hat er sich geradezu, hingegeben und zuvörderst an seine Familie gedacht.

Er war mit der Zeit (beängstigend) perfekt, sein Altruismus friedenspreisverdächtig. Unglaublich viele Ehefrauen gratulierten sich, hätten sie einen solchen Mann an ihrer Seite. Was die fleißigste Putzfrau als belastenden Aufwand moniert, erledigte mein Ehemann scheinbar spielend. In allen Zimmern, im Keller, in der Bodenkammer, im Garten, nebst von ihm gebautem Bungalow, in allen Schränken und Fächern, war es uneingeschränkt museumsähnlich ordentlich und sauber. Keinen Atemzug lang ließ er jemals auch nur ein Anzeichen von Unordnung unbeachtet. Mit unverständlicher Eile hat er mich unzählige Male gebeten aufzustehen, um unter mir eine Sofadecke glatt zu ziehen.

Man sagt Frauen die Fähigkeit nach, mehrere Dinge gleichzeitig erledigen zu können. Sollte das jemals tatsächlich wissenschaftlich begründet und ausnahmslos Fakt sein, wäre mein Ehemann mindestens drei Frauen. Es bleibt für mich ewig ein Rätsel, wie er alles geschafft hat. Er arbeitete körperlich schwer in 3 Schichten, hatte Zeit mit unserem Sohn zu spielen und ist bei seinen Lieblingssendungen im Fernsehen auf dem Laufenden gewesen.

Mit der Zeit bin ich ebenso empfangen worden, wie nach meinem Eindruck ein Mann von seiner Frau empfangen wird, wenn er einige Tage unterwegs ist oder auch nur üblicherweise abends von der Arbeit kommt. Und und und - ich habe begonnen, mich ähnlich zu benehmen, wie es gemeinhin Männern vorgeworfen wird.

Er berichtete, dass er u. a. auch Fenster geputzt und Gardinen gewaschen hatte – und ich hörte zwar nicht zu, sagte aber formal DANKE. Innerlich drehten sich meine Augen im Kreis, immerhin war ich noch gar nicht richtig zu Hause und bekam schon den gesamten Ablauf geschildert, der sich während meiner Abwesenheit ereignet hatte. Hätte er es mir Stunden später gesagt, ich hätte sicherlich nicht anders reagiert.

Bald gewöhnte ich mir an, vorher schon aufmerksam überall hinzuschauen, um vorab schon mal zu danken, allerdings fiel mir nie etwas auf. Ich kam ausgepowert nach Hause, ich brauchte eine Insel und fand beklemmende Perfektion. Ich wollte einen Mann und fand einen Hausmann.

Da ich keinerlei, aber wirklich keinerlei Hausarbeit verrichten musste (vorher ob meiner körperlichen Einschränkungen nicht konnte) nun mehr vom meinem perfekten Ehehausmann davon befreit worden war, hatte ich jede Zeit und Geduld der Welt für unseren Sohn. (Wenn ich zuhause gewesen bin, ansonsten Telefon-/Fax-Messie)

Muttersein habe ich ausgelebt – und weiß: Nur mein Hausmann hat mir das überhaupt SO ermöglicht.

Lange Rede, kurzer Sinn: Heute weiß ich auch, ich habe seine Mutation vom Mann zum Hausmann geduldet. Sie ist einfach so geschehen mit der Zeit – oder eben nicht einfach so geschehen, aber es war ungemein bequem.

Und und und es hat dazu geführt, dass ich dieses schöne Leben nicht mehr aushalten konnte und weggegangen bin nach 23 Jahren. Ich habe einen wunderbaren Hausmann und Vater verlassen, weil mir der MANN abhanden gekommen war. Unsere Wege hatten sich auseinander dividiert und er hat es nicht einmal gemerkt. Er war glücklich und setzte mein Glück voraus.

Seit unserer Trennung vor etwa 13 Jahren lebe ich so wie ich es will und brauche - für mich. Dazu gehört durchaus immer ein Mann, allerdings nur einer, der seine Grenzen deutlich macht und mir meine aufzeigt.

Was noch erwähnenswert wäre: Auch nachdem ich weggegangen bin, habe ich den Rollentausch bis zur Neige weitergelebt. Ich habe nichts mitgenommen - außer meine ganz persönlichen Sachen, und habe gezahlt, sobald mein Mann anrief und sagte, er brauche Geld. Ich habe ihm auch Urlaube finanziert, Umzüge, was auch immer, und ich habe es gern gemacht – oder war nur daran gewöhnt. Manchmal habe ich lächelnd festgestellt: Ich habe mich ganz offensichtlich nicht getrennt, sondern kaufe mich grammweise frei.

Das war es mir wert, ebenso wie ich wollte, dass es ihm gut geht, sehr gut.

Wir sind bis heute verbindlich miteinander, wissen wie es uns geht, was wir machen. Er lebt schon lange wieder in einer Beziehung, viel eher als ich. Seine Partnerin findet es klasse, dass er perfekt im Haushalt ist.

Ich liebe es, meinen Haushalt alleine zu machen und wenn mein Liebster zu Hause ist, trage ich ihm lachend alles hinterher. Verlässt er das Badezimmer, sieht es aus, als habe sich eine Kompanie nach einem Manöver frisch gemacht. Ich finde es wunderbar, lache darüber und necke ihn manchmal damit. Vielleicht aber auch nur, weil er so oft unterwegs ist. Auf jeden Fall aber erzähle ich ihm nie, was ich alles geschafft habe während seiner Abwesenheit. Vielleicht weil ich weiss, wie es ist, innerlich mit den Augen zu rollen.

Dabei bleibt an mir alles hängen; er reist beruflich durch die Welt, ich habe hier in Ungarn zwei Umzüge alleine gemacht und renoviere, baue wie ein Kerl. Eigenartig: Er sieht immer, was anders ist, sogar den Duft der frisch gewaschenen Gardinen bemerkt er ganz von alleine.

Jedes neue Kleid nimmt er wahr, sagt mir auch, wenn er es an mir nicht so klasse findet.

Dann trage ich es, wenn er nicht da ist.

Ich fühle mich als Frau rundum gut... Vielleicht weil ich nicht festgelegt bin, in dem was ich will und recht genau weiß, was ich nicht will. Auf jeden Fall habe ich subjektiv viel Verständnis für Männer. Vielleicht weil ich mal ähnlich gelebt habe, organisatorisch gesehen.


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Vielen Dank für die Geschichte an A.C.R.

 


Kategorie: Male, Female

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