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Pullertruden-Alarm!

13.01.2011

Von: Stadtmensch

Abgesang auf einen, der schon immer gern den sterbenden Schwan gab: Der Feminismus!

Zunächst einmal meinen Dank an Arne Hoffmann und an Narrowitsch. Arne deshalb, weil er in seinem Blog auf einen Artikel der Frankfurter Hefte verwies und mich damit zu einem breiten Grinsen brachte. Von Narro wiederum habe ich die kongeniale Wortschöpfung »Pullertrude« geklaut und die passt immer, wenn man den geistigen Horizont beliebiger Feministinnen kurz aber treffend umschreiben will.

Um gleich zum Kern des Artikels zu kommen: Die Autorinnen - hier mal ohne Binnen-I - beklagen in vielen larmoyanten Worten, dass böse Männerrechtler, sogenannte Maskulisten, sich inzwischen immer mehr und immer öfter vor allem in den Online-Medien über den grundguten Feminismus beklagen. Wenigstens versuchen die Autorinnen nicht wie gewisse andere feministische Szenegänger, Maskulisten als latente Nazis darzustellen - was mich allerdings wundert, denn es ist ein Lieblingskniff links drehender Gesinnungstäter, gegen alles, was ihnen nicht in den Kram passt, den publizistischen Zombie »Nazi« aus der intellektuellen Mottenkiste zu holen. Aber ich will mich an dieser Stelle gar nicht lange mit Links-Rechts-Diskussionen aufhalten; sie langweilen nur.

Natürlich findet man in dem Schrieb der »Frankfurter Hefte« die üblichen ideologie-getriebenen Lügen wie »Frauen verdienen trotz bombastischer Schulabschlüsse immer noch dreiundzwanzig Millionen Prozent weniger als die Männer« und ähnliche, gefühlte Wahrheiten. Nein, den Gegenbeweis zur Einkommenssituation der permanent bedauernswerten Frauen werde ich hier nicht antreten - es ist mir einfach zu blöd, jedesmal auf denselben Scheiß einzugehen. Manndat, Wikimannia oder das Statistische Bundesamt liefern entsprechende, belegte Zahlen.

Interessant ist vielmehr, wie solche Pullertruden vergangenen Frauen-WG-Epochen nachtrauern. Sie liefern ein fast komplettes Psychogramm einer ganzen Generation von Weibern, die in den 1970ern bis 1980ern ihren gedanklichen Zenit hatte und die bundesdeutsche Welt mit üblen Anklagen, Tatsachenverdrehungen, Diffamierungen und anderem unerfreulichen Gehabe gegen Männer aufwiegelten. So jammern sie u.a.:

 

Die »männerhassende, frigide, lesbische Lila-Latzhosen-Feministin« ist eine der erfolgreichsten Medienschöpfungen der deutschen Zeitgeschichte - fast jede junge Frau hat dieses Zerrbild fest verinnerlicht. So fest, dass ihr die Identifikation mit dem Feminismus unmöglich ist und sie sich gezwungen sieht, jede im Ansatz feministische Äußerung mit einem Dementi zu beginnen: »Ich bin keine Feministin, aber ...«. Dieses Dilemma ist eng verbunden mit der Tatsache, dass im kollektiven Bildbestand der Deutschen unter dem Begriff Feminismus neben dem abstrakten Latzhosen-Bild nur ein einziges konkretes Foto abgespeichert ist: das von Alice Schwarzer. Es fehlen neue, sichtbare Rollenvorbilder.

 

Ich gebe es ja zu: Der Sinn von in Latzhosen verpackten, ungepflegt wirkenden Weibern war mir seit jeher verschlossen, aber richtigerweise ist es genau dieses Bild, das der Feminismus in kommenden Geschichtsbüchern von sich übrig lassen wird. Wie konnte das geschehen - wo doch Latzhosen, üppige Bein- und Achselbehaarung so voller Liebreiz sind, newahr.

Die beiden SchreiberlingInnen fragen außerdem vorwurfsvoll, wieso heutige Frauen all die menstruationsblutgetränkten Überlebenskämpfe in den dunkelsten Zeiten des Patriarchats überhaupt ignorieren können. Sie sind verblüfft, dass sog. »Alpha-Gören« eine bourgeoise Weiblichkeit leben möchten, die anno dunnemals, also in den adoleszenten Phasen der beiden Autorinnen, überaus verpönt, weil spießig und damit unterdrückerisch war. Ich will es mal so sagen: Weder die Latzhosenfraktion von damals noch die aufdringlich präsentierten Sexattitüden neufeministischer Wichtigtuerinnen (wie beispw. Charlotte Roche) haben das Zeug, nachhaltig zu beeindrucken. Es ist vielmehr so: Schon die reflexhaften Reaktionen in Weiberpostillen auf alle Themen, die irgendwie mit Sex und Frauen zu tun haben, verhageln dem Begriff »schwanzfixiert« - ein zentraler Begriff im Sprachschatz der Femis - die ursprünglich beabsichtigte Wirkung. Und sie lassen erkennen, dass Sexfixiertheit niemals nur ein männliches Problem war.

Der Eindruck, dass der Feminismus irgendwas Substanzielles für die Gesamtheit der Frauen hat erreichen können, ist nichts weiter als eine verklärte Fantasie. So weisen die beiden Pullertruden (wie meistens) darauf hin, dass es Frauen verboten war, ohne Erlaubnis ihrer Männer arbeiten zu gehen. Dass eben genau dieses Gesetz lange vor der 68er-Bewegung bereits gekippt worden war, entgeht ihrer Wahrnehmung auf sträfliche Weise. Zudem deckt es sich nicht mit eigenen Erfahrungen, denn die Anzahl der Mütter, die auch damals einfach arbeiten mussten, weil die Kohle sonst nicht gereicht hätte, ist erschlagend.

Ich will mir und euch ersparen, den Artikel Punkt für Punkt abzuarbeiten. Eines aber stach mir ins Auge (autsch), weil ich es selber schon seit Jahren predige - aber mir hört ja keiner zu: Das theoretische Konstrukt bzw. die philosophisch-politischen Grundlagen, auf die sich feministische Gedanken berufen, sind für Leute, die sich außerhalb feministischer Thinktanks bewegen, größtenteils nicht nachvollziehbar. Das beklagen sogar die Autorinnen:

 

Natürlich gibt es auch Journalist/innen, die für Gegenentwürfe empfänglich sind,doch auch sie tun sich schwer mit dem Output der Gender Studies. Die Ergebnisse der aktuellen Gender-Forschung sind meist schwer kommunizierbar, oft werden sie auch unverständlich formuliert, es fehlt die Übersetzung in die Alltagssprache und die Anknüpfung an den so genannten »gesunden Menschenverstand«, der ganz oft auch etwas mit Emotionen und einem »ja, so empfinde ich das auch« zu tun hat. Die Publikationen sind meistens nur für Eingeweihte verständlich, die Erkenntnisse bleiben im Elfenbeinturm eingesperrt, denn die Komplexität aufbrechender Geschlechterkategorien ist schwer zu vermitteln.

 

Das »wissenschaftliche« Gelaber der Gender Studies ist alles andere - aber nicht wissenschaftlich. Denn Wissenschaftlichkeit bedeutet vor allem Nachprüfbarkeit und Nachvollziehbarkeit. Aber seit jeher verweilen solche Gedankenspiele wie der Feminismus innerhalb ihres selbst konstruierten Bezugsrahmens und vermeiden jede Belastungsprobe mit der Realität wie der berüchtigte Teufel das Weihwasser. Ich würde sogar soweit gehen, dass er bewusst mit falschen Angaben operiert, de facto in vielen Aspekten schlichtweg lügt. Kleines Beispiel: Der letzte Arbeitsgerichtsprozess, in dem es um ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen in einer Firma ging, liegt ca. 35 Jahre zurück. Aber noch immer wird die Mär von der bewussten Gehaltsunterdrückung bei Frauen durch die Gazetten getrieben. Angesichts der Anwaltsschwemme in Deutschland müsste jeder Advokat feuchte Augen bekommen, wenn sich ihm die Chance zu dieser Gelddruck-Masche böte: Er würde jeden Prozess vor einem Arbeitsgericht mühelos gewinnen. Trotzdem finden solche Prozesse nicht statt. Und in den Tarifverträgen ist das Thema Ungleichbezahlung schon seit Ewigkeiten abgefrühstückt. Wo also ist die flächendeckende »strukturelle Benachteiligung der Frauen«?

Nun gut. Das Ausgangsthema dieser beiden zurückgebliebenen feministischen Trauerweiden war ja, dass Maskulisten inzwischen im Internet soviel Staub aufwirbeln. Das ist natürlich zu allererst ein Fall für die Gedankenpolizei! Leider müssen unsere beiden tapferen Femis gleich an zwei Fronten kämpfen. Die eine ist ihre Furcht vor bösen, patriarchalen Regressionsabsichten, die ihnen sowieso schon seit Jahrzehnten den Angstschweiß auf die Stirn treibt. Die zweite Front ist viel banaler: Sie kennen sich mit Computern nicht aus (und müssen wahrscheinlich jedesmal einen Mann zur Hilfe rufen, wenn der Rechner zickt). Sie fühlen sich in der virtuellen Welt verloren. Man muss das verstehen: Verglichen mit der kuscheligen Welt der Frauenbuchläden, in denen es niemals Widerspruch gab, ist das quirlige Internet eine Welt des ständigen Widerspruchs; manchmal chaotisch, aber seinem Wesen nach prädestiniert für lebendige Diskussionen, die dieses Attribut auch verdienen. Wer allerdings einen Browser für einen Duschkopf und Google für eine Art Mundspülung hält, den bestraft halt das Leben.


Kategorie: Male, Female

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