Header

Artikel Detailansicht

< Filmtipp: City of God
   

FußböllerInnen ausgeschieden!

10.07.2011

Von: Stadtmensch

Ja, die Emanzipation hat eine Fußballschlacht verloren, aber hat sie auch den Geschlechterkrieg verloren?

Keine Häme mehr in den Kommentarseiten der Gazetten, keine Live-Berichte von Public Viewings mit etlichen zig FanInnen, keine spastisch zuckende Bundeskanzlerin mehr - es ist aus, aus, aus. Buhuu.

 

Der falsche Zwanziger vom DFFB (Deutscher Frauen-Fußball Bund), der es immer besonders gut gemeint hatte mit diesen bemühten Weltklasse-Kickerinnen auf Drittliga-Niveau, wollte die Frauenfußballweltmeisterschaft zum feministischen Endsieg umdeuteln, doch er und seine überhitzten Werbefritzen stehen nun wie die begossenen Pudel da. Von Anfang an wurden die WM-Kampagnen als Kriegserklärung gegen die Männer designt. Es war die Rede davon, dass nur die dritten Plätze was für Männer seien - und im unausgesprochenen Nebensatz wurde natürlich erwartet, dass die bisher in ihrem Nischensegment so erfolgsverwöhnte Frauentruppe auch diesmal wieder alles abräumt, noch dazu im eigenen Land.

 

Ein Turnierabschluss unterhalb des Weltmeisterinnentitels schien allen Verantwortlichen derart indiskutabel, dass sie diese kickende Frauschaft von Anfang an mit der männlichen Nationalmannschaft gleichsetzten. Die Fußballerinnen konnten einem fast leid tun, denn der falsche Zwanziger und ähnliche, von weiblicher Omnipotenz besoffene Zeitgeister haben sie lediglich instrumentalisiert, haben aus ihrer Sportbegeisterung ein billiges Vehikel gemacht, um damit gegen vermeintliches Machotum im Fußball (und in der Welt überhaupt) zu Felde zu ziehen. Im Grunde müsste man den deutschen Frauenfußball zu dieser Niederlage beglückwünschen, denn er hat zumindest im Fußball eines überdeutlich gemacht: Das Geschwalle vom Bessersein der Frauen, von Frauen, die allein schon deshalb gegen alle anderen gewinnen, weil sie - naja - eben Frauen sind, ist endlich dorthin gekickt worden, wohin es von Anfang an gehörte: Ins Reich der Fabeln und Legenden. Die einfache Wahrheit über Fußball lautet: Man kann auch mal verlieren, sogar wenn man eine deutsche Top-Fußböllerin ist.

 

Enorm, wie sich Werteverschiebungen heutzutage gebärden: Noch vor gar nicht langer Zeit war Fußball der Inbegriff männlicher Primitivität. Männerfußball galt stets als der Bodensatz des Machotums: Aggressiv, dumpfbackig, grölend, eine Massenhysterie, die nur schlecht die grundsätzlich männliche Tierhaftigkeit kaschiert. Bei der WM 2006, dem berühmten deutschen »Sommermärchen« wurde sogar im Vorfeld eindringlich davor gewarnt, dass mit dem millionenfachen Abfeiern männlichen Dominanzverhaltens natürlich auch die zweitliebste Nebenbeschäftigung der Fußballmachos vermehrt in unser Land gespült wird: 40.000 zusätzliche Sexdienstleisterinnen wurden zu dem Megaevent WM 2006 erwartet. Gekommen sind allerdings dann doch keine Wanderhuren, jedenfalls nicht in diesen hochgejazzten Mengen. Überhaupt: Bei den vielen Ehefrauen, Töchtern, Freundinnen oder Lebensabschnittsgefährtinnen, die mit den Männern damals mitgefiebert haben, wäre es aus rein organisatorischen Gründen für die männlichen Begleiter kaum möglich gewesen, sich mal eben in einer Halbzeit in eine der sog. »Verrichtungsboxen« zu verdrücken oder das nächstliegende Gebüsch aufzusuchen.

 

Mit der Absicht, den Fußball als Sinnbild männlicher Dominanz zu überrennen, haben sich die feministischen Einpeitscher (für die sich die Fragen nach dem Geschlecht sowieso nur als ein belangloses Konstrukt darstellen), mal wieder treffsicher selbst ins Knie geschossen. Das »Erobern männlicher Bastionen« geistert ja seit ewig und drei Tagen durch die spinnerten Köpfe der Geschlechterkriegerinnen. Dass sie ausgerechnet den Fußball dazu auserwählten, weibliche Überlegenheit vorzuführen, ist ein weiterer Gradmesser für einen derben Realitätsverlust. Nicht nur das: Wenn »männliche Bastionen« die Selbstfindung der Frauen in Sachen Lebensglück dominieren, bleibt für typisch »weibliche Bastionen« kein Raum mehr. So wird das, was Frauen respektabel macht, entwertet, weil das, was Frauen tun, lediglich daraufhin taxiert wird, wie sehr es dazu geeignet ist, angebliche männliche Dominanz zu bekämpfen. Das ist »Schwanzfixierung« der besonderen Art.

 

Man sollte allerdings nicht so naiv sein zu glauben, dass ein verlorenes Fußballturnier die femizentrierten Heilsverkünder wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Es ist nicht zu erwarten, dass die feministische Manöverkritik plötzlich ihre allgemeine geschlechterpolitische Haltung von »anti« auf »komplementär« umschaltet. Dazu haben sie sich viel zu sehr verrannt in den letzten Jahrzehnten. Ohne kompletten Gesichtsverlust werden sich die hetzenden Amazonen und ihre männlichen Stiefellecker nicht davonstehlen können und das wissen sie. Für jene, die sich schon länger mit Geschlechterangelegenheiten beschäftigen, ist das nichts Besonderes, denn je mehr man einen offensichtlichen, feministischen Schwachsinn in die Ecke zu drängen versucht, desto aggressiver und boshafter beißt er zurück.

 

Die traditionelle Vertuschungsmethode des weiblichen Fußballversagens wäre zunächst die, nach Verantwortlichen - möglichst männlich - außerhalb der Rasenflächen zu suchen, die eine solche nationale Schmach zu vertreten haben. Der liebe, devote, falsche DFB-Zwanziger taugt aber leider nicht dazu. Die tendenziösen PR-Fachleute des DFB kann man dummerweise auch nicht als Sündenböcke heranziehen, denn auch sie glänzten von der ersten Werbeminute an mit einseitiger Parteinahme für die Idee des feministischen Weltfußballs. Selbst die sonst oft so übereifrigen Sportkommentatoren beschränkten sich bei miserablen Fußballleistungen der kickenden Frauen auf watteweiche Formulierungen á la »hoffentlich hab ich nicht zu sehr kritisiert« - es war ein wahrhaft enteiertes Fußballmatch, zu hundert Prozent Kerner- und Beckmann-kompatibel.

 

Hm. Wer also trägt Schuld an diesem Verlust nationaler Frauenehre? Die Leistungen der Fußballfrauen können es nach feministischer Deutungshoheit nicht sein, denn selbst wenn eine Frau einmal aktiv an ihrem eigenen Versagen mitgewirkt haben sollte, so tat sie das immer-immer nur deshalb, weil irgendein doofes Mannsbild heimlich seine Finger im Spiel hatte. Vielleicht war Michael Ballack mit seiner unsäglichen Schmutzkampagne gegen Joghurt Löw schuld? Bestimmt hat dieser selbsterklärte »Leitwolf« die gesamte mediale Aufmerksamkeit unserer geliebten Fußballnation auf sich gezogen und von den Frauenfußböllerinnen und ihrer schönen Weltmeisterschaft abgelenkt! Pfui, Ballack!

 

Oder war's doch mal wieder die »strukturelle Benachteiligung«, gegen die Frauen seit Jahrtausenden ankämpfen müssen? Wer weiß schon, ob es überhaupt Fußballschuhe in Damengrößen gibt! Außerdem ist ein Fußballfeld viel zu eckig für Frauen! Wir sollten kleinere, eher ovale Spielfelder einführen und die Eckstöße mit den Strafstößen zusammenlegen. Sinnvoll wären auch variable (aufblasbare) Torgrößen, die die Frauschaft je nach Tagesverfassung mal so, mal anders dimensionieren kann. Denn mal ehrlich: Fußball und Fußballregeln sind schließlich von jahrtausende alten Männern erfunden worden und wie die über Frauen denken, weiß man ja.

 

Schließlich gibt es da noch die vielen Fußballfrauen dieser WM, die in ihren Heimatländern noch immer bzw. immer noch unterdrückt werden. Müssten sie nicht ein paar Bonuspunkte vorab erhalten und sind nicht die patriarchalischen, herzlosen Turnierregeln per se ein frauenpolitisches Desaster? Vorrunde, Viertel- oder Halbfinale - das ist was für die männliche Hackordnung, aber nicht für frauensportbegeisterte Fußböllerinnen. Ein Frauenturnier muss solange dauern, bis Deutschland gewinnt.

 

Zweifelhaft ist auch, ob eine einzige Gleichstellungsbeauftragte (Theolina Zwanziger) für ein solches Großereignis überhaupt ausreicht.

 

Eines würde mich noch interessieren: Wie hoch waren eigentlich die Einschaltquoten für die deutschen Fußballfrauen im Vergleich zu den Einschaltquoten bei der Live-Übertragung dieser Operettenhochzeit zwischen William und Kate? Könnte mir vorstellen, dass die Hochzeit interessanter war für die durchschnittliche TV-Guckerin.

 

Insofern: Alles wird gut.


Kategorie: Male, Female

<- Zurück zu: Beiträge

 

Nach oben

Keine News in dieser Ansicht.