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Und noch ein Quotenmärchen

29.06.2011

Von: Stadtmensch

Drei Webseiten lang will uns ein Focus-Artikel anfixen auf die gar paradiesischen Zustände, die eintreten, wenn Frauen per Quote in Führerpositionen kommen.

Liest man diese nervtötende Lobhudelei auf all das Schöne und Neue, das wir beim Eintritt von Frauen in Chefetagen erwarten können, fällt direkt die Klappe, das Aufmerksamkeitskontingent rast in den Keller und man wendet sich den wirklich wichtigen Themen dieser Tage zu: Dem Wetter zum Beispiel.

 

Es ist ja nicht so, dass der Artikel bei Focus keine »Argumente« aufzutischen versucht. Ausführlich berichtet der Text, wie gut es doch sei, wenn Frauen gleich ganze Karriereleitern überspringen und per Quote nach oben befördert werden. Vorgestellt wird z.B. eine Frau, die zuerst bei Microsoft beschäftigt war und dort eine Chefin - und damit sozusagen im Doppelpack - gleich weibliches Verständnis für ihre familiären Engpässe hatte. Inzwischen ist sie selber Chefin und kümmert sich als Beraterin um - tadaa - Frauenfragen in Firmen. Das soll dem geneigten Leser also als Produktivität in einem immer noch industriell geprägten Land mit hoher Exportabhängigkeit verkauft werden. Ein paar Zeilen weiter dann der Verweis auf eine gewisse Frau Schaeffler, die in dem Artikel mit dem Adjektiv »bekannt« bedacht wird - »berüchtigt« wäre hier das treffendere Wort, denn bei der versuchten Übernahme von Continental seinerzeit hatte besagte und »bekannte« Frau Schaeffler sich ganz ordentlich verhoben. Das hätte fast ein paar tausend Arbeitsplätze gekostet. Prompt fällt mir noch eine Frau Schickedanz ein, die ebenfalls mit ihrem Versandhaus Quelle mit Karacho abgeschmiert ist und zu geizig war, aus ihrem Milliardenvermögen, das sie mit Quelle erwirtschaftet hatte, wenigstens zum Teil einzuspringen, als vielleicht noch was zu retten gewesen wäre.

 

Letztendlich bleibt der Focus-Artikel einen Beweis für eine höhere Leistungsfähigkeit der Führungsetagen allein aufgrund des Umstandes, dass dort ein paar »Golden Skirts« mehr rumwuseln, schuldig. Nein, auch die berüchtigten McKinsey-Studien sagen nichts darüber aus, warum es nachweislich für Firmen besser ist, Frauen den Weg in die Powerpoint-Tempel zu vergolden. Denn McKinsey fabuliert dergleichen schon seit Jahren, ohne belastbare Beweise zu liefern. Und ich habe sie am eigenen Leib erlebt: In meiner alten Firma haben sie innerhalb kürzester Zeit 50.000,- Euro abgezogen und ein heilloses Chaos hinterlassen. Es ist leider längst nicht immer so, dass sich ein teures Honorar für diese Heuschrecken auch irgendwann für eine Firma amortisiert oder gar auszahlt (was ja der Sinn der Übung wäre). Ich sage es ganz offen: Von all den Coaches, Beratern und Dampfplauderern, die ich in Firmen erlebt habe, waren maximal fünf Prozent brauchbar und die sind meistens schnell vor die Tür gesetzt worden, weil sie zielgenau dort rumschnüffelten, wo der Fisch zu stinken anfängt.

 

Die Vorteile, die Frauen in Führungsetagen also bringen sollen, sind fabulös und aus reinem Selbstzweck bzw. aus Wunschdenken geboren. Der Artikel subsummiert wenig mehr als »es fühlt sich gut an, wenn Frauen mitmischen«. Man muss es für die simpel gestrickten Zeitgenossen wie Femibesessene und deren Pudel noch einmal betonen: In einer Leistungsgesellschaft wie der unseren geht es mitnichten darum, ob Frauen fähig sind, Firmen nach vorne zu bringen, volkswirtschaftlichen Wohlstand zu generieren und damit dringend benötigte, hochwertige Arbeitsplätze zu sichern (samt all der Folgefaktoren wie Sicherung der Sozialsysteme). Es geht nicht darum, ob Frauen das können, denn sie können es, wenn sie wollen. Es geht darum, dass die Quotenregelung ein Affront gegenüber jenen Mitarbeitern ist, die über lange Betriebszugehörigkeiten ebenfalls Anspruch auf betriebliches Weiterkommen haben. Es geht darum, dass immer und ewig von topbezahlten Positionen die Rede ist, die Quoten bei den Drecks- und Todesjobs aber weiterhin fest in Männerhand bleiben sollen. Ein 50:50-Verhältnis ist also überhaupt nicht gewünscht. Es geht darum, dass die Politik, personifiziert durch die unsägliche Zensursulalala, für nichts anderes mehr Augen und Ohren hat - die Themen Mindestlöhne und Lohndumping sind aber die weitaus kritischeren. Es geht darum, dass ein derart nerviges Drängeln und Drohen sich in nichts von dem unterscheidet, was sich dereinst Politbüros im ebenfalls abgeschmierten Ostblock an Planvorgaben anmaßten. Es geht darum, dass das nur am Rande angedeutete Problem der Alleinernährer-Kultur in unserem Land von der Mehrzahl der Frauen favorisiert wird.

 

Man stelle sich vor, man hätte eine lukrative Produktidee, gründete auf eigenes Risiko eine Firma, baute sie in 24/7-Manier auf und konsolidierte sie mit den Jahren - und plötzlich steht von der Leine auf der Türschwelle und schwadroniert was von führungspolitischen Zwangsmaßnahmen. No way.

 

Natürlich gibt es Einwände beim Thema »Frauen in der Wirtschaft« Probleme, über die man reden kann. Das leidige Thema Schwangerschaft ist so eins. Aber außer zwei Alibi-»Vätermonaten« kam da nichts von der Politik, was geeignet wäre, die Popfrequenz und damit die Anzahl zukünftiger Steuerzahler zu erhöhen. Gebracht hat das übrigens nichts: Der Existenzdruck für alleinverdienende Männer ist nach wie vor derselbe, das Steuerrecht fördert sogar noch immer diese Familienkonstellation und für durchschnittlich verdienende Menschen (also für die Mehrzahl) stellt eine Familiengründung ein unkalkulierbares Risiko im neoliberalen »Hire and Fire«-Land dar. Schon klar: Ich bin nicht so naiv zu glauben, dass irgendwer sich für den männlichen Anteil in dieser Problematik interessieren würden täte. Das liegt an der heutigen Definition des Begriffs »Familie«, bei der ein Vater eine ähnlich bedeutungslose Position einnimmt wie, sagen wir mal, die Frage, ob der Kinderwagen rosa oder hellblau sein soll. War es Ex-Ministerin Brigitte Zynisch, die sagte, Familie sei dort vorhanden, wo Kinder und ein Kühlschrank sind? Ich weiß es nicht mehr.

 

Wäre da noch das Gerücht von einer stressfreieren Arbeitswelt, weil Frauen so ganz, ganz anders sein sollen, wenn man sie denn man endlich, endlich ließe. Okay, gegen ein Fantasieren nach dem Lustprinzip wäre im Grunde nichts zu sagen. Vorstellen kann man sich so einiges. Schon unsere inzwischen leider versteinerten, prähistorischen Vorfahren fanden öfter Gefallen daran, die Nahrungssuche auf das Nötigste zu beschränken und ansonsten Luft und Landschaft zu genießen oder Kultur zu betreiben. Könnte also durchaus reizvoll sein. Und indertat: Es wäre ein Paradigmenwechsel, wenn Frauen durch ihren Einfluss in entscheidenden Positionen dafür sorgten, solch ein Lotterleben langfristig zu ermöglichen - man wird ja wohl noch träumen dürfen. Wären da nicht z.B. die bösen, kapitalistischen Chinesen-Kommies, die uns immer wieder vom Lotterleben weg und in die fleißige, deutsche Gründlichkeit zwingen. So ein schicksalhaftes Pech aber auch, dass wir nicht irgendein Bauernstaat in irgendeiner Pampa sind. Und wenn die Frauen trotz allem weiterhin Mini Cooper fahren und Schmiertelefone benutzen wollen, ist das mit der »Entschleunigung des Arbeitslebens« so eine Sache. Das wird nix.

 

Es ist die hirnlose Simplizität, die mich angewidert zurücklässt bei diesem Thema (und nicht nur hier). Der Staat suggeriert mit seinem banalen Aktionismus, er täte was für die Frauen. Er mischt sich in private Abmachungen, weil er vom komplexen Mann-Frau-Verhältnis und all seinen Nebenaspekten eine Auffassung propagiert, wie sie billigste Hollywood-Schmonzetten nicht treffender widergeben könnten - inklusive dem Versprechen auf ein wohliges Arbeitsleben-Happy-End. Insofern könnte man gleich dabei bleiben, dass Blitze den Zorn der Götter darstellen oder dass die Welt in eine 45-Minuten-Sitcom passt. Das hat ein ähnliches Niveau. Gelebte Lobotomie sozusagen.


Kategorie: Politik, Gesellschaft, Male, Female

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