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Duke, nuke 'em!

04.05.2011

Von: Stadtmensch

Spiegel Online ist offenbar ein Nest voll mit moralinsauren Nörglern: Überall, wo in bestimmten Medien wie im Film oder in Computergames so etwas wie Busen zu sehen ist, bricht dieselbe bigotte Hysterie aus: Sexismus!

Manchmal findet man kaum Worte für das, was bestimmte Leute als politisch korrekte Meinung und als Zeitgeist hochhalten bzw. dafür, wie sie ihre kleingeistige Welt des Saubermanns mit dem Elan eines Treppenterriers verteidigen. Vor einiger Zeit spuckte ein Spiegel-Autor Gift und Galle gegen den Zach-Snyder-Film »Sucker Punch«, in dem eine Horde leicht bekleideter Girls den Bösewichten des Streifens mittels bombastischer Bombardements und vollkommen überdrehter Stunts den Garaus macht. Ebenso erging es der Kultfigur »Duke Nukem« in der jüngsten Spiegel-Kritik. Dieses Computerspiel ist unter Gamern schon lange Kult und seine markanteste Eigenschaft sind derbe Sprüche, wilde Ballereien und eben - eine gute Portion Polygon-Busen.

Man kann natürlich auf dem Standpunkt stehen, dass eine solche Kritik letztendlich eher das Gegenteil von dem erreicht, was sie eigentlich beabsichtigt hatte. Gerade weil diese schwielenlosen Dumpfbacken sich so unerhört empören, sobald sich auch nur ein Hauch von Macho-Gehabe in ihren Nerd-Brillen spiegelt, pushen sie das von ihnen so verhasste Objekt und sie erzeugen umso mehr Werbung dafür. Aber das ist kein wirklicher Trost, denn es ist vollkommen klar, dass diese Schreiber es tatsächlich ernstmeinen, wenn sie mit ihren politisch korrekten Schnüffelnasen jede Sequenz eines kommerziellen Blockbusters abtasten - in der Hoffnung, genügend Empörungsmasse für ihr Zeilengeld aufzuspüren.

 

Some people's hot,  some people's cold.
Some people's not very swift to behold.
Some people do it, some see right through it.
Some wear pyjamas, if only they knew it.

The po-jama people are boring me to pieces.
They make me feel like I am wasting my time.
They all got flannel up 'n down 'em.
A little trap-door back aroun' 'em.
An' some cozy little footies on their mind.

 

So setzte der geschätzte Frank Zappa dieser Gattung der Bessermenschen schon Mitte der 1970er ein musikalisches Denkmal. Das Phänomen der Berufsaufreger und der moralisierenden Langeweiler ist also mitnichten neu und man assoziiert mit ihnen unweigerlich die Welt der Ärmelschoner in rauchfreien Büros mit obligatorischem Gummibaum. So weit, so öde.

Insbesondere der Vorwurf des »Sexismus« in den Medien gehört inzwischen zum unverzichtbaren Handwerkszeug dieser Claqueure, so wie die Maurerkelle zum Maurer oder eben die Pumpgun zu Duke Nukem. Angesichts der fortschreitenden Verblödung in den meisten Redaktionsstuben, einer gleichgeschalteten Zeitgeist-Epidemie und der im Chor vorgetragenen Worthülsen hat das, was sie so in ihre Tastaturen erbrechen, nicht einen Funken Informationswert, sondern lebt einzig und allein von der Entrüstung über alles, was sie moralisch verwerflich finden.

Sobald es die armen, armen Frauen betrifft, reagieren sie mit besonderem Eifer. Sie unterstellen den Konsumenten dieser »sexistischen« und »gewalttätigen« Trivialkunst, selbst zu sexistischen Gewalttätern zu werden. Guter Journalismus wäre jedoch gewesen, sich einmal über die tatsächlichen Sachzusammenhänge schlau zu machen, nämlich ob Gewaltspiele immer und zwangsläufig (wie bei den Pawlowschen Hunden) zu realer Gewalt führen oder ob Pornofilme durchschnittliche Menschen automatisch zu potenziellen Vergewaltigern umknipsen. Gute Journalisten hätten so erfahren, dass es keinen kausalen Zusammenhang gibt, der dies belegen kann. Die einzigen, die also monokausal denken und schreiben und sich letztlich berechenbar wie die berühmten Pawlowschen Tölen verhalten, sind vielmehr genau diese Schreiberlinge, die sich selber allerdings stets Edelmut und Kulturfähigkeit als Alleinstellungsmerkmal attestieren. Die einzigen, die vom Objekt der Betrachtungen und der Kritik folglich nicht abstrahieren können, sind sie selber.

Immerhin ist es tröstlich, dass die Leserschaft, soweit sie in den SpOn-Foren über diese Artikel diskutieren, solche Artikel meist in der Luft zerreißt. Und dann tun die Schreiberlinge mir fast schon wieder leid. Denn es muss ein triestes Leben sein, wenn das, worüber man sich so politisch korrekt empört hat, von einer unverbesserlichen Macho-Gemeinde in Echtzeit pulverisiert wird. Wo finden diese Schnarchnasen also noch Trost, wo können sie ein solches berufliches Debakel noch angemessen kompensieren - am Busen von Lara Croft? Oder in einem Schlafzimmer der »Sims«? Möglich auch, dass sie versuchen, sich mit Bionade zu besaufen; man weiß es nicht.

Besonders bizarr wirkt das, wenn andererseits mit blumigen Worten so ein Protest wie der der Organisation »Femen« (Ukraine) als moralischer Höhepunkt der modernen Kultur erklärt wird. Auch hier hüpfen barbusige Weiber vor Kameras herum, aber das ist natürlich moralisch einwandfrei, weil sie sich ja gegen Prostitution aussprechen. Wieso sie dabei unbedingt nackt sein müssen, versteht kein normaler Mensch. Ich möchte nicht wissen, durch wieviele Fotostrecken von deren Aktiönchen sich die journalistischen Saubermänner heimlich schon durchgeklickt haben - natürlich nur zu Recherchezwecken.

Dummheit tut weh - und zwar vor allem denen, die so einen Schrott lesen oder redigieren müssen. Darauf einen Cumshot!

 

 


Kategorie: Kultur

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