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Julia und der Che-Guevara-Gedächtnis-Parka

25.10.2011

Von: Stadtmensch

Die Telepolis muss ein Ableger von Pro7 sein: They love to entertain us! Wie im vorigen Beitrag bereits besprochen, verteidigt das Onlineportal mit dem Verve einer nie endenden Seifenoper das Menschheitsziel »Feminismus«.

Poster-Boy Che Guevara (© Sebastian Baryli, pixelio.de)

Als wären die bisherigen feministischen Heilsverkündungen bei Telepolis nicht schon peinlich genug: Nun versucht man, dieses grundgute, emanzipatorische Beglückungsprogramm mit verjüngten Schreiberlingen an den internetaffinen Nerd zu bringen, nämlich durch das Artikelchen einer neunmalklugen Politogin, die auch noch Ohneglied bei der Penatenpartei ist. So gesehen, befindet sich Telepolis momentan in einer feministischen Dauerschleife, in einer feministischen Dauerschleife, in einer feministischen Dauerschleife, in...

»Feminism is not dead - it just smells funny«, könnte man als Abwandlung eines bekannten Zappa-Zitats sagen.

Die Rede ist von einer gewissen Julia Schramm, die sich darüber beklagt, dass so wenige Menschen sich Gedanken um den Feminismus machen wollen. So richtig verstehe ich das auch nicht. Egal, wie drastisch man uns das Thema Feminismus erklären will, es liegt wie Blei in den Regalen derjenigen, die für jeden Furz auf dieser Welt eine Theorie aus dem Hut zaubern möchten. Dabei könnte die Welt so schön und so schön einfach sein: Männer, die lang und breit über Gefühle reden, Frauen, die Weltkonzerne in einer Garage aufbauen (sofern sie die Einfahrt nicht zugeparkt haben), astronomische Gewinne unserer geliebten Wirtschafts- und Finanzwelt (weil Männer ja nur Geld verbrennen) - wenn, ja wenn nur endlich mal Ernst gemacht würde mit dem Feminismus. Wenn man endlich mal die überlegenen weiblichen Fähigkeiten zum Zuge kommen ließe. Wenn nicht immer die Busen der Frauen die Augen der Männer anstarren würden. Wenn man die Frauen endlich mal ausreden lassen würde, statt ihnen dauernd ins Wort zu fallen. Selten, dass man eine Frau überhaupt mal reden hört!

Zum Glück haben wir Frau Schramm und ihre umfassenden Erkenntnisse über die wahren Bedürfnisse der Geschlechter. Eigentlich ist ja nichts dagegen zu sagen, wenn sich ein junger Mensch so seine Gedanken über die Welt macht. So kommt sie u.a. zu dem Schluss, dass alle Frauen »leiden, weil sie ihre eigene Identität nicht wählen können«. Aha. Das hat Buddha ja auch schon gesagt, irgendwie: Der Mensch an und für sich leidet.

Ich fühle mich übrigens auch oft ein Stück weit ausgeliefert an das Leben. Manchmal leide ich ganz erheblich darunter, dass ich meine Identität nicht wählen kann. Auch ich wäre manchmal lieber frei und mit schönen Gedanken beschäftigt. Leider hat das Finanzamt eine andere Meinung dazu. Das Leben ist ja so gemein, gell Julia. Da lebt man so vor sich hin und muss dauernd mit dem Leben zurechtkommen - und das mitten im Patriarchat! Das wäre im Feminismus, also im wahren Feminismus, natürlich ganz anders. So wie das im wahren Sozialismus auch war.

Fräulein Schramm ist immerhin so schlau, dass sie merkt: Emanzen und Feministinnen nebst ihren männlichen Speichelleckern sind zwar gute Fantasten, aber schlechte Verkäufer ihrer fantastischen Idee von der Emanzipation. Weshalb - und das ist nun wirklich spektakulär - der Feminismus zukünftig nicht mehr Feminismus, sondern »Equalismus« heißen soll. Inhaltlich ist das zwar derselbe Käse, wie ihn unsere egomanischen Großmütter schon vor vierzig Jahren angepriesen haben, aber vielleicht merkt es ja niemand, denkt sich die Schramm. Deshalb hat sie dann auch gleich eine Promotiontour für Equalismus im Rahmen der »Open Mind 2011 in Kassel« bei der Penatenpartei gestartet. Leider zündete der Funke dann doch nicht so recht:

 

Die Erwartungen meinerseits waren grundsätzlich gering, wusste ich doch, dass der Wissenstand der Anwesenden fundamental auseinanderklaffen würde, die akademische Feministin neben dem bei Feminismus hoch emotionalen Supernerd; der gestandene Feminist neben der uninformierten Technikfrau. Und ganz genau so zeichnete sich auch die Ausgangslage in dem völlig überfüllten Raum. Und die Diskussion, eine Premiere in der Piratenpartei, spielte sich entsprechend auf diesem Niveau ab.

 

Jaja, ich weiß: Wir haben alle nicht den Horizont von Fräulein Schramm. Uns analogen Menschen fehlt das »richtige Bewusstsein« für soviel potentielle Freiheit, wir hören dem Feminismus - pardon Equalismus - nicht zu und wir leiden an »psychologischen Abgründen«, sind also irgendwie ein bisschen ballaballa; einfach nicht reif für die glückselige, gendergerechte Pirateninsel. Wobei, so mal aus dem Nähkästchen geplaudert: Meine frühe Jugend verlebte ich in linkslastigen Kommunen und am digitalen Internet war ich ebenso früh beteiligt; da gab es die allwissende Frau Schramm noch gar nicht. Was wollte mir Frau Schramm noch gleich erzählen von den unwissend-analogen potentiellen Penaten-Wählern?

Haben wir das langweilige Genöle, diese feministische Nabelschau, nicht in den letzten Jahrzehnten zigfach durchgekaut und rauf- und runterdiskutiert? Jo, ham wir - und wir haben es als einzige Nerverei abgehakt, als unbrauchbares Produkt aus irgendwelchen weltfremden Elfenbeintürmen. Wenn die Feministinnen und ihre männlichen Pudel wenigstens ihr gedankliches Machwerk Feminismus/Equalismus mal selber beim Wort nähmen! Mögen sie glücklich werden mit diesem an Psychokrampf grenzenden Gefasel - ich gönne es ihnen, so lange sie mir damit nicht auf den Sack gehen. Ob sie es nun endlich mit ihrem »Equalismus« ins reale Leben schaffen, mag vielleicht irgendwelche besonders kopflastigen Zeitgenossen interessieren, aber daraus den Anspruch auf einen evolutionären Quantensprung zu erheben, ist einfach megapeinlich.

Ebenfalls in die Kategorie Realsatire gehört übrigens der Blog von Frau Schramm. Dort erfahren wir solche weltbewegenden Dinge wie, dass sie sich für »fickbar« hält und doch von so einem süßen, mit einem Che-Guevara-Gedächtnis-Look uniformierten Knilch einen Korb bekam. Klingt nach »Das Goldene Blah« aus linksalternativen Kreisen. Aber schön, dass wir das mal erfahren durften.

 


Kategorie: Politik, Gesellschaft, Male, Female

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