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Frauen in Führerpositionen turmhoch überlegen

24.02.2012

Von: Stadtmensch

Es entbehrt nicht einer gewissen Süffisanz: Da kippt eine rotgrüne NRW-Regierung (mit angeflanschtem »Emanzipationsministerium«) zunächst die Unterstützung des Kölner Medienturms mit seiner unschätzbar wichtigen, feministischen Altpapiersammlung und prompt springt die Bundesfrauenministerin der CDU Kristina Schröder mit Steuermitteln ein. So einfach kann man also Feministinnen kaufen. Faszinierend.

Dass ausgerechnet die überaus frauenbetonte NRW-Regierung die Unterstützung des Lebenswerks der Alice Schwarzer, nämlich eine sicherlich extrem wertvolle »Sichtbarmachung von Frauen« im Kölner Bayenturm, nicht mehr bezuschussen wollte, kann ja wohl nur ein Karnevalsscherz sein. Traditionell sind Düsseldorf (wo die NRW-Regierung, äh regiert) und Köln (wo Deutschlands einzige Frau in einer Führerposition wohnt) einander nie besonders wohl gesonnen gewesen. Deshalb war die Ankündigung, die öffentlichen Mittel für den Erhalt des feministischen Archivs im Schwarzer-Turm zu streichen, bestimmt wieder nur das bekannte Gefrotzel zwischen Düsseldorf und Köln. Die einen rufen »Helau«, die anderen »Alaaf«, die einen trinken »altes Bier«, die anderen »Bier aus Reagenzgläsern« - Düsseldorf und Köln sind halt wie zwei echte Geschwister und natürlich wäre am Ende ein typisch rheinländischer Kompromiss herausgekommen.

Ohne allerdings das übliche Klüngel-Procedere um die weitere Unterstützung der Öffentlichkeit abzuwarten, hat nun die Bundesfrauenministerin Kristina Schröder in diesem landespolitischen Drama plötzlich die Bühne betreten und gibt die weiße Ritterin. Und ohne überhaupt ihren bereiften Finanzminister zu fragen, schiebt sie mal eben ein nettes Sümmchen aus Bundesmitteln zu Alice Schwarzer rüber, damit solche historischen Werke wie »Der kleine große Unterschied, Band 1-37 von Dr. fem. Schwarzer« nicht in völlige Vergessenheit geraten. Immerhin reden wir hier sozusagen von der Gutenberg-Bibel des Feminismus in Deutschland. Das nenne ich mal eine noble Geste!

Noch vor gar nicht langer Zeit klang das Verhältnis Schröder vs. Schwarzer allerdings ganz anders. Schröder hatte sich erdreistet, den Feminismus als eine Art sinnfreie und fehlgeleitete Politfolklore abzutun - womit sie damals nicht weit weg von meiner bescheidenen Meinung war. Natürlich gab es zuverlässig Stürme der Entrüstung gegen diesen ministerialen Affront. Insofern hat der Schrödersche Schachzug, Alice Schwarzer einfach schwuppdiwupp zu kaufen, etwas Geniales und die Angelegenheit lehrt uns gleich mehrere interessante Dinge: Alice Schwarzer und ihre AdeptInnen werden nie wieder ein böses Wort über die gönnerhafte Schwester aus dem Frauenministerium sagen. Zweitens hat Kristina Schröder einer linken Landesregierung, die traditionell mehr dem feministischen Lager zugetan ist als die CDU, mal eben den Finger gezeigt - für die einzige deutsche Landesregierung, die sich mit einem »Emanzipationsministerium« schmückt, eine Blamage. Drittens waren es offensichtlich immer solche bösen NRW-Patriarchen wie Clement und Rüttgers, mit denen die Schwarzer in der Vergangenheit nie Probleme bzgl. einer öffentlichen Förderung ihres unsagbar wertvollen Frauenarchivs hatte - soviel zu »gläsernen Decken«, »männlichen Seilschaften« u.ä. Blödsinn. Und viertens ist die Frequenz, in der in diesem Fall die politischen Lagerzuordnungen schwanken, erstaunlich. Wer sind denn jetzt die Guten? Achja, nicht zu vergessen - und damit fünftens - ist die durchaus unterhaltsame Art und Weise, wie Frauen in Führerpositionen generell miteinander umgehen: »von Natur aus friedlicher« kann man jezz nicht dazu sagen. Vielleicht gab es aber auch ganz banale Gründe. Bestimmt hatte die Hannelore Kraft aus NRW bei einem Presseball mal dasselbe Kleid wie Bundesministerin Kristina Schröder an. Damit ließe sich eigentlich alles erklären (sogar alles in der Welt).

Normalerweise ist ein Zickenkrieg eine Feindschaft auf Lebenszeit. Die Schröder wird mit Sicherheit nicht vergessen haben, dass sie mal einen medialen Catfight mit dieser Schwarzer hatte. Man darf gespannt sein, wie sich die plötzliche schwesterliche Beihilfe der Kristina Schröder auf Dauer auf das Verhältnis Schröder vs. Schwarzer auswirkt. Vielleicht ist Schröder ja so schlau, sich mit dieser demonstrativen Hilfe auch mal das eine oder andere Schweigen der Schwarzer beim Thema Frauenpolitik zu erkaufen. Es wäre jedenfalls ein Segen für das Land, für die Frauen allemal. Naja um ehrlich zu sein: Soviel Raffinesse hat Schröder dann doch nicht. Eher ist es so, dass sie zufällig was richtig gemacht hat. Aber ich denke halt immer »Wenn man die Kölner Dicke schon nicht los wird, könnte man sie doch auch dafür bezahlen, dass sie die Klappe hält. Von mir aus soll sie mit ihren feministischen Zofen in ihrem feuchten Turm magische Studien treiben, bis der Prinz de Beukelaar kommt. Da sind sie unter sich und können keinen großen Unfug anstellen. Hauptsache, man hört nichts von ihnen«. Zugegeben: Eine Maurerkolonne, die auf die Versiegelung mittelalterlicher Denkmäler spezialisiert ist, wäre natürlich noch billiger gewesen. Also, wenn ich Frauenminister wäre, täte ich nochmal drüber nachdenken.


Kategorie: Male, Female

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