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Wenn der Hinrich mit dem Heinrich...

05.02.2012

Von: Stadtmensch

Hinrich Rosenbrock hat ein Büchlein für die Heinrich-Böll-Stiftung gegen sog. »Antifeministen« geschrieben. Dabei schnüffelt er auf Homepages, die sich mit antifeministischen Themen beschäftigen, jedem noch so kleinen Scheißhaufen nach, dem er sein Lieblingsattribut »rechtslastig« anpappen kann - und macht damit sein Pamphlet zur unfreiwilligen Komik.

Seinerseits schlampig in der Auswahl seiner tendenziösen Beurteilungskriterien, kritisiert Rosenbrock pauschal alle Kollegen, die sich vom feministischen Zeitgeist schwer abgenervt fühlen, als potentielle Nazis. Jedenfalls haben sie im Weltbild dieses Hohepriesters der glücksbringenden feministischen Religion allesamt einen deutlichen rechtspolitischen Drall. Diese Methodik, die von Wissenschaftlichkeit Lichtjahre entfernt ist, hat eine lange Tradition in der bundesrepublikanischen Diskussionskultur: »Wenn ich nicht mehr weiter weiß, komm ich mit dem Nazi-Scheiß.« Es ist ein bekanntes Mittel, der aus einem historischen und kollektiven Schuldkomplex heraus all diejenigen mit Rufmord überziehen will, deren Meinung sich dem eigenen totalitären Gesinnungsterror nicht unterordnen will. »Rechts« und »antifeministisch« sind bei ihm ein und dasselbe. Kritische Meinungen, die seinen eigenen Prämissen zuwiderlaufen, werden reflexhaft und berechenbar sogar als »verfassungsfeindlich« dämonisiert. Ich würde sagen, da hat einer die Hosen voll.

Rosenbrocks Schrieb ist allerhöchstens als Psychogramm eines zutiefst ideologisierten, verunsicherten Individuums interessant. Denn außer der Tatsache, dass er einen antifeministischen Popanz aufzubauen versucht, haben seine kläglichen Diffamierungsversuche keine weitere erkenntnistheoretische Relevanz. Er gehört zu einer sich in Agonie befindlichen Gesellschaftsströmung, die schlichtweg ihre Einkommensquellen in Gefahr sieht. Er ahnt, dass das von der Politik unhinterfragte Weltbild von der ewigen Benachteiligung der Frauen und deren Weigerung, Eigenverantwortung für ihr persönliches Lebensglück zu übernehmen, die mannigfaltigen, institutionalisierten, staatlichen Hilfskonstrukte (in Form von milliardenschweren Förderprogrammen für Frauen) auf eine existenzielle Weise bedroht. Womit auch seine berufliche Legitimation ins Wanken gerät, natürlich. Vereinfacht könnte man sagen: Leute wie Rosenbrock reiten auf einem toten Pferd und sie merken langsam, dass da was unter ihnen zu müffeln anfängt. An seiner Stelle würde ich auch nervös werden.

Rosenbrock wundert sich z.B., dass all die schönen Zwischentöne, die der Feminismus angeblich zu bieten hat, von den bösen Maskulisten einfach nicht wahrgenommen werden. So ein Pech aber auch. Da hat der Feminismus einen ganzen Blumenstrauß an Theorien, die sich im Wochenrhythmus (je nach aktueller Rechtfertigungslage) ändern, aber kaum ein Mann, der diese Bezeichnung noch verdient, will sich damit auseinandersetzen. Nicht einmal das männlich-emanzipierte Kaffeekränzchen im Ministerium für alle außer Männer (das sog. »Männerforum« im Frauenministerium), das als Alibiveranstaltung zum Abnicken frauenzentrierter Dogmen dient, kann die bundesdeutschen Mannsbilder euphorisieren. Stattdessen verlinken die bösen Maskulisten dauernd auf eine Presse, die nach Meinung Rosenbrocks der »Neuen Rechten« zuzuordnen ist. Das allerdings offenbart höchstens, dass Rosenbrock beim Seminar »demokratische Diskussionsvielfalt« wohl eingeschlafen ist. Sonst hätte er vielleicht mitbekommen, dass das Wesen einer Demokratie nicht die Dominanz einer Staatsdoktrin und die willfährige Unterordnung unter vorgegebene Denkmuster bedeutet, sondern eben Pluralität, Widerstreit und Lebendigkeit im Diskurs. Gerade die unerträgliche Dominanz eines bürokratischen Monsters wie Gender Mainstreaming, das eben nicht durch eine parlamentarische Diskussion seinen Einzug in die Amtsstuben (rsp. die behördlichen Erlässe) gehalten hat, bedingt zwangsläufig reaktive Tendenzen - weil die Auseinandersetzung über seine Sinnhaftigkeit niemals vorgesehen war. Es ist dieser zutiefst undemokratische und dogmatisch motivierte Mechanismus, der seine eigenen Gegner überhaupt erst in einem relevanten Umfang produziert. Da er sich schon im Ansatz weigert, sich einer kritischen Diskussion zu stellen, da er Prämissen voraussetzt, die nicht hinterfragbar sind, ist er zugleich die Quelle seiner eigenen Destruktion. Nun gut, ich erwarte nicht, dass jemand wie Rosenbrock (aber auch seine willfährigen Gesinnungsgenossen) solche Bandwurmsätze bzw. die komplexen Wechselwirkungen, die sie beschreiben, überhaupt in sein Soziologenkauderwelsch einordnen kann.

Natürlich ist es ärgerlich, wenn derart krude und primitive Pauschalisierungen ihren Weg in die Öffentlichkeit finden. Natürlich könnte man sich lang und breit aufregen über dummdreiste Vorwürfe, die an jeder verfassungsrechtlichen Überprüfung scheitern. Der Vorwurf der »Verfassungsfeindlichkeit« z.B. dient hier lediglich der »Shock and Awe«-Methode, der sich Gesinnungsterroristen wie er nur allzu gerne bedienen. Sie meinen, damit ein probates Mittel in der Hand zu haben, mit dem sie unliebsame Zeitgenossen und aufkommende Bürgerbewegungen diskreditieren können.

Er hätte nicht so schlampig recherchieren sollen. Wie ich zufällig gestern in einem Telefongespräch mit einer »gefährlichen, verfassungsfeindlichen« Antifeminstin (hihi) feststellen konnte, hat sich Rosenbrock mit seiner Schnüffelpraxis nach vermeintlich rechtslastigen Links auf bestimmten Homepages ausgerechnet die dämlichsten Ziele ausgesucht. Wenn er wirklich etwas über antifeministische Tendenzen hätte wissen wollen, wäre das Studium der Diskussionsforen bei Spiegel-Online, der TAZ, bei Telepolis und vielen anderen Seiten - also beim diskussionsbereiten Fußvolk - um Längen erkenntnisreicher gewesen. Das hätte ihm vielleicht zu Bewusstsein gebracht, dass er dabei ist, einen bundesdeutschen Paradigmenwechsel in der Geschlechterpolitik zu verschlafen. Mal sehen, ob er mit seiner selbstgewählten, »wissenschaftlichen« Isolation bei diesem Thema, mit seinem Glashausdenken und mit den angestaubten feministischen Institutionen im Rücken seine berufliche Laufbahn überhaupt bis zur Rente durchbringen kann. Denn wir haben ja auch noch ein paar andere schwergewichtige Probleme wie z.B. die Finanzkrise am Bein. Kaum vorstellbar, dass schwindende finanzielle Wohltaten nicht auch irgendwann frischen Wind in die gemütlichen feministischen Selbstbeweihräucherungsstuben bringen werden.

In diesem Sinne: Lotta Continua!


Kategorie: Male, Female

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