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Lesestoff

17.01.2012

Von: Stadtmensch

Für diejenigen, die ihr iPad auch zum Klo mitnehmen und die gleichzeitig an akuter Verstopfung leiden, gibt es heute mal ein paar Leseempfehlungen der längeren Art. So kann man auch diese prinzipbedingt unproduktive Lebenszeit mit sinnvollen und lehrreichen Tätigkeiten füllen. Und mit leerreichen.

Dummschnack der Woche ist ein ellenlanges Geschwafel einer bis über beide Ohren von feministischer Verkopfung befallenen Autorin, die uns das Sexleben der Linken erklärt (alsob das jemanden interessieren würde). Jedenfalls serviert sie uns einen vollkommen unlesbaren Textbrei, der sich mit solchen schrecklichen Krankheiten wie Heteronormativität oder mit dem Fluch des »in-den-Mantel-Helfens« auseinandersetzt. Aufgepasst, Leute: In-den-Mantel-helfen ist megaout! Das, was ihr immer für Höflichkeit gehalten habt, ist in Wahrheit ein perfides, unterdrückerisches Dingens, mit dem geschlechtliche Rollen (Pfui-Bah!) festgezurrt werden. Lasst bloß die Finger davon, denn jede moderne Frau erkennt das sofort als Vorstufe zur Versklavung. So ähnlich hat mir das jedenfalls meine bessere Hälfte berichtet, die sich dieses Traktat tatsächlich durchgelesen hat. Ich hatte - als von der Evolution benachteiligter Mann - leider nicht genug Grips, um irgendeinen Sinn in diesem Genderkauderwelsch zu entdecken. Nach dem ersten Absatz fiel mir lediglich auf, dass ich solchen Käse schon vor gefühlten 150 Jahren von irgendwelchen verkopften Trienen vorgesetzt bekam. Dabei wollte ich doch nur ficken. Erwartungsgemäß hat sich meine evolutionäre Disposition seither nicht mehr viel verändert. Mit anderen Worten: Als Mann bin ich zu doof, um zu kapieren, was die Autorin eigentlich sagen will. Andererseits sagt auch meine Perle, dass sie nicht viel Niveauvolles entdecken konnte; immerhin ein kleiner Trost. Ich überlege grad: Hoffentlich kriege ich bald mal Altzheimer, damit ich diesen Schwachsinn schnell vergessen kann. Vor allem muss ich mich nicht mehr darüber ärgern, dass an unseren ehrwürdigen Unitäten so ein Quatsch auch noch als »wissenschaftlich« von meinen Steuern finanziert wird.

Hier nun ein (natürlich) völlig aus dem komplexen Zusammenhang gerissenes, aber durchaus typisches Zitat dieser sinnfreien Phrasendrescherei:

 

Dass guter Sex "Verschmelzung" bedeutet, wage ich zu bezweifeln. Das setzte wiederum voraus, darüber zu diskutieren, welcher Gebrauch welcher Körper wann und wie stattfindet; es kommt aber immer darauf an, wie und wo sich wer zum Objekt - ja bloß von wem! - macht! Lächerlich ist jedenfalls die Aktiv-Passiv-Dichotomie entlang des Dualismus Mann-Frau im Bereich des Heten-Sexes, die ein Herr namens Sigmund Freud im letzten Jahrhundert konstatierte. Weil dieser die Sexualitäten von Frauen eben nicht verstehen konnte, musste er die sogenannte "Weiblichkeit" zum Rätsel erklären - schlimm, wenn man beim Anblick einer Vagina kapitulieren muss, weil man in seinem Narzißmus dort ein männliches Genital erwartete und die Klitoris mit dem Penis analogisiert! Der Mythos vom vaginalen Orgasmus, der zu diesem Zeitpunkt noch als Bestandteil einer "reifen", d.h. eben nicht-perversen oder gar invertierten Sexualität verstanden wurde, ist heute glücklicherweise ebenso dekonstruiert wie die spätere Annahme, dass es eine authentische lesbische Sexualität gäbe!

 

Alles klar? Ich auch nicht.

Hätte diese merkwürdige Person, die ihre Wollust komischerweise in Buchstabensümpfen statt zwischen ihren Beinen verortet, wenigstens mal weitergeklickt im Internet, bevor sie ihren weltfremden Stuss in die Tasten hämmerte. Dann hätte sie einen durchaus interessanten Artikel bei »Eines Tages« (Spiegel-Online) entdecken können, der sich mit der Geschichte des Vibrators befasst. Vor allem fand ich in diesem historischen Abriss einen Gedanken sympathisch bis plausibel; nämlich die Tatsache, dass solche Apparaturen früher (als alles noch besser war) gegen weibliche Hysterie eingesetzt wurden. Wenn man unter diesem Blickwinkel wiederum über den weiter oben genannten Artikel nachdenkt, könnte man den medizinischen Ansatz mit vibrierenden Maschinchen durchaus wieder empfehlen. (So ähnlich drücken es übrigens auch die - mal wieder - zahlreichen Kommentare aus.) Auch witzig: Es gab früher Arztpraxen, in denen sich gleich mehrere Damen kollektiv von Hysterie heilen ließen. Das muss man sich bildlich vorstellen - vor allem die ungewöhnliche Geräuschkulisse dabei. Ich mag solche hysterischen Sounds! Besser als Dolby Surround®! Merkwürdig nur, dass so wenige Frauen damals offenbar zur Selbsttherapie griffen. Aber auch heutzutage ist das Körperempfinden speziell bei den westlichen Frauen erfahrungsgemäß durchaus ausbaufähig. Ich meine, eigentlich müsste doch jeder Mensch irgendwann mal spüren, dass es an bestimmten Körperstellen so eigenartig kribbelt, so ganz anders als sonstwo. Das nicht wahrzunehmen bzw. zu ignorieren, ist für sich genommen schon ein Paradoxon. Lieber liest sich die holde Weiberschaft durch unzählige Ratgeber, schwülstige Groschenromane oder glotzt paralysiert bedeutungsschwangere Filme, als an sich selber rumzufummeln. Dabei macht das nicht einmal dick (naja, meistens jedenfalls).

Ganz nebenbei fällt mir ein, dass es sehr oft die schmuddeligen Erfindungen waren, die z.B. technische Entwicklungen wie die Fotografie oder die Entwicklung des Films vorangetrieben haben. Aber das ist eine andere Baustelle.

Da wir heute schon soviel von den bösen, verklemmten Linken geschwafelt haben, hier noch ein Hinweis auf einen ebenfalls längeren Artikel bei »Le Bohémien«. In diesem wird umfangreich beschrieben, warum feministische Beglückungsvorschriften in Staat und Gesellschaft kein linkes, sondern ein rechtes politisches Phänomen darstellen. Auch wenn eine derartige Schubladisierung bzw. ein solcher neurotischer Einordnungszwang wenig Erkenntnisgewinn (außer »Ich war das nicht und schuld sind immer die anderen«) produziert, so mag dieser zaghafte Versuch einer Deutung zumindest signalisieren, dass auch einigen Linken so langsam die übliche Verschlimmbesserung des Geschlechterverhältnisses durch die Politik auf den Sack geht - bildlich und real. Und das auf einer wesentlich anspruchsvolleren Ebene als das ewige Gequake von den »verunsicherten Männern«, nur weil die meisten von ihnen mit dem Blödsinn, den feministische Labertaschen produzieren, nichts anfangen können. Gut gemacht, Jungs, weiter so. Gesundheit geht schließlich vor. Es lebe die Revolution!


Kategorie: Diverses

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