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Rampensäue

25.01.2012

Von: Stadtmensch

Oh Shit, die Überschrift trifft die Betroffenen, um die es hier geht, komplett falsch. Denn natürlich sind weder die (seit heute) Ex-Geschäftsführerin Weisband von der Piratenpartei, noch der »Ex-Blumenkohlwolkenonkel« Kachelmann echte Säue, ganz im Gegenteil.

Man möchte ihnen alles Gute wünschen. Beide haben offenbar am eigenen Leib erfahren, dass fortgesetzte Medienpräsenz bei den meisten Menschen zu unangenehmen Nebenwirkungen führen kann. Berühmt oder auch nur prominent zu sein, ist nämlich ein zweischneidiges Gesicht, ein schweres Schaf sozusagen.

Im ersten Fall - nämlich dem von Ex-Piraten-Geschäftsführerin Marina Weisband gibt es ein sympathisches Interview bei Spiegel-Online, in dem sie zwar von einer »Doppelbelastung« spricht, die aber ganz entgegen der üblichen Bedeutung dieses Wortes auch noch mit Substanz gefüllt ist. Denn sie fühlte sich zerrissen zwischen den Belastungen, die eine solch prominente Position und der unerwartete Rummel um die Piraten mit sich brachten. Schließlich verrät sie auch einiges über das Räderwerk »Medien«:

 

Ich habe viel Hilfe [von den Piraten] bekommen, aber es gibt einiges, was ich nicht abgeben kann. Ich kann die Entscheidungen der Bundesvorsitzenden nicht wegdelegieren, ebensowenig meine Medienauftritte. Es ist teilweise so gewesen, dass ich in eine Sendung eingeladen wurde - und wenn ich Ersatz angeboten habe, wurde er nicht genommen. Sondern sie wollten nur mich.

 

»Doppelbelastung« war eigentlich bisher einer der zentralen Krampfbegriffe aus dem bundesdeutschen Feministinnen-Slang. Das ging ungefähr so: Während Männer sich lustig auffer Arbeit verlustieren, mit dem Chef tagsüber acht Stunden lang Skat kloppen und anschließend mit ihm in den Puff gehen, müssen die armen Hausfrauen zu Hause alles alleine stemmen: Kinder, Küche und evt. sogar einen Teilzeitjob. Und das, obwohl sie seit Jahrmillionen zum Kinderkriegen gezwungen werden und obwohl sie das nie wollten. Unerhört ist das vom Patriarchat!

Im Fall Weisband macht aber das Wort »Doppelbelastung« tatsächlich was her, denn man nimmt ihr durchaus ab, dass es bei der Zusammenkunft von Parteiarbeit, gleichzeitiger Diplomarbeit und der voyeuristischen Gier der Medien nach einer vorzeigbaren Frau in ihren inflationären, allesamt schnatterhaften Talkshows schnell zu persönlichen Engpässen gekommen ist.

Erfreulich ist außerdem, dass sie sich auch nicht dazu hinreißen ließ, eines der Lieblingssymbole feministischer Verwirrungen - nämlich das nervötende Insistieren auf der Bezeichnung »Piratin« - in ihren Sprachgebrauch aufzunehmen. Wir erinnern uns noch sehr genau an die geifernden Artikel, die die Berliner TAZ gegen den »Testosteronüberschuss« bei den Piraten lostrat. Wenn dies nun Rückschlüsse auf die allgemeine Verfasstheit der Piratenpartei in Sachen Genderidiotie und Femischismus andeutet, will ich die Piratenpartei zukünftig nicht mehr Penatenpartei nennen, versprochen. Wobei, lustiger isses schon. Ich überlege noch.

Wie hört sich das denn auch an: »Setzt die Segel, ihr stinkenden Landrattinnen und Landratten! Holt die Anker ein, ihr Deckaffinnen und Deckaffen!«

Der zweite Promi, um den es hier geht, ist ebenfalls ein von den sensationslüsternen Medien Getriebener: Jörg Kachelmann. Er will nämlich wieder das Wetter im Fernsehen - zumindest regional - präsentieren, auch wenn er sich das zunächst nach dem unsäglichen Prozess, den er in Mannheim erdulden musste, selber verboten hatte. Natürlich muss Spiegel-Online fast bedauernd darauf hinweisen, dass Kachelmann »aus Mangel an Beweisen« vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen wurde. Dabei hatten sich seinerzeit viele Medien (okay, der Spiegel schlitterte haarscharf an einer Vorverurteilung vorbei) anständig Mühe gegeben, die berufliche Existenz dieses Mannes zu vernichten. Insbesondere diese feministische Dampfwalze, deren dunklen Namen ich doch glatt vergessen habe, tat sich dabei mit einer besonderen Boshaftigkeit hervor.

Insider und andere potenzielle Vergewaltiger wussten schon länger, dass Kachelmann nicht vom Wetter lassen konnte. Nach seiner größten Lebenserfahrung in Mannheim (und mutmaßlich mehreren bewusstseinerweiternden Folgeerscheinungen während dieser Zeit) wuselte er schon bald wieder bei YouTube, Wordpress, Twitter und dem nutzlosen »Gesichtsbuch« mit seinen Wetterprognosen herum. Und dort konnte er sich auch relativ frei gebärden: Der von der BILD-Zeitung angekündigte Horrorwinter 2011/2012 wurde von Kachelmann eben dort genüsslich seziert.

Die Mainstream-Medien sind eine einzige Lotterbude, ein Haifischbecken sondergleichen. Es geht nicht um Wahrhaftigkeit, es geht nicht um die Aufdeckung bzw. Entlarvung demokratischer Sonnenkönige, und es geht nur äußerlich um Information. Es geht um - welche Überraschung - um Geld. Umso erfreulicher ist es, wenn diese zwei Menschen der drohenden medialen Verheizung ihr persönliches Statement entgegensetzen, wenn sie sich den üblichen Zugriffsversuchen sensationslüsterner Schreiberlinge entziehen und sich ihre persönliche Integrität bewahren. Speziell im Fall Marina Weisband kann man sogar erkennen: Frauen können das auch.

 

 


Kategorie: Politik, Gesellschaft, Diverses

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