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Der schöne Schein, durch den Router betrachtet

02.03.2012

Von: Stadtmensch

Wenn man so die neuesten Infohappen seines Newsreaders überfliegt, erscheint die bunte Nachrichtenwelt schon ein bisschen gaga (nein, nicht DIE Gaga). Eine Meldung lautet z.B. »Euro gerettet« und gleich die nächste zittert »Euro in höchster Gefahr«. Das ist normal so. Am normalsten ist das allerdings, wenn man neueste Nachrichten aus dem Fabelland der Bessermenschinnen liest, denn dort ist es die Regel und fällt bei mir regelmäßig in das Hirnareal »unfreiwillige Situationskomik«.

Die Zeitschrift »Elle« (das ist das französische Wort für eine veraltete Maßeinheit) macht schon seit Jahren tiefgründige Studien darüber, warum Männer und Frauen nicht zusammenkommen. In der aktuellen Studie haben sie sich nun endlich zum Kern jedes zwischengeschlechtlichen Problems durchgerungen, nämlich: Männer sind doof. Das schreiben sie zwar nicht wörtlich, aber sie meinen es. Denn zwischen solchen blümeranten Analysen wie »Männer sind verunsichert« und »Nett, witzig, erfolgreich: Frauen haben viele Ansprüche« gibt es inhaltlich wenig Substanzielles zu vermelden. Dazu noch eine Prise Biologismus wie »Frauen suchen den Ernährertypen« und fertig ist das übliche sinnbefreite Gewäsch, wie moderne Männer nach dem Dafürhalten der holden Weiberschaft bitte schön zu sein haben. Sie könnten ja mal die Männer fragen, was die von solchen fachfraulichen Analysen küchenpsychologischer Prägung so halten; tun sie aber nie. Die moderne Frau tut das, was Generationen von egozentrierten Plaudertaschen vor ihnen auch schon den Mann fragten: Was bietet er mir?

Hm. Hat der Mann - irgendein Mann - eigentlich eine Bringschuld den Frauen gegenüber, so wie jede Leistung durch eine Gegenleistung kompensiert wird? Was leisten eigentlich moderne Frauen zum zwischengeschlechtlichen Glück außer »Aussehen« und »Forderungen«?

Wie neulich schon berichtet, erwarten Frauen zum Beispiel, dass sie von Männern erobert werden - und das obwohl sie doch unsagbar emanzipiert und selbständig sind. Gleichzeitig wundern sie sich, dass der moderne Mann der modernen Frau plötzlich doch nicht mehr sofort hinterher läuft, obwohl sie (wie eh und je) vollkommen benebelt ist von ihrer vaginalen Omnipräsenz.

 

Achja, die gute alte Emanzipation: Einerseits besaufen sich die Damen an ihrer universellen Überlegenheit, die ihnen von allen möglichen Gazetten den lieben langen Tag eingetrichtert wird, andererseits verhalten sie sich »wie Mädchen«, wenn sie davon ausgehen, dass der Mann immer das Stöckchen holen geht, das sie ihm in Form von allerlei künstlich aufgepimpten, weiblichen Attributen hinwerfen. Und nochmal zum Mitschreiben: Hinterfragen bzw. Selbstreflektion is nich bei den allermeisten Weibern. Nein, es ist wirklich so primitiv, wie es ausschaut, und das kann einem heutzutage öfter mal das grundsätzliche Interesse versauen. Jedenfalls öfter, als wiederum den modernen Frauen lieb ist.

Womit wir auch gleich bei der nächsten Meldung sind: Schönheits-OPs für frischgebackene Mütter. Es mag mich gerne jemand eines Besseren belehren, aber ich kenne persönlich überhaupt gar keinen Mann, der Interesse an so einer gelifteten Frankensteinbraut hat, egal ob sie sich nun wegen einer Schwangerschaft aufschnippeln lässt oder nicht.

 

Okay, bestimmte Photoshop-Qualitäten, die man in heutzutage überall findet, passen rein layouttechnisch durchaus zu den diversen Hochglanzzeitschriften moderner Prägung. Das kann man sich schon mal gerne im Vorbeigehen anschauen; ist in Ordnung. Aber ein solches elektrisch gepinseltes Bildnis rangiert, wenn es einem dann in der realen Welt als Aggregatzustand »Frau« begegnet, auf der gleichen Lebendigkeitsstufe wie eben ein Farbklecks, ein schöner Rahmen, eine nette Typografie usw. Läuft einem in deutschen Fußgängerzonen ein derart aufgedonnertes Girl über den Weg (»a dress stuffed with emptiness«), fällt es schwer, sich vorzustellen, dass neben dem ganzen Lametta, das hier so aufdringlich zur Schau gestellt wird, auch noch Dinge existieren, die gewisse menschliche Züge aufweisen. An Mördertitten, zweideutigen Posen oder knappen Klamotten auf der Grenze zur Nuttigkeit hat man sich innerhalb von Sekunden satt gesehen, zumal die so Dekorierten sich ja auch nur in Nuancen unterscheiden. Soviel Auswahl haben Deichmann oder C&A ja nun auch wieder nicht, und somit hat dieser skurrile Bodytalk etwas merkwürdig alienhaftes. Geht es nämlich um so langweilige Dinge wie Zusammenhalt, gegenseitige Fürsorge, Familiensinn, Empathie oder - ich trau mich kaum, es zu nennen - Liebe, dann hat die schnöde Optik eine extrem kurze Halbwertzeit. Könnte es sein, dass die männliche Unwilligkeit, sich auf wandelnde Schaufensterpuppen einzulassen in Zeiten von »DSDS«, »Next Top Moddel« und ähnlichem oberflächlichem Dreck, vielleicht ein bisschen damit zu tun hat, dass Männer spüren: »Außer schönem Schein ist da nicht viel«? Nicht, dass ich erwarten würde, dass ihr mal drüber nachdenkt, Ladys. Ich mein ja nur, weil ihr immer »Männer verunsichert« rumplärrt. Anders formuliert: Schöne Haare auf dem Kopf stehen im krassen Gegensatz zu den schönen Haaren, die der Mann dann später ständig auf dem gefliesten Badezimmerboden wiederfindet.

Es ist, wie es ist: Eine Tusse, deren Gedanken mit der Präsentation nonverbaler Fremdbeschmückung bis zum Anschlag ausgelastet sind, hat wenig überzeugende Argumente dafür, dass ein Mann sich für sie ins Zeug schmeißen müsste. Dazu ist ihre Außendarstellung viel zu inflationär und ihre kulturelle Relevanz einfach zu marginal. Selbst das tollste Makeup der Marke »Guckmichan« kann den Eindruck nicht überdecken, dass hier mit Taschenspielertricks die reine Suggestion betrieben wird. Apropos: Der »Taschenspielertrick« besteht im »Kindchenschema«, also u.a. eine (teils clownesk) überbetonte Augenpartie, die dem Gegenüber Beschützerinstinkte abverlangt. Das funktioniert sogar bei Erdferkeln oder Alligatoren, ist also ein sehr altes evolutionäres Phänomen.


Kategorie: Diverses

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