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Es geht ein Gespenst um in Europa

24.04.2014

Doch diesmal ist es nicht der Kommunismus, sondern das, was einfach gestrickte Geister als sein Gegenteil vermuten: Der »Rechtspopulismus«.

Bestimmte politische Beschwörungsformeln werden nur allzu gern zitiert, wenn selbst ernannte Wahrheitswächter Abweichungen von der »richtigen« Meinung entdeckt haben. Besonders eindrucksvoll personifiziert sich das derzeit in der Gestalt einer schon lange abgewickelten Ex-GrünIn namens Jutta Ditfuhrt. Die lässt im Moment nichts unversucht, verschiedene Journalisten wie Jürgen Elsässer, Ken Jebsen oder Lars Mährholz madig zu machen - und vor allem in rechte Ecke zu stellen. Nun muss man nicht alles gut finden, was diese angeblich »rechtspopulistischen« Actionfiguren so von sich geben.

 

Im konkreten Fall werten sie durch ihr (nachvollziehbares) Dagegenhalten die Ditfuhrt wahrscheinlich über Gebühr auf; eine vielleicht unnötige Aufmerksamkeit, die sie sich Ditfurth im Grunde erst noch verdienen müsste.

 

Der Grund für die jüngst entdeckte Feindschaft zwischen Jebsen und Ditfuhrt kam übrigens so zustande: Die Jutta hat den Ken auf Facebook wieder entfreundet, weil der öfter mal mit diesem Jürgen Elsässer redet. Und Elsässer ist quasi ein Verräter, deutet Jutta an. Immerhin, kichert sie gekünstelt in einem Interview, war der Jürgen mal Kommunist. Inzwischen würde er aber mit Leuten verkehren, die alles Übel der Welt auf die amerikanische Notenbank FED und damit auf das »Weltjudentum« schieben. Alles rechtsesoterische Antisemiten! In einem bundesdeutschen Durchschnittsgehirn mit dem politischen Fassungsvermögen vom Umfang einer Bild-Zeitungskolumne hinterlässt das natürlich sofort die Kurzschlussreaktion, dass jeder, der etwas an der Geldpolitik oder an diversen US-amerikanischen Folgeproblemen zu kritteln hat, mit bösen Nazis gleichzusetzen ist. So kalkuliert man jedenfalls an den Schaltstellen der Macht. Es gab mal Zeiten, da haben sich sogar Grüne (oder eben Ex-Grüne) sehr viel differenzierter über die große, weite Welt geäußert. Lang ist's her, seufz.

Elsässer und Jebsen sind sich aber auch - wie sagt man im Rheinland so treffend - für nix fies. Zum Beispiel hat Jürgen Elsässer neulich ein sehr langes, spannendes Interview mit dem Historiker Daniele Ganser und dem Buhmann aus den 1970er/80er Jahren namens Karlheinz Hoffmann geführt. Genau, der mit der ominösen »Wehrsportgruppe Hoffmann«. Interessant war in diesem Zusammenhang, dass das Bombenattentat am 26. September 1980 beim Münchener Oktoberfest (13 Tote) bis heute von den offiziellen Stellen als Tat eines verrückten Einzeltäters dargestellt wird. Nach dem o.g. Youtube-Video bekommt man allerdings einen etwas anderen Blick auf die damaligen Umstände. Stichwort hier: Gladio bzw. NATO-Stay-Behind-Truppen. Sehenswert.

Ebenfalls sehenswert ist ein weiteres Interview mit Dr. Ganser und Ken Jebsen über die eigentlichen Gründe verschiedener Kriegseinsätze. Für manche mag das abgelutscht klingen, weil diese Kriegsgründe jedem Informationshungrigen und Geschichtsinteressierten sowieso förmlich ins Auge springen. Aber Dr. Ganser beschrieb einen Mechanismus, den die Raffgierigen dieser Welt nicht verlässlich kalkulieren können: Glaubwürdigkeit. Oder blumig formuliert: Es ist nicht so einfach, die »Dienstleistung Krieg« zu verkaufen.

 

Es gelingt wohl, alle Menschen einige Zeit und einige Menschen allezeit, aber niemals alle Menschen alle Zeit zum Narren zu halten.
(Abraham Lincoln)

 

Diesem geflügelten Wort von Abe Lincoln muss man eigentlich das Bonmot des noch berühmteren fränkischen Kabarettisten Rolf Miller zur Seite stellen: »Wer lügt, braucht a guts Gedächtnis«. Obwohl die Zensurversuche gegenüber unbequemen Meinungen mannigfaltig sind, ist die Nervosität der Gesinnungsterroristen aus den Systemmedien oder aus den hoheitlichen Elfenbeintürmen der Politik förmlich greifbar. Das Ansehen von Journalisten und Politikern dümpelt, wenn man die Kommentarspalten der Online-Gazetten liest, ungefähr zwischen »Hütchenspieler« und »Zuhälter«. Womit wir natürlich gleich bei meinen Lieblingsfeinden, den Femis wären, die ja ebenfalls mit Rückenwind aus Politik und Systemmedien blind durch die Gegend segeln. Denn auch Antifeministen gelten nach etablierter Gesinnung als notorisch rechtslastig (s. die feministischen Dampfplauderer Kemper, Rosenbrock). Man muss allerdings oft staunen, auf welch schlampiger Argumentationsgrundlage solche Killerphrasen basieren. Manchmal ärgere ich mich regelrecht, dass die Kritik der Heilswächter des Feminismus (oder eben jede andere vorkonfektionierte Konsensmeinung) auf einem derart erbärmlichen Niveau daher kommt. Das allein ist schon ein intellektueller Affront. Ein solches Niveau kriegt auch eine Jahrgangsstufe 10 zustande.

Zu behaupten, dass »die Wahrheit sich immer durchsetzt«, ist natürlich angesichts des meinungspolitisch waidwunden Gesinnungsapparates nur eine trügerische Sicherheit. Denn diese Leute haben etwas zu verlieren und werden nichts unversucht lassen, jede unliebsame Kritik zu ersticken. Aus Opportunitätsgründen wurde z.B. über die neue Montagsdemo der ach so gefährlichen »Rechtspopulisten« in unseren armseligen Qualitätsmedien lautstark geschwiegen. Inzwischen ist allerdings ein Siedepunkt erreicht, der sich wahrscheinlich nicht mehr lange kontrollieren halten lässt. Interessant ist, dass in diesem Kontext die klassischen Links-Rechts-Schubladen weder dazu taugen, die Beteiligten zu charakterisieren, noch deren politische Aussagen zu stigmatisieren. Nicht mal bei der Beurteilung der Parteien im allgemeinen funktioniert dieser Kunstgriff noch. Insbesondere sind die Parteien, die sich lange Zeit selbsterklärten »emanzipatorischen« Zielen verschrieben hatten, inzwischen ihrerseits zu Reaktionären geworden. Die moralinsauren Grünen z.B. verharren seit Jahren im Gouvernantenmodus und haben nicht zuletzt durch ihren »völkerrechtswidrigen Krieg in Jugoslawien« (Gerhard Schröder in einem kürzlichen Interview) ihren ursprünglichen Kern verraten. Aber auch bei den anderen Parteien fällt es schwer, Gestaltungswillen, der über das Sichern eigener Pfründe hinaus geht, auszumachen. Insofern ist es nur logisch, dass auch der »neurechte Protest« ungewohnte Koalitionen bzw. Konstellationen auf den Weg bringt. Bezüglich der politischen Unschärfen, die dabei auftreten, hat insbesondere die Linke (wenn man denn diesen »Retro-Begriff« benutzen will) einen eklatanten diskursiven Nachholbedarf bei der Beurteilung der politischen Gesamtlage.

Wer sich ein eigenes Bild über die bösen »Neurechten« machen möchte, dem seien die Redebeiträge auf der letzten Montagsdemo in Berlin empfohlen. Dort kann man sich - frei von irgendwelchen dumpfen Ditfurthschen Gedankenblähungen - alles im Original anhören. Ich wünsche allseits viele Anregungen daraus. Für ein tiefergehendes Studium der Beweggründe dieser Redner gibt es außerdem die »Wissensmanufaktur«.

 

Und wie meistens noch was zum Schmunzeln:

 


Kategorie: Politik, Gesellschaft

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Ich bin krank.

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