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»Danke, Feminismus!«

27.03.2014

Das ist das kurze Bekenntnis eines Kommentators in einem englischsprachigen Blog. In dem Fall hat er sogar Recht.

Was vielen Männern nicht bewusst ist, ist die Tatsache, dass das Ende des Patriarchats gut für sie ist. Frauen können nun alles selber. Sie können zur Schule gehen, arbeiten gehen, ihre eigenen Kinder erziehen, Kriege ausfechten, ihren eigenen Haushalt führen und ihren Rasen selber mähen - all das mit minimaler oder gar keiner Unterstützung durch Männer. Zum Glück sind einige meiner »Fehler« abgetrieben worden, weshalb ich zu 100 % hinter den Abtreibungsrechten für Frauen stehe.

Ich habe einen gut bezahlten Job, eine super Ausbildung, habe mein eigenes Zuhause und habe gegenüber niemandem Verpflichtungen außer mir selbst. Das alles hat mir der Feminismus ermöglicht. In früheren Zeiten hätte ich aufgrund patriarchalischer Überzeugungen keine andere Chance gehabt, als Vater zu werden und für eine Familie zu sorgen (ein anderer Lebensweg hätte damals fortdauernde Ächtung bedeutet). Für mich hört sich das nicht nach einem großartigen Leben an. Heutzutage gibt es glücklicherweise keinerlei Druck, Ehemann oder Vater zu werden. Nicht mal im Hinblick auf Sex muss man sich noch um eine Heirat bemühen. Es könnte kaum besser laufen, Leute! Denkt mal drüber nach!

Ich würde mich nicht unbedingt als Feminist bezeichnen, aber trotzdem. Wenn Frauen diesen ganzen Mist wollen, lasst sie doch. Sie haben Recht damit, das Patriarchat zu Fall bringen zu wollen. Denn es bedeutet nicht nur das Ende der Unterdrückung für sie, sondern auch für uns. Denkt mal nach!

Als Mann bin ich für den Feminismus dankbar. Ihr habt mein Leben einfacher gemacht. Danke, Femistinnen! Danke, danke, danke!

 

Muss man so einen Kommentar noch kommentieren? Eigentlich nicht, denn er spricht für sich selbst. Aus Sicht dieses Mannes ist die Argumentation schlüssig.

Darauf gestoßen bin ich übrigens über einen Videobeitrag des Kanadiers »Sandman«, der sich zur MGTOW-Bewegung zählt (»Men Go Their Own Way«), also zu der Sorte Männer, die sich um die vielen Sorgen der Frauen bezüglich ihrer Bindungs-/Kinderwünsche nicht schert und einfach ihr maskulines Ding durchzieht - ohne festgezurrte Partnerschaften und vor allem ohne Ehe. Oder sarkastisch formuliert: Diese Männer haben nichts gegen Frauen. Es ist viel schlimmer. Sie sind ihnen egal.

Sandman berichtet weiterhin von einer »After Work-/Single-Party« einer Firma aus seinem Bürogebäude, zu der er ebenfalls eingeladen war. Erstaunt musste er feststellen, dass das Verhältnis von Frauen zu Männern auf dieser Party 150:3 betrug. Nein, das ist kein Schreibfehler. Außerdem beklagte sich bei ihm neulich eine wirklich (nach üblichen Katalogmaßstäben) hübsche Frau bei ihm, dass von zehn Männern, denen sie in der jüngeren Vergangenheit ihre Telefonnummer gegeben hatte, kein einziger angerufen hatte. Sie verstand es nicht. Ihr Traum war, zu heiraten und Kinder zu bekommen. Sandman erklärte ihr ohne falsche Rücksichtnahme auf ihre selbstbemitleidende Einsamkeit, dass das Thema Heirat für Männer dank der bekannten Gesetzgebung (die sich in Nordamerika anscheinend kaum von unserer unterscheidet) ein Hochrisikogeschäft ist. Männer riskieren, so Sandman, dass sie mindestens 50 % von dem, was sie in ihrem bisherigen Leben erwirtschaftet haben, bei einer Scheidung verlieren. Hinzu kommt noch das Risiko, von den eigenen Kindern völlig entfremdet zu werden.

Eine Bestätigung des Phänomens der Bindungsunwilligkeit von Männern ergibt sich auch aus einem Artikel, der eigentlich aus einer konträr anderen Ecke zusammengeschrieben wurde. In einer für die Zeit-Online typischen, feministischen Quengelei stellt die Autorin u.a. die Frage, warum bei der Erhebung von Daten zur Familienplanung nie die Männer bzw. deren Wünsche zur Sprache kommen:

 

Wo ist der Mann, der sich selbst zum Thema macht? Nein, die Männer schweigen vornehm zum Rollenschlamassel, regieren weiter die Welt, führen die Konzerne, machen die Kohle, als wäre nichts gewesen, während Frauen sich gegenseitig vorwerfen, das mit der Ehe und dem Kinderkriegen nicht auf die Reihe zu bekommen.

 

Mal ehrlich, Frauen, das solltet ihr eigentlich inzwischen wissen: Wenn es etwas gibt, mit dem man Männer zuverlässig in die Flucht schlagen kann, dann sind es ergebnislose Gefühlsduseleien über irgendwelche »Rollenschlamassel, #Aufschreie oder Biofraß«. Kein Mann, der noch einen Funken Selbstwertgefühl in sich spürt, wird solche zickentypische Nabelschauen freiwillig mitmachen wollen. (Und falls doch, dann wird das aber eine sehr langweilige Nacht.) Denn diese deprimierenden »Gespräche vor dem Beischlaf« über die feministischen Befindlichkeiten einer Frau sind ja keine Diskussion im eigentlichen Sinn, sondern eher ein »Monolog mit dem Mann«.

Jaja, die gesellschaftlichen Zwänge beim Rollenbild der Frau; kennen wir. Schlimme Sache. Leider vergessen die Frauen an der feministischen Klagemauer, dass »die Gesellschaft« im Grunde sie selber sind - und keine sinistre Macht, die heimlich ihren Rollenvoodoo über unschuldige, willenlose Frauen ausbreitet. Sollen wir mal nachzählen, wer Frauen am häufigsten für ihr Rollenverhalten kritisiert? Meine Prognose: Es sind nicht die Männer.

Wie auch immer: Ich erkläre feierlich die Zeiten, in denen bindungsunwillige Männer als eigenbrödlerische Einzelgänger übersehen wurden, für beendet. Ab sofort handelt es sich bei dem Phänomen »Bindungsunwilligkeit« nicht mehr nur um die singuläre Ignoranz vermeintlich attraktiver Frauen durch einen bestimmten Mann, sondern um eine komplette Bürgerbewegung - ausdrücklich ohne Binnen-I. Was in Sandmans Youtube-Kanal im Hinblick auf die erfrischend unorganisierte Bewegung angesprochen wurde, ist die Tatsache, dass Männer, die sich bewusst für MGTOW entschieden haben, für langfristige Partnerschaften so rein gar nicht mehr in Frage kommen. DAS fände ich dann mal ein interessantes Genderthema - und nicht diese überflüssigen Diskussionen, ob die Farbe Pink auf die Liste der Kriegsverbrechen gesetzt werden muss. Man kann jedenfalls MGTOW-Männer nicht mehr umdrehen und folglich auch nicht als Ehezombies nutzen. Danke, Feminismus!

So betrachtet, gehören die Worte »Geek« und »Nerd« eigentlich zum Weltkulturerbe. MGTOW-Männer müssten sogar den Friedensnobelpreis bekommen, weil sie aktiv an der Beseitigung der weltweiten Überbevölkerung mitarbeiten. Und da sie sich dieser Tretmühle »Beziehungsarbeit« erfolgreich enthalten (ohne dabei auf gewisse Amusements zu verzichten) verlieren die Frauen bei solchen Tüpen irgendwie an... Macht. Das mögen Frauen nicht. Also überhaupt nicht.

Wo das alles hinführen soll? Keine Ahnung. »Die Haare schön« reicht jedenfalls nicht mehr, um verlässliche Partnerschaften an den Start zu kriegen. Nichts ist so vergänglich wie der Menschen »Schönheit« im alltäglichen Alltag, führwahr. Es ist einigermaßen spannend (aber nicht lebenswichtig), ob sich Frauen zukünftig auf ihre anderen menschlichen Eigenschaften besinnen, um das Herz ihres Traumprinzen zu erobern, wie z.B. Empathie, Kameradschaftlichkeit, Verlässlichkeit - oder mit dem Allroundattribut »Liebe«. Leider war »Liebe« bisher meistens nur eine Art Ratespiel, in dem der gewöhnliche Mann sich ausschweifend mit der Frage beschäftigen sollte, was er denn tun kann, um seine Holde der sedierenden Glückseligkeit zu überführen. Eine etwas einseitige, relativ narzisstische Angelegenheit also. Von der Liebesfähigkeit der Männer bleibt im Bewusstsein der Frauen meistens nur »das Eine« übrig; die Bandbreite empathischer Einschätzungen der Frauen gegenüber Männern ist demnach eher schmalspurig als wohlwollend. In dem Zusammenhang komme ich - typisch Mann - mal wieder nicht an Schmuddelthemen vorbei. Aber ich muss es trotzdem sagen: Die Aussage, Männer seien nur an dem Einen interessiert, ist eben nicht nur ein Zeugnis eingeschränkter Menschenkenntnis. Sie ist in ihrer Schlichtheit mindestens sträflich dumm, wenn nicht sogar boshaft. Denn erstens gibt es gar keinen systembedingten, prinzipiellen Widerspruch zwischen sexuellen/intimen Wünschen und dem Faktor »Liebe«. Zweitens sollen sogar Frauen ab und an sexuelle Wünsche verspüren, habe ich mir sagen lassen. Und drittens ist die weibliche Vereinnahmung der Definitionshoheit in Liebesangelegenheiten gerade genau nicht liebenswert, sondern eine versteckte Ankündigung zum Psychoterror.

 

 


Kategorie: Male, Female

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