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Abgrenzeritis

09.12.2015

Genderkongresse und ihre Auswirkungen

Das Szenario: Ein Kongress in Nürnberg, auf dem einmal mehr über die allgemeine männerpolitische Marschrichtung parliert wurde. Der erste Kommentar, den man dazu lesen konnte, stammt von Arne Hoffmann auf »Alles Evolution« und er macht zunächst mal klar, dass sämtliche Blogger, die sich mit dem Geschlechterthema auseinandersetzen, eigentlich überflüssig sind, da er sie nicht zu Aktiven zählt. Er rechnet sich (zusammen mit einem gewissen Herrn Rosenkranz im selben Kommentarbereich) zu den wenigen Auserwählten, die männerpolitische Themen repräsentieren dürfen. Maßgeblich für die männerpolitische Diskussion sind folglich nur die, die sich dem Diktum und dem Personenkreis des genannten Genderkongresses in Nürnberg unterordnen.

Dass die angeblich so nutzlose Bloggerszene – von Hoffmann mit überflüssigen Tiervergleichen bedacht und von Rosenkranz im aggressiven Ton abgekanzelt – jemals gegen die selbst erklärten Gralshüter der Männerbewegung in dieser Art und Weise Gift versprüht hat, wäre mir neu. Ich darf mal daran erinnern, dass »der Feind der Männerbewegten« gewiss nicht in den diversen Blogs zu finden ist und es ein tragendes Element von Demokratie ist, eine freie Meinungsäußerung zu praktizieren und vor allem zu respektieren. Denn eine Kritik wie die an der Blogosphäre, die derart fundamental und diskreditierend auftritt, lässt sich problemlos in jede Richtung ausweiten, unter anderem auch für die Institutionen und Einzelvertreter, die meinen, die ultimativen Posterboys in männerpolitischen Fragen zu sein.

Aber es gibt noch weitere Klassiker in dieser schon seit einigen Jahren schwelenden Auseinandersetzung. Hoffmann und einige andere empfehlen mit einer regelmäßigen Penetranz die Veröffentlichung von Klarnamen der Diskussionsbeteiligten, ohne die nach ihrer Einschätzung keine fundierte Meinungsäußerung statthaft ist. Das ist einigermaßen skurril. Tatsächlich ist die Etablierung männerpolitischer Anliegen in der Öffentlichkeit seit jeher ein aussichtsloses Unterfangen. Keine einzige politische Partei befasst sich in der gebotenen Schärfe mit den Problemen von Männern – für Frauensorgen hat man dagegen bekanntermaßen immer ein Ohr offen. Was das Bekenntnis zur Klarnamenpflicht in diesem Zusammenhang besser machen soll, erschließt sich mir nicht. Es gibt im Gegenteil unzählige Beispiele, die zeigen, dass ein öffentliches Bekenntnis zu abweichenden Meinungen im Bereich Gender sehr schnell zur Existenzbedrohung werden kann. Die Taktiken, mit denen Abweichler von der veröffentlichten Meinung sanktioniert werden, unterscheiden sich im Ergebnis (z.B. Jobverlust oder Karrierebruch) nicht so sehr von denen, wie sie auch in der DDR vorhanden waren. Mal abgesehen davon, dass sowieso nicht jeder den Mut aufbringt, den männerbewegten Guerillero zu machen, ist es außerdem ziemlich narzisstisch, die Ineffizienz von männerpolitischen Institutionen oder Vereinigungen damit zu verklären, dass einige Debattierer der Szene »nicht mit offenem Visier kämpfen«. Denn das kann man so konstatieren: Keiner einzigen institutionalisierten Körperschaft ist es zwischenzeitlich gelungen, den Nischenstatus von Männerpolitik merkbar zu revidieren. Gründe dafür gibt es einige, aber ich kann hier nicht auf alle eingehen. Den umfassendsten Erklärungsansatz, warum das so ist, habe ich übrigens bei Jan Deichmohle gefunden (hier und hier zum Beispiel – sofern man in der Lage ist, das dort Gesagte in den Alltag zu übersetzen. Doch die »Klarnamenpflicht«, wie sie von einigen wenigen verlangt wird, ist mit Sicherheit das kleinste Problem in diesem Zusammenhang.

Meine eigene Erfahrung vor einigen Jahren mit einer männerpolitischen Vertretung waren ebenfalls sehr durchwachsen, um es mal moderat zu formulieren. Mir würde aber nie in den Sinn kommen, die damaligen internen Reibungsverluste zum grundsätzlichen Stigma der männerpolitischen Vereine oder Organisationen zu erheben, so wie es Hoffmann und andere ihrerseits gegenüber Bloggern der Manosphere suggerieren.

 

Ebenso ärgerlich (weil ressourcenbindend) sind die leidigen Links-Rechts-Debatten in allen männerpolitischen Palaverrunden – ein scheinbar unausrottbarer Schandfleck männerpolitischer Diskussionen. Diese Art der Simplifizierung von wichtigen politischen Debatten ist allerdings kein Alleinstellungsmerkmal der rein männerpolitischen Debatten, sondern sie findet in vielen anderen politischen Themenbereichen genauso statt. Die Übergänge zwischen den Lagern und ihren Analysen zum Status Quo sind von außen betrachtet auffällig fließend und ihr jeweiliger Anteil an den Fehlschlüssen wechselt munter hin und her. Für die »klassische Linke« gilt, dass man ihnen vorwerfen muss, zu den hauptsächlichen Initiatoren und Transporteuren der feministischen Ideologie zu gehören. Für die konservative Gegenseite gilt aber genauso, dass sie die feministische Indoktrination über Jahrzehnte nur zu gerne und bereitwillig mitgetragen hat. Ich möchte in diesem Zusammenhang nur an die Namen Kohl, Süßmuth oder Geißler erinnern. Wie so oft gilt auch hier: Die Arschlöcher dieser Welt sind gerecht verteilt und völlig unabhängig von ihrer jeweiligen politischen Ausrichtung.

Der Wunsch, einem Thema mit Schablonen und Mustererkennung (hier eben Links vs. Rechts) zu begegnen, ist natürlich allzu menschlich – die menschliche Mustererkennung ist übrigens eine der Triebfedern für die Entwicklung der modernen Wissenschaften. Doch allzu oft erschweren solche Simplifizierungen in politischen Diskussionen die nötigen Lösungsansätze oder verunmöglichen sie sogar. Viel zu oft verlieren sie sich in gegenseitigen Schuldzuweisungen, unter denen keine Seite ihr Gesicht wahren kann – was allerdings spätestens seit »Die Kunst des Krieges« von Sun Tzu eine der zentralen Voraussetzungen ist, mit denen man Konflikte dauerhaft und ohne größere Kollateralschäden entschärfen kann. Zielorientiert und pragmatisch sind festgezurrte und ideologisch verfärbte Debattierrunden jedenfalls nicht, soviel kann man sagen. Insofern sind sie überflüssig oder höchstens als Freizeitvergnügen zu gebrauchen. Manchmal macht das ja zugegebenermaßen durchaus Spaß; rein sportlich betrachtet.

Ihr seht mich ziemlich angefressen angesichts der losgetretenen »Abgrenzeritis« einiger Akteure. So angefressen, dass ich das Geschlechterthema momentan am liebsten in die Ecke schmeißen würde. Es gibt eh weitaus drängendere Probleme im größeren politischen Kontext. Sobald hier eine kritische Masse überschritten wird (was abzusehen ist), wird auch das Luxusthema Feminismus samt aller Diskussionsteilnehmer immer bedeutungsloser. Oder erwartet jemand eine breite Diskussion darüber, ob demnächst unsere Soldaten in Syrien geschlechtergerecht in Szene gesetzt werden? Eben. Darauf käme ja nicht mal Alice Schwarzgeld.

 


Kategorie: Male, Female

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