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Wiedervorlage Hate Speech

23.12.2015

Wie kann der Staat Facebook an die Leine legen?

Das ist nicht so einfach, wie in einem Interview in der c't Nr. 27 zu lesen war. Dort ließen sich ein Richter namens Buermeyer und ein Extremismusexperte namens Baldauf zum Thema Hasskommentare befragen. Im Mittelpunkt stand natürlich Facebook, das für viele Grundinformierte das Äquivalent für »das Internet« darstellt. Buermeyer schlug z.B. vor, dass Facebook doch bitte ein Rankingsystem für jeden Beitrag einführen möge, das es den Mitgliedern ermöglicht, strittige oder grenzwertige Texte »dezidiert als strafrechtlich relevant zu kennzeichnen«. Er stellt sich vor, dass »ein Algorithmus« solche Markierungen für jeden Facebook-User sammelt, analyisert und auf Grundlage dieser Analyse Entscheidungen darüber trifft, »wie ernst seine Markierungen zu nehmen sind«. Welche justiziablen Schritte daraufhin ausgelöst werden sollen, sagt Buermeyer allerdings nicht. Nochmal zum Mitschreiben: Juristische Laien sollen Facebook-Beiträge nach strafrechtlicher Relevanz beurteilen und die gesammelten Kenntnisse sollen dann irgendwas auslösen, von dem noch nicht klar ist, was das sein könnte. Facebook-Sperre? Computerverbot? Öffentlicher Pranger? Vielleicht Knast? Keene Ahnung.

Hm, das klingt einigermaßen hilflos, steht aber – verglichen mit anderen hektischen Überreaktionen wie z.B. die anlasslose Vorratsdatenspeicherung – in einer gewissen »neuländischen« Tradition. Wenn man mal beiseite lässt, dass natürlich in den sozialen Netzwerken so einiges an unerträglichem Mist fabuliert wird, dann erscheinen die Vorschläge, wie man damit umzugehen hat, nicht weniger unverdaulich. Böse Zungen würden behaupten, dass die o.g. Forderungen nach »Markierungen« zu Blockwartmentalität und Zensur führen können. Manchmal reicht ja schon das Gerücht von einem Gerücht, um unliebsamen Zeitgenossen existenziell ausgiebig ans Bein zu pinkeln.

Ein allein seelig machender »Algorithmus«, mit dem ein Staat das Internet (oder wenigstens Facebook) beherrschen kann, überzeugt auch nicht wirklich. Wie im Real Life auch, muss der geliebte Staat leider bei jedem verbalen Extremisten ganz genau hinschauen. Das ist einigermaßen lästig; verstehe ich. Doch im Sinne einer halbwegs fairen Rechtsstaatlichkeit und Unvoreingenommenheit – wie z.B. der Grundsatz »in dubio pro reo« – wirkt der Holzhammer »Facebook-Algorithmus« nicht besonders vertrauenserweckend. Es ist aber auch blöd, wenn man sich immer und immer wieder mit solchen mühsamen Detailfragen rumschlagen muss, nur weil man den Leuten mal die doofe Idee von einer »Demokratie« ins Ohr geflüstert hat. Daran sind übrigens wieder mal die Amis schuld! Ups, sorry. Ich meinte natürlich Putin. Und Hitler. Nur vorsichtshalber, falls ich auf die Liste komme.

Im besagten Interview wird auch deutlich, dass in diesem meinungspolitischen Minenfeld die Frauen einmal mehr besonders betroffen sind. Denn wie Extremismusexperte Baldauf erläuterte, könnten die vom Kollegen Buermeyer verlangten »Facebook-Markierungen« missbraucht werden (wieder mal tüpisch, dass die Männer die Frauen in jeder Beziehung missbrauchen wollen).

 

Wenn Sie sich ansehen, was da zum Beispiel im Bereich Maskulinismus passiert: Männer versuchen im Schwarm, gut vernetzte Feministinnen von sozialen Plattformen zu verdrängen. Da würde ein Voting-Mechanismus zum Missbrauch geradezu einladen. Ich denke, deshalb lässt Facebook die Finger von so etwas, Herr Buermeyer, auch wenn es aus Ihrer juristischen Perspektive vielleicht sinnvoll wäre.

 

Diese merkwürdige Betroffenheitslyrik treibt ja so einige frauenbesorgte Zeitgenossen um und gewährt dem aufmerksamen Leser einen aufschlussreichen Blick auf deren ritterliches Seelenkostüm. Sie imaginieren virtuelle Männerhorden, die sich gezielt verabreden, um den armen, zart besaiteten Frauen ihr schönes Wohlfühl-Internet kaputt zu machen. So eine dolle Idee wie der Feminismus verträgt nämlich per Definition keinen Widerspruch, sonst funktioniert er nicht – das wissen die bösen MaskulinistInnen ganz genau. Und außerdem ist der Feminismus ja irgendwie Staatsdoktrin, so wie die GEZ-Zwangsgebühren etwa. Kann sich schließlich auch niemand aussuchen.

Immerhin ist es durchaus unterhaltsam, dass man mit wenigen frechen Widerworten ganze Feminismus-Jahrgänge auf die Palme bringen kann. I'm lovin' it! In diesem Sinne möchte ich deshalb das folgende »maskulinistische« Motto für 2016 vorschlagen: »Nur ein toter Feminismus ist ein guter Feminismus (#deadfeminism)«. Hehe.

Kommen wir zu was anderem. Wie mir aus gut informierten Kreisen berichtet wurde, ist plötzlich schon wieder Weihnachten und damit offiziell die Zeit der Besinnlichkeit und Menschenliebe ausgebrochen. Und siehe da, der Herr im Himmel wollte sogar mal eine Frau mit einer schönen Idee glänzen lassen. Carolyne Macrory rief nämlich die »#Doorstepchallenge« ins Leben. Die geht so: Such dir eine Person aus, die eine harte Zeit durchmacht und kaufe ein Geschenk für sie. Dann lege das Geschenk (groß oder klein, egal) vor deren Türe, klingle und renne schnell weg. Freue dich, wenn du ein bisschen Weihnachtsfreude verbreiten kannst, ohne etwas dafür im Gegenzug zu erwarten. Ich finde, das ist eine schöne Geste und durchaus ganzjährig ausbaubar.


Ähnlich rührend fand ich die Aktion eines TV-Senders in Atlanta. Dabei mussten sich Kinder einkommensschwacher Familien zwischen einem Geschenk für sich selbst und einem für ihre Eltern entscheiden. Seht selbst, wie dieses Experiment ausgegangen ist.

Bevor jezz noch Kitsch-Verdacht aufkommt oder die Taschentücher ausgehen, schnell noch ein weihnachtlicher Hinweis ganz anderer Natur: Brutale Elfen. Die darf man allerdings nur anguggen, wenn man ein Google-Konto hat. Herrlich böse und unanständig isses.

Wer immer noch kein Weihnachtsgeschenk hat, sollte sich mal bei »Der Postillon« umguggen. Die geliebte Bundesregierung hat nämlich einen großen Regierungs-Nacktkalender für 2016 veröffentlicht. Komisch, der Fetisch »nackte Politiker« war mir bisher noch gar nicht untergekommen. Naja, wer's mag.

Weihnachtlich geht es auch bei Stephen Colberts »Late Show«-Interview mit Robert de Niro zu. De Niro gilt als notorischer Interview-Muffel, aber Colbert wäre nicht Colbert, wenn er nicht daraus eine sehr vergnügliche Angelegenheit machen würde.

Zum Schluss noch was Historisches: Gab es ursprünglich zwei Jesusse? Das fragt sich »Der Fassadenkratzer«. Der Artikel nimmt zum Anlass, dass über Jesus' Kindheit wenig bekannt ist und die Schriftzeugnisse in diesem Zusammenhang teils widersprechende Aussagen machen. Auch in der Kunst taucht öfter das Motiv von zwei Jesuskindern auf, berichtet der Fassadenkratzer – einer der wenigen Blogger, die man trotz der üppigen Länge seiner Beiträge immer wieder gerne liest.

Wünsche euch geruhsame Tage,
Stadtmensch

 


Kategorie: Male, Female, Politik, Gesellschaft

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Kat: Diverses