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Nix Neues gibbet

21.02.2015

Zumindest, wenn man nicht hin und weg ist von den Sequels bei feministischen Wasserstandsmeldungen. Doch, eine Änderung gibbet: Es wird schriller.

Schlimm erwischt hatte es ja neulich einen gewissen feministisch konditionierten Jörg Rupp (irgendso einer von den BW-Grünen; schrubte auch mal bei WGvdL rum in grauer Vorzeit) bei seinem Rückfall in übelste patriarchalische Gewohnheiten. Er hatte sich nämlich ein Loch in den Bauch geärgert, weil die neue Magenta-FDP in Hamburg bei den letzten Bürgerschaftswahlen wieder Boden gut machen konnte. Der Lack der Kultur ist aber – wie wir alle wissen – oft nur hauchdünn, und so nörgelte Rupp bei Twitta rum, die FDP hätte ja nur wegen der »Titten« (O-Ton) und der Beine von FDP-Frontfrau Katja Suding Prozente gemacht. Deren weibliche Erscheinung war interessanterweise auch schon Tage zuvor Teil des allgemeinen Palavers. Ausgerechnet die prüde Tagesschau hatte sich nämlich eine nicht minder sexistische Kamerafahrt über den halblangen Rock und die nylonbewehrte, blickdichte Kunert-Strumpfhose von Frau Sudel, äh Suding geleistet.

Da fällt mir ein: Stehen eigentlich schon wieder diese TV-Märchenpreise (Grimme-Preis) an, so wie seinerzeit beim »#Aufschrei«-Aufschrei? Könnte ja sein, dass mal wieder ein Skandälchen gebraucht wird, das man wochenlang durch die Gazetten zerren kann. BILD sprach mit den Beinen von Frau Suding!

Suding reagierte auf die Kameraaffäre übrigens ziemlich cool mit einem lakonischen Kommentar i.S.v. »Sex sells«. Dafür ist die grüne Karriere von Herrn Rupp wie Feenstaub am feministischen Medienkartell verpufft. Er hätte es wenigstens mit »aus dem Zusammenhang gerissen« versuchen können. Denn seine devoten Entschuldigungsversuche in aller Öffentlichkeit machen es nicht nur noch peinlicher, sondern ihn auf alle Zeit unwählbar. Wer in der Politik nicht wenigstens ein Quäntchen Arroganz mitbringt, sondern sich wie ein medial verprügelter Betamann im politischen Wolfsrudel geriert, taugt höchstens noch zum Wimpel verteilen oder Plakate kleben.

Uff, das war schon ganz schön aufregend, was die geschlechterpolitischen Entwicklungen in Deutschland betrifft. Aber wenn es stimmt, dass vieles vom feministischen Unfug, den sich unser amerikanisches Brudervolk so ausdenkt, später auch bei uns eintrudelt, dann wird es bald noch schriller. Wie Bettina »Twister« Hammer auf Telepolis berichtet, gibt es neuerdings Forderungen, Studentinnen an US-Universitäten zukünftig das Waffentragen ausdrücklich zu erlauben, um sich gegen böse Vergewaltiger wehren zu können. Dieses Zitat einer republikanischen Abgeordneten von der Bauart »Mittelerde gegen die bösen Mächte« zu dem Vorhaben fand ich besonders episch:

 

»Ich frage mich, wie viele Männer sie noch vergewaltigen würden, wenn diese jungen, heißen Mädchen auf dem Campus Schusswaffen dabei hätten. [...] Die Zahl der Vergewaltigungen würde sinken, sobald diese sexuellen Räuber eine Kugel in den Kopf bekämen.«

 

Ja, wo es um die sexuelle Selbstbestimmung geht, verstehen Femis keinen Spaß. Na gut, in den meisten anderen Dingen zwar auch nicht, aber das ist jezz hier egal. Denn nicht nur in Deutschland sinken die behördlich registrierten Vergewaltigungszahlen, sondern auch in den USA. Die Jungs dort haben nämlich auch ein Internet! Das heißt: Egal, ob jezz ein potenzieller Vergewaltiger mit einer Kugel im Kopf rumläuft oder nicht, die Vergewaltigungszahlen sinken auch ohne Waffen. Ich weiß, Zahlen sind irgendwie doof und sowieso ganz patriarchalisches Zeugs. Aber mit bauchgefühlten Bedrohungsszenarien ist niemandem geholfen. Ehrlich jezz: Niemand. Und es gibt auch keinen weiblichen Friedlichkeits-Voodoo. Vergesst es.

Es wäre noch über einige andere schmuddeligen Aufreger zu berichten, wie z.B. von dieser US-Triene Emma – omen est nomen – Sulkowicz, die wochenlang aus Protest ihre Matratze über den Campus der Columbia-Universität schleppte, weil sie sich vergewaltigt fühlte. Aber nicht mal die sonst in diesen Angelegenheiten nicht gerade zimperlichen Uni-Institutionen konnten sich dazu durchringen, den Angeschuldigten rauszuschmeißen: Kein ausreichender Tatverdacht. Überhaupt: Wie blöd muss man eigentlich sein, dass man so ein wabbeliges Biest wie eine Matratze durch die Gegend trägt? Da hätten weitaus kleinere, wabbelige Objekte mit ähnlich eindeutiger Pose vollkommen ausgereicht. Typisch Frau. Kein bisschen Sinn fürs Praktische, aber immer das große Schmierentheater.

Man könnte fast meinen, dass die Töne im Geschlechterdiskurs umso schriller werden, je weniger Männer sich heutzutage an die libidonöse Leine legen lassen. Die Aufregungen um sexistische Themen (oder was Femis dafür halten) nehmen jedenfalls zu und das ist nicht nur eine Momentaufnahme, sondern ein echter Trend, der schon länger andauert. Ob nun die erfundene Gruppenvergewaltigung, von der die Zeitschrift »Rolling Stone« berichtete oder die Falschanschuldigungen gegen den vermeintlichen Zuhälter und notorisches Sexmonster Dominique Strauss-Kahn – wo immer es um Schmuddelkram geht, kriegt der weibliche Teil der Medienwelt (und seine willigen männlichen Pudel) regelmäßig Schnappatmung und Tobsuchtsanfälle.

Aber nicht mal das erfolgreiche Geschäftsmodell »50 Shades Of Grey« kann verbergen, dass die Sehnsucht nach schlüpfrigen Themen auf Frauenseite sich sozusagen reziprok zu den tatsächlichen erotischen Erlebnissen darstellt. Mit derselben stoischen Gelassenheit, mit der die Männer bereits in der Vergangenheit die üblichen feministischen Schuldzuweisungen in sexuellen Angelegenheiten ignorierten, reagieren sie nämlich auch auf die angeblich geheimen Bondage-Wünsche der Millionen Frauen. Hier haben wir ein klassisches weibliches Dilemma, denn all das Tamtam um halbseidene Themen hat ja keine erhöhte männliche Aufmerksamkeit zur Folge; sonst gäbe es die vielen einsamen Herzen in ihren Singlewohnungen, die Geburtenrückgänge, die hohen Scheidungszahlen und auch die zahllosen schlauen Bücher über erfüllte Sexleben nicht. Menschen, die sich in ihren erotischen und sexuellen Arrangements glücklich fühlen, haben ja keinen Bedarf an langatmigen Diskussionen um das »richtige« Sexverhalten. Die machen einfach. Ganz offensichtlich wird über Sex heutzutage sehr viel mehr gequasselt – die Weiber an vorderster Front – als tatsächlich im Bett rumgerutscht wird. Wenn aber immer weniger de facto passiert, dann ist das auch eine deutliche Aussage über die sexuellen Attraktionen, mit denen die Frauen gemeinhin hausieren gehen.

Mit »Look At Me«- oder »Attention Whore«-Attitüden (egal wie dick aufgetragen) kommen die emanzipiertesten Frauen aller Zeiten jedenfalls nicht vom Fleck. Das Dumme daran ist, dass es keinen weiblichen Plan B gibt. Ich meine solche banalen Dinge wie Empathie, die geschundene Floskel »Liebe«, Zuneigung und Vertrauen, Herzlichkeit und Offenheit. Muss Mann deswegen traurig sein? Aber nicht doch! Die weiblichen Forderungen nach intensiver Beglückung durch die Männer mögen zwar schrill sein, aber sie sind auch ausgesprochen schlicht und deshalb leicht zu händeln. Solange die Frauen glauben, dass männliches Desinteresse aus der »Verunsicherung der Männer gegenüber starken und selbstbewussten Frauen« geboren wurde, ist alles paletti. Es ist nicht immer von Nachteil, unterschätzt zu werden.

 


Kategorie: Politik, Gesellschaft

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